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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1936-08-01 · 8 (1.8.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Bremen, Nordwestdeutschland, Duisburg, Halle, Magdeburg, Stettin, Pommern und Tilsit) · p. Seite 4

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
14 (1936)
Issue
8 (1.8.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Bremen, Nordwestdeutschland, Duisburg, Halle, Magdeburg, Stettin, Pommern und Tilsit)
Date
1936-08-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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am 5. Av des Jahres 525h (1495) heiratete Rabbi Josua die Schwester Dol^a des Don Bonafos. Wie hofften die Juden, in der Provence bleiben zu können! aber auch dort wurden sie wieder vertneben, und nur in dem Gebiete, das dem Papst in Südfrankreich gehörte, nämlich in Avignon und den umliegenden Orten, konnte man bleiben. Die Familie der Mutter Josef ha Cohens zog nach der Türkei weiter. Als der junge Josef zum Manne herangereift war und von diesem Auseinanderreißen der Familien, von diesem immer erneuten Wanderungsschicksalen hörte, da entschloß er sich, dieses Werk zu schreiben. Die Gestalt unseres Arztes und Geschichtsschreibers gewinnt aber noch ein besonderes Gesicht, wenn man hört, in welchem Umfang er sich neben seiner ärztlichen Tätigkeit und der Niederschrift seines großen Geschichtswerkes auch sozial betätigte. Es kam damals sehr häufig vor, daß an Bord der Galeeren, die im Hafen von Genua ankerten, unter den Galeerenknechten, den Ruderern, auch Juden sich befanden. Wenn Cohen davon hörte, dann ruhte und rastete er nicht eher, bis es ihm gelang, die notwendigen Mittel aufzutreiben, um dem Unglücklichen zu helfen. Und wenn es einmal nicht glückte, dann war er untröstlich. Gerade wohl diese Menschen, deren EJtern eben die furchtbare Vertreibung aus Spanien erlebt und die selbst schon ein mannigfaches Wanderungsschicksal durchgemacht hatten, bewiesen in höchstem Umfang jüdische Solidarität, weil sie selbst wußten, wie es tat, immer wieder zum Wanderstabe greifen zu müssen. Eis wurde schon erwähnt, daß Cohen im Hauptberuf Arzt war. Wiederholt wurden die Juden in damaliger Zeit aus Genua verbannt, zurückgerufen und so fort. Im Verfolg dieser Ereignisse, so erzählt Cohen, schrieben „die Bewohner des stolzen Genua an die Fürsten in ihren Städten, die unter ihnen wohnenden Juden innerhalb dreier Monate wegzujagen. Ein gleicher Befehl, wie er damals überall erlassen worden war, erging auch an mich von dem Statthalter der Stadt Voltaggio, in welcher ich, Josef ha Cohen, wohnte. Nachdem jedoch sämtliche Bewohner der Stadt zusammengetreten waren und Leute dorthin zur Vermittlung abgesandt hatten, nahm man darauf Rücksicht und erwiderte ihnen: Nun so möge Josef ha Cohen in eurer Mitte bleiben, solange es ihm gefallen wird. Doch ich wollte nicht ferner unter ihnen wohnen und ließ mich in Castelleto im Gebiet von Montferrat nieder, wo mich alle mit Freuden aufnahmen.“ Welch aufrechte Haltung spricht aus diesen Worten! Ein großes Dankbarkeitsgefühl erfüllte ihn, daß er sein Werk vollenden konnte. Er setzte es, solange ihm die Kraft blieb, fort. Noch im Alter von 79 Jahren fügte er eine abschließende Bemerkung bei: „Ich preise den Herrn, der mir eingegeben, dieses kleine Werk zu verfassen, welches die meisten Leiden und Unfälle enthält, die uns überkommen haben seit der Zerstörung des Tempels bis auf den heutigen Tag, soweit ich dieselben habe ermitteln können, indem ich über alle eine kurze Mitteilung gemacht habe.“ Noch ein Wort zu der Methode unseres Autors. Er hatte überall in der Welt, wo Juden lebten, Menschen, mit denen er im Briefwechsel stand und die ihm Nachrichten schickten, so daß sein Buch für die Epoche, in der er lebte, von besonderem Werte wird. Weniger wichtig natürlich sind die Nachrichten aus früherer Zeit, die er aus anderen Quellenwerken übernahm. So entstand ein erschütterndes Dokument der Schicksale unseres Volkes, das, wenn man so will, im üblichen Sinne keine erfreuliche Lektüre bildet, aber von dem man doch wünschen möchte, daß ihm eine neue deutsche Ausgabe beschert würde. Das Buch ist in hebräischer Sprache geschrieben und wurde im Jahre 1858 von Dr. M. Wiener erstmalig ins Deutsche übertragen. Daneben gibt es eine, die Fortschritte der Wissenschaft stärker berücksichtigende französische Ausgabe, die im Jahre 1881 durch Julien Sie herauskam. Die Juden unserer Tage könnten dieses Buch mit Nutzen lesen. Das Leid jener längst vergangenen Jahrhunderte ist vorbei, aber aus diesen schlichten Blättern spricht jene Gesamtgesinnung, die eben die Erhaltung des Judentums zu allen Zeiten ausgemacht hat: allen Nöten gegenüber treu am jüdischen Glauben festzuhalten, wo auch immer das Schicksal es will. Josef Israels Zu seinem 25. Todestage am 12. August Von Dr. Ernst Fraenkel. Von allen europäischen Ländern wird man Holland als dasjenige bezeichnen dürfen, welches seit jeher den Juden die freiesten Lebensbedingungen und Lebensmöglichkeiten geboten hat. In der Geschichte der holländischen Juden finden wir kaum Epochen besonderer Leidenszeit oder Entrechtung. Es erscheint daher wie eine tiefe und geheimnisvolle Rechtfertigung, wie ein innerlich begründeter Dank, daß die holländischen Juden ihrem Vaterland zwei seiner größten Söhne geschenkt haben: der größte holländische Philosoph — und einer der größten Denker aller Zeiten überhaupt — war ein Jude: Baruch Spinoza, und der größte holländische Maler des 19. Jahrhunderts, von dem eine Renaissance der Malerei in Holland ausging, war der Jude Josef Israels. Wenn in diesen Tagen fünfundzwanzig Jahre seit dem Tode Josef Israels vergangen sind, so scheint es wohl geboten, an dieser Stelle des Mannes und seines Werkes zu gedenken. Max Liebermann, mit Josef Israels durch Bande des Blutes und durch künstlerisches Genie verbunden, hat von diesem gesagt: „Wieviele Anschauungen in der Malerei auch aufeinanderfolgten, er hat ihnen wie ein rocber de bronce zu widerstehen gewußt, weil er' sich selbst treu geblieben und der einzigen Richtung, der jeder Künstler folgen sollte, der Richtung seines Herzens gefolgt ist.“ Man wird Israels als Künstler und als Charakter — wenn diese Josef Israels: »Selbstbildnis« (Entnommen awst Max Eitler »Josef Israels«) Zweiteilung einmal gestattet ist — nicht besser und knapper kennzeichnen können. Gewiß haben seine künstlerische Ausdrucksweise und die Sujets seiner Bilder von den Tagen, da er als junger Mann bei Krusemann in Amsterdam zu malen begann, bis zur Reifezeit im Haag verschiedene Wandlungen durchgemacht. Pariser Studienjahre, Reisen und Erlebnisse haben auf Form und Inhalt seiner Bilder entscheidenden Einfluß ausgeübt, aber gleichgeblieben ist er sich in dem Willen, die Menschen, die er malte, in ihrem Wesen und in ihrer Beziehung zur Umwelt immer tiefer zu erfassen, immer mehr vom Körperlichen zum 4

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