Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 15 (1937)
- Issue
- 1 (1.1.1937) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Magdeburg, Tilsit, Bremen, Nordwestdeutschland, Halle, Duisburg, Stettin und Pommern)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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reichen sonstigen größeren Gemeinden aber in der Spalte „sonstiges Preußen und Norddeutschland“ enthärten sind, so daß sicher ohne Übertreibung angenommen werden kann, daß die Zuzüge zu mindestens 80 Prozent Gemeinden mit mehr als 1000 jüdischen Einwohnern betreffen. Besonders aufschlußreich ist die Aufteilung der Binnenwanderungsergebnisse nach den Berufen. 2. Berufsgliederung der Binnenwanderung Berufsgruppe männlidi weiblidi zusammen Kaufleute selbst. 294 9 303 Angestellte 129 87 216 Handwerker selbst. 48 14 62 Gehilfen 40 4 44 Arbeiter 17 — 17 Arzte 13 1 14 sonstige freie Berufe 59 52 111 Hausangestellte 5 309 314 Landwirtschaft 43 10 53 Schüler 110 76 186 ohne Beruf 94 495 589 ohne Angabe 49 85 134 Insgesamt 901 1142 2043 Die weitaus stärkste Gruppe sind die berufslosen weiblichen Personen, die etwa 25 Prozent der gesamten Binnenwanderung ausmachen, von denen allerdings mehr als die Hälfte auf Ehefrauen (s. Tab. 4), entfallen. Auffallend ist der überaus starke Anteil weiblicher Hausangestellter an der Binnenwanderung; er beträgt etwa 15 Prozent. Erst danach/föttamen die selbständigen Kaufleute in fast der gleichen Stärke und die Angestellten mit etwa 10 Prozent der Gesamtzahl. Interessant ist. schließlich der hohe Anteil von Schülern, der die Schwierigkeiten und Probleme der Beschulung unserer Jugend widerspiegelt. Diese Ergebnisse werden in ihrer Bedeutung weiter charakterisiert durch die altersmäßige Aufgliederung der Binnenwanderung und die Aufgliederung nach dem Familienstand. 3. Altersgliederung der Binnenwanderung Alter j männlich weiblich zusammen unter 20 216 254 .470 20-29 , 218 i 285 503 30-39 114 : 155 269 40 — 49 /73 92 165 50 und darüber I t46 193 339 ohne Anaabe! V34 | 163 297 Insgesamt 901 | 1142 2043 4. Familienstand bei der Binnenwanderung Familienstand mönnlid) weiblich zusammen Ledig 574 696 1 1270 Verheiratet! 276 273 549 Verwitwet 27 136 1 163 Geschieden bezw. getrennt; 20 22 1 42 Ohne Angaben 4 15! 19 Insgesamt | 901 j 1142 | 2043 Die oben vermerkte sehr hohe Zahl berufsloser weiblicher Personen wird sinnvoll aufgegliedert durch 273 Ehefrauen, die zum größten Teil „ohne Beruf“ sein dürften, und 136 Witwen, die wohl gleichfalls überwiegend berufslos sind. Der außerordentlich starke Anteil lediger weiblicher Personen in der Binnenwanderung deckt sich mit dem oben genannten Ergebnis für weibliche Hausangestellte. Was die Altersangaben betrifft, so fällt auf, daß etwa 20 Prozent der Binnenwanderung (die Fälle ohne Altersangabe abgerechnet) auf Personen über 50 Jahre entfallen. Weitere 10 Prozent entfallen auf die Jahrgänge 40 bis 49. Auffallend stark sind auf der anderen Seite wiederum die Altersgruppen unter 20 Jahren vertreten (vergl. den hohen Anteil von Schülern und weiblichen Hausangestellten). Zum Schluß sei noch kurz die Auszählung nach der Staatsangehörigkeit angeführt. 5. Staatsangehörigkeit und Binnenwanderung Staatsangehörigkeit | männlich weiblich zusammen Deutsche | 681 901 I 1582 Polen 66 77 ' 143 Staatenlose i 28 33 1 61 Sonstiae 15 18 33 Ohne Anaaben 111 113 224 Insgesamt 1 901 1142 | 2043 Sie ergibt den absolut dominierenden Anteil von Reichsdeutschen und verhältnismäßig geringe Zahlen für Ausländer, was mit den Schwierigkeiten der Aufenthaltsgenehmigung usw., die einer Verlegung des Wohnsitzes entgegenstehen, Zusammenhängen dürfte. — Es handelt sich naturgemäß in diesen erstmalig für ein Quartal vorliegenden Ergebnissen zum Teil um Zufallszahlen, die noch keine bleibenden Folgerungen gestatten. Aus der Weiterführung des Meldewesens und dem Vergleich der folgenden Quartale mit den bisherigen Ergebnissen werden sich aber zweifellos unsere bisherigen Kenntnisse über die Bedeutung und Gliederung der jüdischen Binnenwanderung in Deutschland entscheidend vertiefen lassen. Auswanderung. Für das Quartal Juli/September sind insgesamt 3268 Personen gemeldet worden, die ausgewandert oder als ..auf Reisen“ oder „unbekannt“ abgemeldet sind. Diese Zahlen liegen auch unter Berücksichtigung der bisher von der Meldestelle noch nicht erfaßten Gebiete zweifellos weit unter den tatsächlichen Ergebnissen. Die Differenz ist u. a. darauf zurückzuführen, daß im Berichtsquartal eine starke Palästinaauswanderung Vorgelegen hat, die direkt von den Hachscharastätten ins Ausland gegangen ist. Diese Auswanderung dürfte durch die von den Gemeinden erstatteten Meldungen nur zum geringsten Teil erfaßt worden sein. Es ist. um diese und ähnliche Fehlerquellen auszuschalten, in Aussicht genommen, die Ergebnisse für das vorliegende Quartal und insbesondere auch die künftigen Meldungen mit den Unterlagen des Palästinaamts und des Hilfsvereins abzustimmen, sodaß vervollständigte Ergebnisse vorgelegt werden können, die eine fundierte Grundlage für die Beurteilung der jüdischen Auswanderung aus Deutschland nach Umfang, Auswanderungsziel etc. abgeben werden. Immerhin lassen sich auch aus den jetzigen lückenhaften Zahlen einige interessante Feststellungen ableiten. Während bei der Binnenwanderung die kleineren Gemeinden die Gebenden, die größeren Gemeinden im wesentlichen die Nehmenden sind, entfällt die Auswanderung. fast genau entsprechend dem Anteil an der Seelenzahl, überwiegend auf die größeren Gemeinden. Allein die sechs Gemeinden mit ie mehr als 10 000 jüdischen Seelen und die drei preußischen Gemeinden über 5000 Seelen haben innerhalb der bei der Meldestelle vorliegenden Auswanderungen fast 60 °/o der bei der Meldestelle vorliegenden Auswanderungen gemeldet. Dabei ergibt sich auch, daß die in der jüdischen Öffentlichkeit vielfach verbreiteten Vorstellungen über die den Großgemeinden aus der Binnenwanderung erwachsenden Vorteile durch Zuzug leistungsfähiger Steuerzahler den Tatsachen keineswegs entsprechen. Die Verluste, die die Großgemeinden durch die Auswanderung erleiden, übersteigen wesentlich den Zugang aus der Binnenwanderung. Berlin hat z. B. im Berichtsquartal doppelt soviel Wegzüge gemeldet, wie Zuzüge vermerkt worden sind. Das gleiche Ergebnis liegt für Frankfurt/Main vor. Bedenkt man, daß hierbei die Auswanderungsergebnisse bisher nur höchst unvollständig berücksichtigt sind so wird bestätigt, daß auch die Großgemeinden dem allgemeinen Schrumpfungsprozeß in erheblichem Umfange unterliegen. Im übrigen zeigen die Meldestellenergebnis.se die bereits bekannte Tatsache, daß bei der Auswanderung im Gegensatz zur Binnenwanderung die männlichen Personen in der Mehrzahl sind. 8