Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 14 (1936)
- Issue
- 12 (1.12.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Bremen, Nordwestdeutschland, Tilsit, Magdeburg, Halle, Stettin, Pommern und Duisburg)
- Date
- 1936-12-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Eine Chanukkahgabe des Preußischen Landesverbandes Von I)r. Hermann Schildberger. Als wir in der Nummer unseres Gemeindeblattes vom 1. Mai 1934 mit dem Aufruf „Kulturelle Hilfe tut not!“ der jüdischen Öffentlichkeit bekanntgaben, daß die Tätigkeit des Preußischen Landesverbandes sich auch auf die Pflege des Kulturellen erstrecken werde, war noch nicht abzusehen, welcher Erfolg diesem Bemühen beschieden sein würde. Heute, nach zweijähriger methodisch betriebener Aufbauarbeit läßt sich erkennen, daß die Kulturarbeit des Preußischen Landesverbandes, die insbesondere den Kleingemeinden gilt, einen Faktor darstellt, der aus dem gesamtjüdischen kulturellen Leben in Deutschland nicht mehr hinwegzudenken ist. Der Ausbau unseres Gemeindeblattes durch Eingliederung der früheren Gemeindeblätter von Magdeburg, Halle, Duisburg, Stettin, Bremen, Tilsit, die fast 3000 Bände starke Wanderbücherei mit 27 Stellen in Bezirken und Einzelgemeinden, die Kulturfahrten mit annähernd 400 Abenden im letzten Jahre — das sind gewiß imponierende Zahlen und Tatsachen, die für sich selbst sprechen. Es kommt aber nicht auf den Umfang dieser Leistungen an: entscheidend ist vielmehr die Größe der Wirkung, die von solcher Tätigkeit ausgegangen ist. Wenn wir heute sagen dürfen, — weil unsere Gemeinden es uns täglich sagen —, daß alle gehegten Erwartungen übertroffen worden sind, so ist zugleich der Beweis geführt, wie notwendig diese Arbeit gewesen ist. Die kulturelle Arbeit des Landesverbandes wäre wirkungslos geblieben, wenn wir uns lediglich zum Ziel gesetzt hätten, „auch“ auf diesem Gebiete tätig zu werden. Tatsächlich ist der Landesverband tätig geworden, weil er Lücken in der gesamten kulturellen Arbeit gesehen hat, die geschlossen werden mußten und weil er erkannt hat, daß er allein oder zumindest an erster Stelle dazu imstande sein könnte, diese notwendig gewordene Arbeit zu leisten. So bringt er — um ein Beispiel zu nennen — Kulturabende zu denjenigen Kleingemeinden, die sonst von keiner Seite her geistige Anregungen empfangen können, und er gestaltet sie so, daß sie eine ganz betsimmte Prägung erhalten, die sie zu einer Veranstaltung eigener Art und eigener Wirkung machen, wie sie nur vom Landesverband selbst und keiner anderen Stelle vermittelt werden kann. Notwendigkeit und Wirkung dieser Tätigkeit entsprechen sich also wechselseitig; das sei hervorgehoben, weil gerade bei der jüdischen Kulturarbeit vielfach durch fehlende oder fehlerhafte Organisation eine Überfülle von Leistungen hervorgerufen wurde mit dem Erfolg, daß an sich notwendige, aber zu gleichartige Bestrebungen nicht zu einer Erhöhung der Wirkung führten, sondern sich gegenseitig aufhoben. Nunmehr tritt der Landesverband mit einer neuen Arbeit hervor, deren Notwendigkeit er erkannt hat und von der er glaubt, daß die erstrebte Wirkung nicht ausbleiben wird. Als Ergebnis der planmäßigen Arbeit für die Wanderbücherei des Preußischen Landesverbandes ist ein Werk geschaffen worden, das über seine eigentliche Zweckbestimmung hinaus der Judenheit in Deutschland als eine Gabe zum diesjährigenChanukkahfest vorgelegt werden soll: es ist der besprechende Bücherkatalog unserer Wanderbücherei, der in einjähriger Arbeit unter Mitwirkung von 20 Schriftstellern, Gelehrten und Bibliothekaren hergestellt, soeben in Buchform im Verlag Berthold Levy, Berlin erscheint und über dessen Inhalt und Bedeutung die folgenden Zeilen Auskunft geben, die zugleich als Vorwort dem Werk beigegeben sind. _ Die in diesem Katalog zusammengestellte und durch Besprechungen erläuterte Auswahl von rund 800 jüdischen Büchern (Bücher von jüdischen Verfassern und Bücher jüdischen Inhalts) bildet den wesentlichen Bestand der Wanderbücherei des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden. Er ist somit das erste besprechende Bücherverzeichnis, das auf einer systematisch aufgebauten, volkstümlichen jüdischen Bücherei beruht. So ist von vornherein gesagt, was dieses Bücherverzeichnis bedeutet, und was es nicht bedeutet. Es bildet zwar in seiner Art ein in sich geschlossenes Ganzes, ist aber nach keiner Richtung um irgendwelche Vollständigkeit bemüht; es bietet zwar Anregungen, die nicht nur für den Verwalter unserer Teilwanderbüchereien wichtig sind, erstrebt aber nicht die Geltung einer „Jüdischen Bibliographie“. Maßgebend für die Auswahl war vielmehr der absolute Bildungswert und die gegenwärtige Brauchbarkeit der Bücher. Ergänzungsverzeichnisse auf Grund der Neuerwerbungen der Bücherei sind geplant. Zu sämtlichen hier aufgeführten Büchern ist eine Buchbesprechung beigefügt, deren Hauptzweck darin zu sehen ist, daß sie dem Bildungspfleger wie dem Leser die Möglichkeit gibt, sich vor der Lektüre soweit zu belehren, daß er bei der Auswahl bis zu einem gewissen Grade sicher geht. Die Besprechungen sind also zum wenigsten mit der Absicht irgendeiner „Kritik“ abgefaßt. Die günstige Bewertung eines Buches ist dadurch gegeben, daß es überhaupt in den Katalog aufgenommen wurde. Auch die Tatsache, ob die Bücher eines Autors in einem Sammelreferat oder in einzelnen Charakteristiken besprochen sind, ob diese Besprechungen etwas länger oder knapper gehalten sind, sagt nichts über ihren Wert aus. Wir haben versucht, nach dieser Richtung den Stil und die Absichten einzelner Mitarbeiter möglichst unangetastet zu lassen. Dennoch wird man leicht bemerken können, daß dem Verzeichnis in seiner Gesamtheit eine durchaus einheitliche Absicht zugrunde liegt. Wir glauben, mit dieser Buchauswahl den jüdischen Gemeinde-, Logen- und Vereinsbüchereien wichtige Anregungen für die Ergänzung ihrer Buchbestände und insbesondere für die Beratung ihrer Leser gegeben zu haben. Die volksbüchereimäßige Erfahrung der letzten Jahrzehnte hat diese Möglichkeit der Buchberatung besonders auf dem Lande und in der Kleinstadt als die einzig richtige Form erwiesen. Auch dürfte den Bildungspflegern in Stadt und Land den Lehrern, Lehrhausleitern und Jugendpflegern ein solches Bücherverzeichnis bei ihrer Bildungsarbeit willkommen sein. Darüber hinaus wird jeder geistig interessierte Jude eine Zusammenstellung begrüßen, welche ihm jenseits aller Parteien, Richtungen und geschäftlicher Interessen eine Buchauswahl für seinen eigenen Bedarf ermöglicht. Der Katalog wird,' indem er diese Aufgabe erfüllt, zu einem unentbehrlichen Hilfsmittel für die allgemein angestrebte jüdische Erwachsenenbildung. Im Berthold Levy Verlag, Berlin, erschefhen zum Chnnukkahfestaußer der „Wandefbücherei“, die an anderer Stelle des Blattes besprochen wird zwei neue Bücher: „Eva ans einer glücklichen Kindheit“ von Josef Metz. Ein Spiegel der Zeit, in der unsere Eltern heranwuchsen, ein Spiegel, der die Reflexe einer unbeschwerten von Heiterkeit erfüllten Jugend auf uns zurückwirft. „Lachen and Weinen“ von Boris Kader. Geschichten aus dem jüdischen Leben, die uns in lebendiger Weise die Bezogenheit des Alltags auf die Religion und ihre Festtage vor Augen führen. - * "TP Ausrüstung für Palästina uf Übersee lOilMifc» AsJrifaa u «• Obcnw-AfcMhns / TaMoaMK wmtr Et Ml Stoffe Wäsche Kleidung Teppiche Gardinen Möbel DAS SPEZI AL HAUS