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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1937-04-01 · 4 (1.4.1937) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Magdeburg, Duisburg, Bremen, Nordwestdeutschland, Tilsit, Halle, Stettin und Pommern) · p. Seite 3

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
15 (1937)
Issue
4 (1.4.1937) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Magdeburg, Duisburg, Bremen, Nordwestdeutschland, Tilsit, Halle, Stettin und Pommern)
Date
1937-04-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Ägyptisch# Darstellung kriegsgefangenei£Juden, dl# unt#r Aufsicht eines Fronvogts (oben rechts mit Stock) Ziegel streichen Fot. Sonnenfeld W 250 £ fast vollständig gesperrt wurde. Dagegen ist der Anteil von Landwirten an der Gesamteinwanderung wesentlich gestiegen. Im Jahre 1930 waren über zwei Drittel der einwandernden Chaluzim aus Deutschland landwirtschaftlich vorgebildet. Die Einwanderungsschlüsselung nach Berufen muß besonders von den jetzt Ostern zur Entlassung kommenden Schülern für ihre Berufswahl berücksichtigt werden. Die außerpalästinensisohe Wanderung richtete sich vorwiegend nach drei Gebieten: nach Nordamerika, nach den verschiedenen Ländern Südamerikas und nach der Südafrikanischen Union. Für jedes dieser Gebiete sind andere Einwanderungsbestimmungen zu beachten, darum ist die außerpalästinensische Wanderung nicht wie die Palästinawanderung in ein einheitliches Schema zu bringen. Für die Einwanderung nach den Vereinigten Staaten ist bekanntlich die wichtigste Voraussetzung der Besitz eines sogenannten Affidavits, das ist eine Bürgschaftserklärung möglichst naher Verwandter. Bei dieser Auswanderung entscheiden also die verwandtschaftlichen per- ^sönlichen Beziehungen, sodaß hier keine planmäßige Auswahl nach Berufen oder persönlichen Eigenschaften vorgenommen werden kann. Im Jahre 1936 sind etwa 1200 Personen mit finanzieller Unterstützung des HilfsverPfns nach Nordamerika gegangen. — Das zweite überseeische Haupteinwanderungsgebiät war 1936 die Südafrikanische Union, die etwa 1250 vom Hilfsverein unterstützte Auswanderer aufgenoauulCiHjtit. — Von den südamerikanischen Staaten traten Chile und Paraguay, die in den Jahren 33—35 eine größere Rolle für jüdische Einwanderung gespielt hatten, ganz zurück, während Columbien, Ecuador und besonders Argentinien und Brasilien zunehmend an Bedeutung gewannen. Die unterstützte Auswanderung nach Brasilien betrug im Jahre 1936 900 Personen, die nach Argentinien 550. Diese Ausschnitte aus der Wanderungsbewegung des Jahres 1936 lassen zur Genüge erkennen, welches Unmaß von vorbereitender und planender Tätigkeit die zuständigen jüdischen Stellen geleistet haben. Der Außenstehende weiß gewöhnlich nicht, wieviel Verhandlungen geführt werden müssen, um auch nur einem einzigen Menschen zur Überfahrt zu verhelfen. Das fängt bei den Konsulaten an und hört bei den Schiffahrtsgesellschaften auf. Es blieb dem Zeitalter der märchenhaft schnellen Verbindungen zwischen den Kontinenten Vorbehalten, die Freizügigkeit des Menschen so zij beschränken, daß der Bürger eines bestimmten Staates heute langsamer ins Ausland kommt, als zur Zeit der Postkutsche und des Segelschiffs. Den größten Ansturm hatten die jüdischen Hilfsorganisationen in den für die Wanderung krisenreichen Herbstmonaten zu bestehen. Als durch die Araberunruhen in Palästina der Erfaß einer Einwanderungssperre drohte, gingen am 2. September 1937 von Marseille die „Patria“ mit 650, von Triest die „Gerusalemme“ mit 160 jungen Juden nach Palästina. Und einen Monat später mußte die Sonderfahrt der „Stuttgart“ mit 540 Juden nach Südafrika arrangiert werden, damit die hoffnungsvollen Auswanderer das „Cap der Guten Hoffnung“ noch rechtzeitig vor Inkrafttreten des neuen Einwanderungsgesetzes passieren konnten. Das Wettrennen dieser Auswandererschiffe mit den Gesetzgebungsmaschinen der Einwanderungsstaaten wirft ein grelles Schlaglicht auf das Dunkel der jüdischen Wanderung im Jahre 1936. Ausblick Im vergangenen Jahre sind erstmalig Wanderungsvorhaben in Angriff genommen worden, die künftig eine erhebliche Rolle für die jüdische Wanderung aus Deutschland spielen können. Neben der Einzelwanderung, die heute zahlenmäßig vorherrscht, ist von der Reichsvertretung die Frage der außerpalästinensischen Gruppenwanderung geprüft worden. Die zum Teil von privaten Gesellschaften vorgeschlagenen Siedlungsprojekte in Cypern und Ecuador sind sachverständig bearbeitet worden. Darüber hinaus hat die Reichsvertretung eine Sachverständigenkommission zur Prüfung von Siedlungsprojekten nach Südbrasilien (Parana und Rio Grande do Sul) geschickt. Die Ergebnisse der viermonatigen Erkundungsfahrt werden zurzeit von den zuständigen Sachbearbeitern begutachtet. Die bisherigen Vorhaben beziehen sich in erster Linie' auf landwirtschaftliche Siedlungen; daneben ist auch versucht worden, die Voraussetzungen für gemischte Gruppensiedlungen (Landwirte und Handwerker) und für industrielle und gewerbliche Niederlassungen zu prüfen. — Über die bloße Vorbereitung hinaus sind die Pläne zur landwirtschaftlichen Ansiedlung in Argentinien gediehen. Die Jewish Colonisation Association (Ica) hat sich erfreulicherweise dazu entschlossen, die Ansiedlung von jüdischen Familien aus Deutschland in ihren Kolonien in Argentinien zu erweitern. Im Jahre 1936 sind 156 Familien mit insgesamt über 1000 Personen von der Ica bestätigt und fast ~ die doppelte Anzahl ist für die engere Auswahl vorgemerkt worden. Von den bestätigten Familien fährt jeweils ein Mitglied nach Argentinien voraus, um nach seiner erfolgreichen Einarbeitung in den Ica-Kolonien die ganze Familie nachkommen zu lassen. Neben der Unterbringung in Argentinien hat die Ica etwa 30 Familien zur Ansiedlung in Recende (Brasilien) ausgewählt. In dieser Gruppe befinden sich auch die 18 Familien der ehemaligen jüdischen Siedler von Groß-Gaglow. -- Diese Versuche lassen die Hoffnung zu, daß für die jüdische Wanderung in den nächsten Jahren verschiedene Länder geöffnet bleiben. Neben den aufblübenden Wirtschaftszentren Südamerikas dürfte in Zukunft auch Australien für die jüdische Einwanderung in Betracht kommen. Dieser Erdteil beabsichtigt unter dem Eindruck der letzten weltpolitischen Geschehnisse seine Tore der weißen Einwanderung weit zu öffnen. Die Einwanderungsmöglichkeit nach Palästina ist gegenwärtig in den noch unentwirrbaren Knäuel der briti- V

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