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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1937-01-01 · 1 (1.1.1937) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Magdeburg, Tilsit, Bremen, Nordwestdeutschland, Halle, Duisburg, Stettin und Pommern) · p. Seite 9

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
15 (1937)
Issue
1 (1.1.1937) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Magdeburg, Tilsit, Bremen, Nordwestdeutschland, Halle, Duisburg, Stettin und Pommern)
Date
1937-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Von einer Veröffentlichung der Gliederung nach Auswanderungszielen muß zurzeit abgesehen werden, weil, wie oben ausgeführt, hierfür zunächst die Abstimmung mit den Unterlagen des Palästinaamts und des Hilfsvereins notwendig ist. Dagegen bietet die berufliche Gliederung der Auswanderer auch bei Berücksichtigung der erheblichen Lücken der vorliegenden Meldungen interessante Vergleiche mit der Binnenwanderung (Tabelle 2). Wir beschränken uns hierbei auf Prozentzahlen, da die absoluten Ziffern, wie mehrfach erwähnt, leicht irreführen könnten. 6. Berufsgliederung der Auswanderung (in Hundertsätzen ohne Berücksichtigung der Fälle „ohne Angaben") Berufsgruppe männlich % ‘ welblidi % zusammen % Kaufleute selbständig 35.7 1.0 20.2 Angestellte 14,8 7,8 11,6 Handwerker selbständig 11,6 2,6 7,4 Gehilfen 2,6 0.3 1,6 Arbeiter 1,6 0.3 1,0 Arzte 3,0 0,3 1,8 sonstige freie Berufe 6.4 4.2 54 Hausangestellte 0.2 8,2 39 Landwirtschaf) 6.3 1,0 4.0 Schüler 10,6 11,2 10,9 ohne Beruf 7.2 63.1 32,2 Insgesamt 100,0 100,0 100,0 Die beruflosen weiblichen Personen, d. s. also im wesentlichen die Ehefrauen und Witwen, stellen mit rund 28 Prozent auch hier die stärkste Gruppe. Dagegen rangieren in der Auswanderung die selbständigen Kaufleute (20 Prozent) und Angestellten (fast 12 Prozent) aus verständlichen Gründen weit vor den Hausangestellten (etwa 4 Prozent). 9 Prozent machen die Handwerker und Gehilfen aus, deren Anteil an der Binnenwanderung nur rund 5 Prozent beträgt. — Auffallend auch hier wieder der über 10 Prozent starke Anteil der Schüler, der die Bedeutung der Familienauswanderung unterstreicht. Die ergänzenden Tabellen über Alter und Familienstand zeigen etwa das gleiche Bild wie bei der Binnenwanderung. 7. Altersgliederung der Auswanderung (in Hundertsätzen ohne Berücksichtigung der Fälle „ohne Angaben") Alter männlidi % weiblich % zusammen % unter 20 19,1 21 5 20,2 20-29 302 28.5 29,4 30-39 20.9 20,9 20,9 40-49 14.1 14,0 14.1 50 und darüber 15,7 15.1 154 Insgesamt 100,0 100,0 100,0 t 8. Familienstand bei der Auswanderung (in Hundertsätzen ohne Berücksichtigung der Fälle „ohne Angaben"! Familienstand männlich % welblidi % zusammen % Ledig 58,7 47.6 537 Verheiratet 380 40.5 39,1 Verwitwet 1 2 :8.5 4.5 Geschieden bezw. ge'rennt 2,1 34 2,7 Insgesamt 100,0 100,0 100,0 Ein wesentlicher Unterschied besteht nur hinsichtlich des Verhältnisses von ledigen zu verheirateten Personen, das bei der Binnenwanderung etwa Sr: 2 betrug, während es sich bei der Auswanderung auf etwa 4 :3 zugunsten der Verheirateten gebessert hat, eine Feststellung, deren Bestätigung durch die Ergebnisse der folgenden Quartale abgewartet werden muß, die aber unter Umständen zu sehr bedeutungsvollen Einsichten in die bevölkerungspolitischen Auswirkungen der Auswanderung führen kann. Zum Schluß auch hier wieder die Übersicht über die Staatsangehörigkeit: 9. Staatsangehörigkeit und Auswanderung (in Hundertsätzen ohne Berücksichtigung der Fälle „ohne Angaben") Staatsangehörigkeit männlich % weiblich % zatenann '% Deutsche 77.6 75.7 76,8 Polen 11,3' 12.1 11,6 Staatenlose 5.0 4.6 4.8 Sonstlqe 61 76 6.8 Insgesamt 100,0 100,0 100,0 Sie zeigt den im Verhältnis zur Binnenwanderung fast verdoppelten Anteil der Ausländer. Gerade bei der Auswanderung werden sich hundertprozentig exakte und vollständige Meldeergebnisse kaum je erzielen lassen. Trotzdem geben die gewonnenen Zahlen fundierte Anhaltspunkte für die prozentuale Aufgliederung der Auswanderung. Durch die Abstimmungen mit den Unterlagen des Palästinaamts und Hilfsvereins sollen in Zukunft die Daten der Meldestelle, soweit möglich, noch ergänzt und verbessert werden, so' daß wir hoffen können, auch hinsichtlich der Auswanderung allmählich zu einer . wertvollen Vervollständigung unseres Zahlenmaterials zu gelangen. Der erste Quartalsbericht der. Meldestelle für Binnen- und Auswanderung wird die Zweckmäßigkeit der Initiative des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden gezeigt haben. Wert und Bedeutung der begonnenen Arbeit für alle künftigen Erörterungen der Wanderungsprobleme ebenso wie der jüdischen Gemeinde- -und Sozialfragen in Deutschland liegen auf der Hand. An den Gemeinden und ihrer weiteren Mitarbeit wird es liegen, daß dem Anfang eine fruchtbare Entwicklung des Meldewesens folgt. Chronik des jüdischen Lebens Das ganz außergewöhnliche, nie zuvor dagewesene Tempo, in dem sich heute die Weltgeschichte abspielt, wird einem jedesmal bewußt, wenn man am Beginn eines neuen die Geschehnisse des vergangenen Monats überdenkt. Der englische Thronwechselhat jeden von uns auf das tiefste aufgewühlt; nichts von unseren Erschütterungen und Empfindungsstürmen ist vergessen,- jede Einzelheit steht mit ungeminderter Lebendigkeit vor uns — aber die Tatsache dieses Thronwechsels erscheint uns bereits „alt“, und wir wundern uns, wenn wir feststellen, daß das alles noch nicht einmal einen Monat zurückliegt und also wirklich in die diesmalige „Chronik“ hineingehört. So schnell leben und erleben wir also heute! Und müssen nun sagen: es war auch unser Erleben und gehört in die jüdische Chronik. Denn die englische Judenheit steht schon seit langem in einem besonders engen Verhältnis zur Krone; die gesamte Judenheit aber steht, seit dem Erlaß der Balfour-Deklaration und seit Uebemahme des Palästina- Mandats durch England, in einem besonderen Verhältnis zu England, und so fanden die Londoner Vorgänge einen Widerhall unter den Juden nicht nur des ganzen britischen Reiches, sondern aller Länder der Erde. Widerhall — das heißt in diesem Falle vor allen Dingen: Anteilnahme. Denn zu irgendwelchen Folgerungen besteht kein Anlaß. Es ist anzunehmen, daß das Verhältnis zwischen der Krone'und der jüdischen Bevölkerung des Reiches auch unter dem neuen König George VT. ein beiderseits herzliches sein wird, und in die Entwicklung der palästinensischen Dinge dürfte der neue Monarch direkt sicher zur Zeit keinen Eingriff beabsichtigen, vielmehr wird die Königliche Kommission ihre Arbeiten zu Ende führen und alles seinen weiteren instanzenmäßigen Verlauf nehmen. Einschneidende Ereignisse von London aus sind also in Palästina nicht zu erwarten. Eine ganz andere Frage ist, ob in Palästina selbst der von der Regierung vorgesehene planmäßige Verlauf der Dinge eine Aenderung erfahren wird; es ist eine neue Welle von Unruhen und Terrorakten ausgebrochen, die zwar in ihrem Ausmaß weit hinter der Unruheperiode des vergangenen Sommerhalbjahrs zurückbleibt, die aber andererseits von vielen als Vorzeichen großer Aktionen gedeutet wird, und die, auch wenn man sich auf derartige Prophezeiungen nicht einlassen will, den ganzen Ernst der Lage anzeigt. Die Spannung in Palästina und in den nahegelegenen arabischen Reichen richtet sich ganz deutlich gegen den europäischen Einfluß überaaupt, als dessen Exponent England an- 9

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