Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 14 (1936)
- Issue
- 12 (1.12.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Bremen, Nordwestdeutschland, Tilsit, Magdeburg, Halle, Stettin, Pommern und Duisburg)
- Date
- 1936-12-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Von Sabbat zu Sabbat Sehabbat „Wajdsehew**, 5. Dezember 193®. Thora Vorlesung: 1. Buch Mose 37,1—40,23. Haftara: Ainos 2,6—2,16: 3,1—3,8. „Die* sind die Nachkommen Jakobs: Josef, siebzehn Jahre alt, hütete mit seinen Brüdern die Herde. Aus vielen Gründen hat der Vers die „Nachkommen Jakobs“ mit Josef verknüpft; einmal, weil das eigentliche Ziel Jakobs, um dessentwillen er Laban, diente, Rahel, Josefs Mutter, gewesen war; ferner waren die Gesichtszüge Josefs e > /. Jakobs ähnlich; und alles, was Jakob begegnete, begegnete auch Josef. Jakob wurde von Esau gehaßt und Josef von seinen Brüdern; diesen wollte sein Bruder töten und ebenso seine Brüder diesen. Jakob war mit Reichtümern gesegnet und Josef war mit Reichtümern gesegnet. Jakob mußte in ein fremdes Land ziehen und Josef wurde nach Ägypten gebracht. Jakob wurde von Engeln begleitet auf seinem Wege und ebenso Josef. Jakob wurde groß durch einen Traum und Josefs Schicksal gestaltete ein Traum. Beide zogen nach Ägypten hinab. Beide starben in Agppten. Die Gebeine beider wurden beim Auszug aus Ägypten von den Kindern Israels mitgeführt. (Bereschit Rabba.) Sehabbat Chanuka „Mikäz“, 12. Dezember 1936. Thoravorlesung: 1. Buch Mose 41,1—44,17; 4. Buch Mose 7,1—7,17. Haftara: Sacharja 2,14—2,17; 3,1—3,10; 4,1—4,7. „Da erkannte Josef seine Brüder, sie aber erkannten ihn nicht‘. Der agadische Midrasch sagt: Josef erkannte seine Brüder; als sie in seine Hand gegeben waren, erkannte er, daß es seine Brüder waren; sie aber hatten ihn nicht erkannt, als er in ihre Hand gefallen war, ihm Bruderliebe zu erweisen. (Bereschit Rabba). Sehabbat „Wajigaseh“, 19. Dezember 1936. Thoravorlesung: 1. Buch Mose 44,18—47,27. Haftara: Ezechiel 37,15—37,28. Josef sprach zu seinen Brüdern: „Zürnet nicht gegenseitig auf dejn Wege“ .... weil sie sich schämten, fürchtete er, sie könnten auf dem Wege über seinen Verkauf streiten, miteinander rechten und sagen, durch dich wurde er verkauft, du hast böse Rede von ihm erzählt und uns veranlaßt, ihn zu hassen. (Rasehi). | > '4 Gott sprach zu Jakob: „Fürchte dich nicht, nach Ägypten hinabzuziehen“ .... Gott sprach so zu Jakob, weil dieser sich grämte, daß er gezwungen war, nach dem Auslande zu gehen. (Pirke de R. Elieser). Kalender für Dezember Dienstag Mittwodi ' Dez. 1 2 Bsln 17 18 Donnerstag n 3 * 19 Freitag t» 4 r> 20 Sonnabend n 5 n 21 Wajeschew Sonntag 6 r» 22 Montag n 7 *5 23 Dienstag Mittwodi 8 24 Chanukka-Vorabend 9 25 1. Tag Chanukka Donnerstag » 10 99 26 2. „ Freitag n 11 27 S. „ Sonnabend 49 12 *9 2& 4. n r, . liktz, Iwak. Sonntag M 13 29 k. „ Montag 14 44 30 6. „ „ Itmmi Dienstag Mittwodi 15 TM 1 7. „ 16 2 8. „ Donnerstag n 17 3 Freitag Sonnabend » *9 18 19 9 r> 4 5 Wajigasch Sonntag n 20 6 Montag n 21 99 7 Dienstag 22 8 Mittwodi 23 9 Donnerstag 9 24 10 Freitag 9 25 11 Sonnabend 9 26 9 12 Wajchi Sonntag 9 27 9 13 Montag 9 28 9 14 Dienstag 29 15 Mittwodi 30 16 Donnerstag 99 31 99 17 Gott sprach zu Jakob: „Ich werde dich hinaufbringen" . , . . Gott verhieß Jakob, daß er im Heiligen Lande begraben wurde. (Raschi). Sehabbat „Waj'chi“, 26. Dezember 1936. Thofavorlesung: 1. Buch Mose 47,28—50,26. Haftara: 1. Buch der Könige 2,1—2,12. Jakob sprach vor seinem Tode zu Josef: „Lege doch deine Hand unter meine Hüfte (zum Schwur) und erweise mir Gnade und Treue“ ... Die Gnade, die man Toten erweist, ist wahrhafte Gnade, weil man dabei nicht auf eine Vergeltung der Wohltat wartet. (Bereschit Rabba). ' Jakob sprach: „Begrabe mich doch nicht in Ägypten“. weil später (bei den 10 Plagen) der Staub des Landes zu Ungeziefer werden wird; ferner stehen die Toten des Auslandes nur nach dem Schmerz einer Wanderung durch unterirdische Gänge (um ins Heilige Land zu gelangen) zu neuem Leben auf; und ferner, daß mich die Ägypter (die Verehrer des Totenkults) nicht abgöttisch verehren. (Bereschit Rabba). Josef kam zu Jakob, „Und Israel machte sich stark und setzte sich aufrecht auf dem Lager“ . . . Jakob sagte, wenn er auch mein Sohn ist, so ist er doch ein König (Tanchung). und ich will ihm Ehre erweisen. Von hier lernen wir, daß man der Regierung Ehre erweisen soll. (Raschi). Chronik des jüdischen Lebens Über die Situation, in der dank der bewundernswerten Haltung des Jischuw die Juden der ganzen Welt sich gegenüber der nunmehr in Palästina eingetroffenen „Königlichen Kommission“ befindet, ist an anderer Stelle dieses Blattes einiges Grundsätzliche ausgeführt, die Kommission hat inzwischen ihre Arbeit deren Fortgang auch auf genommen, über hier von Fall zu Fall berichtet werden soll. Die Juden aller Länder haben inzwischen das historische und durch den Völkerbund verbriefte Recht auf Palästina in feierlichen Kundgebungen unterstrichen; nicht zuletzt auch die Juden Deutschlands auf jener eindrucksvollen Palästina-Konferenz des Mifal Bizzaron u’Bitachon, auf der unter den jüdischen Landesverbinden und Zentralorganisationen auch der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden durch seinen Ratspräsidenten Kammergerichtsrat r. R. Leo W o 1 f f eine zustimmende Erklärung abgegeben und die Unterstützung seitens des Verbandes zugesichert hat. Daß neben der Arbeit für den Aufbau des Heiligen Landes auch die übrige Auswandererarbeit weitergeht, ist selbstverständlich. Der Council for German Jewry in London hat in einem soeben veröffentlichten Bericht erfreuliche Erfolge melden können und hat die Finanzierung mehrerer Auswandererprojekte für Juden aus Deutschland zugesichert. Ferner hat auch der Völkerbundskommissar für Auswandererfürsorge, Sir Neill Malcolm, eine Reihe neuer Bemühungen angekündigt und will eine zweite zwischenstaatliche Konferenz einberufen, die die zahlreichen Auswandererfragen der Lösung näher führen soll. Wie ernst diese Dinge sind, braucht hier nicht näher ausgeführt zu werden; es handelt sich ja nicht nur um die Auswanderung aus Deutschland, sondern vor allem auch aus Polen, wo eine regelmäßige Judenauswanderung von der an sich durchaus nicht judenfeindlichen Regierung gewünscht wird; es verlautet, daß Minister Beck bei seinem Londoner Besuch aus diesem Grunde mit Lord Eden auch über die Palästinafrage gesprochen habe. Was Italien anlangt, so ist — entgegen tendenziösen Meldungen der Sowjet- Presise — nachdrücklich versichert worden, daß eine Neuorientierung in der Judenfrage nicht beabsichtigt ist. In Ungarn wird es die Stellung der Juden gefestigt haben, daß ihre Gesamtvertretungen sich offiziell der antibolschewistischen Front eingereiht haben. Das Verhältnis Englands zu seinen jüdischen Einwohnern ist gerade jetzt deutlich beleuchtet worden durch das Gesetz zum Schutz der öffentlichen Ordnung und durch das Ugjformverbot. Die Verleihung des Nobel-Preises für Psychologie und Medizin an Professor Otto Loewi (Graz) hat unter den Juden aller Welt freudige Genugtuung ausgelöst. Jüdische Leistung, so glauben wir, stirbt nicht aus. Freilich auch jüdische Sorge nicht. Daß ein Jude politischer Mörder wurde, belastet nach einem in def jüdischen Geschichte wirksamen Gesetz in den Augen der Welt wieder Ganz-Israel; daß ein Schriftsteller jüdischer Abstammung — entgegen aller wahren jüdischen Ethik — den Mörder in einem Buch glorifiziert haben soll, ist eine weitere, schier untragbare Belastung für uns Juden, die wir keinen eigenen Staat bilden und also auch nicht die staatlichen Machtmittel besitzen, unsere Schädlinge zu bestrafen oder auszumerzen. Was uns bleibt — das „Abrücken“ von solchen verbrecherischen Außenseitern — ist nur ein schwaches Mittel gegenüber den harten Realitäten solcher entsetzlichen Dinge. Und doch ist es — gerade in Ermangelung anderer Möglichkeiten notwendig, immer wieder auszusprechen, daß echtes Judentum anders, ist S