Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 15 (1937)
- Issue
- 1 (1.1.1937) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Magdeburg, Tilsit, Bremen, Nordwestdeutschland, Halle, Duisburg, Stettin und Pommern)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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denden Künsten recht ist, darf den redenden billig sein; auch das herrlichste Buch bleibt toter Buchstabe, wenn ihm der rechte Fürsprecher fehlt. Wie wir beim Ankauf eines Buches uns gern von einem verständnisvollen Angestellten beraten lassen, wird uns in der gemeinnützigen Wanderbücherei die hier gebotene, sachkundige Besprechung willkommen sein. Sie will dem Leser ihr Urteil nicht aufdrängen oder gar ihn bevormunden. Sie will seine Wahl verständig lenken, seine GeschmacksbiTdung fördern. Sie durfte um so kürzer sein, je bekannter der Name des Autors war. Aber es sind in den letzten 30 Jahren jüdische Autoren aufgetreten, die unserer eigenen Zeit angehören, unsere Sprache reden, unsere Nöte und Hoffnungen teilen und uns jeder in seiner Weise Helfer sein können. Diese vor allem galt es uns nahe zu bringen. Es gibt aber auch Einzelschriften und ganze Serien (z. B. die Schockenbücherei) die uns die vieltausendjährige schioksaisreiche Vergangenheit des Judentums in Erlebnis und Leistung in neuem Lichte darzustellen wissen, und unserem Suchen nach dem eignen Platz Richtung geben. Eine geistige Atmosphäre wird um uns erstehen, das Gefühl der Einsamkeit weichen, weil wir uns ans Ende der Kette grofier Ahnen gestellt, einer brüderlich gesinnten Umwelt eingereiht sehen. Das eben ist es, was nottut. Zwischen den Blättern des Buches wird mancher die Rose von Jericho finden, und das neue Interesse wird der Tau sein, der sie aufblühen läßt. Der Wege in die Welt des Judentums gibt es manche. Wir wollen uns erinnern, daB wir schon in der Kindheit durch' Sage und Märchen, Legende und Geschichte am stärksten zu ihrem verborgenen Glanze gezogen wurden. Dieser Glanz wird dort wieder aufleuchten. Wo wir „der Dichtung Schleier aus der Hand der Wahrheit empfangen.“ Mit vollem Bedacht eröffnet daher die ...Schöne Literatur“ mit ihren Romanen. Novellen, Erzählungen die 8 Abteilungen unseres Kataloges, und erst an 6. Stelle folgt „Religion und Weisheit“. Bibel und Talmud. Auch Biographien und Geschichte, Kunst. Literatur und Musik gehen voran. Eine besondere Aufforderung für die Bücherwarte, sich mit diesem neuen Wege vertraut zu machen, und für alte Liebhaber des Buches, die Druckschrift „Wanderbücherei“ als Wegweiser zu verschütteten Pfaden käuflich zu erwerben. Die Chanukkalichter sind verglommen, als beständiges Licht leuchtet das jüdische Buch. Meldestelle fiir Binnen- und Auswanderung 1. Bericht: Quartal Juli/September 1936 erstattet von Max Birnbaum, Berlin. Bisheriger Umfang des Meldewesens. Die vom Preußischen Landesverband im Juli 1936 ins Leben gerufene Meldestelle für Binnen- und Auswanderung sollte dem Zustand ein Ende bereiten, daß über Umfang und Gliederung sowohl der jüdischen Binnenwanderung als auch der Auswanderung lediglich Schätzungen möglich waren, die zum Teil die verschiedenartigsten und sich keineswegs deckenden Otiellen benutzen mußten. Der Landesverband legte deshalb Wert darauf, das von ihm eingerichtete Meldewesen durch Fühlungnahme mit den ihm nicht angeschlossenen jüdischen Landesverbänden auf ganz Deutschland auszudehnen. Diese Bemühungen sind zum großen Teil erfolgreich gewesen, so daß erstmalig für das Quartal Juli'September eine statistische Gesamtauswertung der Ergebnisse vorgelegt werden kann. Allerdings ist eine vollständige Erfassung der Wanderunffsbeweguneen in allen deutschen Ländern bisher nicht möglich gewpsen. Die süddeutschen Verbände Bayern. Baden und Württemberg haben für den angegebenen Zeitraum das Meldewesen aus technischen Gründen noch nicht durchführen können. Ebenso liegen von größeren preußischen Gemeinden die Ergebnisse aus Düsseldorf bisher leider nicht vor. Offenbar unvollständig sind die Meldungen der Gemeinde Hannover und der sächsischen Gemeinden sowie der Gemeinden des gesetzestreuen Halberstädter Verbandes. Schließlich muß berücksichtigt werden, daß Franlrfurt/Main, gleichfalls aus technischen Gründen, die Juli-Ergebnisse, nicht vollständig einreicben konnte. Mit diesen Einschränkungen kann aber featgestellt werden, daß die Anforderungen der Meldestelle mit erfreulicher Vollständigkeit beantwortet worden sind, eine Tatsache, die auf die Zweckmäßigkeit des angewandten Verfahrens und der vorgesehenen Kontrolleinrichtungen schließen läßt. Durch die Ausdehnung des Meldewesens auf alle deutschen Länder wird für die Zukunft mit einer Ausfüllung der heute noch vorhandenen Lücken gerechnet werden können. Gesamtergebnis and Auswertungsverfahren. Für das Quartal Juli bis September sind insgesamt 5311 Wegzüge gemeldet worden, von denen 2043 Fälle die Binnenwanderung betreffen; hei den restlichen 3268 Fällen handelt es sich um Auswanderung sowie um „auf Reisen“ oder „unbekannt“ abgemeldete Personen. Die statistische Auswertung ist ln der Weise erfolgt, daß alle Wegzüge nach Provinzen bezw. Ländern und größeren Gemeinden geordnet und dann nach Alter. Beruf, Familienstand, Staatsangehörigkeit und Zuzugsziel ausgezählt worden sind. Außerdem ist eine Teilung in männ- -Rche and weibliche Personen vorgenommen. Die statistische Auswertung wurde dieses Mal im Landesverband selbst durch eine Hilfskraft durchgeführt. Sie soll künftig im Hollerith-Verfahren maschinell erfolgen, so daß dann auch kombinierte Auszählungen ermöglicht werden. Binnenwanderung. Insgesamt sind 2043 Wegzüge nach Orten innerhalb Deutschlands gemeldet. Unter Berücksichtigung der bisher noch nicht erfaßten Gebiete wird man die Gesamtzahl der Binnenwanderungsfälle innerhalb des Quartals auf etwa 2500 schätzen können, so daß sich hei gleichmäßiger Wanderung eine jährliche Binnenwanderung von etwa 10 000 Personen ergeben würde. Da diese Wegzüge zum weitaus überwiegenden Teil aus -den kleineren in die größeren Gemeinden erfolgen, von den rund 400 000 Juden in Deutschland, aber rund 300 000 in solchen größeren Gemeinden leben, so würde die jährliche Binnenwanderung nahezu 10 Prozent der Seelenzahl dieser kleineren Gemeinden ausmachen. Der .Umfang der Binnenwanderung ist also außerordentlich bedeutungsvoll und wird für die Strukturentwicklung der jüdischen Bevölkerung in Deutschland wesentlich sein. Die gemeldeten 2043 Binnenwanderungsfälle gliedern sich nach dem Zuzugsziel wie folgt; 1. Zuzugsziele der Binnenwanderung Zuzugsort m6nnlleh welb»d< Tusammftn Berlin 214 225 439 Breslou 23 39 62 Fronkfurt/Main 100 120 220 Köln 32 50 82 Düsseldorf 15 22 37 Essen 9 ■7 16 Hannover (Stadt) T2 10 22 sonst. Preußen u. Norddeutschld. 330 455 785 Hamburg 51 58 109 Leipzig 11 13 24 sonst Sachsen 22 28 50 Bayern 77 33 60 Baden 20 30 50 Württemberg '8 12 20 Hessen 27 40 6/ Insgesamt 901 1142 2043 Nach Berlin aind mithin 439 Zuzüge erfolgt, nach den übrigen größeren Gemeinden 572 Zuzüge, zusammen also ungefähr die Hälfte aller Wegzüge, wobei berücksichtigt werden muß, daß nur die sechs Großgemeinden mit mehr als 10 000 jüdischen Seelen und die drei preußischen Gemeinden über 5000 Seelen erfaßt worden sind, die zahl- 7