Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 15 (1937)
- Issue
- 2 (1.2.1937) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Magdeburg, Duisburg, Bremen, Nordwestdeutschland, Tilsit, Halle, Stettin und Pommern)
- Date
- 1937-02-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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„R o s c h Anuna" (Gipfel des „Amana" — anspielend auf „Emuna“) fiber die Grundlehren des Glaubens, sowie „Mifalot Elohim“ (Wirkungen Gottes) fiber Schöpfung und Wunder. Nicht weniger als drei Schriften widmete er allein der messianischen Erwartung.: „Maajene jeschua“, „Jeschuot meschicho“ und „Mascbmia jeschuo“. Tief durchdrungen war Abravanel vom Kommen jenes Heilsträgers Israels, den er auf vielhundert Blättern unserer Bibel klar und deutlich verkündet fand. Im Exil, so vermutete er. wäre er bereits geboren, wie Mose der Befreier in Ägypten und Sernbabel in Babylon. Seine Zeit wäre nahe! Fern von jeder Schwärmerei schrieb er zugleich einen Kommentar zum More. Als endlich sein zweiter Sohn, der Arzt Joseph Abravanel, in Venedig Fuß gefaßt hatte, veranlaßte er den Vater zu einer. letzten Übersiedlung: in die schöne Lagunenstadt. Hier blieb eine einzige politische Aktion Episode, eine Verhandlung des Dogen mit Portugal, die Abravanel auf Wunsch des Dogen unterstützte. Thoradienst verklärte den Lebensabend des vielgeprüften Mannes, der den neuesten Forschungen zufolge am 25. November 1508 zu Venedig entschlief und zu Padua neben R. Jehuda Minz beigesetzt wurde (s. Carl Gebhardt, Regesten zur Lebensgeschichte Leone Ebreos, S. 55). — Was von der ehrfurchtgebietenden Gestalt Don Jizchak Abravanels sich bis heute am tiefsten in das Gedächtnis unserer Gemeinschaft eingeprägt hat, ist eingefaßt und gehoben durch den großen geschichtlichen Rahmen. Neuere jüdisch-wissenschaftliche Forschung hat aber auch ein reiches Gedankengut aus der Umhüllung der schwer zugänglichen Sprache seiner Schriften zutage gefördert, das uns nicht mehr verloren gehen kann. Tagung des Großen Rates des' Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden Der Große Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden hielt am Sonntag, den 17. Januar in Berlin seine Jahrestagung ab. Der frühe Termin dieser bisher meist im Frühjahr abgehaltenen Tagung war dadurch bedingt, daß das Geschäftsjahr des Verbandes nicht mehr wie früher von April zu April läuft, sondern mit dem Kalenderjahr zusammenfällt. Der Präsident des Rates, Kammergerichtsrat i. R. Leo Wolff, begrüßte bei Eröffnung der Sitzung die ordentlichen Mitglieder des Rates und eine Reihe von Stellvertretern, sowie die Delegierten der dem Preußenverband angeschlossenen Landesverbände und die Vorsitzenden der Provinzialverbände und gedachte der verstorbenen Ratsmitglieder Rnbbiner Dr. Simonsohn (Breslau) und Rechtsanwalt Dr. Cohn (Bonn). Der Präsident wies darauf hin, daß dem Landesverband große wichtige Arbeitsgebiete geblieben und neue hinzugekommen sind, wie sich aus dem den Mitgliedern vorgelegten Tätigkeitsbericht ergibt. Er kam sodann auf die Aufgaben der Reichsvertretung der Juden in Deutschland zu sprechen, deren Verfassung. Zusammensetzung und Arbeitsweise sich in den letzten Monaten verändert habe. Wichtig sei die kürzlich erfolgte Bildung eines Rates bei der Reichsvertretung, der sich mit grundsätzlichen Fragen der Selbstverwaltung der Gemeinden und der Landesverbände und vor allem mit der Überwachung der Finanzgebarung der Reichsvertretung und der Festsetzung des Haushaltsplanes zu befassen habe. Zwar habe die noch immer nicht völlig überwundene Auffassung der süddeutschen Verbände über gewisse Sonderinteressen innerhalb des deutschen Judentums eine dem wirklichen Kräfteverhältnis entsprechende Vertretung des Preußenverbandes verhindert, doch habe dieser sich gleichwohl zu tatkräftiger Mitarbeit im Rat bei der Reichsvertretung entschlossen. Es könne nicht die Rede davon sein, daß die Angliederung der norddeutschen Verbände einem angeblich bestehenden Expansionsbedürfnis des Preußenverbandes entsprungen sei. Vielmehr habe dieser nur seine Pflicht erfüllt, wenn er den kleinen, zum Teil schwach gewordenen Verbänden seine Hilfe und seine materielle Unterstützung angedeihen lasse. Auf diese Weise sei es gelungen, sie zu erhalten und zugleich die Fortsetzung ihrer Tätigkeit, zu der ihre eigene Kraft nicht reichte, sicherzustellen. Bei allseitigem Verständnis für die gemeinsamen großen Aufgaben sei auf segens- und erfolgreiche Zusammenarbeit zu hoffen. Der Eröffnungsansprache folgten — in ungefährer Anlehnung an den schriftlich vorgelegten Tätigkeitsbericht — die Berichte der ‘Dezernenten. Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee unterstrich die vom Präsidenten gemachten Bemerkungen über die Notwendigkeit des Zusammenschlusses, indem er darauf hinwies, daß der Schrumpfungsprozeß, von dem bisher im wesentlichen die Kleingemeinden betroffen waren, im jetzt abgelaufenen Geschäftsiahr in wachsendem Maße auch die Mittelgemeinden ergriffen hat. Der Redner gab eine Übersicht über eine Anzahl von Gemeinden, ihre Seelenzahl und ihre Steuersätze, aus der ersichtlich war, daß es sich um einen einheitlichen Vorgang handelt, demgegenüber auch nur ein einheitliches Vorgehen die Gemeinden lebens- und arbeitsfähg zu halten-vermag. Wie wenig es sich dabei um Expansionsbedürfnis des Preußenverbandes handelt, erhärtet die Tatsache, daß dieser rund 30 000 RM, d. s. 12 Prozent seiner Unterstützungsmittel an zu Norddeutschland gehörende nichtpreußische, aber dem Preußenverband angeschlossene Landesverbände zahlt. Dr. Klee berichtete dann über die vom Landesverband neugeschaffene Meldestelle für Binnen- und Auswanderung, die, im Zusammenhang mit den außerpreußischen Landesverbänden arbeitend, nicht nur eine jederzeitige Übersicht über die gesamte Wanderungsbewegung, sondern;— soweit Binnenwanderung in Betracht kommt — auch eine restlose steuerliche Erfassung Aller durch die Gemeinden ermöglicht. Rabbiner Dr. G a 11 i n e r wies ebenfalls auf die Ent- > wicklung in den Mittelgemeinden hin und zeigte, wie sehr sich diese auch auf das von ihm verwaltete Dezernat der ßezirksrabbinate auswirkt. Immer stärker ergibt sich die Notwendigkeit, auch mittlere Gemeinden mit Rabbinerstellen zu unterstützen und die Aufrechterhaltung der Rabbinate unter gleichzeitiger Ausgestaltung zu Bezirksrabbinaten zu sichern. Das Ziel ist, die rabbinische Versorgung aller Verbandsgemeinden künftighin sicherzustellen, und der Referent konnte darauf hinweisen, wie sehr es dem Landesverband seitens der Gemeinden gedankt wird, daß die Betreuung der Gemeinden sich nicht auf organisatorische Maßnahmen durch Verwaltungsfunktionäre beschränkt, sondern daß der Landesverband — ähnlich wie er die angeschlossenenVerbände als selbständige Gebilde unangetastet bestehen läßt — so auch den Gemeinden ihre Rabbinate und damit ihre geistigen Führer als Rabbiner der einzelnen Gemeinden erhält. — Anschließend berichtete Dr. Galliner über die vom Landesverband errichtete jüdische Lehrerbildungsanstalt Berlin. Im September 1936 haben 14 Hörer und Hörerinnen eine von einer staatlichen Prüfungskommission abgehaltene Prüfung bestanden un3 ausnahmslos inzwischen Anstellung innerhalb des jüdischen Schulwesens gefunden. Zum Ende des laufenden Schuljahres wird der zweite Lehrgang zur Schlußprüfung zugelassen werden. — Ähnlich günstige Ergebnisse liegen auf dem Gebiete der Lehrerfortblldung und der Religionslehrer-Kurse vor; eine Prüfung im November wurde von allen elf Teilnehmern bestanden, und im ganzen haben 32 akademisch gebildete Lehrkräfte die Befähigung zur Erteilung jüdischen Religionsunterrichtes erhalten. Dr. Hermann Schildberger berichtete üher die umfangreiche Tätigkeit der beim Landesverband neu eingerichteten Soadembtelluag für VenaügenaverwaltaBg, deren bis jetzt 28 ehrenamtliche Vertrauensleute überall im Lande im Einvernehmen mit den Provinzialverbänden 3