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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1936-10-01 · 10 (1.10.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Magdeburg, Bremen, Nordwestdeutschland, Halle, Duisburg, Tilsit, Stettin und Pommern) · p. Seite 3

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
14 (1936)
Issue
10 (1.10.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Magdeburg, Bremen, Nordwestdeutschland, Halle, Duisburg, Tilsit, Stettin und Pommern)
Date
1936-10-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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gemäß im Vordergrund. Akten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts, noch jiddisch geschrieben, erlesene Schätze ihrer Bibliothek und ihres Museums leiteten über zur Darstellung der Pflege des Hebräisch: als erste jüdische Zeitschrift in Deutschland erscheint 1750 „Kohelet Mussar“, herausgegeben von Moses Mendelssohn, ganz hebräisch — 1786 hat die Zeitschrift „Hameassef“, die noch hebräisch gedruckt wird, eine deutsche Beilage — 1806 hat sich das Verhältnis umgekehrt, die Monatsschrift „Sulamith“ ist deutsch gedruckt, mit einem hebräischen Beiblatt — 1818 aber weist „Je- Radio undJFHm" in"Palä*tina iFot.fSonnanfald Elsa Darstellung dar Aussmllung'rjemaj Bialik« didja“ nur noch den Titel in hebräischen Lettern auf, während alles übrige in deutscher Sprache auftritt — bis erst in den letzten Jahrzehnten wieder die jüdische Presse in Deutschland auch das Hebräische zu pflegen beginnt. Die Berliner jüdischen Schulen uhd sonstigen Unterrichtsstätten erzählten von ihrer Arbeit. Der Jüdische Kulturbund legte an einem besonders reizvollen Aufbau seines Theaterkünstlers Heinz Condell Rechenschaft über seine außerordentlichen Leistungen seit 1933 ab. Theaterzettel, lustig über eine kleine Anschlagsäule geklebt, Regiebücher, Zeitschriftenhefte, Werbeschriften, Guckkästen mit winzigen Bühnendekorationen, Zusammenstellungen aus den kleineren Kulturbünden im Reich — sie umfassen zusammen heute 69 000 Mitglieder — führten einen bunten Reigen auf. Eine kleine Kunstenklave stellte Gemälde jüdischer Berliner Künstler mit betonter jüdischer Themenstellung zusammen. Andere europäische Zentren schlossen sich an. Ein Vorläufer der neuen hebräischen Literatur war der Italiener M. C. Luzatto, geboren 1707 in Padua, gestorben 1746 zu Akko in Palästina. Wir sahen sein Bild und daneben das seines Namensvetters S. D.' Luzatto, der 1800 in Triest das Licht der Welt erblickte und 1856 in Padua starb und der zu den Begründern der Wissenschaft vom Judentum zählte. Damit verbanden sich die Porträts jüngerer jüdischer Männer von Belang, in ihrer Mitte die drei hervorragendsten ostjüdischen Dichter: Mendele Mocher Sforim, Perez, Scholem Alechem. Der größte Teil der Ausstellung jedoch war mit Recht dem Kulturwerk im Heiligen Lande gewidmet, das mit so großartigen Ergebnissen aufwarten kann. Schon vor mehreren Jahren entstand die Serie jüdischer Köpfe aus Palästina, die der Meisterpbotograph Lerski aufnahm. Einprägsame Tafeln an den Wänden boten schlagkräftige Beispiele für die Einwanderung und ihre Einzelheiten. Interessant die Altersstufungen: an jüdischen Menschen über 65 Jahren gibt es heute in Deutschland 13,9 Prozent der Gesamtjudenheit, in Palästina nur 4 Prozent — Ueberalterung und Verjüngung! Aeußerst lebendig wirkten die Zeugnisse für das siegreiche Vordringen der hebräischen Sprache als Volkssprache: wie es sich aus den Plakaten, Packungen, Werbemitteln oder palästinensischen Industrieerzeugnissen, aus dem Gebrauch in den landwirtschaftlichen Siedlungen und in den neuen Häfen des Landes ergibt. Kernpunkte jüdischer Kulturarbeit sind die Kolonien und Kwuzoth. Man konnte von den Wänden ablesen und an Photographien studieren, was dort alles getrieben wird: Theaterspiel, Studium, Vorträge, Musik, Bibliothekswesen. Es gibt sogar „Lokalblätter“. Ein paar zierliche Modelle fielen auf: die „Kultur-Baracke“ der Kwuzah Giwath Brenner und der Festplatz der alten Kolonie Petach- Tikwah, hei dem das Podium aus einem einfachen Bretteraufbau, die Sitzbänke aus Orangenkisten und Röhren bestehen. Man verfolgte das Wirken der Habimah, des Arbeitertheaters „Ohel“ — die Mitwirkenden stecken am Tag in Arbeiterblusen, am Abend in Bühnenkostümen —, der Kleinkunstbühne Matate, der Filmunternehmungen, der Radioanlagen, dabei die von N. Axelrod begründete hebräische Ton-Wochenschau „Carmel“, die Gestaltung der Feste, der palästinensischen Presse, deren Anfänge bis 1862 zurückreichen, und die heute über eine verblüffende Menge von Tagesblättern und Zeitschriften aller Art verfügt. Das Museumswesen ist nicht vergessen (Städtisches Museum in Tel-Aviv, Bezalel-Museum. in Jerusalem), aber, wie so oft, ist die bildende Kunst stiefmütterlich behandelt! Ein guter Gedanke der Ausstellung war, daß immer wieder die Menschen des palästinensischen Aufbaus in eindrucksvollen Bildern vorgeführt wurden, die Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, geführt von dem jetzt verstorbenen Tel-Aviver Oberbürgermeister Dizengoff, die in Palästina lebenden Schriftsteller und Poeten, deren Hervorhebung dann durch eine Bialik gewidmete größere Abteilung gekrönt wurde. Sein Leben wird von Rußland über Berlin bis in sein schönes Haus zu Tel-Aviv verfolgt und bis zu den launigen Schilderungen aus dem Alltagsleben des Dichters, die wir seinem „Spezialzeichner“ Nach um Gutmann verdanken. Von der Gegenwart ward der Blick io die Zukunft gelenkt. Ihr gilt das wunderbar ausgebildete Erziehungswesen Palästinas, das die nächste Generation zu jüdischen Menschen formen soll. Vom Kindergarten bis zur Universität ward ein ungemein fesselnder Ueberblick gegeben. ■ »Kulturbarocke«* der Kwuzah Giwath - Brenner Modall auf dar Austeilung »Jamaj Bialik« Fol. Sonnanfold Es fehlt im kunstvollen Aufbau dieses rühmenswerten organisatorischen Werkes auch nicht eine Blinden- Erziehungsanstalt. Bereichert und belehrt verließ jeder Besucher die Ausstellung. Und es gab wohl keinen, der nicht mit der Sorge um das Weiterbestehen dieses außerordentlichen Kulturwerks unter den Stürmen der palästinensischen Gegenwart von ihr Abschied nahm und mit der innigen, überzeugten Hoffnung, daß, was so groß begonnen, trotz allen Schwierigkeiten erhalten und tapfer weitergebildet werde. Max Qsborn. 3

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