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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1937-04-01 · 4 (1.4.1937) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Magdeburg, Duisburg, Bremen, Nordwestdeutschland, Tilsit, Halle, Stettin und Pommern) · p. Seite 7

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
15 (1937)
Issue
4 (1.4.1937) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Magdeburg, Duisburg, Bremen, Nordwestdeutschland, Tilsit, Halle, Stettin und Pommern)
Date
1937-04-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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gekürztem Lehrprogramm sich Kenntnisse in Spezialfächern anzueignen. Es sollen zunächst folgende Abteilungen eingerichtet werden: I. Lehrgänge für männliche Jugendliche: 1. Abteilung für Gas-, Wasser- und sanitäre Anlagen. 2. Abteilung zur Ausbildung von Spezialmechanikern (Büromaschinen, Nähmaschinen, Fahrräder u. a.). 3. Abteilung für Elektrotechnik. Ausbildungszeit für jede Abteilung 3 Jahre. IL Lehrgänge für weibliche Jugendliche: , 1. Abteilung für Korsettmacherei. 2. Abteilung für Putzmacherei. Ausbildungszeit 2—3 Jahre. III. Kurse fllr Erwachsene: 1. Kursus für Korsettmacherei. Ausbildungszeit: 1 Jahr. 2. Kursus für Putzmacherei. Ausbildungszeit: 1 Jahr. 3. Kursus für Gas-, Wasser und sanitäre Anlagen. Ausbildungszeit: l‘/t Jahre. 4. Kursus für elektrische Installation. Ausbildungszeit: IV* Jahre. Die Anzahl der aufzunehmenden Schüler bzw. Kursusleilnehmer ist begrenzt. Anmeldungen müssen schnellstens bei der Gesellschaft „ORT“ Abt. Deutschland e. V., Berlin W15, Pariserstr. 11, eingereicht werden, wo auch alle näheren Informationen erteilt werden. Die „ORT“-Organisation hat seit Jahrzehnten durch Gründung und Unterhaltung von Lehrwerkstätten, Fachschulen und Fachkursen auf dem Gebiete der beruflichen Ausbildung und Umschichtung die größten Erfolge für Zehntausende von jüdischen Menschen in den osteuropäischen Ländern erzielt; diese Anstalten sind besonders in den letzten Jahren zum Teil auch von jüdischen jungen .Menschen aus Deutschland besucht worden. Die jüdische Oeffentlichkeit wird es daher begrüßen, daß die „ORT“-Organisation ihre Erfahrungen jetzt durch Errichtung einer eigenen Lehranstalt für die auswanderungswilligen Juden in Deutschland nutzbar machen will. Chronik des jüdischen Lebens „Die Jewish Agency ist jederzeit bereit, mit den arabischen Führern zusammenzukommen, um. jeglichen Vorschlag zur Herbeiführung des Friedens und der Zusammenarbeit zwischen Juden und Arabern in Palästina zu erörtern.“ Diese Erklärung, die Elieser Kaplan, der Schatzmeister der Jewish Agency, vor der New Yorker Presse abgegeben hat, sowie die Tatsache, daß die jüdischen Mitglieder des Jerusalemer Stadtrates an die arabischen Stadtverordneten den Vorschlag gerichtet hatten, einen gemeinsamen Aufruf zur Einstellung aller Gewalttaten an die Bevölkerung zu erlassen, stehen in einem erfreulichen und für das Judentum ehrenvollen Gegensatz zu dem Verhalten der arabischen Stadtratsmitglieder, die diesen Vorschlag ihrer Studie von Prof. Erich Wolfsfeld Fot.Sonnenfeld (Auislellung >Do« füdlsdie Kind in der bildenden Künste) jüdischen Kollegen abgelehnt haben. Immerhin hat das Oberste Arabische Komitee die Araber aufgefordert, Ruhe zu bewahren, bis die Royal Commission ihre Arbeiten beendet und ihren Bericht erstattet haben wird. Wieweit die arabische Bevölkerung diesem 'Auf ruf gehorchen wird, steht dahin; man weiß, daß in den letzten Wochen Ueberfälle, Gewalttaten und Morde das Land in heftigste Unruhe versetzt haben, sodaß z. B. über Jerusalem wieder der Ausnahmezustand verhängt werden mußte und erst nach der Rückkehr des High Commissioners Sir Arthur Wauchope aufgehoben werden konnte. Angesichts dieser Gesamtlage ist es wenig befriedigend, daß man über den Fortgang sowie über den voraussichtlichen Abschlußtermin der Arbeiten der Königlichen Kommission so gut wie nichts erfährt. Dies ist um so bedauerlicher, als der Auswanderungswille zahlloser Juden in europäischen Ländern von Tag zu Tag dringlicher wird. In Deutschland hat der Schulentlassungstermin /.I , Aquarell von Ernst Rosenthal-Rosta Fot. Sonnenfeld (Ausstellung »Dos jüdische Kind In der bildenden Kunst«) überdeutlich gezeigt, wie die schulentlassene jüdische Jugend ihre Situation beurteilt und in welchem Maße sie entschlossen ist, in neuen Ländern ihre Zukunft aufzubauen. In Polen muß die neue Innenpolitik, gewollt oder ungewollt, zwangsläufig zu weiterer Beeinträchtigung der ohnehin verelendeten jüdischen Minderheit führen; die bekannten Evakuierungspläne sowie. die Vorgänge an den Hochschulen stärken ebenfalls weithin Willen und Notwendigkeit für die Schaffung einer neuen Heimat. Bekannt ist, daß es auch in Ungarn zu ebenso beklagenswerten wie auch symptomatischen Hochschulunruhen gekommen ist. Und selbst im Parlament der Tschechoslowakei ist von einem Abgeordneten, dessen judenfeindliche Haltung freilich bekannt ist, die Frage der Juden-Evakuierung aufgeworfen worden. In Rumänien scheint das vom Ministerrat in Aussicht genommene sogenannte „Gesetz zur Ermutigung der nationalen Arbeit“ in seinen folgenschwersten Teilen freilich nur für die nach dem Kriege angegliederten Provinzen gelten zu sollen, aber es kennzeichnet die Lage.^daß der Zentralrat der jüdischen Organisationen Rumäniens für die gesamte wirtschaftliche Existenz der Juden fürchtete und sich deshalb mit einer Petition an den König gewendet hat. — Alle diese Vorgänge drängen auf eine Entlastung der europäischen Länder von einem Teil der in ihnen lebenden Juden; aber die volle Größe der derzeitigen jüdischen Krise tritt doch erst hervor, wenn man diese Auswanderungsnot mit den Verhältnissen in Palästina und mit den gesetzlichen und berufsmäßigen Schwierigkeiten zusammenhält, die der Judeneinwanderung_ überall entgegenstehen. Nach Südafrika hat jetzt auch der südamerikanische Staat Paraguay eine Einwanderungssperre verkündet. Soweit solche Einwanderungshindernisse gesetzmäßiger Art sind, muß die weitere Entwicklung abgewartet werden. Auch darf man es dankbar begrüßen, daß die jüdische Freiland- Liga, über deren Pläne wir bereits im Oktober v. Js. hier berichteten, nach fast zwanzigjähriger Pause ihre Arbeiten wieder aufgenommen hat. Dieser Organisation, die völlig unparteiisch arbeitet und an deren Spitze zionistische wie nichtzionistische Persönlichkeiten stehen, ist u. a. die bekannte Erklärung des französischen Kolonialministers über die Ansiedlungsmöglichkeiten für Juden in den französischen Kolonien zu verdanken; auch mit der australischen Regierung wurde verhandelt. Wenn auch greifbare Erfolge erst nach längerer Zeit erwartet wer den können, so verdienen doch diese Bemühungen, die planmäßig weitergeführt werden, dahkbarste Beachtung, denn sie wollen Bresche schlagen in den Wall von -Hindernissen^ der sich der jüdischen Auswanderungsnot heute überall entgegen- 7

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