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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1937-02-01 · 2 (1.2.1937) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Magdeburg, Duisburg, Bremen, Nordwestdeutschland, Tilsit, Halle, Stettin und Pommern) · p. Seite 10

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
15 (1937)
Issue
2 (1.2.1937) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Magdeburg, Duisburg, Bremen, Nordwestdeutschland, Tilsit, Halle, Stettin und Pommern)
Date
1937-02-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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setz, -denn es verlautet, daß auch die jüdischen Abgeordneten im südafrikanischen Parlament dafür gestimmt hätten, und es scheint also von den Notwendigkeiten des Landes diktiert gewesen zu sein. Aber in seiner Auswirkung trifft es doch uns Juden, und nur ein schwacher Trost ist es, daß — wiederum zur gleichen Zeit — neue Pläne für jüdische Siedlung in den französischen Kolonien auftauchen. Die Durchführbarkeit dieser Pläne sollte sehr schnell nachgeprüft werden. Zweifellos wird diese Frage auch den demnächst in Wien zusatpmen tretenden Kongreß der Jüdischen Territorialist e n - Bewegung beschäftigen, über deren Bestrebungen wir bereits im Leitartikel unserer Oktober-Nummer hier berichtet haben. Die jüdische Not ist wieder gewachsen, aber mit' ihr — wie stets — auch die jüdische Einheit. Dafür war nicht nur die Ratstagung unseres Landesverbandes, über die wir an anderer Stelle heute ausführlich berichten, ein Beweis, sondern auch in der Berliner Jüdischen Gemeinde ist bei Zusammentritt der neuen Repräsentantenversammlung der von dieser wiedergewählte Vorstand, insbesondere aber der wiedergewählte Gemeinde-Vorsitzende, Direktor Heinrich Stahl, als „Verkörperung der von der Gemeinde als heiligstes Gut gepflegten jüdischen Einheit“ begrüßt worden. Auch in andern Ländern zeigt sich, daß Einheits- und Vertiefungswille im Wachsen sind: die unter dem Vorsitz des dänischen Oberrabiners Dr. Friediger (Kopenhagen) abgehaltene Skandinavische Rabbinerkonferenz (Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland) ist als ständige Einrichtung konstituiert worden, und die große Konferem der Rabbiner der Vereinigten Staaten, von Cyrus Adler geleitet, wird eine Aktivierung des gesamten jüdischen Lebens im ganzen Lande in Angriff nehmen, wobei sie sich auf die Sympathie-Erklärung des Präsidenten R o o - sevelt berufen darf. Geschlossenheit und Vertiefung — der jetzt beginnende Kalendermonat bringt uns Juden das Purimfest, in dessen „Megillah“, nicht nur der vor zweieinhalbtausend Jahren gestorbenen Königin Esther, sondern auch jedem heute lebenden Juden zugerufen wird: „Wenn du dich jetzt zurückziehst, so wird den Juden von anderer Seite her Kettung kommen;'du aber würdest mit deinem Haus zugrunde gehen.“ Es ist erfreulich, daß es dieser Mahnung kaum noch bedarf. Zur allgemeinen jüdischen Not kam in diesen Wochen noch die des strengen Winters. Und wer einen Einblick in das Werk der Jüdischen Winterhilfe, in das Riesenmaß der ehrenamtlichen Helferarbeit und in die Opferfreudigkeit unserer Menschen hat, der weiß: Not läßt Kraft wachsen, und noch nie ist der Segen ausgeblieben, wenn Menschen zur eigenen Kraft zurückfanden. Budibesprechungen Philo-Zitaten-Lexikon. (Philo-Verlag IHM) Worte von Juden für Juden — eine solche Sammlung hatte der verstorbene Eugen Tannenbaum geplant und vorbereitet, Ernst Fraenkel hat sie jetzt herausgegeben. Sie enthält Worte, die Gemeingut nicht nur der jüdischen Kulturwelt geworden sind, aus Bibel und Apokryphen, talmudischexn und mittelalterlichem Schrifttum und schließlich aus der Geisteswelt der Neuzeit. Diese große Gebiet ist in dem verhältnismäßig schmalen Bänden nur zu einem Teil ausgeschöpft, und es wird einer vermehrten Auflage bedürfen, um manche Lücken auszufüllen. Wenig zweckmäßig ist aber das alphabetische Verzeichnis ausgefallen. Wenn etwa die Erstarrung der Frau Lots zur Salzsäule unter „Zur“, der Segen Moses unter „Mann Gottes“, die Psalmstelle „seine Hände in Unschuld waschen“ unter „Seine“ und der Spruch „Wen der Ewige liebt, den straft er“ unter „Denn“ (um nur diese zu nennen) verzeichnet ist, so wird das Büchlein für den Laien kein bequemes Nachschlagewerk sein, als das es doch wohl gedacht ist. Ein solches Register' kann gar nicht anders als nach den Hauptschlagworten der Zitate eingerichtet werden, sonst verfehlt es seinen Zweck, es sei denn, daß es sich um so bekannte Worte handelt, wie etwa:'„Aus den Tiefen rufe ich Dich“. Sonst aber ist das Erscheinen des Werkes, das in seiner Idee einem sicherlich vorliegenden Bedürfnis entgegenkommt, sehr zu begrüßen und ihm weiteste Verbreitung zu wünschen. Für eine hoffentlich bald zu erwartende Neuauflage wird es zweckmäßig sein, daß möglichst weite Kreise rechtzeitig ihre Wünsche für die Ausgestaltung des Buches dem Verlage kundtun. In seinem Buch „Südafrika, Laad, Leate, Leben und Möglichkeiten“, Jüdischer Buch- und Zeitschriften-Verlag, Robert Alter, Berlin SW 68 (Preis 1,65 AM), gibt Jim H. Cromer, Johannesburg, eine lebendige und farbige Schilderung des Lebens in der Südafrikanischen Union. Er vermittelt dem Leser ein Bild von den Möglichkeiten jüdischer Menschen in Südafrika und beschreibt den Alltag in den Städten der Union. Er sagt dem künftigen Einwanderer ungeschminkt, was von ihm verlangt wird. Das Buch verdient heute besonders das Interesse weiter Kreise, wo die Diskussionen ■ um die Einwanderung im Vordergrund stehen. J- Peiser, Stettin Uly: Hiob und KoheleL Danzig: Kahan A Co. 1935. 96 S. (Moriah-Werk.) Wir heutigen Menschen sind zumeist keine Verse-Leser, aber wir sollten wieder Verse-Hörer werden. Denn der Sinn von Reim und Rhythmus in der älteren epischen Dichtung war, der Vorlesung Schmuck und Glanz zu geben. — Der Verfasser des neuen „Hiob und Kohelet“ erstrebt wohl Ähnliches, wenn er hier zwei Bücher der Bibel — die nur einen Teil eines großen Bibelwerkes bilden — in leicht dahinfließende Verse goß, jedes Kapitel des Urtextes in ein abgeschlossenes Gedicht umwandelnd. Wenn sich auch oft die Verfassung der Mischung von Erhabenem, Begrifflichem und Alltäglichem des Stoffes schwer fügt, so könnte doch mit einer solchen Neufomung biblischer Texte ihre Verbreitung durch Vorlesen gesteigert werden. G. Friedenthal, Herbert: Die nnsiehtbare Kette. Roman eines Juden. Berlin, Atid 1936. 159 S. Zum ersten Mal seit dem Umbruch versucht in diesem Roman ein junger Jude in Deutschland, das Schicksal eines jungen Juden während der Epoche jüdischer Ausgliederung künstlerisch zu gestalten. Nur langsam wird sich der tragische jugendliche Held dieser Erzählung in der immer deutlicher werdenden Isolierung seiner wirklichen Isoliertheit bewußt. Vergeblich flieht er aus Berlin nach Italien in individuelle Abenteuer, um schließlich zu erkennen, daß es für einen jungen Juden der Gegenwart kein abseitiges Einzelschicksal geben kann, sondern daß er ein Glied der unsichtbaren Kette ist, die ihn an und in die ewige Gemeinschaft seines Volkes bindet. K. P. Casa Bartholdy Von Dr. Olga Bloch (Berlin). Erinnerung wird wach an Jacob Salomo Bartholdy, den Berliner Kunstsammler und Diplomaten (1779—1825), der 1815 als preußischer Generalkonsul nach Rom ging, wo er von 1817—1825 den Palazzo Zuccari bewohnte. Um die Kunst zu unterstützen, den Malern Arbeit zu gäben, ließ er ein Zimmer dieses an der Ecke der Via Sistina und der Via Gregoriana gelegenen Hauses ausmalen. Er beauftragte neben Cornelius, Overbeck und Wilhelm Schadow den jungen Philipp Veit, den Sohn der Dorothea Mendelssohn, mit der Ausschmückung der Wände in der damals wieder modern gewordenen -Freskomalerei. Bartholdy äußerte sich selbst über die künstlerischen Ziele dieses Auftrages; in der „Familie Mendelssohn“ heißt es, „daß die Freskomalerei die schicklichste — nach Bartholdys eigenen Worten — sei, alle Zwecke zu vereinen: 1. ein bleibendes Denkmat der Arbeit, wenn sie geriete, und zwar zu Rom, dem Mittelpunkt der Künstlerwelt, wo die Wahrheit, ob etwas mittelmäßig, trefflich oder schlecht, sich bald entdeckt; 2. das Mittel für die Künstler, sich selbst kennen zu lernen, und zwar in einem Genre von Arbeit, die eine gewisse Schnelligkeit erfordert und nicht ewiges Retuschieren und Denken und Grübeln zuläßt; 3. Größe der Figuren und Gemälde, die Fehler und Schönheiten aufdeckt; 4. Zusammenarbeiten von mehreren jungen Künstlern, wo einer bei dem anderen wenigstens keine ganz palpablen Schnitzer durchlassen wird und die Emulation sie anspornt; 5. endlich Brot, um ein Jahr lang ihrem Fache zu leben.“ — Die in Rom abgelösten Fresken befinden sich seit dem Jahre 1888 in der Berliner National-Galerie; auch Bartholdys bedeutende Kunstsammlungen wurden für das Berliner Museum angekauft Unser Auge haftet im „Saal der Casa Bartholdy“ an den Fresken Philipp Veits, der jenen „Joseph und das Weib des Potiphar“ und die Darstellung der „Sieben fruchtbaren Jahre“ in der Reihe der Bilder aus der Geschichte Josephs geschaffen hat. Als M. Spahn im Jahre 1901 sein Buch über diesen Künstler schrieb, war die Hauptquelle seiner Studien der Briefwechsel Dorothea Mendelssohn - Schlegels mit ihrem Gatten Friedrich, ihren Söhnen und Freunden. > Wir wissen ja, daß die große Zahl der Briefe bis zum Jahre 1818 in zwei Bänden 1881 bei Kirchheim in 10

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