Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 15 (1937)
- Issue
- 5 (1.5.1937) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Magdeburg, Bremen, Nordwestdeutschland, Halle, Stettin, Pommern und Tilsit)
- Date
- 1937-05-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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sem Umfang auch für Köln gelten. Bei Hamburg fehlen offenbar noch Zuzugsmeldungen aus Schleswig-Holstein (s. oben). Eine eingehende Analyse der Binnenwanderung wird erst im,nächsten Quartal erfolgen können, weil dann durch den Anschluß der süddeutschen Verbände eine Gesamtübersicht ermöglicht wird. Hier sei nur die soziologische Struktur der Binnenwanderung an einigen Auszählungen veranscha ulicht. 2. Berufsgliederung der Binnenwanderung Berufsgruppe männlich weiblich zusammen % Kaufleute selbst. 306 12 318 15,0 Angestellte 172 106 278 13.1 Handwerker selbst. 61 14 75 3.5 Gehilfen 17 4 21 1.0 Arbeiter 19 3 22 1.0 Ärzte 12 5 17 OB sonstige freie Berufe 78 59 137 6.4 Hausangestellte 14 339" 353 16,6 Landwirtschaft 30 5 35 1,6 Schüler 129 64 193 9,1 Ehefrauen ohne Beruf 266 266 12,5 ohne Beruf 122 287 413 19,4 ohne Angabe 61 93 154 7- Insgesamt 1025 1257 2282 7. abzüglich »ohne Angabe» 154 2128 100,0 Auch in diesem Quartal also die schon im ersten Bericht vermerkte, auffallend starke Beteiligung der Hausangestellten und beruflosen weiblichen Personen. Etwas erhöht der Anteil der kaufmännischen Angestellten.. 3. Altersgliederung der Binnenwanderung Alter männlich weiblich zusammen % un’er 20 Jahre 272 252 524 26,3 20 — 29.Johre 232 329 561 28.1 30 — 39 Jahre 137 174 311 15.6 40 49 Jahre 86 120 206 10,3 50 Jahre und darüber 167 226 393 19.7 ohne Angabe 131 156 287 7. Insgesamt 1025 1257 2282 7abzüglich »ohne Angaoe« j 287 j j 1995! 100.0 Hier ist der überaus hohe Prozentsatz der Jahrgänge unter 20 bemerkenswert. Da diese Jahrgänge zurzeit nur rund 15'/» der jüdischen Bevölkerung umfassen und die Binnenwanderung im wesentlichen aus den Kleingemeinden in die Großstädte führt, bedeutet das erwähnte Faktum, daß die Altersschichtung in den Kleingemeinden nicht nur durch die Auswanderung (s. unten) sondern in fast noch stärkerem Maße durch die Binnenwanderung sich verschlechtert. Als Vorzug dieser vielfach tragischen Entwicklung ergibt sich eine Erleichterung der schulischen Erfassung der jüdischen Jugend, die in der Tat vielfach auch das Motiv für den Zuzug in die Großgemeinde gewesen sein dürfte. Auswanderung Die Auswanderung, zu der wir auch die „unbekannt“ und „auf- Reisen“ abgemeldeten Personen rechnen, umfaßte im Berichtsquartal 5261 Mehlungen. Berücksichtigt man, daß die vom Meldewesen in dieser Zeit nicht erfaßten Gebiete — Süddeutschland und Düsseldorf — etwa 15'/# der jüdischen Bevölkerung umfassen, und daß schätzungsweise weitere 10 •/» auf unvermeidliche Lücken des Meldewesens entfallen, so repräsentiert diese Zahl rund 75'/» der jüdischen Auswanderung aus Deutschland. Das ergibt im Vierteljahr Oktobe r—D ezember 1936 eine Gesamtauswanderung von rund 7000 Juden, bestätigt also die Schätzungen, die für 1936 mit einer Gesamtauswanderung von mindestens 24 000 Juden aus Deutschland gerechnet haben. 4. Verteilung der Auswanderung innerhalb Deutschlands Gebiet männlich weiblich zusammen Ostpreußen 53 36 89 Brandenburg 27 16 43 Pommern Grenzmark 43 4 20 1 63 5 Niederschlesien ohne Breslau 6 7 13 Oberschlesien 32 19 51 Prov. Sachsen 29 24 53 Schleswiq-Holstein 5 3 ■ 8 Prov. Hannover ohne Gern. Honn. 46 25 71 Westfalen 142 106 247 Hessen-Nassau, Bez. Kassel 97 79 176 Hessen-Nassau, Bez. Wiesbaden ohne Frankfurt a. M. 48 42 90 Rheinprovinz, ohne Köln, Düsseldorf, Essen 141 112 253 Saargebiet 10 6 16 Preußen ohne Großgemeinden 683 495 1178 Berlin 979 686 1665 Frankfurt a. M. 463 477 940 Breslau 128 83 211 Köln 187 156 343 Düsseldorf 3 1 4*1 Essen 31 18 49 Hannover (Gern.) 18 16 34 Preußen gesamt 2492 1932 4424 Anhalt 2 2 4 Birkenfeld 3 — 3 Braunschweig 7 5 12 Bremen 15 8 23 Lippe 2 2 4 Lübeck 5 3 8 Mecklenburg 2 — 2 Oldenburg 6 6 12 Thüringen 21 10 31 Preußen mit angeschlossenen Verbänden 2555 1968 4523 Land Hessen 187 161 348 Hamburg 149 106 255 Land Sachsen ohne Leipzig 46 23 69 Leipzig 34 32 66 Insgesamt 2971 2290 5261 *) Nur zufäMjae Meldungen. Düsseldorf hat das Meldeverfahren erst ab Jonuor 193/ eingeführt. Auf die 6 Großgemeinden Berlin, Frankfurt, Breslau, Hamburg, Köln, Leipzig entfalten 3480 Auswanderungen, das sind rund 66 °/o der Gesamtzahl, während diese Gemeinden nur etwa 55—60 •/» der jüdischen Bevölkerung umfassen. Die Großgemeinden erleiden also nicht nur absolut, sondern auch relativ den stärksten Auswanderungsverlust: der Weg zur Auswanderung führt über die Großgemeinde; ihr Binnenwanderungsgewinn ist nur ein scheinbarer. Besonders hoch sind die Frankfurter Zahlen, z. T. allerdings wohl auch, weil noch einige Nachmeldungen aus früheren Quartalen enthalten sind. Von besonderer Bedeutung sind angesichts der Erörterungen in der jüdischen Presse die Auswanderungsziele. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden betrachtet es als sein Verdienst, durch die Schaffung der Meldestelle für Binnen- und Auswanderung die Grundlage dafür gelegt zu haben, daß die Auswanderungspropleme frei von Wunschträumen oder Ressentiments behandelt werden, können. Die Meldestelle wird alle berufenen Instanzen immer mehr in die Lage versetzen, anstelle vager und unzuverlässiger Schätzungen sich auf fundierte Unterlagen stützen zu können, die einzig und allein die Basis für eine vernünftige, vorurteilsfreie und weitsichtige Auswanderungspolitik abgeben können. Die Tatsache, daß diese Zahlen etwa 75 '/• der Gesamtauswanderung umfassen und nach Abstimmung mit den 8