Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 15 (1937)
- Issue
- 4 (1.4.1937) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Magdeburg, Duisburg, Bremen, Nordwestdeutschland, Tilsit, Halle, Stettin und Pommern)
- Date
- 1937-04-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/10279732-10279738-10021730--612-3981335- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Handwerker und gelernte Arbeiter, nicht aber für Kaufleutc und Angehörige freier Berufe Einwanderungs- und Lebensmöglichkeiten vorhanden seien. Diese weltwirtschaftliche Tendenz, die auf eine Verbreiterung der Gütererzeogung und auf eine Vermehrung der Produzenten, zugleich aber auch auf eine •Vereinfachung und Umorganisation der Güterverteilung gerichtet ist, sollte in einer Zeit, in der viele Tausende von schulentlassenen jüdischen Jungen in Deutschland über ihren künftigen Beruf, — den sie meist im Auslande werden ausüben müssen — ihre Entscheidungen zu treffen haben, nicht unbeachtet gelassen werden. Auf demselben Vortragsabend der Weltwirtschaftlichen Gesellschaft hat Prof. Wagemann, der. bekannte Leiter des Instituts Tür Konjunkturforschung, auf die Unterschiede hingewiesen, die zwischen dem gegenwärtigen Konjunkturaufschwung und dem der Jahre 1925 bis 1929 besteht. Die vorige Periode der Hochkonjunktur war durch eine Ueberproduktion gekennzeichnet und endete, als der Verbrauch mit der allzu schnell gesteigerten Produktion nicht mehr Schritt halten konnte. Gegenwärtig dagegen herrscht ein industrieller Ueberverbrauch, der zwar durch die Aufrüstungen in fast allen Ländern hervorgerufen wurde, aber dann die Industrien der ganzen Welt angekurbelt und in vollen Gang gesetzt hat. Die hierdurch veranlaßte Mehrarbeit aber erzeugte erhöhte Kaufkraft und. dadurch einen Mehrverbrauch, der nun wieder die Erzeugung der Gebrauchsgüter in lebhafteren Gang gebracht hat. Prof. Wagemann glaubt daher, daQ die gegenwärtige weltwirtschaftliche Hochkonjunktur von längerer Dauer als die meisten früheren sein werde. Ueber die" zu erwartende weitere Entwicklung der Weltwirtschaft finden wir in einem Wochenbericht des Konjunkturinstituts recht bemerkenswerte Ausführungen. Dort werden die Ursachen aufgezeigt, aus denen eine fortdauernde starke Expansion der Gütererzeugung mit großer Wahrscheinlichkeit erwartet werden darf. Allerdings werde, so wird dort ausgeführt, die Aufwärtsbewegung der Rohstoffpreise nicht auf allen Gebieten weiter fortschreiten können, sondern sich zum mindesten verlangsamen und verflachen. Die .Preise der Fertigwaren hingegen würden dann weiter ansteigen, und so werde sich die sogenannte „Schere“ zwischen den Rohstoff¬ und den Fertigwarenpreisen zugunsten der letzteren wieder schließen. In der deutschen Wirtschaft war die jahreszeitliche Beschäftigungspause, die in jedem Winter in den Außenberufen eintritt, in diesem Jahre von sehr kurzer Dauer. Schon der Monat Februar brachte wieder eine starke Abnahme der Saisonarbeitslosigkeit. Die Zahl der bei den Arbeitsämtern gemeldeten Arbeitslosen, die Ende Januar den Stand von 1,85 Millionen erreicht hatte, sank bis Ende Februar wieder auf 1,61 Millionen, also auf ein Niveau, das um mehr als 900 000 unter dem Ende Februar 1936 festgestellten liegt. Die milde Witterung gestattete ein frühes Wiedereinsetzen der Bautätigkeit. Auch in anderen Wirtschaftszweigen, so z. B. im Bekleidungsgewerbe, macht sich die herannahende Frühjahrssaison schon belebend bemerkbar. Hierzu kommt die nach wie vor überaus starke Beschäftigungskonjunktur in fast allen Produktionsgüterindustrien. Insbesondere haben Verbrauch und Nachfrage nach Eisen und Stahl einen so hohen Grad erreicht, daß die Industrie vielfach Bestellungen nur noch mit sehr langen Lieferfristen annehmen kann. Aber auch die meisten Verbrauchsgüterindustrien sind vollbeschäftigt, so u. a. die schon erwähnten Textil- und Bekleidungs- sowie die Nahrungs- und Genußmittelindustrien. Die Umsätze des Einzelhandels waren im Jahre 1936 um 10 Prozent höher als im Vorjahr. Vergleicht man sie aber mit denen des Jahres 1933, so ergibt sich eine Umsatzsteigerung um insgesamt 31 Prozent. Allerdings sind das Durchschnittszahlen. Die Umsatzzunahme war in den einzelnen Geschäftszweigen und auch bei den verschiedenen Gruppen des Einzelhandels nicht gleichmäßig. Verfolgt man den Vergleich mit dem Jahre 1933 weiter, so zeigt sich im Jahre 1936 in den Textilwaren-Fachgeschäften eine Umsatzsteigerung um 55 Prozent, in den Möbelfachgeschäften sogar eine solche um 70 Prozent. Ueberdurchschnittlich groß war ferner die Erhöhung der Umsätze in den Fachgeschäften, in denen Bettwaren, Glas- und Porzellanwaren, Uhren sowie Tapeten verkauft werden. Die Umsätze der Waren- und Kaufhäuser sind im Gegensatz zu denen der Fachgeschäfte aus den bekannten Ursachen seit dem Jahre 1933 nicht unerheblich gesunken. Allerdings haben die Warenhäuser im Jahre 1936 etwas aufgeholt und gegenüber dem Vorjahr ebenfalls eine Umsatzsteigerung um 8,5 Prozent (die Kaufhäuser um 9,4 Proz.) erreicht. Aber auch diese relative Steigerung bleibt wieder hinter der der Umsätze des Fachhandels etwas zurück. Bemerkenswert ist, daß sich die Umsatztätigkeit der Waren- und Kaufhäuser immer mehr auf die beiden großen Warengruppen „Textilien. und Bekleidung“ sowie „Hausrat und Möbel“ verlagert. Fast die Hälfte aller Warenhausumsätze werden in Textilwaren und Bekleidung erzielt. Bei den Kaufhäusern beträgt der Anteil dieser Warengruppe an den Gesamtumsätzen sogar mehr als 80 Prozent. Auf Grund der vorliegenden statistischen Angaben läßt sich noch night mit Sicherheit sagen, ob das Vordringen des Facheinzelhandels auf Kosten der Wa ren- und Kaufhäuser nunmehr zum Stillstand gekommen ist. Immerhin haben im letzten Jahre beide Gruppen des Einzelhandels von der allgemeinen Kaufkraftsteigerung in einem nicht wesentlich unterschiedlichen Ausmaß profitiert. Dr. H. N. Von Sabbat zu Sabbat 2. Sehabbat Pessaeh, 3. April 1937. Thoravorlesung: 2. B. Moses: 13, 17—15, 26. 4. B. Moses: 28, 19—28, 25. Haftara: 2. Samuel 22, 1—22, 5l. „Es wurde dem König von Aeggpten berichtet, daß das Volk entflohen sei.“ . . . Am fünften und sechsten Tag jagten die Aeggpter ihnen nach, in der Nacht zum siebenten stiegen sie ins Meer hinab. Am nächsten Morgen sang Israel das „Lied am Schilfmeer“. Das ist der siebente Tag von Pessaeh, darum lesen wir am siebenten Tag Pessaeh das „Lied am Schilf meeF“. (Mechilta Seder Olam 5, Megilla 31 a). Sehabbat „Schemlni“, 10. April 1937. Thora Vorlesung: 3. B. Moses: 9,1—11,47. , Haftara: 2. Samuel 6, 1—23; 7, 1—17. „Denn ich bin der Ewige, euer Gott“ . . . Ebenso wie ich heilig bin, ich, der Ewige, euer Gott, so machet auch ihr euch heilig auf ErdenI (Torat Kohanim.) „Denn ich bin der Ewige, der euch heraufgeführt hat“ ... An allen Stellen steht sonst: „Ich habe auch herausgeführt“ und hier heißt es: „Ich habe euch heraufgeführt. Ein Tana de K. Jischmael erklärt: Wenn ich Israel nur darum aus Aeggpten geführt hätte, damit sie sich nicht durch den Genuß unreiner Tiere verunreinigen, wäre es genug für sie; denn dies ist eine Erhebung für Israel. Darum heißt es: Ich habe euch heraufgeführt“. (Baba mezia 61 b). Sehabbat „Tasria-Mezora“, 17. April 1937. Thoravorlesung: 3. B. Moses: 12,1—15,33. Haftara: 2. Könige 7,3—7,20. Ein Aussätziger mußte zum Zwecke der Reinigung ein Vogelopfer bringen . . . Weil der Aussatz beim Menschen wegen böser Rede über den Nächsten kommt. Böse Rede ist das Werk geflüsterter Worte. Darum sind zur Reinigung Vögel nötig, die auch immer mit zwitschernder Stimme erzählen. Sehabbat „Aehare Moth—Kedoschlm“, 24. April 1937. Thora Vorlesung: 3. B. Moses 16,1—20, 27. Haftara: Amos, 9, 7—9,15. „Ein jeder fürchte Mutter und Vater“ . . . Hier nennt er die Mutter vor dem Vater, weil im allgemeinen der Sohn den Vater mehr fürchtet als die Mutter, und bei der Ehrung nennt er den Vater vor der Mutter, weil im allgemeinen der Sohn die Mutter mehr ehrt als den Vater, weil sie ihn mit Worten besänftigt. (Mechilta Jitro.) „Und meine Sabbate hütet“ . . . Er verbindet den Sabbat mit der Furcht vor dem Vater, um zu sagen: Wenn ich dir auch befohlen habe, den Vater zu fürchten; sollte dieser aber sagen: „Entweihe den Sabbat“, so höre nicht auf ihn. Ebenso bei allen Geboten. (Torat Kohanim). „ORT“ -Lehranstalt fiir gewerbliche Ausbildung in Berlin Eröffnung voraussichtlich Anfang April. Die Vorbereitungen zur Errichtung der geplanten Jüdischen Lehranstalt für gewerbliche Ausbildung des „ORT“ in Berlin sind so weit gediehen, daß mit der Eröffnung Anfang April ds. Js. gerechnet werden kann. Die Lehranstalt bezweckt: a) jüdischen Jugendlichen zur Vorbereitung ihrer Auswanderung durch systematisches praktisches Arbeiten in Lehrwerkstätten und durch ergänzenden theoretischen Unterricht eine gründliche fachliche Ausbildung in verschiedenen Zweigen des Handwerks und des Gewerbes zu geben; b) jüdischen Jugendlichen, die ihre Ausbildung außerhalb fieser Lehranstalt erfahren, die Möglichkeit zur Ergänzung ihrer fachlichen Ausbildung zu geben; c) jüdischen Erwachsenen, die zwecks Auswanderung ihren bisherigen Beruf wechseln wollen, die Möglichkeit zu geben, in Kursen mit ab- 6