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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1936-12-01 · 12 (1.12.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Bremen, Nordwestdeutschland, Tilsit, Magdeburg, Halle, Stettin, Pommern und Duisburg) · p. Seite 3

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
14 (1936)
Issue
12 (1.12.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Bremen, Nordwestdeutschland, Tilsit, Magdeburg, Halle, Stettin, Pommern und Duisburg)
Date
1936-12-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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näherung an die Wissensstoffe voraussetzen. Daß sich in der Wahl der Arbeitsgebiete schon jetzt eine gewisse Richtungsindcrung als notwendig erweist, weil infolge des sich verstärkenden Abschlusses der Juden vom allgemeinen Wissen der Umwelt eine umfassendere Einbeziehung dieser Gebiete in die Lehrhauspläne eine gebieterische Notwendigkeit wird, sei — so wichtig diese Tatsache ist — an dieser Stelle nur angedeutet. Hier sei nur darauf hingewiesen, daß die Lehrhäuser durch Qualität und Vielfältigkeit ihrer Leistung der Bedeutung ihrer Wirksamkeit in dieser Zeit zu entsprechen streben. Aber dieses Streben kann nur verwirklicht werden, wenn die Menschen dazu helfen. Die Menschen sind bedrückt und sorgenvoll, sie sehen nur den Tag und die Stunde, und wenn ihr Blick in die Weite zu schweifen sucht, so schrecken ihn die Gespenster einer trüben undurchsichtigen Zukunft. Menschen in solcher Lage, so wird man einwenden wollen, sind zu anspruchsvoller geistiger Arbeit nicht fähig, sie brauchen Entspannung und Ablenkung in den wenigen Stunden, in denen sie die harte Arbeit des Tages losläßt. Kein Zweifel, daß manche Menschen immer so reagieren werden und reagieren müssen. Aber glücklicherweise gibt es auch — und zumal in den Mittelgemeinden, die hierin unerreichtes Vorbild der Großgemeinden sind — die andere Form der Reaktion auf die kleinen und großen Mühen des Lebens: es gibt die Reaktion der geistigen Überwindung durch Versenkung in jüdische Stoffe, die weit genug von unserm Alltag entfernt sind, daß sie ihn uns vergessen lassen und doch unmittelbar genug in ihn hineinwirken, um uns zu seiner Bewältigung innere Festigkeit und Widerstandskraft hinzuzufügen. Denn wo immer man auch nur an einem Zipfelchen jüdisches Wissen zu ergreifen versucht, immer wird man empfinden, wie es einem einen Zugang zum ganzen Judentum eröffnet. Von jedem Teil seiner Peripherie wächst einem Kraft zu, die einen mitten ins Zentrum hineinreißt. „Hingehen und Lernen“ — das ist für uns wieder ein neuer Anfang geworden; wie wir ihn b e griffen und e r griffen haben, bleibt dem Urteil der Geschichte Vorbehalten. Groß-Breesen — ein Wagnis jüdisdier Jugend Von Heinz Kellermann. Die Menschen, von denen hier berichtet werden soll, würden es vermutlich ablehnen, als repräsentative Angehörige einer bestimmten jüdischen „Richtung“ betrachtet zu werden. Das gesteigerte IAteresse, das man aus Gründen einer verständlichen Aktualität letzthin offiziell an ihnen nimmt, erfüllt nur die weniger Reifen und Wichtigen unter ihnen mit einem Gefühl der Genugtuung; denn abseits von jeder Öffentlichkeit — und das heißt in jüdischen Kreisen heute häufig: abseits von jeder Phrase und jedem ideologischen und politischen Ehrgeiz — haben die Menschen von Groß-Breesen nur das eine denkbar nüchterne Ziel: ihre Pflicht zu tun. Sie wissen, daß sie sich in ihrem heutigen Geschick in nichts von Tausenden von anderen jüdischen Jugendlichen unterscheiden, nur daß sie vielleicht etwas mehr Arbeit und noch etwas weniger äußere Sicherheit haben. Aber sie sind weit davon entfernt, aus ihrer Situation ein Heldengedicht zu machen. — Groß-Breesen — von außen gesehen — ist ein mittlerer Gutsbetrieb von 800—900 Morgen, davon etwas über 500 unter dem Pflug, der Rest Wald, Wiese und Gebäude. Es liegt etwa 40 Kilometer von Breslau entfernt. Die Bahn braucht ungefähr 50 Minuten, ehe sie die nächstgelegenen Stationen erreicht. Von dort geht man noch 2&bzw. 50 Minuten zu Fuß, bis die Windmühle oder der Park, die Wahrzeichen Groß-Breesens, auftauchen. Dann wird auch das „Schloß“ und der Wirtschaftshof sichtbar, mit den Wohnungen der Inspektoren, des Schaffer und der Deputanten, den Werkstätten, den ausgedehnten Stallungen für das Vieh (etwa 70 Rühe, außerdem Schweine, Pferde und Geflügel), den Geräteschuppen und Schennen. (Das Gut ist im Eigentum eines polnischen Gutsbesitzers, Pächter ist die Reichsvertretung der .Juden in Deutschland.) Die Hauptstraße von Breslau nach Trachenberg geht über Prausnitz vorbei am Katzengebirge fast schnurgerade auf die Grenze zu, welliges fruchtbares Land zu beiden Seiten. Von der Höhe Groß-Breesens sieht man an klaren Tagen ziemlich weit ins Polnische hinein. Am 21. September waren 54 Jungens und 5 Mädels in Groß-Breesen, demnächst werden es 73 Jungens und 18 Mädels sein, heute sind es insgesamt etwa 70 im Alter von 14 bis 25 Jahren. Das ist die Auslese aus einer Zahl Phot. Sommerfeld von ungefähr 600 Anmeldungen. Leider sind es noch viel zu wenig Mädels. Die Aufnahmekommission ist streng. Nur Menschen, die geistig, körperlich und charakterlich wirklich einwandfrei sind, kommen als ernsthafte Anwärter in Betracht. Irrtümer können unterlaufen. Gemeinschaftsfähigkeit ist eine Eigenschaft, deren Vorhandensein und deren Mangel sich zumeist erst in der Praxis erweisen. Dann wird rücksichtslos ausgemerzt. Ein einziger pädagogischer Mißgriff kann das ganze Wagnis gefährden. — Diese 70 Menschen kommen zum ganz überwiegenden Teil aus Bünden, und zwar vor Phot. Sommerfeld allem aus dem „Ring“, Bund jüdischer Jugend, wie ja auch der Plan dieses ganzen Werkes aus dem Mitglieds¬ und Freundeskreise des „Ring“ stammt. Soziale Ein-, sicht und kameradschaftliches Pflichtgefühl haben dem akuten Bedürfnis nach Auswanderung' eine Befriedigung verschafft, die in der Form der Vorbereitung fachgerecht, vielseitig, konzentriert, gründlich, hündisch und realit ä t s t r e u ist. Den Menschen des „Ring“ kam es darauf an, eine praktische Antwort auf ihre eigene soziale Situation zu geben. Es schien ihnen nicht zweckvoll, ihr Heil in der individuellen Flucht zu suchen . Denn eine Flucht über die Grenze versperrt jedem den Weg. Es schien ihnen aber' auch nicht sinnvoll, der sozialen Frage ausiuweichen, wie viele Eltern es taten, die ihre Kinder unter größtem Kostenaufwand und Zeitaufschnb in die 3

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