Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 15 (1937)
- Issue
- 2 (1.2.1937) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Magdeburg, Duisburg, Bremen, Nordwestdeutschland, Tilsit, Halle, Stettin und Pommern)
- Date
- 1937-02-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Von Sabbat zu Sabbat Seitabbat „MlsehpaHm“, 6. Februar 1937. Thoravorlesung: 2. Buch Mose 21,1—24,18. „Schekalim“: 2. Buch Mose 30,11—30,16. Haftara: 2. Könige 12,1—12,17. „Einen Fremden sollst du nicht kränken, denn Fremde wart ihr" < ■ ■ wenn du ihn kränkst, kann er auch dich kränken und zu dir sagen, auch du stammst von Fremden ab; deinen Fehler wirf nicht deinem Nächsten vor. (Mechilta.) „Witwen und Waisen kränket nicht' . . . ebenso jeden Menschen, aber der Vers spricht von dem, was gewöhnlich vorkommt; weil diese schwach an Kraft sind, kommt es häufig vor, daß man sie kränkt. (Mechilta.) „Nimm keine falsche Kunde ah“ . . . das ist eine Verwarnung für den, der böse Rede annimmt, und für den Richter, daß er nicht die Worte einer Partei anhöre, bis auch die andere Partei gekommen ist. (Mechilta.) „Siehe, ich schicke einen Engel vor dir her“ . . . hier wurde Israel gesagt, daß, wenn sie sündigen würden, die Schechina zu ihnen sagen würde: „Ich ziehe nicht in deiner Mitte hinauf“. (Tanchuma.) Schab bat „Teruma“, 13. Februar 1037. Thoravorlesung: 2. Buch Mose 25,1—27,19. Haftara: 1.. Könige 5,26—5,32; 6,1—6,13. „Von jedermann, den sein Herz antreibt, sollt ihr meine Hebe nehmen“ . . . Unsere Lehrer sagen (Megilla 29 b) drei Heben stehen hier; eine ist die Hebe, woraus die Füße des Heiligtums gemacht würden, eine ist die Hebe für den Altar, für die Kasse, aus der man die Opfer der Gemeinde bezahlte, und die letzte ist eine freiwillige Gabe jedes einzelnen. „öl für die Beleuchtung“ . . . reines Olivenöl, um das „beständige Licht“ anzuzünden. „Gewürze für das Salböl“ . . . das gemacht wurde, um die 'Geräte des Heiligtums und das Heiligtum zu salben, um sie zu heiligen. „Und für das Räucherwerk der Spezereien“, das man jeden Abend und jeden Morgen in Rauch auf steigen ließ. (Raschi.) Sehabbat „Tezaweh“, 20. Februar 1037. Thora Vorlesung: 2. Buch Mose 27,20—30,10. „Salchor“: 5. Buch Mose 25,17—25,19. Haftara: 1. Samuel 15,2—15,34. „Und setze sie (die Priester) in ihr Amt ein“. Die Schrift gebraucht für „ins Amt einsetzen“ den Ausdruck „die Hand füllen“. Überall wo dieser Ausdruck vorkommt, bedeutet es folgendes: Wenn jemand in ein Amt eintritt, um von dem Tag an und weiter dasselbe zu besitzen, legt der Herr einen ledernen Handschuh in seine Hand und dadurch räumt Kalender für Februar Febr. 1 M'nt 20 . 2 . 21 . 3 „22 „ 4 . 23 Sonntag ft 7 ft 26 Montag tt 8 ft 27 Dienstag Mlttwodi tt 9 10 ft 28 29 Donnerstag 9 11 9 30 Roseh Chodetch I Freitag Sonnabend tt ft 12 13 Utr %9 1 * . n 2 Trumah Sonntag ft 14 *» 3 Montag 9 15 4 Dienstag Mlttwodi 9 16 17 ft 5 6 Donnerstag ft 18 ft 7 Freitag Sonnabend 9 ff 19 20 9 ft 8 9 Tzaweh Sonntag ft 21 ft 10 Montag ft 22 ft 11 Dienstag Mittwom ft 23 24 ff ff 12 13 Fasten Esther Donnerstag 9 25 9 14 Purim Freitag Sonnabend 9 9 26 27 9 9 15 Schuschan Purim 16 Kl tissa Sonntag 9 28 9 17 Montag Dienstag Mlttwom Donnerstag Freitag Sonnabend er ihm den Besitz der Sache ein; diese Übergabe nennt man Bekleidung eines Amtes, das ist füllen der Hände''. (Raschi.) Sehabbat „Ki Saiaaa“, 27. Februar 1037. Thoravorlesung: 2. Buch Mose 30,11—34,35. Haftara: 1. Könige 18,1—18,39. „Wenn du die Kinder Israel aufnimmst' . . . wenn du wissen willst, wieviel sie sind, so zähle sie nicht nach Köpfen; sondern jeder gebe einen halben Schekel; and zähle die Schekel, am ihre Zahl zu wissen (Raschi). ,JKoche nicht das Böcklein in der Milch seiner Mutter“, das ist eine Verwarnung, Fleisch und Milch nicht zu vermischen; diese Verwarnung steht dreimal in der Thora: Einmal um das Essen selbst, einmal um des Nutzens davon and einmal, um das Kochen zu verbieten. (Chullin 115 b.) Chronik des jüdischen Lebens Zehn .Kisten Frachtgut sind von Jerusalem nach London aufgegeben worden; sie sind ausschließlich mit Akten und Dokumenten ungefüllt: der Ausbeute, die die Königliche Kommission nach England heimbringt und auf Grund deren sie nun ihren Bericht ausarbeiten wird. So ernst und schwer auch die sechsmonatige Zeit des Boykotts und des Terrors gewesen ist, es wird sich jetzt die in diesen Blättern mehrfach gemachte Voraussage bewahrheiten, daß nicht mit Karabinern und Autofallen, sondern, mit den Mitteln der Politik der eigentliche Kampf um den Fortgang der jüdischen Palästina-Einwanderung geführt werden wird. Dieser Kampf wird jetzt entbrennen. Es läßt sich nicht vorausschen, ob er nicht wieder durch Karabiner und terroristische Mittel beeinflußt werden wird, denn das Land ist noch immer unruhig, und die Abreise des Generals Dill sowie auch die Entlassung der in der Boykottzeit eingestellten mehrerea tausend Hilfspolizisten sind nicht gerade Maßnahmen, durch die sich die räuberischen Elemente unter den Arabern eingeschüchtert fühlen werden. Aber trotzdem: die nächsten Entscheidungen fallen in London. Man weiß, daß die Araber, die sich in letzter Stunde doch noch dazu bequemten, vor der Königlichen Kommission zu erscheinen, nichts von ihren radikalen Forderungen nachgelassen haben; die Aussagen des Großmufti und anderer Araberführer waren darin überdeutlich, und es zeigt sich, daß die Araber auch jetzt wieder in London selbst vorstellig und politisch tätig werden. Es ist erfreulich und beruhigend zugleich, daß, wie man weiß, auch die jüdischen Stellen nicht tatenlos abwarten, .und vor allem ist es Dr. Weizmann selbst, der durch Fühlungnahme mit hohen Führern der allgemeinen Politik Englands und anderer "Mächte darum bemüht bleibt, die durch Völkerbundsmandat zugesicherte Einwanderungsmöglichkeit für unsere jüdischen Menschen auch weiterhin uneingeschränkt aufrechtzuerhalten. Während so um jüdisches Leben und jüdische Zukunft im Heiligen Lande der ernste Kampf andauert, ist auf geistigem Gebiete ein strahlender Sieg errungen worden: Toscan^ni, der international anerkannte Meister, hat an seinem 70. Geburtstag in Tel-Awiw dirigiert, und die Konzerte, die er und Bronislaw Hubermann gaben, sind Musikfeste für das ganze Land, ja für die Juden aller Länder geiworden. Und noch ein anderes Ereignis geistiger Art hat sich vollzogen: die Juden Palästinas haben wieder ein geistliches Oberhaupt; der als Nachfolger des verewigten Rabbi Cook gewählte bisherige Oberrabbiner von Irland, Dr. Isaac Herzog, hat sein Amt als Oberrabbiner van Palästina angetreten. Hochbedeutsam wird die Entscheidung der palästinensischen Frage für die Juden der ganzen Welt sein. Denn man weiß, die Juden brauchen dringender als zuvor Einwanderungsmöglichkeiten, diese aber werden überall nicht größer, sondern geringer. Der Auswanderungswille der Juden Deutschlands ist noch immer im Zunehmen begriffen, und in Polen ist die Lage der Juden im höchsten Grade kritisch. Das Hungerelend weiter jüdischer Kreise ist furchtbar; durch das am 1. Januar in Kraft getretene Schechita-Gesetz, hat — abgesehen von der religiösen Seite dieser Angelegenheit — die Verarmung der jüdischen Bevölkerung und die finanzielle Schwächung der Gemeinden erheblich zugenommen; in Warschau und in Krakau sind für die Gemeindeverwaltung Staatskommissare eingesetzt, ist also die jüdische Gemeindeautonomie vorübergehend suspendiert worden, die Universität Wilna mußte im Anschluß an eine Abstimmung über Einführung sogenannter Ghettobänke geschlossen werden, in andern Teilen des Landes kam es zu schweren Ausschreitungen, und hohe Stellen der Regierung sowie auch politische Persönlichkeiten verlangen jüdische Zwangsauswanderung — dies alles zur selben Zeit, da eines der größten Einwanderungsländer, in dem noch bis vor wenigen Wochen zahllose Juden Zuflucht fanden, Südafrika, durch ein neues Gesetz seine Tore für Einwanderer geschlossen hat. Es Ist kein antisemitisches Ge- 9