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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1936-12-01 · 12 (1.12.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Bremen, Nordwestdeutschland, Tilsit, Magdeburg, Halle, Stettin, Pommern und Duisburg) · p. Seite 7

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
14 (1936)
Issue
12 (1.12.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Bremen, Nordwestdeutschland, Tilsit, Magdeburg, Halle, Stettin, Pommern und Duisburg)
Date
1936-12-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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auch diese Front verhärtete, kam eines Abends auch General Allenby zu der geistig-geistlichen Zusammenkunft seiner jüdischen Mannschaft. Auch Sir Allenby trieb ein wenig Bibelkunde. Die jüdischen Tommys lasen gerade im ersten Buche der Makkabäer, worin die Wiedereroberung Kanaans und die zweimalige Einnahme Jeruschalajims durch Juda und seine Brüder geschildert ist „Wären wir nur erst auch so weit!“ hatte Leutnant Phips bemerkt, als General Allenby mit dem Stabsarzt das Quartier betrat. In Afienbys Bibel, wie in fast allen anglikanischen und protestantischen Handausgaben, waren die Bücher der Makkabäer nicht abgedruckt. Die englische Hochkirche hatte sie aus den Ausgaben der Heiligen Schrift verbannt; sie waren apokryph, das heißt: geheim. Dem General wurden sie von Stund an „kanonisch“, mehr als das: sie wurden ihm zur Richtschnur seines Handelns, zum integrierenden Bestandteil seines Feldzugsplans. Er lernte darin wie nur irgend ein Chederschüler. Wer die Feldzugsberichte der englischen und deutschen Kriegsarcbive, die nach dem Weltkrieg veröffentlicht wurden, aufmerksamer verfolgt, erkennt, wie sich der Vormarsch der britischen Streitkräfte im Heiligen Land und seine Vorbereitungen im Sommer 1917 mit einer bewundernswürdigen Genauigkeit auf den Anmarschstraßen der llasmonäer vollzog. Wegebauten und Wasserleitungen der englischen Ingenieure hielten sich an die Routen Judas, Jonathans und Johann Hyrkans, und die Gefechte entspannen sich an den gleichen Orten wie damals: genau zur gleichen Jahreszeit, fast auf den Tag genau. Längst hatte sich Allenby eine kritische Textausgabe der drei Bücher Makkabi und die gesamte einschlägige Literatur verschafft. In der Generalstabskarte auf seinem Arbeitstisch im Hauptquartier waren die hebräischen und griechischen Namen der Orte und Flüsse eingetragen. Schon hatte der Gefreite George S. Kaufman ihm im Kreis seiner Bibelfreunde scherzend den Beinamen Rabbi verliehen. Am letzten Oktober des Jahres 1917 begann „Sir Rabbi“ seine Offensive. Die feste Stadt Gaza, die Makkabäus den Reisigen Nikanors nach der Schlacht bei Adasar entrissen, fällt in die Hand des bibelfesten Strategen. Asdod und Jamnia, wohin er das Heer des Georgias durch den Sieg bei Amac gejagt, liegt im Feuer britischer Kriegsschiffe. Wie einst die Statthalterschaft des Syrerkönigs Antiochus ist die türkische Etappeninspektion aus Jerusalem nordwärts gezogen. „In Jerusalem herrscht nun so etwas wie die Ruhe des Kirchhofs,“ steht in einer Darstellung des deutschen Reichsarchivs, und in der Heiligen Schrift: „Und man hörte da weder Pfeifen noch Harfen.“ (1 Makkabäer 3, 45.) „In langen Zügen verlassen die Juden die Stadt Davids, der Jammer und das Elend der Heimatlosigkeit des Volkes Israel erneuert sich heute wiederum an ihnen,“ berichtet der deutsche Armeearzt Dr. Steuber, und das dritte Kapitel Makkabäer meldet: „Sie fasteten und zogen Säcke an, streueten Asche auf ihre Häupter und zerrissen ihre Kleider.“ Langsam und unaufhaltsam schiebt Allenby seine Truppen und Hilfsvölker gen Zion. Er hat zeitlich einen geringen Vorsprung gegen seinen Meister Juda Makkabi. Er will ihn nicht. Zur selben Stunde wie jener will er in Jerusalem sein. Sein linker Flügel steht im Nordwesten der Stadt bei Bethzarchara, wo Juda den Lysias begiegte, und bei Beth Horon, wo er den Syrerhauptmann Da Seron auf's Haupt schlug. „Dein Schüler, Juda,“ denkt General Allenby in Demut. Bis in seine Träume begleitet ihn in diesen entscheidenden Tagen Bild und Vorbild des biblischen Helden. Berittene Beduinen erscheinen vor Üavids Stadt. Am achten Dezember gibt der englische Feldherr vor Morgengrauen den Befehl zum Angriff. „Morgen Abend Chanukkab in Jerusalem!' ruft der Freiwillige Cassel in den Alarm. Der fünfundzwanzigste Kislew fiel in diesem Jahr auf den zehnten Dezember. Am Abend des neunten brannte das erste Lichtchen, vom kleinen Cassel entzündet, in der Jerusalemer Altstadt. Mit der Weihe des Tempels feierte man den Sieg. Acht Tage lang. Am vierten Abend zur Stunde des Lichtentzündens betrat General Allenby, ihm zur Seite Stabsarzt Hyamson eine der neun Synagogen zwischen Tarik Bab es-Silsela und Rothschildhospital. Still flammten die Lichter an der Menora. Hyamson will etwas sagen, die alte Sitte erklären... Der General winkt ab. Er lächelt in seinen Bari. Aber nicht grimmig wie sonst, sondern kindlich und wie befreit. *•> „Ich weiß,“ flüstert der Feldherr, die Ruhe des Gotteshauses nicht zu stören: „Das sind die Lichter, die mir Ihr Field-marshall-general aufgesteckt hat.“ Und leiser noch, kaum hörbar: „Thanks, comrade Juda!“ Ein neuer Minhag Bekanntlich hat der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden seit einer Reihe von Jahren immer wieder die Anregung gegeben, dort, wo keine Gelegenheit gegeben ist, zu Peßach Sederabende zu feiern, zu Sukkoth in eine Laubhütte zu gehen, die jüdischen Menschen, insbesondere aber unsere Jugend, von den Groß- und Mittelgemeinden einladen zu lassen, um ihnen das Erlebnis jüdischer Feiern in jüdischer Gemeinschaft zu verschaffen. Am ersten Sukkoth-Abend dieses Jahres konnte in der Berliner Neuen Synagoge Herr Rabbiner Dr. Salom o n s k i die fünfzig Kinder und jungen Menschen begrüßen, die der Anregung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden entsprechend von der Berliner Gemeinde eingeladen worden waren, um hier das Sukkothfest zu verleben. Herr Dr. Salomonski sprach in glücklicher Formulierung von diesem neuen „Minhag“, der hoffentlich zu einer feststehenden Einrichtung für unsere Gemeinde werden möge. Er dankte dem anwesenden Vorsteher der jüdischen Gemeinde, Herrn Rechtsanwalt Dr. Klee, zugleich in seiner Eigenschaft als Dezernent des Gemeinderessorts des Landesverbandes, dem auch die Betreuung der Klein- und Kleinstgemeinden des Landesverbandes obliegt, sowie auch Herrn Direktor Stahl als dem stets hilfsbereiten Vater der Berliner Jüdischen Gemeinde, und er gab seiner Freude Ausdruck, daß unsere Zeit doch auch wieder die Kraft findet, auch in religiöser Beziehung neue Minhagim zu schaffen. Die Kinder, die am Gottesdienst in der Neuen und Alten Synagoge teilnahmen, die die Einrichtung des Oneg Schabbath kennenlernten, denen aber auch sonst durch Besuch von Sehenswürdigkeiten und geselligem Zusammensein fröhliche Stunden in Berlin bereitet wurden, wohnten im Ahawah- Heim, wo ihnen auch die gute und reichliche Verpflegung unter Leitung der Oberin des Heimes gereicht wurde. Bei einem Zusammensein in der Sukkoh dankte Dr. Klee Herrn Dr. Salomonski und allen den Helfern und Freunden in der Provinzialarbeit, daß sie die Anregung des Preußenverbandes wieder aufgenommen und in so schöner und wirkungsvoller Weise durchgeführt haben. R. B. fÄLESTINE «.ORIENT [LOYD Uteiseßünr- Berlin W15 Dlelaekestr. X JIBlHuueknM VERTRETUNGEN IM REICH: BRESLAU, Touentzienstraße 3 DÜSSELDORF, Hindenburgwall 34/6 ESSEN, Irmqardstraße 61 FRÄNKFURT/A.M., Steinweg 9 HAMBURG, ölodcengießerwall.16 KÖLN, Hohenzollernring 22/4 KÖNIGSBERG /Pr., Kai 12 KREFELD. Südwall 17 LEIPZIG, Hainstraße 16 MAINZ, Tritonplatz 5 RATIBOR, Niederwallstraße 17 SAARBRÜCKEN, Hohenzollernstr.23 STETTIN, Paradeplatz 28-29 STUTTGART, Königstraße 43a WORZBURG, Bismardcstraße 12 7

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