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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1937-04-01 · 4 (1.4.1937) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Magdeburg, Duisburg, Bremen, Nordwestdeutschland, Tilsit, Halle, Stettin und Pommern) · p. Seite 2

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
15 (1937)
Issue
4 (1.4.1937) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Magdeburg, Duisburg, Bremen, Nordwestdeutschland, Tilsit, Halle, Stettin und Pommern)
Date
1937-04-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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führt. Der Weg zu uns wird eifrig gesucht und gegangen. Gerade zu Peßach war es hn vorigen Jahre, als die Jüdische Jugendbilfe darauf hinwies, daß sie bereits das wunderschöne Jubiläum des tausendsten auf den Weg gebrachten Kindes feiern konnte. Tausend jungen Menschen war bis dahin der Weg durch Arbeit zu Glück und Zufriedenheit gewiesen wordeh. Wieder ist die Zeit um PeSach gekommen, und die Jugendhilfe macht die schulentlassene Jugend auf die Wahl des Weges aufmerksam: „Sucht nicht nur einen Unterschlupf! Sucht ein sinnvolles Leben, in dem ihr nicht nur für eure Existenz arbeitet, sondern für die Gesamtheit wirkt.“ Daß dieser idealistische Satz nicht zur Phrase wird, kann nur die Bildung erwirken. Darum ist es notwendig — und gute Kräfte sind am Werke — die heranwachsende, schulentlassene Jugend mit den maßgeblichen jüdischen Werten vertraut zu machen. Der Weg * ins Land darf nicht ohne gründliche geistige Vorbereitung beschritten werden, damit sich die Jugend zurechtfindet in der Forderung, aufbauend zu wirken und aus erinnerungsreicher Haltung weiß, was sinnvoller Aufbau eines Heiligtums des Lebens für uns bedeutet. VI. Schaffende Jugend bringt uns der Erlösung näher. Schaffende Jugend überwindet das Zeitalter der Wüstengeneration, die sich nach den Fleischtöpfen Ägyptens sehnt. Schaffende Jugend besitzt den notwendigen Idealismus, um alle äußerlichen Schwierigkeiten für ein großes Gemeinschaftsziel auf sich zu nehmen. So schöpfen wir Aufbau- und Lebenswillen aus der Erinnerung an die wahre, und d. h. die geistige Volkwerdung Israels. Und auf die Frage des Jüngsten der Tischgesellschaft erfolgt die Antwort: „Knechte waren wir, aber Gott hat uns herausgeführt.“ Dieses Wunder wirkt lebendig, solange wir uns daran erinnern. „Und wären wir auch alle weise, alle verständig, alle torakundig, so müßten wir trotzdem vom Auszug aus Ägypten erzählen; und je mehr es einer tut, um so lobenswerter ist er.“ Jüdisdie Wanderung 1Q3Ö Von Dr. Bruno Sommerfeld. Idee und Wirk.lidik.eit Es gibt Werte der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland, über deren Erhaltungsnotwendigkeit sich alle Juden einig sind, über den geistigen Fortbestand dieser Werte entscheiden die Gehenden mindestens so wie die Bleibenden. Kein Wunder also, daß die Frage der Wanderung in die weltanschauliche Grundentscheidung der Juden einbezogen wird. Das Wort von Martin Buber: „Es ist nicht entscheidend, ob einer bleibt oder ob einer geht, sondern wie einer bleibt und wie einer geht“ kennzeichnet am besten die geistige und moralische Seite der Wanderung. Von dieser — für die historische Beurteilung unserer Gemeinschaft — allein maßgeblichen Warte aus gesehen ist jede ideologische Diskussion und jede persönliche Werbung für bestimmte Wanderungsziele berechtigt. Aber der Wirksamkeit der Ideen auf die Handlungen der Menschen sind — besonders in Notsituationen— Grenzen gesetzt, die sie nicht überschreiten können, ohne sich selbst zu gefährden. Die Überspannung der Ideen zu Ideologien auf dem höchst praktischen Feld der Wanderung, auf dem die Theorie nichts, die Praxis alles entscheidet, ist nur geeignet, die ungeheuer schwierigen Aufgaben der Durchführung jüdischer Wanderung noch zu erschweren. Von den Ideen wird immer nur die führende Minderheit in ihren Handlungen beeinflußt, die große Masse orientiert sich nach sehr praktischen Gesichtspunkten. Das ist eine Erfahrung, die der jüdische Sozialarbeiter Tag für Tag macht. Eltern, die ihre Kinder mit der Jugendalijah nach Palästina geben wollen, versäumen nicht selten, sie zur gleichen Zeit für die Amerikaverschickung vormerken zu lassen und umgekehrt. Der Eintritt in einen bestimmten Jugendbund erfolgt heute oft aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus. Die Beispiele ließen sich beliebig vermehren. Bei den Ideologen der verschiedenen Richtungen hat sich diese Erkenntnis selbst im Jahre 1936 noch nicht durchgesetzt, wie manche bis in jüngster Zeit zu hörenden unfruchtbaren Diskussionsreden über die jüdische Wanderung zur Genüge beweisen. Die in den Parteimaschinen heißgelaufenen Köpfe sollten sich ein wenig in den Fluten der Wanderungswirklichkeit abkühlen. Sie würden dann die verschiedenen Wanderungsvorhaben zu Nutzen der Gemeinschaft nüchterner und weniger einseitig beurteilen. In richtiger Würdigung der tatsächlichen Verhältnisse ist daher das umfangreiche Kapitel über Wanderung in dem Arbeitsbericht der Reichsvertretung für das Jahr 1936 mit dem Satz eingeleitet: „Während noch in den letzten zwei Jahren die Auswanderung mehr als eine Frage des persönlichen Entschlusses bezeichnet werden konnte, ist in der Berichtszeit die Auswanderungsbereitschaft so angewachsen, daß die subjektive Frage des Auswanderungswillens hinter der objektiven Frage der Auswanderungsmöglichkeiten zurückgetreten ist.“ Das ist der gewissermaßen offiziell festgestellte Befund der Wanderungssituation. Die Wirklichkeit hat die Idee in den Hintergrund gedrängt. Ein für jeden an geistiger Klarheit interessierten Menschen bedrückender Umstand, aber eine Tatsache, die von den für die jüdischen Geschicke Verantwortlichen in Rechnung gestellt werden muß. Die verschiedenen Auswanderungsmöglichkeiten müssen daher zunächst unbeeinflußt von jeder Ideologie lediglich auf ihre praktische Durchführbarkeit hin geprüft werden. Zu dieser leidenschaftslos objektiven Prüfung gehört eine Selbstverleugnung, die nur die Einsichtsvollsten aufbringen werden, aber nur diese Menschen sind befugt, in der jetzt anhebenden Wanderungsdebatte das Wort zu ergreifen. Wer da glaubt, ernsthafte Wanderungsprojekte mit einer geringschätzigen Handbewegung abtun zu dürfen, nur weil sie nicht in sein jüdisch-politisches Weltbild passen, handelt gegen die wahren Interessen der Gemeinschaft. Der Umfang der Auswanderung Das Jahr 1936 war für die jüdische Auswanderung aus Deutschland besonders ereignisreich. Der Wanderungsstrom, der sich in den vorangehenden Jahren mit Ausnahme von Palästina ziellos über den ganzen Erdball ergoß, mündete jetzt vorzugsweise in drei Ländergebiete. Die ungeregelte und meist ungenügend vorbereitete Emigration wich immer mehr der sorgsam vorbereiteten Auswanderung und fügte sich in entscheidenden Situationen diszipliniert in die Planung der jüdischen Zentralstellen. Diesem Umstand ist es in erster Linie zu danken, daß die Reichsvertretung gemeinsam mit dem Palästinaamt und dem Hilfsverein erstmalig an eine Wanderungsplanung gehen konnte. In dem von allen jüdischen Richtungen gebilligten Programm der Reichsvertretung ist vorgesehen, daß in den nächsten fünf Jahren jährlich 20 000 Personen und zwar je zur Hälfte nach Palästina und Übersee zur Auswanderung gebracht werden. Für das Jahr f936 konnte die vorgesehene Zahl noch überschritten werden. Nach vorsichtigen Schätzungen sind im letzten Jahr 24 000 Personen ausgewandert, von denen 9000 nach Palästina, 10 000 nach Übersee, 1500 nach Europa und etwa 3500 in ihre alten — meist osteuropäischen — Heimatländer gegangen sind. Diese Zahlen zeichnen in großen Zügen die Richtung der Auswanderung ab. Palästina hat trotz der verstärkten Schwierigkeiten 9000 Juden aus Deutschland auf genommen. Diese Zahl konnte nur dadurch erreicht werden, daß durch die großzügige finanzielle Hilfe des Council for German Jewry 1200 Sonderzertifikate von der Palästina-Regierung bewilligt wurden. Dadurch 'daß die Inhaber der sogenannten Samuel-Zertifikate fachlich besonders qualifiziert waren und jeder von ihnen 100 £ erhielt, dürfte ihre Einordnung wesentlich erleichtert worden sein. Bemerkenswert an der Elinwanderungsquote für Palästina ist die Tatsache, daß die Elinwanderung von selbständigen Handwerkern mit einem 'Eigenkapital von 2

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