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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1936-08-01 · 8 (1.8.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Bremen, Nordwestdeutschland, Duisburg, Halle, Magdeburg, Stettin, Pommern und Tilsit) · p. Seite 5

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
14 (1936)
Issue
8 (1.8.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Bremen, Nordwestdeutschland, Duisburg, Halle, Magdeburg, Stettin, Pommern und Tilsit)
Date
1936-08-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Seelischen seiner Figuren, vom Aeußeren zum Inneren zu gelangen. Aus dem Maler großer geschichtlicher und biblischer Persönlichkeiten und dramatischer Ereignisse wird seit den Fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts, seit dem entscheidenden Aufenthalt in dem damals noch kaum weiter bekannten Fischerdorf Zandvoort, der Künder und Deuter menschlichen Schicksals. Menschennot und Menschenleid, ohne Pathos aber mit tiefstem Miterlehen vorgetragen, werden die Objekte seiner Kunst. Während die Themen iihmer anspruchsloser und alltäglicher werden, gewinnt der Gefühlsinhalt durch mehr und mehr vertiefte psychologische Durchdringung der Figuren an Kraft und Reinheit. „Die Einzelfiguren sind ihm nicht mehr Verkörperung von Ideen, sondern großartige Vertreter bestimmter Menschentypen. Mit der ganzen Innerlichkeit seiner Nation und seiner Rasse versenkt sich Israels in die Natur dorthin, wo sich die' Aeußerungen des Gefühlslebens am naivsten zeigen: in das Leben der Armen und Elenden. Die Mühe und Arbeit schildert er wie der Psalmendichter, der das Leben köstlich nennt, wenn es Mühe und Arbeit gewesen ist“. (M. Lieberniann) So sehen wir auf seinen Bildern die Männer, die im täglichen Kampfe mit dem Meere und seinen Gefahren stehen, die Fischer und die Schiffer, wir sehen die Frauen, die zu' Haus arbeiten und mit den Kindern sorgenvoll auf die Heimkehr des Gatten und Vaters warten, wir sehen die Menschen, die das. Leben hart, ernst und kantig gemacht hat, bei der Arbeit, bei der Ruhe und bei ihrem letzten Gang. Israels stammte aus. frommem jüdischen Hause, und er hat sich zeitlebens nicht nur zum Judentum bekannt, sondern sich auch tief innerlich als Jude gefühlt. Der Sechsundachtzigjährige läd einmal einen auswärtigen Kunstgelehrten zu einem Besuch in sein Atelier, wo er noch täglich bis Abends arbeitet, mit den Worten ein: „Sie können jeden Tag kommen, wann Sie wollen — nur nicht am Sonnabend, denn dann arbeite iclt nicht, denn ich bin Jude.“ Aber init diesem jüdischen Bewußtsein vereinigt er seine'' Haltung als holländischer Künstler. Einmal, bei einem Besuche in Berlin, wird er von einem Journalisten gefragt, ob er sich als jüdischer Maler betrachte. „Nein, ich bin ein Jude, aber ein holländischer Maler.“ Diese scheinbare Zweiheit seines Wesens, die in seiner Persönlichkeit und in seinem Schaffen zur Einheit wird, zeigt sich darin, daß er die großen Gestalten und Ereignisse aus der holländischen Vergangenheit — Oldenbamevelt, Wilhelm von Oranien u. s. w, — oder das holländische Volk in seiner Arbeit' Und ' in seiner charakteristischen Wesensart malt und daneben tief empfundene und erlebte jüdische Figuren schafft wie den „Thoraschreiber“, die „Jüdische Hochzeit“, den „Sohn des Alten Volkes.“ Beim Anblick dieser Judengestalten fühlt man, daß der, der sie schuf, selbst Jude war. Er weiß um das Geheimnis der Seele seiner Gemeinschaft. Er gibt die Juden leidvoll und gedrückt, aber gleichzeitig auch mit der Würde ihres uralten Schicksals. Der „Sohn des alten Volkes“, ein armer Jude, vor der Tür seines Hauses sitzend, umgeben von getragenen Kleidern und altem Trödlerkram, die er verkaufen will, zeigt neben dem Schmerz und dem Ernst auf seinem Antlitz die Ruhe, die Unbeweglichkeit, das Wissen um die Kleinlichkeit des Alltags — und um die Größe von Vergangenheit und Zukunft. Was ein Franzose einmal von Rembrandt sagte, wird man — besonders in Bezug auf seine jüdischen Gestalten — von Israels sagen können: „II a bien peint, parcequ’il a bien senti“. In Israels lebte, wie in jedem großen Künstler, etwas von einem Dichter. Er hat seinen Bildern meist Titel gegeben, die gleichsam einen literarischen Inhalt haben: „Aus Finsternis zum Licht“ — „Am Grab entlang“ — „Trübe Gedanken“ u. s. w. Und er hat selbst einmal bekannt: „Ja, ich habe oft schlechte Verse gemacht, aber wenn es über mich kam, dann mußte, ich es tun. Ich konnte nicht dagegen ankämpfen. Es passierte sogar, daß ich mitten im Mnlen eine Pause machen und mich an meinen Schreibtisch setzen mußte, wo es mir nur mit Mühe gelang, die Verse, aufs Papier zu bringen.“ Dieser rührend naive Ausdruck eines inneren Erlebens gibt uns einen tiefen Einblick in sein Schaffen. „Nur ein lyrischer Dichter konnte Israels ganz gerecht werden, denn seine Malerei ist ein Farbe gewordenes Gedicht, ein schlichtes Volkslied, kindlich, im biblischen Sinne einfältig — alles Gemüt, Empfindung und nochmals Gemüt.“ ~ Drei Jahre vor seinem Tode, 1908, hat der vierundachtzigjährige Meister sein Selbstporträt gemalt, das vielleicht zu den größten Kunstwerken der Weit in dieser Art gerechnet werden kann. Das Bild — nn Hintergrund steht die Staffelei mit Israels größtem Bilde „Saul und David“ Josef Israels: »Ein Sohn des alten Volkes« FoL Abraham — ist trotz der körperlichen Frische und der geistigen Lebendigkeit, die aus dem Porträt spricht, wie ein Abschiedsgruß. Denn es spricht von dem langen Leben voller Arbeit. das vorübergegangen ist, spricht „von tiefen, nicht in Worte zu fassenden Gedanken und spricht zu uns von einer Zukunft, die Ewigkeit heißt.“ fn der Vergänglichkeit der Zeit mahnen uns die Werke Josef Israels an das Ewig Unvergängliche genialen Künstlertums. Geheimrat Falkenheim 80 Jahre Am 4. August 1936 begebt der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Königsberg, Herr Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Hugo Falkenheim, den 80. Geburtstag. Er ist das an Lebensjahren älteste Mitglied unseres Rates; an Lebensfrische ist er das jüngste. Wer das Glück hat, mit dem „alten Herrn“ zusammen zu arbeiten oder gar in seiner Nähe gemeinnützig zu wirken, der empfindet es stets dankbar, ‘wie anregend und fruchtbringend seine sprudelnde und dabei schöpferische Art die Erreichung jedes Zieles fördert. Herr Geheimrat Falkenheim gehört dem Vorstand unserer treuen Mitgliedsgemeinde Königsberg seit vielen Jahren an. Er ist mit ihrer Geschichte und altehrwürdigen Tradition vertraut und nach dem Tode des Justizrats Holz an ihre Spitze getreten. Die Interessen der gesamten Königsberger Judenheit liegen ihm am Herzen. “An allen Stellen, insbesondere im Verkehr nach außen, mit den Behörden, mit dem Landesverband, mit der Reichsvertretung nimmt er sie in gewissenhafter Weise wahr. Daß er dabei seinem Temperament keine Zügel anlegt, daß er sich nicht scheut, dort, wo es nottut, das Kind beim rechten Namen zu nennen und mit Entschlußkraft und persönlicher Hingabe aufzutreten, das ist seiner Sache stets von Nutzen gewesen. Er ist ein Mann der Praxis, der schwierige Probleme unerschrocken anfaßt und dadurch häufig den einfachsten 5

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