Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 14 (1936)
- Issue
- 10 (1.10.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Magdeburg, Bremen, Nordwestdeutschland, Halle, Duisburg, Tilsit, Stettin und Pommern)
- Date
- 1936-10-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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bar gewesen wäre, während sich jetzt gezeigt hat, daB auch in der Hauptstadt des vielrassigen Britischen Imperiums ein Fall eintreten konnte, bei dem die Stärkung des nationalen Gedankens mit der Ablehnung einer bestimmten Rasse, nämlich der jüdischen, Hand in Hand ging. In Deutschland folgt die Entwicklung des jüdischen Lebens den besonderen Gegebenheiten. Das zeigte sich in äuBerlich sichtbarster Weise auf der zu Anfang des Monats abgehaltenen Tagung des Reichsverbandes der jüdischen Kulturbünde, die der Frage der zukünftigen Programmgestaltung der jüdischen Kulturarbeit gewidmet war. Der Präsident des Verbandes, Intendant Dr. Singer, trat für eine stärkere Judaisierung der Programme, insbesondere auch auf dem Gebiete des Schauspiels ein. In der gleichen Richtung bewegten sich auch andere auf der Tagung gehaltene Referate, und Reichskulturwalter Hinkel, der der Tagung beiwohnte, erklärte, daB den Ausführungen der Referenten von deutscher Seite her weder etwas hinzuzufügen noch abzustreichen sei. Es wurde u. a. die Einsetzung einer dramaturgischen Zentralstelle beschlossen, die aus einem Hebraisten, einem Jiddischisten und einem Dramaturgen bestehen und die Aufgabe haben soll, in Zusammenarbeit mit jüdischen Theaterinstitutionen in Osteuropa, Palästina und Amerika jüdisch-dramatische Literatur zur Auswahl für das jüdische Theater in Deutschland sammeln, übersetzen und bearbeiten zu lassen. Die Musik-Kommission beschloß den Erlaß eines großen Preisausschreibens für jüdische Musikwerke .aller Art. | MeYr Dizengoff | Mitten in dem schweren Kampf, den -die Juden Palästinas nun schon seit Monaten zu bestehen haben, ist der Jischuw von einem schweren Verlust heimgesucht worden: Melr Dizengoff, der Schöpfer der Stadt Tel Aviv und ihr Erster Bürgermeister, ist nicht mehr. Im Alter von fast 76 Jahren ist er einer Herzschwäche in Verbindung mit Lungenentzündung erlegen. Sein Hinscheiden bedeutet eine schwere Heimsuchung nicht nur für den Jischuw des Heiligen Landes, sondern die ganze Judenheit des Erdballs ist in schwerste Trauer versetzt; war doch Meir Dizengoff, der an exponiertester Stelle für die Sache des Zionismus und des Palästina-Aufbaus gewirkt hat. im besten Sinne des Wortes eine gesamtjüdische Erscheinung und Persönlichkeit. Von den Bewohnern Tel Avivs wurde er als Vater der ganzen Stadt verehrt und geliebt. Er war ein Mann kühnster Pläne und unerschrockenster Tatkraft, und seine während des Weltkrieges erfolgte Landesverweisung durch den türkischen Oberbefehlshaber hat den Aufstieg seiner Stadt nicht aufhalten können; im Triumph wurde er nach der Eroberung Palästinas durch England von seinen Bürgern heimgeholt. Es steht zu hoffen, daß sein Werk auch jetzt alle Stürme überdnuert. Noch Ende August hat er mit größter Entschiedenheit die jüdischen Interessen gegenüber den Mandatsbehörden verfochten, und bei allen kommenden Verhandlungen und Auseinandersetzungen über den Fortgang des jüdischen Palästina-Werkes wird, über seines Lebens Grenze hinaus, sein Geist wirksam sein. Unsere Wanderbücherei Eine Folge von Buchbesprechungen wichtiger neuer und älterer Bücher aus den Wanderkisten des Preußischen Landesverbandes. Baer, Jizcbak Fritz: Galat. Berlin: Schocken-Verl. 1936. 105 S. (Bücherei des Schocken-Verl. 61.) Das Wort Galut („Verbannung“) bezeichnet schon seit biblischer Zeit eine Grunderscheinung der jüdischen Geschichte, die uns erst jetzt wieder besonders gegenwärtig geworden ist. Diese Galutgeschichte stellt Baer seit den Zeiten der hellenistischen Diaspora in großen Umrissen dar und zwar im eigenen Urteil unserer Vorfahren über das Galutproblem. Wenn sich auch im großen Zusammenhang geschichtliches und religiöses Denken hierbei nicht trennen lassen, so betrifft das Buch doch die realen Lebensfragen der jüdischen Geschichte. Es zeigt uns, wie das Volk selber sein Schicksal, sein Verhältnis zu Gott und zur Geschichte verstanden hat, es lehrt uns unser Schicksal neu zu verstehen. P. Kotik, Jecheskel: Das Haus meiner Großeltern. Berlin: Schocken-Verl. (1936). 95 S. (Bücherei des Schocken- Verl. 64.) Diese aus dem Jiddischen übersetzten Abschnitte der Memoiren des unliterarischen „Kamenezer“ Jecheskel Kotik schildern in naiver, liebevoll-behaglicher Weise das Leben im polnisch-jüdischen Städtel, zu jener für immer längst versunkenen „guten alten Zeit“, in der die Kinder und Gemeinde - mitglieder im „Seide“ und „Parhes“ noch unbedingte Autoritäten verehrten, vor deren Urteil und Ansicht man sich beugte. Der Schoß der Familie war die sichere Zuflucht vor allen Gefahren da draußen, und die jüdischen Feste und Feiertage bildeten poetische Verklärungen des Lebens, das mit seinem vielen Guten und auch vielem Bösen doch noch Stil, Sinn und Ziel hatte. Das Kulturhistorische bildet den Hauptreiz des Buches. D. Onecht (d. L Salman Jizcbak Aronsohn): Reb Abbe. Eine Erzählung. (Aus dem Jiddischen übers, von Fega Frisch.l Berlin: Schocken-Verl. 1936. 83 S. (Bücherei des Schocken-Verl. 63.) Was ein alter Jude hier vor seinem jüngeren Zuhörer hinplaudert, das bedeutet mehr als nur eine Reihe ernster und heiterer, weiser und närrischer Anekdoten von dem Leben der Chassidim und von der alten Zeit, die ja immer viel besser, war als die neue. Vielmehr erklingt hier im tiefsten eine große Elegie über den Glauben, der in Gefahr ist, zerstört zu-werden: „Das jüdische Sein, der Glaube . . . Mir ist, als wenn alle Bethäuser brennen und alle Bauten einstürzen ... es ist eine Feuersbrunst . . . Versucht man mit Gewalt zu löschen, flammt sie noch heftiger auf . . . versucht mans mit Güte, brennt es von selbst weiter ... oh es brennt . . eine furchtbare Feuersbrunst . . .!“ — Ein besinnliches Buch für die Alten, ein Mahnruf für die Jungen. E. G—n. Bober. Martin: Zion als Ziel und als Aufgabe. Berlin: Schocken-Verl. 1936. 87 S. (Bücherei des Schocken- Verl. 62.) Stets hat Ruber bei den Bemühungen um die Klärung zionistischen Wollens in Wort und Schrift seit drei Jahrzehnten eingegriffen. Seine wichtigsten Aeußerungen sind in der vorliegenden Schrift zusammengefaßt und behandeln die praktischen und grundsätzlichen Fragen. Volkstum, Erneuerung des Judentums und der jüdischen Kultur, die Sonderstellung des Zionismus, die soziale Frage beim Aufbau Palästinas und die der Verständigung mit den Arabern werden in aufschlußreichster Weise behandelt. Die Rede über Nationalismus, welche im Anhang ungekürzt wiedergegeben ist, zeigt die Grundhaltung Bubers. dargestellt im allgemein-geschichtlichen Zusammenhang. Almanaeh des Schocken-Verlags auf das Jahr 5697. Berlin: Schocken-Verlag 1936/37. 181 Seiten. Vorliegender Almanaeh ist bereits der vierte, den der rührige und um das neuere jüdische Kulturleben so verdiente Schocken-Verlag herausgibt. Es ist erfreulich und bezeichnend, daß diese außerordentlich schön gedruckten und dabei billigen Almanache von Jahr zu Jahr umfangreicher und gewichtiger werden. Diesmal sind wieder eine Fülle wertvoller und interessanter Beiträge gesammelt, von denen als besonders aktuell der Aufsatz von Goitein: „Uber die Herkunft der palästinensischen Araber“, die Ausführungen des berühmten Kulturhistorikers Ernst Curtius über „Hellas und Jsrael“ und das schlichttreuherzige, volksliedhaft-innige Nachtgebet aus dem Jiddischen des 16. Jahrhunderts hervorgehoben werden müssen. Aber auc(i_ fast alle anderen Artikel sind lehrreich und fesselnd. Wirklich, ein prächtiges Büchlein, dessen Wert weit über die Zeitspanne eines Jabres hinausreicht. D. PUESTINE & ORIENT ILOYD Uteisvüürvr Berlin W15 Helaekeatr. ß JIHamreliySM VERTRETUNGEN IM REICH: BRESLAU, Tauenfzienstroße 3 ESSEN, Irmgardstraße dl FRANKFURT/A. M., Steinweg 9 KÖLN, Hohenzollemplafz 22 KÖNIGSBERG/Pr., Kai 12 LEIPZIG, Hainstraße 16 MAINZ, Tritonplatz 5 SAARBRÜCKEN, Höhenzollernstr.23 STETTIN, Paradeplatz 28-29 STUTTGART, Königstraße 43 o 7