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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1936-11-01 · 11 (1.11.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Bremen, Nordwestdeutschland, Duisburg, Magdeburg, Halle, Tilsit, Stettin und Pommern) · p. Seite 7

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
14 (1936)
Issue
11 (1.11.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Bremen, Nordwestdeutschland, Duisburg, Magdeburg, Halle, Tilsit, Stettin und Pommern)
Date
1936-11-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Jüdische Schüler und Schülerinnen auf höheren Schulen Preußens Von Dr. Hermann Weil, Frankfurt a. M. Vor kurzem erschien der „Wegweiser durch das höhere Schulwesen des Deutschen Reiches" für das vergangene Schuljahr, bearbeitet im Aufträge des Reichs- und preufiischen Ministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung von der Reichsstelle für Schulwesen, Berlin. In diesem Handbuche werden auch Angaben Ober die Religionszugehörigkeit der Schüler und Schülerinnen an berechtigten öffentlichen und privaten Schulen Preußens gemacht. (Die statistischen Angaben für das Deutsche Reich, nach Lindern geordnet, werden in anderem Zusammenhang als Fortsetzung meiner statistischen Untersuchungen über das jüdische Schulwesen in Deutschland veröffentlicht werden.) Wir unterscheiden bei den höheren Lehranstalten berechtigte und nichtbercchtigtc höhere Schulen. In Preußen (im Gegensatz zu den süddeutschen Lindern) j, gehören jedoch die niehtberechtigten höheren Lehranstalten nicht zu den höheren Schulen im engeren Sinne. Die berechtigten höheren Lehranstalten werden wieder in öffentliche und private Lehranstalten eingeteilt. Wir haben uns daher mit den folgenden Efnzeluntersuchungen zu beschiftigen: 1. Wieviel jüdische Schüler und Schülerinnen gab es im vergangenen Schuljahr an den berechtigten öffentlichen und privaten höheren Schulen? L Öffentliche höhere Schulen Provinz Knabsaustaltm 0—«rntrihl UKWmoanitajten OseawtsaU Jüdin ln Knabenanatalten Juden in Mldehaaan»Ult« Ostpreußen Grenzmark Posen- 18941 7249 126 106 Westpreußen 2140 689 10 5 Brandenburg 15126 6224 100 62 Berlin 40028 24292 1824 1079 Pommern 10268 4961 80 64 N iederschlesien 17682 4708 238 118 Oberschlesien 8617 2147 189 96 Sachsen 17669 8207 96 86 Schleswig-Holstein 10660 4736 21 10 Hannover 19127 8618 166 180 Westfalen 81072 12686 220 151 Hessen-Nassau 17477 6968 882 679 Rheinprovinz 47667 14784 662 869 Preußen 251004 104064 9914 2988 Zusammen 866068 . _ 6862 1L Private höhere Schulen a) Knabenanstalten Summe aller Schüler und Schülerinnen 5958 darunter Juden 709 b) Midchenanstalten Gesamtzahl 36496 „ „ 479 Summe von a) und b) 42463 1188 HL Zusammenfassung Gesamtzahl aller Schüler u. Schülerinnen darunter Juden Somme I 866068 6862 Summe II_42463 1188 Gesamtzahl 397621 8040 Unter 397 621 Schülern und Schülerinnen auf berechtigten (öffentlichen und privaten) höheren Schulen Preußens waren im vergangenen Schuljahr 8040 Juden. 2. Wieviel jüdische Schüler und Schülerinnen gingen auf berechtigte jüdische öffentliche und private höhere Schulen? Die Summe der jüdischen Schüler und Schülerinnen auf berechtigten höheren Schulen Preußens betrug — wie hier nicht weiter tabellarisch belegt werden soll — im letzten Schuljahr 1762. 3. Wieviel jüdische Schüler und Schülerinnen gingen auf berechtigte nicht jüdische öffentliche und private höhere Schulen? a) Zahl der jüdischen Schüler und Schülerinnen auf berechtigten höheren Schulen insgesamt: 8040 Hiervon auf jüdischen berechtigten höheren Schulen' 1762 Zahl der jüdischen Schüler und Schülerinnen auf nichtjüdischen berechtigten höheren Schulen 6278 b) Zahl aller Schüler und Schülerinnen auf berechtigten höheren Schulen 397621 Zahl aller Schüler und Schülerinnen auf berechtigten jüdischen höheren Schulen 1762 Gesamtzahl aller Schüler und Schülerinnen auf nichtjüdischen berechtigten höheren Schulen 396759 Ergebnis: Unter 395 769 Schülern und Schülerinnen an nichtjüdischen berechtigten öffentlichen und privaten höheren Schalen waren im vergangenen Schuljahr 6 2 7 8 Juden, das sind rund 1,6 v. II. (Die jüdischen Frontkämpferkinder, über die keine besondere Zählung vorliegt, miteingerechnet.) Fahrt in den Herbst Von Olga Bloch. Knut Hamsun, der große norwegische Dichter, hat eines seiner schönsten Bücher „Unter Herbststernen“ genannt. Daran mußte ich denken, als ich auf meine herbstliche Reise ging, darüber mußte ich nachdenken: daß die Sterne verschieden leuchten, ganz verschieden, und daß in Südafrika jenseits des Äquators jüdische Menschen im tiefsten Frühling leben. Langsam gleitet das Schiff die Elbe entlang, im Morgendunst liegt Hamburg, dessen Türme herüberwinken. St. Michael, die markanteste Kirche des Barock, interessiert mich, denn der sie um 1750 nach einem großen Brande neu erbaute, der Architekt Sonnin mit dem fremdländischen Namen, schuf auch unser jüdisches Gotteshaus, die Alte Synagoge in der Elbstraße. Das war im Jahre 1788, ein schmuckloser Ziegelbau mit lebhafter architektonischer Gliederung, ein rechteckiger Innenraum von auffallender Höhe und mit einer doppelten Empore und einer muldenförmigen Holzdecke. Lange stand dieser Bau, hinter einem Hause von 1709, und erst im Jahre 1906 wurde er abgebrochen. Hamburgs neues Gotteshaus, wie es heute die jüdischen Besucher grüßt, ist ja den Ansprüchen neuzeitlicher Architektur voll gerecht, haben doch die Architekten Ascher und Friedmann nach einem Entwurf von Erich Mendelsohn gerade hier neue Ziele und Wünsche glücklich zu lösen verstanden. Wenn Erich Mendelsohn im kommenden Jahre den 50. Geburtstag feiert, wird eine Würdigung seiner Arbeit außer seinen industriellen Schöpfungen (unter ihnen das Schockenhaus in Chemnitz), außer der Friedhofskapelle in Königsberg, gerade auch den Hamburger Synagogenbau zu erwähnen haben. — An alles dies mußte ich denken, während das Schiff die Elbe entlang glitt, vorbei an Blankenese, an den — zum Teil jetzt durch Auswanderung frei gewordenen — Sommersitzen jüdischer Hamburger Familien, vorbei an der Stelle, da Ost- und Nordsee durch jenen Kaiser-Wilhelm-Kanal verbunden werden, an Brunsbüttel, bis nach Cuxhaven, wo die Elbe sich in das Meer ergießt. Die Ufer hören auf, und die Möwen, die unser Schiff umfliegen, schauen anders aus als die, die auf der Elbfahrt von uns gefüttert wurden: die Nordsee umfängt uns, und wieder mußte ich darüber nachdenken, wie weit Länder und Meere sind, and daß meine jüdischen Freunde in Holland dasselbe Meer sehen, das wir jetzt befahren. — Langsam stampft das Schiff durch die jetzt wogende See, und man erkennt: es ist Herbst, denn das Wasser sieht, anders aus als im Sommer. Das merkt man auf Helgoland, wo man das Meer betrachten und belauschen kann. Im Herbst scheint die Sonne seltener, weniger intensiv; wenn sie ans oft grauem Gewölk herniederblickt, dann bekommt das Meer jenen silbergrauen Schimmer, der es aufblitzen läßt — sein Abschiedsgeschenk, vor dem Winter? Blau!*und grün schaut die Nordsee hn Sommer aus, wenn die 7

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