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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1937-02-01 · 2 (1.2.1937) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Magdeburg, Duisburg, Bremen, Nordwestdeutschland, Tilsit, Halle, Stettin und Pommern) · p. Seite 7

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
15 (1937)
Issue
2 (1.2.1937) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Magdeburg, Duisburg, Bremen, Nordwestdeutschland, Tilsit, Halle, Stettin und Pommern)
Date
1937-02-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Maßstäbe geheimnisvoll verschiebt. Es ist ja bekannt, wie durch diese Eigenschaften des Luftfluidums in der Landschaft Palästinas oft fernliegende Partien ganz nah heranzuschweben scheinen. Anne Mosbacher jedoch hat diesen ganzen Komplex von Schwierigkeiten aus einer natürlichen Photographenbegabung überwunden. Was die große Zahl ihrer Bildblätter (von der hier uur ein paar Kostproben wiedergegeben werden können) Der Chaluz Fot. Mosbadier vor uns .ausbreitet, ist ein umfassendes Panorama der unendlich verschiedenartigen Erscheinungsformen des heiligen Landes. Es ist ja in Palästina so, daß man dem Schofför eines Autos sagen kann: Fahr’ mich in ein anderes Klima; in einer knappen Stunde ist der Wunsch erfüllt. Aus der feuchten, mitunter seltsam dunstigen Wärme des Küstenstreifens geht es in die Bergwelt hinauf, wo man sich an die erquickende, reine Luft alpinen Hochgebirges erinnert fühlt, und im gleichen kurzen Zeitraum durch die starrende Öde der Judäischen Wüste wieder hinab in die subtropischen Gefilde des Jordan-Tals, der grünenden Oase Jericho und des märchenhaften Ufergeländes am Toten Meer. Das alles hat Anne Mosbacher mit ihrem winzigen Apparat durchstreift, dessen Ergebnisse sie später in erstaunliche Vergrößerungen umwandelte. Da ist das Land mit seinen weitgedehnten Fernblicken. Da sind die malerischen Städte, in denen sich die farbenschillernde Araberwelt, die orientalischen Reviere der alteingesessenen Judenschaft und die aus modernen Baugedanken erwachsenen Straßen der neuesten Zeit miteinander abwechseln. Ein beispielloses Gewimmel von Menschentypen verwirrt das Auge. Im Hafen wogt buntestes Getriebe und Gedränge. Bei den Neubauten, die wie Pilze aus der Erde schießen, sind jüdische Bauarbeiter im Schweiße ihres Angesichts am Werk. Vor den arabischen Läden steht wartend, lächelnd, in beneidenswerter Ruhe der Verkäufer und hat den Gesamtvorrat seines Warenangebots draußen am Hause angebracht, am Gemäuer, auf - dem Pflaster, als anmutige Umrahmung des Eingangs. Vor den Cafös von Jaffa 9itzen sie, mit Fez oder Turban, imposant eingehüllt in den Faltenwurf ihrer langwallenden Gewänder, und saugen an dem schlangenartig gewundenen Schlauch der Wasserpfeife. Blinde Bettler hocken an der Klagemauer — wieviele Photos dieser berühmten Stelle haben wir schon gesehen: diese ist ganz anders, ganz persönlich aufgefaßt Auf der Terrasse eines in Würfelform kubisch erbauten Hotel-Restaurants in Tel Aviv sitzen am Spätnachmittag europäisch gekleidete Menschen teeschlürfend an kleinen Tischchen; man sieht zu ihnen hinüber und hat auf ihren Gesichtern den Abglanz des großartigen Schauspiels der untergehenden Sonne, das sie bestaunen. Diese geschickte Methode der indirekten Verdeutlichung eines Vorgangs wird von Anne Mosbacher öfters verwendet So werden wir Zeugen einer arabischen Schaustellung auf der Straße, wo sich ein. Zauberkünstler, Jongleur oder Messerschlucker sehen läßt —: die Photographin tritt heran und knipst, aber nicht den Wundermann, sondern die Zuschauer, in deren Gesichtem und Bewegungen sich das große Erlebnis spiegelt. Der Zeitungsverkäufer hat einen ganz phantastisch dreinblickenden Aufbau von scheinbar unzähligen Tagesblättern und Zeitschriften - Bildtiteln emporgetürmt. Der Gemüseverkäufer zieht vorbei und nimmt ein Schallrohr zu Hilfe, um seine lockenden Rufe eindringlicher und weitreichender zu machen. In Werkstätten und Fabriken wird mit leidenschaftlichem Eifer gearbeitet. Aber dann geht es aufs Land hinaus, und hier hat Frau Mosbacher vielleicht die schönsten Motive gefunden. Die kräftigen, gesunden, von ihrer aufbauenden Pflicht im Herzen erfüllten jungen Menschen sind niemals frischer, plastischer festgehalten worden. Anmutige junge Mädels tauchen auf, mit runden Gesichtern und runden Armen, den Kopf durch ein bäuerliches Tuch gegen die Sonne geschützt, zeigen lachend ihre weißen Zähne und lassen den Wind mit den auf dem Kopftuch vorquellenden Haaren spielen: Bilder der Wirklichkeit und zur selben Zeit Repräsentanten gleichsam, Denkmäler ihrer ganzen Berufsschicht. Manche davon kennen wir schon, da sie mit Recht auf Deckblättern von Kalendern und zu Werbezwecken verwendet wurden. Namentlich in der Kwuzah Giwath Brenner hat Anne Mosbacher sich festgesetzt, um das fröhlich-tätige Leben in dieser musterhaften Siedlung nahe Rechoboth zu studieren und auf ihren Negativplatten aufzubewahren. Es ist sehr willkommen, wie wir hier eine Anschauung vom täglichen Tun der neuen jüdischen Jugend gewinnen. Ihre Zeltstadt liegt vor uns, von fern an Patriarchenzeiten erinnernd, und gleich daneben die modernen Baulichkeiten, Szene In Jaffa [fe».'Mo*ba<her die nach und nach die im Winter doch etwas luftigen Zelte ersetzen sollen. Wenn Frau Mosbacher ein wenig von dem zufriedenen und heiteren Familientum der Kolonien zeigen will, so nimmt sie etwa die jungen Väter aufs Korn, die stolz den Kinderwagen schieben oder am Freitag Nachmittag ihre kleinen Buben an der Schule im nahen größeren Ort abholen, zu sich auf den Esel setzen und sich mit ihnen nach Hause, aufs Land, in Bewegung 7

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