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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1936-08-01 · 8 (1.8.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Bremen, Nordwestdeutschland, Duisburg, Halle, Magdeburg, Stettin, Pommern und Tilsit) · p. Seite 8

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
14 (1936)
Issue
8 (1.8.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Bremen, Nordwestdeutschland, Duisburg, Halle, Magdeburg, Stettin, Pommern und Tilsit)
Date
1936-08-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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„Der schiefe Spiegel" In Berlin fand die Erstaufführung eines von der „Jüdischen Künstlerhflffe“ ins Leben gerufenen Gastspiel-Kabaretts statt, über die wir nachstehend einen Bericht veröffentlichen. Das neue Ensemble ist dazu bestimmt, in den Provinzgemeinden Gastspiele zu geben und überallhin unseren Menschen frohe Stunden zu bereiten. Das jüdische Kabarett... aber da sprechen wir schon von etwas, was es noch gar nicht gibt, geben kann, aber geben soll, geben muB, denn die jüdischen Menschen sind Szenenbild aus der »Pfändungsopert Fot.Abrohom da, die das Talent haben, Kabarett zu machen und es nötig haben, und die jüdischen Menschen sind da, die nett, heiter unterhalten werden wollen und es nötig haben. Es ist also alles da, bloB nicht das jüdische Kabarett —? Den Wunsch danach hat es schon lange gegeben, die Anfänge dazu auch. Wenn man die mittelalterlichen Purimspieler, Hochzeitsspaßmacher, Zwerge und Narren als Vorläufer des jüdischen Theaters bezeichnet, so ist das schon recht und billig, aber der kabarettistische Zug ist bemerkbarer und entscheidender als der Dramatische und der Schaustückmäßige. In neuerer Zeit ist die eminente Begabung der Juden für alles im guten Sinn KleinkunstmäBige gern und erfolgreich ab- und mißgeleitet worden: in den Witz um der Pointe willen, in den Schlager als Reißer usw., das heißt die allgemeine Entartung wurde auch von Juden mitgefördert und war hier um so peinlicher, als sie sich schließlich wie alle Entartung zur äußersten Negativität, zum Selbsthaß und zur Selbstverspottung steigern mußte, sodaß da Juden „jüdische“ Witze über Juden, besser: über die Juden weg und gegen sie machten. (Was mit der echten Selbstironie meist nichts gemein hat.) Die kabarettistischen Versuche in dieser unserer Situation können nun, wenn sie gut gemeint sind, mit dieser Art von gestern nicht die gleiche Richtung einschlagen, leider ebenso wenig mit der früheren rein jüdischen Weise, für die uns ja das Organ, die Tradition, das Milieu, alles fehlt. Man kann jetzt nur auf der Basis aufbauen, die hier nun einmal gegeben ist, nämlich auf der allgemeinen, also in europäischer Weise allgemeine und wenn möglich geeignete jüdische Themata so anständig, so unanstößig und so heiter wie möglich von jüdischen Künstlern behandeln lassen. Eben das versucht das neugegründete Kabarett „Der schiefe• Spiegel“ mit Erfolg. Es sind nur wenige Künstler, die es „machen“; aber mit dem Elan und Schneid, der sie beseelt, füllen sie einen Abend wie das größte Ensemble. Sie spielen zwei Stücke, eine locker zusammengefügte Programmrevue aus Schlagern, Szenen und. Parodien einer „richtigen“ Revue „Der schiefe Spiegel“, in der alles Unecht-Theaterhafte auf das Lustigste verspottet wird, während in den Schlagern, die Hermann Ludwig Schlesinger vertont hat, einmal, mit besonderem Erfolg beim Publikum, der jüdische Herzton angeschlagen, ein andermal mit Recht die Witzsucht verhöhnt wird u. a. m. Diesem rein kabarettistischen Anfang steht „Die Pfändungsoper“ gegenüber, die ein geschlossenes Ganzes, eine musikalische Groteske von Leonhard Heinrich ist, eine regelrechte kleine Oper, in der sowohl ein eigenes Werkchen solcher Art versucht als auch das Opernmäßige überhaupt persifliert wird. Die Fabel — ein Klavier eines armen Mannes wird gepfändet, es gehört der Tante aus Amerika, die in der höchsten Not erscheint und vom Gerichtsvollzieher um fiand und Herz gebeten wird — steht in innerem Widerspruch zur Musik überhaupt, daher der urkomische Eindruck, wenn die nüchternsten Kanzleiphrasen gesungen werden. Es wird mit Verve und Talent gesungen und gespielt. Erna Cohn ist der weibliche „Star“ des Ensembles, begabt, temperamentvoll, mit ‘ Humor „hinter den Ohren“, Alfred Lichtenstein ein Schauspieler, Conferencier und Allerweltskünstler von Format, Meyerowitz und Heinz Kahnemann vorzügliche Chargenspieler und Sänger, Hermann Schlesinger und Werner Bär sind die viven Begleiter, deren Rhythmus das allgemeine prachtvolle Tempo befeuert. Leo Hirsch. Unsere Wanderbücherei Eine Folge von Buchbesprechungen wichtiger neuer und ülterer Bücher aus den Wanderkisten des Preußischen Landesverbandes. Neuerscheinungen: Moses, Margarete: „Diesen und auch Jenen hat Gott gemacht.“ Ein Palästina-Roman. Berlin: Brandus 1936. 150 S. Es ist sicher noch nicht an der Zeit, das in einem einzigartigen Neubeginn stehende, flutende, täglich neuen Problemen gegenübergestellte jüdische Leben in Palästina künstlerisch zu gestalten. Der Palästina-Roman von Margarete Moses, einer der ersten derartigen Versuche, schildert die Menschen und ihre Arbeit in einer Kwuza, in der sich Liebesleid und -freud noch kaum von dem Oft-Dagewesenen unterscheidet: die zarte, geistig hochstehende Riwka ist von dem Vater ihres Kindes, dem derben, nicht zu ihr passenden Gerson verlassen worden, und würde unglücklich werden, wenn sie nicht der junge, idealistische Rabbiner aus Deutschland, Eick, heiratete. Hervorzuheben — und dies bildet einen wesentlichen Reiz des Buches — sind mehrere gelungene und aktuelle Darlegungen über die Verwirklichung echter Religiosität und Erklärungen gewisser palästinensischer Mißstände, die noch dadurch an Ueberzeugungskraft gewinnen, daß sie handelnden Personen bei geeigneter Situation als Ansprachen in den Mund gelegt sind. — Auch einige plastischgeschilderte Landschaftsbilder fesseln den Leser. D. Michelsohn, Clara: Jüdisches Kind aus dem Osten. Berlin: Philo-Verl. 1936. 54 S. (Pbilo-Bücherei Nr. 4.) Das Neuartige an diesen beiden inhaits- und umfangsmäßig ungleichen aber ansprechend erzählten Novellen ist die Art, wie mit psychologischen und sozialen Mitteln in die Welt ostjüdischer Kinder hineingeleuchtet wird. Neben der leichter wiegenden kleinen Erzählung von Aisik Ormermann, der die erbärmliche Bettelwelt der Mutter mit keiner noch so gepflegten Umgebung vertauschen möchte, wirkt die zweite ergreifend wie eine Legende von Agnon: Cbaim Hotz, der stille, scheue kleine Junge mit der großen Gelehrsamkeit und Inbrunst zu Gott leidet und stirbt für den Glauben und für die Gerechtigkeit auf Erden. —- Vorwiegend für reife, erwachsene, besonders für mütterliche Leserinnen. E. G—n. Bab, Julius: Rembrandt und Spinoza. Ein Doppelbildids im deutsch-jüdischen Raum. 111. Berlin: Philo-Verl 1934. 102 S. Auf dem Boden der christlichen Bildung seiner Zeit vollendet Spinoza das Werk seiner „Neuformung des jüdischen Gottesgefühls". Im jüdischen Ghetto von Amsterdam gewinnt das Werk Rembrandts seine beste Reife. „Durch das fremde Wesen hindurch , „die fremde Art im tiefsten erfühlend, sind Rembrandt wie Spinoza zur höchsten Vollendung ihrer eigenen Art gelangt" — In Verbindung mit der Darstellung dieses GnnutgeH«nfc»w« gibt uns das Buch von Bab zwei ungemein anschauliche und fesselnde Lebensbilder. u. 8

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