Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 14 (1936)
- Issue
- 12 (1.12.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Bremen, Nordwestdeutschland, Tilsit, Magdeburg, Halle, Stettin, Pommern und Duisburg)
- Date
- 1936-12-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Fragen der Personalpolitik Von Dr. Arthur Lilienthal. Die größeren jüdischen Organisationen und besonders diejenigen, die jüdische allgemeine Aufgaben zu erfüllen haben, wie die Gemeinden und die Gemeindeverbände, stehen beute in ihrer Personalpolitik vor einer Fülle von Problemen. Die Fragestellungen ergeben sich ganz von selbst, sie werden gleichzeitig durch viele Mahnungen, dK' von außen an sie herantreten, den verantwortlichen Menschen im Bewußtsein gehalten. Soziale Gesichtspunkte jeder Art tauchen auf, alte und neue: Zu den Gegebenheiten, die immer bestanden und Berücksichtigung heischten, tritt heute besonders die Notlage der älteren, vom Arbeitsmarkt vielfach abgeschnittenen Menschen, die besondere Berücksichigung erfordern. Wenn man die einzelnen Aufgaben, die sich für eine verantwortungsbewußte Personalpolitik ergeben, überdenkt, so scheint es nicht ganz überflüssig, eine Bemerkung, die an sich selbstverständlich erscheint, voranzuschicken. Zunächst ist Voraussetzung bei der Besetzung eines jeden Postens die Eignung des Bewerbers, die ihm gestellte Aufgabe zu erfüllen. Auch heute — und erst , recht heute —- in einer Zeit, in der jede jüdische Arbeit doppelt verantwortungsvoll ist, tritt die Frage der Berücksichtigung sozialer Momente erst bei geeigneten Bewerbern auf. Zwischen mehreren an sich geeigneten Bewerbern müssen die verschiedenen besonderen Befähigungen und das, was wir hier kurz zusammengefaßt die sozialen Umstände nennen wollen, gegeneinander abgewogen werden. Dafür, wie das geschieht, läßt sich eine restlos allgemeingültige Regel kaum geben. Das wird sehr stark auch von uer Art der Aufgaben abhängen, die dem Anzustellenden übertragen werden sollen. Eins ist natürlich selbstverständlich: daß bei gleicher Eignung die sozialen Momente entscheiden müssen, aber weitergehende Sätze lassen sich nicht aufstellen. Bei Posten, die verantwortliche selbständige Arbeit erfordern, die schwierig ist und von der Erhebliches abhängt, wird die höhere Eignung unter den zur Verfügung stehenden Menschen kompromißlos den Ausschlag geben müssen. Ohne Schaden für die Erfüllung unserer Aufgaben kann davon bei der sachlichen Arbeit, aber auch bei leitender Bürotätigkeit, nicht abgewichen werden. So sehr das betont werden muß, und so sehr jeder einzelne Mensch in einem Betriebe, welche Tätigkeit ihm auch zugewiesen ist, für die Gesamtarbeit wichtig ist, so kann und muß doch auf der anderen Seite gesagt werden, daß ein größerer Betrieb nicht den Anspruch erheben kann und darf, alle seine Arbeitsplätze mit erstrangigen Arbeitskräften zu besetzen. Es gibt an jeder Stelle eine Fülle sachlicher und büromäßiger Arbeit, die von durchschnittlich tüchtigen pflichtbewußten Menschen geleistet werden kann. In den meisten größeren Verwaltungen wird das die Mehrzahl der zu besetzenden Stellen sein. Hier muß bei der Auswahl der Menschen die Berücksichtigung sozialer Umstände in verschärftem Maße verlangt werden. In diesem Rahmen kann unter Mehreren, die an sich geeignet sind, das soziale Moment durchaus auch einmal den Ausschlag geben zu Ungunsten desjenigen, der vielleicht der noch Befähigtere ist. Hier müssen in der Tat auch in besonderem Umfange ältere Menschen berücksichtigt werden, die ihre früheren Stellungen verloren haben. Ein Bürobetrieb, der fast ausschließlich mit jungen weiblichen Kräften besetzt ist, ist heute nicht möglich. Diese und jene Beschäftigung, bei der wir das von früher her nicht gewohnt sind, wird heute einem arbeitsmarktpolitisch schon älteren Familienvater anvertraut werden, vielleicht auch Menschen, die früher Arbeit anderer Art zu tun gewohnt waren, und die auszuschließen, wenn sie selber sich umzustellen bereit sind, durchaus ungerechtfertigt erscheint. Die stärkere Umschicbtungsfähigkeit und Auswanderungsfähigkeit der jüngeren Generation erheischt gebieterisch ein solches Auswahlprinzip. Die Grenzen ergeben sich dabei von selbst. Niemand wird aus einem Verwaltungs- oder Organisationsbetrieb junge Menschen ganz ausschließen wollen. Daß so manche Arbeit den Einsatz junger Menschen ihrer Art nach erfordert, bedarf keines Hinweises. In diesem Rahmen sind alle sozialen Momente zju berücksichtigen. Sie können auf dem hier zur Verfügung stehenden Raum nicht alle einzeln erörtert werden. Nur auf eins sei besonders hingewiesen. Wer von seinem Einkommen mehrere Menschen unterhält, der Familienvater aber vor allem hat erhöhten Anspruch auf Berücksichtigung. Auch dann, wenn nur kleinere Gehälter gezahlt werden können, darf er deshalb nicht ausgeschlossen werden. Da aber, wo ein unbedingter Mangel an Mitteln nicht vorliegt, ist es falsche Sparsamkeit, durch Nichteinstellung Verheirateter zu sparen. Zur Frage der Sparsamkeit schließlich eins: Es wird niemand geben, der in einem Betrieb, welcher Art er auch immer sei, den Wunsch hat, mehr Menschen anzustellen, als die Arbeit es erfordert. Nicht nur die Rücksicht auf die uns anvertrauten Gelder schließt das aus, das eigene Interesse gebietet es, da überbesetzte Betriebe jeder Art, deren Menschen nicht ausreichend beschäftigt sind, stets schlecht funktionieren werden. Es gibt aber Fälle, in denen die Entscheidung, ob ein Mensch mehr oder weniger anzustellen ist, zweifelhaft erscheint. Bei besonderer Anspannung ist vielleicht die Arbeit mit einer geringeren Anzahl von Menschen zu bewältigen. Da, wo Mittel einfach nicht zur Verfügung stehen, wird diese Lösung gewählt werden müssen, überall da, wo die finanzielle Beweglichkeit etwas größer ist, dürfen bei einer solchen Fragestellung auch einmal andere Überlegungen als die der Sparsamkeit ausschlaggebend sein. In unserer Lage kann es nicht unter allen Umständen höchstes Gebot sein, alle unsere Verwaltungen bis zum Äußersten anzuspannen und überall mit dem irgend erträglichen Mindestmaß an Kräften auszukommen. Da wo notwendige Arbeit geleistet wird, erscheint eine etwas freiere Handhabe durchaus erlaubt. Die Beschäftigung von Menschen, solange sie arbeitsmäßig sinnvoll ist, ist heute mehr als je an sich produktiv. Deshalb: keine überflüssige Einstellung, aber da, wo es finanziell nicht unvermeidlich ist, auch keine Einschränkung his zum Äußersten! Ein Schüler des Juda Makkabi Chanukkah-Geschichte von Rudolf Frank. Zu einem richtigen bärbeißigen Lächeln bedarf es notwendig eines Bartes. Am besten eines solchen Knebelbartes, wie sich der britische General Allenby einen hatte wachsen lassen, seitdem er die Operationen gegen die türkische Palästinafront der Mittelmächte leitete. Ja damals, als es deutschen Patrouillen gelang, durch die Sinaiwüste zu dringen und im Suezkanal Minen zu streuen, soll er sogar ganz verdammt grimmig gelächelt haben. Als ihm auch noch im Frühjahr 1917 der deutsche Oberst v. Kreß unweit Port Said ein vollständiges Kavallerieregiment wegfing und ihm vor Gaza zwei empfindliche Niederlagen bereitete, forderte er mit dem gleichen Lächeln des Ingrimms auf schnellstem Weg einige Regimenter Gurkhas, Sykhs und Anzacs aus Indien und Neuseeland an, welche alsbald in El Kantara eintrafen. Nicht bloß der Seeweg nach Indien: das englische Prestige im ganzen Orient stand auf dem Spiel. Er wollte, er mußte das Spiel gewinnen. Dieser Krieg, erkannte er, war kein gewöhnlicher Kolonialfeldzug, kein „doctors and engineers“ war, wie ihn Lord Wolseley bezeichnet hatte, es war darüber hinaus ein Kampf unfaßbarer Mächte des Geistes. Türken und Araber, Deutsche, und Engländer kämpften auf einem Boden, der ihnen heilig war. Alle Patriarchen, Propheten und Evangelisten waren Zeugen der militärischen Operationen. Auch eine beträchtliche Zahl jüdischer Volunteers hatte sich zum Dienst im englischen Sinaiheer eingefunden. Sidney Cassel zum Beispiel war Sergeant-major, George S. Kaufman Lance-corporal, Sally Phips Leutnant, und Hyamson, der Staffsurgeon, hatte alle Hände voll mit der Bekämpfung von Fleck- und Papataccifieber, Typhus und Malaria zu tun. Trotzdem fand er sich, so oft es möglich war, bei den Zusammenkünften seiner Glaubensgenossen ein, um mit ihnen Geschichte und Geographie der Bibel zu treiben; das lag in der Luft des Landes. Auch die Angehörigen des deutschen Expeditionskorps trugen damals alle eine Bibel bei sich und lasen sie eifrig. In der langen Weile des Stellungskrieges, welcher zu Beginn des Sommers 6