Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 14 (1936)
- Issue
- 7 (1.7.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Halle, Duisburg, Bremen, Nordwestdeutschland, Magdeburg, Stettin, Pommern und Tilsit)
- Date
- 1936-07-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/10279732-10021721-10021696--419-3981152- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
uns westwärts, ao besteht du große jüdische Ereignis dea vergangenen Monats in der Tatsache, dafi in Frankreich durch die Ernennung Ldon Blnnu zum Ministerpräsidenten die Judenfrage non auch in die französische Politik hi »eingetragen worden ist In Deutschland wird wohl kein Jude diese Nachrichten ohne tiefe Beunruhigung gelesen haben, und wieder vermögen uns einige OberflScheneracheinungen nur wenig zu trösten: die angekündigte Aufstellung eines Denkmals für den verstorbenen Feldrabbiner Bloch in Lyon, oder die viel erörterte öffentliche Ehrung jüdischer Kriegsgefallener durch die faszistische Vereinigung Feuerkreuz. Diese äußerlichen Ehrungen berühren nicht den Kern der Judenfrage; für die Unterscheidung zwischen Wesentlichem und Unwesentlichem haben wir Jetzt alle wieder ein feines Empfinden bekommen. Damit soll natürlich nicht gesagt sein, dafi derartige, immerhin günstige Nachrichten uns ganz ohne Freude ließen. Wir registrieren mit einer gewissen Befriedigung, daß nach einem jetzt in Stockholm veröffentlichten Verzeichnis der Nobelstiftung unter den seit 1901 mit dem Nobelpreis ausgezeichneten ISS Männern nicht weniger als 20 Juden sind; daß Professor Franz Oppenheimer von je einer großen wissenschaftlichen Vereinigung in der Tschechoslowakei und in den Vereinigten Sta.aten zum Ehrenmitgliede ernannt worden ist; daß anläßlich des Abschlusses der Brüsseler Weltausstellung einige belgische Juden hohe Auszeichnungen erhielten. Aber wertvoller als alle diese Nachrichten gelten uns doch andere: 114 in Griechenland ansässige sephardische Familien erhielten, wie aus Madrid gemeldet wurde, die spanische Staatsangehörigkeit zuerkannt und werden wohl demnächst nach Spanien übersiedeln. Und die Sammlungen des Council for German Jewry haben laut neuestem Bericht bisher 626 195 Pfund ergeben. So sehen wir am Schlüsse unseres Rundblicks trotz aller Schwere der Zeit doch auch wieder Ereignisse, die jüdisch-produktiv sind; Tischa b’Aw steht vor der Tür, sein Ausklang ist: Tröstung und Hoffnung. Der Fuchs Eine Anekdote von Jacob Picard. Wenn vor hundert und auch weniger Jahren in den kleinen Dörfern überall im deutschen Land, wo Juden wohnten, zehn und mehr Kinder in einer Familie nichts Ungewöhnliches waren, so folgten sie dabei ihrer frommen Pflicht, fruchtbar zu bleiben. Aber dieser gläubige Gehorsam vor dem Gesetz hatte seine zwei Seiten: Schön war es zwar für einen Vater, in der Schul zu beten und stolz dabei seine Söhne um sich zu sehen; doch wenn sie herangewachsen waren, kam die besorgte Frage, wie sie zur Selbständigkeit kommen konnten und zu einem Lebensziel,' das jeden einzelnen ernährte. Schwer war das, um so schwerer, als es ja im Grunde nur den einen Beruf auf dem Lande gab damals noch, nämlich Handel zu treiben. Manchmal allerdings drang die Kunde zu ihnen, daß in den Städten da und dort schon einer von ihnen höher hinauf und zu unvorstellbarem Reichtum gekommen sei, daß es da oder dort einen großen jüdischen Rechts- oder Heilkundigen gab, anerkannt von den anderen, und daß auch in manchen Landstrichen, vor allem im Süden des Vaterlandes, schon viele waren, die seit langem auf eigenem Boden und Grund lebten mit Acker und Flur, der Heimat ganz verbunden. Und so war auch der Leib Gump in Werbungen eines Tages so weit, sich überlegen zu müssen, was werden solle mit seinen vier Söhnen, als er selbst alt geworden war und sich vom Geschäft zurückziehen wollte. Nun, er tat es, wie es die anderen auch machten und wie sie es gewohnt waren seit je: er verteilte in dem Gau, in dem von alters seine Vorfahren gehandelt hatten und angesehen gewesen waren wie er, die sechs Dörfer mit den zugehörigen Höfen unter •die vier Söhne, damit sie da, fleißig wie er, für die Znkunft schafften, ungestört von den anderen Familien der Kehilla, die ihrerseits wiederum die Grenzen ihrer Gaue streng achteten; wie wäre es sonst möglich gewesen, friedlich in der Enge zusammen zu leben. Dabei waren sie glücklich im Ablauf der Jahreszeiten und ihrer heiligen Feste, um die sich ihr ganzes Leben als seinen Schwerpunkt schloß. Und keinem kam es bei, anderes zu tun und das Gewohnte zu durchbrechen. Vier Söhne also hatte Leib Gump, den Elias, den Jikel, den Moses und den roten Jonas, den jüngsten aber lebhaftesten. Nun, sie waren jetzt auch schon ziemlich in den Jahren, wenn schon keiner von ihnen noch verheiratet war, da erst drei Schwestern unter der Chupa gewesen’ sein mußten, bevor es an sie kam; und zweie von denen waren schon weggegeben mit angemessener Nedinje, die die Söhne, wie es sich gehörte, hatten mitverdienen helfen müssen. Und leicht war das nicht gewesen bei der Begrenzung des Wirtschaftskreises, gehörten sie doch zu denen im Dorf, die bei der Verteilung der Gegend nicht eben gut weggekommen waren einstens. Auch hatten schwere Jahre das Land bedrückt mit Hunger und Mißwachs. Doch waren sie fleißig. Und so hatte der Alle schon, weil er sehr weit über die Sechzig war, abgegeben, wie man es nannte; das heißt, die Söhne brauchten nicht mehr für die Familie zu arbeiten, brauchten ihm nicht mehr abzurechnen am Sonntagmorgen über den Erfolg der vergangenen Woche und konnten selbst daran gehen, sich ein Vermögen zu schaffen. — Das war nicht einfach gewesen. Denn: wie die sechs Dörfer mit dem kleinen Umtrieb unter die Vier verteilen? Es blieb nichts übrig, als zwei von den Dörfern je zweien der Söhne gemeinsam zu überlassen zu den anderen, die jeder alleine hatte; anders hatte es sich nicht machen lassen. Dabei wurde straßenweise abgegrenzt oder nach Ober- und Unterdorf; denn die Dörfer lagen zwischen Hügeln, auch hatten sie nicht mehr als zwei, drei Straßen, Im wesentlichen lief alles ordnungsmäßig, denn den Jungen lag die Zucht im Blut; wenn es auch manchmal Schwierigkeiten gab und kleinen Streit; vorab weil der Jüngste, der rote Jonas — nup sagen wir: zu geschäftstüchtig war. Man konnte es ihm freilich Zutrauen, wenn man ihn so daherkommen sah mit den schnellen kleinen Schrittchen, den Kopf etwas schief und seitwärts nach vorne geneigt, wie spülend immer; auch hatte er Sommersprossen auf den Händen. Einmal, da ging er durch Fi schach, den Ort, dessen Handel der Aelteste, der Jikel, mit ihm teilte. Und wiewohl er dort nichts zu suchen hatte, weil es der Bezirk des Bruders war, schlenderte er doch durch das Oberdorf, schaute da und dort flinken Blicks hinein und sprach auch mit dem und jenem der befreundeten Bauern ein Wort. Es war im Vorfrühling, und die hatten schon mit der Aussaat begonnen. Wie er so auf dem Salenhof stand und sich mit dem Bauern, dem Pankraz, unterhielt, was fld da in seinen Blick! Auf der braun geteerten Stalltüre hing zum Trocknen, festgenagelt an den vier Läufen, ein schöner Fuchs, ein gelblichrotes Fuchsfell im prächtigsten Winter wuchs mit buschiger Rute. Da hing er, die Schläue noch im Geschau trotz der glasigen Augen, die ihn nicht davor bewahrt hatte, daß seine Gier ihn in die Falle brachte „Hast ihn geschossen?“ fragte Jonas, trat hin und befühlte das Fell mit seinen sachverständigen und sommersprossigen Händen. „Nein, in der Falle hab ich ihn gefangen. Drum hat er nirgend ein Loch, ganz unbeschädigt ist er. Einen schöneren hab ich nie gehabt.“ _ „Was willst dafür?“ „Der gehört doch dem Jikel. Der hat sich nur noch nicht sehen lassen“, meinte der Bauer, des vertrauten Geschäftsfreundes denkend und daran, dessen Recht zu wahren. Aber der, der Jikel, wußte wohl, daß der Fuchs auf ihn wartete; längst hatte er ihn gesehen. Doch hatte er ihn ruhig hängen lassen; der hing ihm gut. Was brauchte er sich zu beeilen; wer konnte ihm auch dazwischen kommen? Die Aus MB raaillen zurück: ■erber! frabkcbsfclb Wlrtadaübbrrster Berits —Sao Paulo. Dornt der WirtadtadUsUwiia«*, L Radio Sao Paolo. Etram» 4. Jurist a Wirt» ‘ ' tn| — Vcradaf _ VbtiAtMtntni Stlntflfc Koerespos4«st*n «4 Vertreter Io BrssIOes. BtHta-Charioanifcorz, SdtHHcratr. 33 — S>ttdww4t aor I atä telefaa. VonnmeMmaf C1 Stria platz 33J7. uoccat orr wirtMuaaoiuuista. t. saaio JmlHta>Aamadtfnn>B«alia| 4. Jot fabaRtwItaifSaHrr — Uefccraiedtsaf —' jftrseaftr — OctdUUbffMnf - VbMi <gtesäE53ZlS!4 7