Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1937-01-01 · 1 (1.1.1937) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Magdeburg, Tilsit, Bremen, Nordwestdeutschland, Halle, Duisburg, Stettin und Pommern) · p. Seite 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
15 (1937)
Issue
1 (1.1.1937) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Magdeburg, Tilsit, Bremen, Nordwestdeutschland, Halle, Duisburg, Stettin und Pommern)
Date
1937-01-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/10279732-10279738-10021710--555-3981280
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

gesehen wird. Immer wieder muß daher auf die Notwendigkeit einer aktiven und selbständigen jüdischen Araber-Politik bingewiesen werden. Alles, was von jüdischer Seite zur Befriedung des Verhältnisses mit den Arabern getan werden könnte, würde nicht nur unserer Sache selbst nützen, sondern aueb die gegen England bestehende Spannung mildem. Was die innerjüdischen Verhältnisse betrifft, so ist es erfreulich, daß in einer Frage, die seit längerer Zeit nicht zur Lösung geführt werden konnte, endlich die Entscheidung gefallen ist: der bisherige Oberrabbiner von Irland, Dr. Isaac Herz, ist als Nachfolger des unvergessenen Rabbi Kuk zum Oberrabbiner von Palästina gewählt worden, und es sei auch an dieser Stelle die Hoffnung ausgesprochen, daß die Neubesetzung des hohen geistlichen Amtes auch über den Bezirk des Religiösen hinaus der Wohlfahrt des jüdischen Palästina und des ganzen Landes zum Segen gereiche. Was die übrigen Länder anbelangt, so ist es vor allen Polen, das die gespannteste Aufmerksamkeit der jüdischen Öffentlichkeit auf sich zieht. Die judenfeindlichen Vorgänge an den Universitäten und anderwärts sind bekannt; und wenn auch die Regierung jedem exzessiven Antisemitismus entgegentritt, so setzt sie doch ihre Bemühungen fort, eine Teillösung der Judenfrage durch Massenauswanderung der Juden Jterbeizuführen, und es ist nur zu begreiflich, wie sehr diese Tatsache im Verein mit Boykott und Studentenunruhen auf den Gemütern der gesamten polnischen Judenheit lastet. Andrerseits freilich setzt sich in weiten Kreisen der Judenschaft vieler Länder diese ganze Zuspitzung der Verhältnisse in einen bewußten und höchst aktiven Auswanderungswillen um. Der einzelne Mensch, die einzelne Familie und seihst eine ganze Gemeinde kann durch Auswanderung und Auswanderungsnotwendigkeit vor schwerstes Schicksal, vor unlösbare Probleme gestellt werden, von geschichtlicher Warte gesehen aber stellt sich alles ganz anders und letztlich als Regenerationsprozeß dar. Es ist ja nicht nur so, daß, was hier in Europa abgebrochen, in L'eberseeländem und im Heiligen Land neu aufgebaut wird, sondern der ganze Umbauprozeß und die Verhältnisse, die zu ihm geführt haben, haben uns mit bestimmten geistigen Erfahrungen ausgestattet, die — dem Einzelnen unbewußt — dennoch in der kommenden Generation zu segenvollster Auswirkung gelangen werden. Als wir — an der Schwelle, die das Jahr 1935 von dem jetzt abgelaufenen Jahre 1936 — hier über diese Umpflanzung eines großen Teiles der europäischen Judenheit schrieben, zitierten wir an dieser Stelle das Wort eines führenden Rabbiners der jüngeren Generation. Ignaz Maybaum: „Gott kann uns auch auf Wegen helfen, die wir nicht wünschen, weil sie uns wehetun“. Wir wollen heute, da das Gefühl für die Notwendigkeit solchen Neubeginns an neuer Stelle überall stärker und tiefer geworden ist, bei Beginn dieses neuen Kalenderjahres 1937 dem gleichen Gedanken Ausdruck geben durch Anführüng des Wortes, das der jüdische Dichter Stefan Zweig seinen Jeremias sprechen läßt: Gott hat die Straßen, die ihr beschreitet. Wissend bereitet; Wandervolk, Gottesvolk, auf, in die Welt! Oder, noch stärker als das Dichterwort, mag das Prophetenwort als Motto über dem Jahre 1937 stehen, das wir Jesaja 65, 17 als Verheißung Gottes an Israel lesen: Denn siehe, ich schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde, daß man der früheren nicht mehr gedenkt. Von Sabbat zu Sabbat Schabbat „Waera“, 9. Januar 1937. Thora Vorlesung: 2. Buch Mose 6,2—9,35. Haftara: Ezechiel 28,25—28,26; 29,1—29,21. Gott sprach za Mose: „Ich hin der Ewige . . ." Ich bin treu, guten Lohn za zahlen denen, die meine Wege gehn. Nicht umsonst habe ich dich geschickt, sondern, am meine Worte in Erfüllung za bringen, die ich zu den ersten Vdtern gesprochen habe. (Torat Kohamm.) ,Jch bin der Ewige . . “ Ich bin wahrhaft, zu strafen. So heißt es bei den Verheißungen der Strafen: Du würdest den Namen deines Gottes entweihen; ich bin der Ewige. (Levillcus 19, 12.) Schabbat „Bo“, 16. Januar 1937. Thoravorlesung: 2. Buch Mose 10,1—13,16. Haftara: Jeremia 46,13—46,28. „Es war am Ende von 4.10 Jahren.“ An diesem Tage zog Israel aus Ägypten: Das will besagen: Als das Ende der Knechtschaft gekommen war, hielt sie Gott nicht einen Augenblick zurück. Es war am 15. Nissan. Am 15. Nissan hatten einst die Dienstengel Abraham verheißen, daß ihm ein Sohn geboren werde. Am 15. Nissan wurde Isaak geboren. Am 15. Nissan fand auch der Bund zwischen den Stücken statt. (Mechilta.) Schabbat „B’schallaeh“, 23. Januar 1937. Thoravorlesung: 2. Buch Mose 13,17—17,16. Haftara: Richter 4,4—4,25 5,1 5,31. „Da wurde dem König von Ägypten berichtet . . .“ Pharao hatte Beobachter mit ihnen geschickt. Als die drei festgesetzten Tage verstrichen waren und sie nicht zurückkehrten, gingen die Beobachter und erzählten es dem König am 4. Tag. Am 5. und 6. Tag verfolgten sie die Ägypter, in der Nacht zum 7. Tag stiegen sie ins Meer hinab. Am Morgen sang Israel das Loblied am Schilfmeer. Das ist der 7. Peßachtag. Darum lesen wir am 7. Tag Peßach, das „Lied am Meer". (Mechilta.) Schabbat „Jitro“, 30. Januar 1937. Thoravorlesung: 2. Buch Mose 18,1—20,23. Haftara: Jesaja 6,1—6,13; 7,1—7,6; 9,5—9,6. „Gott erweist Gnade. . .“ Er bewahrt die Frömmigkeit der Menschen auf, ihnen den Lohn dafür bis zu 2000 Geschlechtern zu zahlen. Daraus ergibt sich: die Eigenschaft Gottes zu belohnen ist. 500 mal größer als die, die Eigenschaft zu bestrafen. Die Strafe erstreckt sich nur auf vier Geschlechter, der Lohn aber auf 2000. (Sota.) „Vollbringe dein ganzes Werk . . Wenn der Sabbat kommt, sei in deinen Augen dein ganzes Werk vollbracht, daß du nicht über die Arbeit nachdenkst. (Mechilta.) Kalender für Januar Freitag Jan. l labet 18 Sonnabend - 2 1» 19 Sch'moth Sonntag 3 n 20 Montag 4 21 Dienstag Mittwoch 5 22 6 n 23 Donnerstag » 7 m 24 Freitag n 8 25 Sonnabend ** 9 It 26 Waera. NeuroondsankOndlg Sonntag n 10 27 Montag ii 11 28 Dienstag « 12 29 Mittwoch 13 1 Neumond Donnerstag 14 SA’nt 2 Freitag 15 3 Sonnabend n 16 4 Bo Sonntag n 17 5 Montag » 18 6 Dienstag Mlttvrocn 19 20 fl 7 8 Donnerstag ii 21 9 Freitag » 22 10 Sonnabend 23 M 11 B’scballach. Schabb Schirah Sonntag n 24 12 Montag n 25 13 Dienstag 26 14 Mittwoch 27 15 Donnerstag w 28 16 Freitag » 29 17 Sonnabend 30 *» IS JLthro Sonntag » 31 9 19 Schabbat „Seh’mot“, 2. Januar 1937. Thoravorlesung: 2. Buch Mose 1,1—6,1. Haftara: Jesaia 27,6—27,13; 28,1—28,13; 29,22—29,23. Gott sprach zu Moses: „Ich werde mit dir sein . . Moses sprach: „Wer bin ich, daß ich zu Pharao gehet“ — Gott antwortete ihm: „Es ist meine Sache. Ich werde mit dir sein. Die Erscheinung am Dornbusch ist dai Zeichen deiner Sendung. Wie der Dornbusch meinen Auftrag erfüllt hat und Feuer ihn sticht verzehren konnte, so wirst du in meinem Aufträge gehen und keinen Schaden erleiden.“ — Moses fragte: „Welches Verdienst hat Israel, daß du sie aus Ägypten herausführen willst?“ —-Gott antwortete: „Ein großes Ziel habe ich bei diesem Aaszuge. Israel wird nach drei Monaten an diesem Berge die Thora annehmen.“ (Seb’ mot Rabba.) 10

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.