Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 15 (1937)
- Issue
- 2 (1.2.1937) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Magdeburg, Duisburg, Bremen, Nordwestdeutschland, Tilsit, Halle, Stettin und Pommern)
- Date
- 1937-02-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Quartals (Juli bis September 1936) m der Januarntunmer unseres Gemeindeblattes Yenriesen werden. Der Landesverband erwartet von dem Ansbau des Meldewesens bei Beseitigung der bisher leider noch vorhandenen Lücken die Schaffung einer wesentlichen Grundlage für die planmäßige Behandlung aller Fragen der jüdischen Gemeinde- und Sozialarbeit. Die aeelsorgerlsehe Betreuung jüdischer Insassen in Straf- und Heilanstalten ist bisher von keiner jüdischen Stelle aus zentral bearbeitet worden. Dieser Aufgabe hat sich nun der Landesverband angenommen, indem er dafür sorgt, daß eine Seelsorge überall dort, wo sie erforderlich ist, lückenlos durchgeführt wird. Gegen Ende der Berichtszeit ist es dem Landesverband gelungen, eine Vereinbarung mit der Mannheimer Versicherungsgesellschaft zu treffen, die es allen dem Verband angeschlossenen Gemeinden ermöglicht, ihre Friedhöfe auf besonders vorteilhafter Grundlage zu versichern. Ähnliche Bemühungen in bezug auf Synagogen und sonstige Gebäude sind im Gange, haben bisher aber nicht zu einem befriedigenden Ergebnis geführt. Die Jüdische Lehrerbildungsanstalt-Berlin, deren Aufbau und Arbeit in dem Tätigkeitsbericht für 1935/36 ausführlich dargelegt worden ist, hat zu Ostern 1936 einen neuen Lehrgang mit 15 Hörern und Hörerinnen eröffnet. Gleichzeitig wurde die Ausbildung des Oberkurses abgeschlossen. Die Absolventen haben sich im September 1936 vor einer besonders ernannten neungliedrigen staatlichen Prüfungskommission unter dem Vorsitz von Ministerialdirektor Oberschulrat Dr. Colling in Anwesenheit des Leiters der Lehrerbildungsanstalt, Dr. Fritz Bamberger, der Abschlußprüfung für das Lehramt an jüdischen Volksschulen unterzogen. Die Ergebnisse der Prüfung, die sich auf sämtliche Fächer erstreckte, können als besonders günstig bezeichnet werden. Es haben 14 Hörer und Hörerinnen die Prüfung bestanden und ausnahmslos inzwischen bereits eine Anstellung innerhalb des jüdischen Schulwesens gefunden. — Zum Ende des laufenden Schuljahres wird der zweite Lehrgang zur Schlußprüfung zugelassen werden. Auf dem Gebiet der Lehrerfnrtbildung hat eine Reihe von Veranstaltungen stattgefunden. Ostern 1936 fand in Bonn eine Tagung statt, die die Arbeit einer zweiklassigen jüdischen Volksschule veranschaulichen sollte. Am Ende der Sommerferien wurde eine pädagogische Arbeitstagung in Berlin abgehalten. die aus einer Reihe von Lehrproben mit anschließenden Besprechungen bestand und bei der Lehrerschaft reges Interesse gefunden hat. Im Dezember wurde in Stettin eine Tagung für die Lehrer aus Pommern. Mecklenburg und den angrenzenden Gebieten veranstaltet, die besonders auf die Arbeit der Lehrer in den Kleingemeinden abgestellt war und ihnen vielfältige Anregung geboten hat. — Weitere derartige Tagungen, die nach dem Berliner Vorbild Lehrproben mit anschließenden Besprechungen bieten sollen, sind für den Anfang des nächsten Geschäfts iah res bereits vorbereitet. Neben den einmaligen Veranstaltungen wurden auch die laufenden Fortbildungseinrichtungen weitergeführt. So fanden in Breslau einige Kurse statt. In Berlin sind 2 Spezialkurse für Hauswirtsrhafts- und Handarbeitsunterricht eingerichtet worden, die gut besucht sind. In Frankfurt am Main wurde im Berichtsiahr besonderer Wert auf die hebräische Fortbildung der Lehrer gelegt. Schließlich wurde der vor 2 Jahren eröffnete Kursus, durch den eine Reihe von akademischen Lehrkräften die facultas für den jüdischen Religionsunterricht erlangen sollte, im Berichtsjahr zu Ende geführt. Im November fand die schriftliche und mündliche Abschlußprüfung statt, die von allen elf zugelassenen Teilnehmern bestanden wurde. Die Absolventen werden demnächst noch eine Lehrnrobe abzulegen haben und dann das Zeugnis über ihre Befähigung zur Erteilung des Religionsunterrichts erhalten. Im ganzen haben zweiunddreißig akademisch gebildete Lehrkräfte die Befähigung zur Erteilung iüdischen Religionsunterrichts erhalten. Die im vorigen Tätigkeitsbericht ausführlich dargestellten Kulturfahrten sind in der bisherigen, bewährten Weise fortgeführt worden. Die seelische Wirkung, die sie hervorgerufen haben, ist. wenn möglich, noch stärker gewesen, was sich u. a. auch darin bemerkbar macht, daß die Gesuche, die von den Gemeinden beim Landesverband eingehen. Kulturabende bei ihnen ahzubalten. sowohl der Zahl als auch der Dringlichkeit nach ständig zunehmen. Auch das Gemelmtehlatt konnte während des Berichtsjahres weiter ausgebaut werden. Die Zahl der lokalen Teile ist durch Hinrntritt von Tilsit und Thüringen vermehrt worden; Verhandlungen mit weiteren Gemeinden «ind im Gange. Während des Geschäftsjahres 1936 ist die Wanderhüeherei des Landesverbandes zu ihrer vollen Auswirkung gelangt. Der Bestand der Wanderbücherei beträgt zur Zeit rund 1100 verschiedene Werke; die gesamte Bändezahl beläuft sich auf etwa 3000. Eine Reihe neuer Gemeinden und Gemeindebezirke, besonders im Norden und -Nordwesten des Verbandsgebietes konnte mit Bücherpaketen und Bücherkisten beliefert werden. Zahlreiche Gemeinden wandten sich an die Bücherei, um von ihr Beratung in bildungspflegerischer und büchereitechnischer Hinsicht zu erhalten. Die Schaffung einer Jugendbüeherel, die mit 270 Bänden ihren Anfang machen wird, ist in Angriff genommen worden. Der bereits angekündigte besprechende Bücherkatalog der Wanderbücherei ist zu Cbanukkah erschienen. Dadurch, daß dieser Katalog die vorhandenen Bücher nicht nur nach Titeln und Verfassern aufzählt, sondern auch ihren Inhalt in gedrängter, aber anschaulicher Weise darstellt, vermittelt er jedem Leser eine Gesamtüberaicht über die in der Wanderbücherei enthaltene jüdische Literatur. Er wirkt dadurch für alle als besonderer Anstoß, aich der Bücherei zu bedienen. Die Kulturarbeit des Landesverbandes und damit die volksbildnerische Wirkung der Wanderbücherei erhält hierdurch neuen Auftrieb. Die Zusammenarbeit des Landesverbandes mit den verschiedenen bestehenden Provinzialverbänden und den angeschlossenen Landesverbänden hat sich in der bisherigen vertrauensvollen Weise abgespielt. Zu den Tagungen der Provinzialverbände sind regelmäßig Vertreter des Landesverbandes erschienen, während andererseits die Vorsitzenden der Verbände des öfteren das Landesverbandsbüro zu eingehenden Besprechungen und Informationen aufsuchten. Am 19. April 1936 fand eine Tagung des Großen Rates statt, der u. a. die Verabschiedung des Haushaltsplanes und die Festsetzung der Umlage für das Geschäftsjahr 1936 oblag. Es wurde ferner die Verlängerung der Legislaturperioden der Verbandskörperschaften um zwei Jahre und eine Ermächtigung der Dezernenten beschlossen, darüber zu entscheiden, ob der Verbandstag während der Geschäftsjahre 1936 und 1937 einberufen werden soll. Ferner wurde der Rat ermächtigt, von einer Vorlage des Haushaltsplanes an den Verbandstag im Jahre 1936 und 1937 abzusehen. Es sind folgende personelle Veränderungen eingetreten. Die Ratsmitglieder Dr. Simonsohn-Breslau und Rechtsanwalt Dr. Cohn-Bonn sind verstorben. An ihre Stelle sind Dr. Walter Luz-Breslau und Rabbiner Dr. Neuhaus-Frankfurt am Main in den Großen Rat eingetreten. Das stellvertretende Ratsmitglied Alfred Rosenberg-Witten ist ausgewandert. Der Verbandstag hat durch den Tod die Abgeordneten Justizrat Dr. Julius Brodnitz-Berlin, Dr. Ludwig Holländer- Berlin und Dr. Adolf Wechselmann-Bgrlin verloren. An ihre Stelle sind Joseph Salomon-Berlin, Frl. Dora Silbermann-Berlin und Dr. Emil Rosenberg-Berlin getreten. Das stellvertretende Ratsmitglied Aron Baer-Köln hat sein Amt niedergelegt. An seine Stelle ist Dr. Meno Lissauer-Köln zum stellvertretenden Ratsmitglied bestellt worden. Palästina von heute Photographien aus Palästina haben wir während der letzten Jahre zu vielen Dutzenden, ja Hunderten gesehen — aber die Aufnahmen, die Frau Anne Mosbach e r aus Kassel als Früchte zweier längerer Studienfahrten mitgebracht hat, bilden ein Kapitel für sich. Sie gehören in Wahrheit zum Allerbesten, was die neuere Photographie aufzuweisen hat, weil sie gänzlich ungezwungen die beiden Elemente verbinden, aus denen die eigentliche Kunst des Lichtbildes besteht: vollkommen dokumentarisch-sachliche Klarheit und Zuverlässigkeit, die sich offen zur mechanischen Arbeit der Kamera bekennt, und persönlichste Behandlung dieser kleinen Maschine. Zugleich fühlt man die herzhafte Freude, die unmittelbare Anteilnahme, aus denen Frau Mosbachers Arbeiten entstanden sind. Das alles zusammen ergibt ihre ganz besondere Wirkung. Aufnahmen von solcher Güte und Gültigkeit zu machen, ist in Palästina gar nicht so einfach. Man glaubt wohl, die starke Sonne des Landes müsse dem Photographen ähnlich zugute kommen wie etwa in Italien. Gewiß, ihre verschwenderische Leuchtkraft bedeutet ihm eine Förderung. Aber die vorderasiatische Sonne ist mit der italienischen nicht zu vergleichen. Ihre Macht ist so ungeheuer, daß man sehr vorsichtig damit umgehen und erst lernen muß, sie in den Dienst des Apparats einzuspannen. Daneben erwachsen nicht geringe Schwierigkeiten aus der palästinensischen Luft, aus dieser merkwürdigen atmosphärischen Schicht, die bald durch ihre kristallische Reinheit fast ein Übermaß an Transparenz aufweist, bald in der Hitze des Tages sonderbar flimmert, als vollführten ihre zahlreichen Moleküle tänzerische Bewegungen, und die in beiden Fällen alle uns geläufigen perspektivischen 6