Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 15 (1937)
- Issue
- 2 (1.2.1937) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Magdeburg, Duisburg, Bremen, Nordwestdeutschland, Tilsit, Halle, Stettin und Pommern)
- Date
- 1937-02-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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setzen. Die Kinder spielen überhaupt eine große Rolle; wir sehen wieder, wie sie in der freien Natur der Siedlungen gedeihen. Oder wir begegnen den jungen Menschen der schon fast ehrwürdigen (1870 gegründeten) Landwirtschaftsschule Mikweh Israel an der großen Straße Tel Aviv-Jerusaiem, wo sie im Orangen-Packhaus die abgeernteten Früchte in Kisten füllen. Diese Photographien von Anne Mosbacher sind mehr Brücke über den Jordan Mosbodier als Anhaltspunkte der Erinnerung. Sie haben durchaus das Zeug dazu, bildmäßig Wände zu schmücken und, namentlich in den Vergrößerungen umfangreichsten Formats, die gleichwohl alle Feinheiten und Schärfen auffangen, in den Schulen oder an den Stellen jüdischen Gemeinschaftslebens vom heiligen Lande zu künden. Max Osborn. Ausblick auf die Wirtschaft Die Einengung der wirtschaftlichen Betätigung darf nicht zu einer Verengerung des Gesichtskreises der wirtschaftenden Menschen führen. Wenn auch die weltwirtschaftliche Verflechtung gegenwärtig nicht mehr von so großer Bedeutung ist - wie in der Vorkriegszeit, so ist sie doch bestehen geblieben und soll auch nach den ausdrücklichen Erklärungen der Keichsregierung nicht etwa beseitigt werden. Völlige Abschließung und Selbstversorgung sind in einer hochentwickelten Volkswirtschaft undurchführbar. Die in der Zeitschrift der Internationalen Handelskammer veröffentlichten statistischen Übersichten zeigen freilich deutlich, daß die Verflechtung lockerer geworden ist und daß Weltproduktion und Welthandel nicht mehr die gleiche Entwicklung genommen haben. Während die Welterzeugung nach der Überwindung der großen Wirtschaftskrise bereits wieder den im Jahre 1929 erreichten Höchststand überschritten hat, lag der Umfang des Welthandels im Jahre 1936 noch immer um etwa ein Viertel unter dem Vorkrisenstande. Der letzte Bericht der Internationalen Handelskammer zeigt jedoch, daß sich diese Divergenz infolge der fortschreitenden Belebung des Warenaustausches von Land zu Land allmählich wieder verringert. Von den durch die Statistik erfaßten 33 Ländern, auf die insgesamt vier Fünftel des Welthandels entfallen, haben 27 in den ersten neun Monaten des Jahre 1936 ihre Ausfuhr erhöhen können, darunter 18 um mehr als 10 Prozent. Die Wareneinlubr ist in 26 Ländern gestiegen. Der Außenhandel hat fast überall sowohl wertwie mengenmäßig zugenommen. Mit dem Wiederaufstieg der Weltwirtschaft geht, wie gewöhnlich, eine Aufwärtsbewegung der Weltmarktpreise Hand in Hand. Mag die Nachfragesteigerung nach manchen Rohstoffen auch künstlich, nämlich teils durch Anlegung nationalwirtschaftlicher Reserven, teils durch internationale Karteilabmacbungen, hervorgerufen oder verstärkt worden sein, so ist doch das Ergebnis praktisch eine so starke Erhöhung der Preise fast aller Welthandelsartikel, wie sie vor gar nicht langer Zeit kaum für möglich gehalten wurde. Die Preiserhöhungen, die im Laufe des Jahres 1936 eingetreten sind, sch warnten zwischen 80 bis 110 Prozent (Roggen-, Hafer-, BleipreiseJ und ö bis 10 Prozent (Zinn-, Baumwoupreisej. Erwähnt sei auch die Tatsache, daß die vielfach alle Erwartungen der Produzenten übersteigenden Preiserhöhungen mancher Rohstoffe zu einer Lockerung der internationalen Erzeugungseinschränkungen (so z. B. im Kupfer- und im Kautschuk- Kartell) geführt haben. Steigende Robstoffpreise sind ein Zeichen der Belebung des Verbrauchs und der Produktion. Daher kann es auch nicht überraschen, daß sich nach einer Berechnung des Instituts für Konjunkturforschung auch die gewerbliche Gütererzeugung der Welt im verflossenen Jahre abermals um rund 9 Prozent erhöht hak Der außerordentlich günstige Beschäftigungsgrad der deutschen Binnenwirtschaft spiegelt sich besonders klar in dem diesjährigen Geschäftsbericht der Fried. KruppA.-G.wieder. Der hohe Verbrauch von Kohle und Bisen im Maschinen-, Schiffs-, Automobil-, Flugzeugbau usw. verschafft der Montanindustrie steigende Beschäftigung und wachsenden Absatz. Krupp schüttet nach vierzehnjähriger Diridendenloaigkeit in diesem Jahre zum ersten Male wieder eine Dividende von 4 Prozent aus. Eine Reibe anderer Großunternehmungen, so z. B. die Frankfurter Metallgesellschaft, hat DJvidendenerhöhungen vornehmen können. — Die Saisonarbeitslosigkeit tritt in diesem Winter erheblich schwächer als in anderen Jahren in Erscheinung, teils infolge der milden Witterung, teils deshalb, weil die in den Außenberufen beschäftigungslos werdenden Arbeitskräfte in den von der Jahreszeit unabhängigen Betrieben infolge des konjunkturellen Aufschwungs sofort wieder Arbeit fanden. Infolgedessen ist die Zahl der Arbeitslosen in den letzten drei Monaten des Jahres 1936 nur um insgesamt 443 000 gestiegen, während sie in der gleichen Zeitspanne des Jahres 1935 noch um 802 000 zugenommen hatte. Eine Folge des hohen Beschäftigungsgrades ist die Zunahme der Kaufkraft der Verbrauch er. Diese kommt zuerst dem Einzelhandel zugute. Demgemäß waren die Dezemberumsätze in den meisten Handelszweigen erheblich höher als im Vorjahr. Überdurchschnittlich gute Umsatzergebnisse wurden in den Wäsche- und Schnittwarengeschäften und ferner in der gesamten Bekleidungsbranche erzielt. Die rege Nachfrage nach Textilwaren hat auch im Monat Januar im wesentlichen angehalten. Der gute Absatz des Einzelhandels bewirkte einen guten Bestellungseiogang beim Großhandel und bei der Industrie. Für jüdische Arbeitnehmer und Arbeitgeber ist die Schließung der jüdischen Arbeitsnachweise, die manches zur Milderung der Beschäftigungslosigkeit vieler jüdischer Menschen beitragen konnten, von großer Bedeutung. Alle Einstellungen jüdischer Arbeitskräfte können nunmehr nur noch über die zuständigen Arbeitsämter erfolgen. Das gilt sowohl für die Annahme jüdischer Lehrlinge in jüdischen Strandcafö’In Tel Aviv fot. Mosbodier Betrieben als auch für die Einstellung jüdischer älterer Angestellter auf Grund der V. Anordnung zur Durchführung des Vierjahresplans. Soweit Neueinstellungen vorgenommen werden können oder nach behördlicher Anordnung vorgenommen werden müssen, sollte es für alle jüdischen Betriebsinhaber eine Pflicht sein, auch jüdische Lehrlinge, Angestellte usw. anzufordern. H. N. ta k«lM*n JOdlsdn« Haaskalt dürfen die bewährten indischen „Alba“-Erzeugnisse fehleni „Alba“ - Seifenpulver „Alba“-Spölu. Retaigungspulvar „Alba“ - Bleichsoda Vertreter für Stettin: Fritz Behrendt, Warsowerstraße 8 Vertreter für Tilsit: Martha Simon, Saarstraße 4 8