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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1936-10-01 · 10 (1.10.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Magdeburg, Bremen, Nordwestdeutschland, Halle, Duisburg, Tilsit, Stettin und Pommern) · p. Seite 5

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
14 (1936)
Issue
10 (1.10.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Magdeburg, Bremen, Nordwestdeutschland, Halle, Duisburg, Tilsit, Stettin und Pommern)
Date
1936-10-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Betriebes den Vorzug geben müssen. Aber uns stehen Ausbildungsstätten nur in beschränkter Zahl zur Verfügung, die Einrichtung neuer würde erhebliche Kosten verschlingen. Es ist notwendig, Wünsche dieser Art zurückzustellen, wenn das Ziel erreicht wird: junge Juden körperlich zu ertüchtigen und sie reif zu machen für die Schaffung einer Existenz mit ihrer Hände Kraft. Dann wird Gemeinschaftshaus im Bau Fot. Rix diese Jugend dazu beitragen, mit dem Vorurteil aufzuräumen, das uns Juden so oft entgegengebracht wird, wir seien nicht imstande, schwere körperliche Arbeit zu leisten. Unsere Jugend soll uns helfen, die jüdische Gemeinschaft in der beruflichen Gliederung und auf geistigem Gebiet zu erneuern. Das ist auch letzten Endes die Aufgabe der beiden Ausbildungsstätten auf holländischem Boden. Die drei Fenster Von Pauline Leudesdorf. König Salomo war noch sehr jung, die Hohe Weisheit hatte noch nicht Einzug in sein Herz gehalten, aber die Sehnsucht nach ihr war rege in ihm seit seiner Kindheit Tagen. Sein Geist wollte alle Geheimnisse dieser Welt ergründen, wollte alle ferne Vergangenheit, alle Weiten der Gegenwart und die letzte Zukunft erforschen. In der Nacht zum Neujahrsfeste trat zu ihm der Geist der Erkenntnis. Er hatte die Gestalt des Baumeisters Hiram angenommen und sprach zu ihm: „Folge mir, o König, in den Turm des Palastes, den ich dir erbaute. Drei Gemächer sind in die Spitze des Turmes eingebaut, jedes Turmgemach hat ein Fenster. Durch das eine siehst du alles, was ist, bis an die Grenze des Raumes. Durch das andere erblickst du alles, was jemals war und jemals sein wird, bis an die Grenze der Zeit. Durch das dritte aber wirst du das gewahren, was mehr ist als Räume und Zeiten.“ , Da erhob sich der König von seinem Lager; dem geheimnisvollen Führer folgend, eilte er durch die Gänge des Palastes, bis er sich am Fuße einer Turmstiege befand, die er noch nie bemerkt hatte; er wußte nicht, an .welcher Stelle seines Palastes dieser Turm stehen mochte, denn es schien ihm, als hätte er auch von draußen diesen Turm nie .gesehen. „Dein Leben hat dir keine Zeit dazu gelassen“, sagte der mit den Zügen Hirams, der seine Gedanken erraten hatte, „du warst zu viel mit dir selbst beschäftigt, um den Eingang zur Weisheit zu finden, und auch dein Tagewerk nahm deinen Blick so sehr gefangen, daß du darüber den Turm der' Weisheit nicht bemerktest.“ Salomo schwieg betroffen, dann eilte er seinem Führer nach, die Stiege hinan, zur Höhe des Turmes. Sie gelangten an die Tür eines Gemaches. „Hier wirst du alles gewahren, was ist“, sprach Hiram, „bis an die Grenzen des Raumes.“ Und er schloß auf. Schon von der Tür her sah Salomo das Fenster; es war aus seltsam fremdartigem Glas, ja, es wollte ihm scheinen, als sei die Farbe des Glases schwarz: Er trat nun ganz heran, und da er hindurchblickte, um die Unendlichkeit der Welt zii schauen, siehe, da war alles ganz schwarz. Dann freilich sah er die Welt, er sah die Erde, sah sie mit den Planeten die Sonne umkreisen, sah die leuchtenden Sterne und das Heer aller Sonnen; aber es wurden ihrer so viele, und je mehr es wurden, desto kleiner und unscheinbarer wurde jede von ihnen, so daß zum Schluß schwarz in schwarz alles sich wieder verlor. „Die Unendlichkeit ist wie das Nichts!“, klagte Salomo, „oh, es fst alles ganz eitel.“ „Die Unendlichkeit ist wie das Nichts“, erwiderte Hiram, „aber nur für das irdische Auge.“ „So zeige mir,“ sagte der König, „was du mir versprochen; laß mich sehen, wie diese Welt wurde und was mit diesen Welten wird. Du zeigtest mir die Unendlichkeit des Raumes, laß mich nun auch sehen, wie alles ward, wie alles wird, die Unendlichkeit der Zeit.“ „Ich werde dir mehr zeigen“, antwortete der Geist, „du vergissest das Dritte: das, was mehr ist als Räume und Zeiten.“ „So laß uns gehen“, drängte der König, „dies war zu trostlos, die Unendlichkeit glich dem schwarzen Nichts; das kann die letzte Weisheit nicht sein, führe mich in die anderen Gemächer!“ „Hajjaum haras aulom“, erwiderte Hiram, der den König inzwischen wieder an die Stiege geleitet und die Tür des Turmgemaches verschlossen hatte, „heute ist der Schöpfungstag der Welt; da solltest du sehen, was du sahst: die geschaffene Welt und alle ihre Heere. Ihn selbst, den Heiligen, erblickt kein irdisches Auge.“ „Aber Zebaoth, Herr der Heerscharen muß sein Name genannt werden“, fiel ihm Salomo ins Wort, „das Menschenauge war dem Gewimmel der Unendlichkeiten nicht gewachsen und sah nur, schwarz, das pure Nichts;, der Geist aber ahnte, daß alle diese Welten voll sind von Gottes Herrlichkeit. Sie ist mehr als alles, zeige mir sie!“ „Du lerntest viel“, sprach Hiram, „in zehn Tagen sollst du noch mehr erfahren.“ In der Nacht zum Versöhnungsfeste erschien der Geist der Erkenntnis abermals in Hirams Gestalt am Lager des Königs. Der hatte ihn, voll Sehnsucht, schon erwartet; er sprang, auf, eilte' mit ihm zum Turm, hinan die Stiege, an dem Gemach der Neujahrsnacht vorbei, bis sie, eine Anzahl Stufen höher, wieder vor einer Tür standen. „Hier erblickst du alles, was jemals war und jemals sein wird“, sprach Hiram, „bis an die Grenze der Zeit.“ Und erschloß auf. „Der Traum aller Könige“, bebte es heimlich in Salomo, „ich soll die Zukunft schauen!“ „Es ist der Traum aller Menschen“, sprach Hiram, der wiederum Salomos Gedanken erraten hatte, „du aber wirst mehr sehen als nur die Zukunft; tritt näher!“ Da sah Salomo das Fenster; es war aus gar fremdartig buntem Glas, und da er herantrat und hindurchblickte, siehe, da befiel ihn ein leichter Schwindel, denn er sah wiederum die kreisenden Gestirne, sah aus Nebeln Welten entstehen, darunter Sonne, Mond und Erde, wie sie vor undenklichen Zeiten sich gebildet hatten; und er sah in Nebel die Welten wieder vergehen, darunter auch unsere Menschenerde, Mond und Sonne und alle Gestirne. Er sah sich selbst, wie er im Turm am Fenster stand und in die Nacht spähte: sah sich am kommenden Tag seinen königlichen Geschäften nachgehen; er sab sich im Alter, und er sah sich im Sterben, sah sein Volk Israel aufgeteilt unter seinen Nachfolgern, sah es zweimal in die Verbannung geführt und heimgekehrt, sah es abermals und für immer verstreut unter die Völker und sah diese Völker selbst . . . bis am verdämmernden Horizont der Zeit Menschheit und Erde in Nichts versanken, andere Welten kamen und vergingen, so wie diese Welt gekommen und vergangen war. „Ein Geschlecht geht, ein Geschlecht kommt, die Erde aber bleibt ewiglich — nein, nicht einmal die Erde, nicht die Sonne. Die Unendlichkeit der Räume glich dem Nichts; und 5

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