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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1936-06-01 · 6 (1.6.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Bremen, Nordwestdeutschland, Duisburg, Magdeburg, Halle, Stettin und Pommern) · p. Seite 9

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
14 (1936)
Issue
6 (1.6.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Bremen, Nordwestdeutschland, Duisburg, Magdeburg, Halle, Stettin und Pommern)
Date
1936-06-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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(1819—99), Lebenson (1828—82), Mapu (1808—87), Gordon (1830—92), Erter (1792—1861) und Rapoport (1790 —1-1867) einmal kurz zu reden. Mordecbai Aaron GQnzburg übersetzte Teile von Pöllnitz’ „Handbuch der Weltgeschichte“, der „Geschichte Rufilands von 1812/13“ und der „Geschichte Europas von 1770—1882“ ins Hebr&ische, ferner Phiios „Gesandtschaft an Caligula“, Zschokkes „Abenteuer in der Silvesternacht“ und Campes „Entdeckung Amerikas“, letzteres auch ins Jiddische, eine Konzession, die auch Bialik zuweilen machte. Kalman Schulmann verfaßte eine neunbändige „Allgemeine Weltgeschichte“, geographische Arbeiten über Palästina und Rufiland, eine Geschichte Petersburgs, eine Biographie Meyer Amschel Rothschilds und andere umfangreiche Arbeiten naturkundlichen und archäologischen Inhalts, sämtlich in hebräischer Sprache; von Schillers „Spaziergang“, Sues „Geheimnissen von Paris“ und dem ersten Bande von Graetz’ „Flavius Josephus“ schuf derselbe Schulmann hebräische Übersetzungen. Ebenso wie er, wirkte auch sein Freund, der Dichter Micha Josef Lebenson, der Homer, Horaz, Goethe, Schiller, Heine und Mickiewicz ins Hebräisehe übertrug, aufs neuhebräische Schrifttum. Ein echter Lyriker, jenseits von Sentiments und Tendenz, Schüler Schellings, dessen Vorlesungen er in Berlin hörte, Pessimist ob seiner Tuberkulose sang Lebenson erlebte Liebeslieder und trug in seinen „Zionsliedern“ den Konflikt zwischen nationalen Pflichten und individuellen Überzeugungen aus. Zur Behandlung jüdischer Stoffe wurde er von seinen Freunden gedrängt, nachdem er eine hebräische Nachdichtung von Vergils „Zerstörung Trojas“ hatte erscheinen lassen. In der Entwicklungsgeschichte der hebräischen Lyrik ist. Lebenson der bedeutendste Vorläufer Bialiks. An Abraham Mapu, dem Schöpfer des hebräischen Romans, wurde dann die Wendung zur nationalen Epoche der hebräischen Literatur deutlich: sein Hiskia-Roman „Zionsliebe“ und sein „Tarfüff“ (Ajit zawuda), der seiner Zeit den Spiegel vorhielt, verbreiteten die zionistische Gedankenwelt. Sein zehnbändiger „Sabbatai Zewi“ ist verlorengegangen, aber schon das einzige davon noch erhaltene Bruchstück „Der Schwärmer“ zeigt sich als aufschlußreiches Kulturgemälde und als ausgezeichnete Charakterschilderung. Leon G o r d o n , der als Dichter unter dem Eindruck Schillers und Rousseaus stand und in einem Fabelbuch Stücke aus dem Talmud mit solchen von Asop, Lafontaine und Krylow vereinigte, kämpfte als Schilderer der Leiden des Volkes voltairisch gegen Unduldsamkeit und Gesetzesstarre und nahm sich in seinen Schilderungen besonders der unterdrückten jüdischen Frau an („Um ein Jota“). Der Satiriker Isaak Erter, Arzt und Cholera - Bekämpfer in Galizien, wandte sich in meisterhafter hebräischer Prosa gegen den Fanatismus der Wunderrabbis, und S. J. Rappoport endlich, der Schüler des galizischen Mendelssohn, Krochmals (1785—1840), versuchte sich als Dramatiker. Da die geschichtliche Entwicklung sich nie zurückschrauben läfit, wird die neuhebräische des Ostens im 19. Jahrhundert aber kaum eine wesentliche Quelle für lins werden können. Erst von Mendele Mo eher Sforim (gestorben 1917), dessen hundertsten Geburtstag wir zu Beginn des Jahres begingen, führt ein unmittelbarer Weg zu Bialik. In seinen Essays, die kein Beiwerk zu seinen Dichtungen sind, sondern nicht der unwichtigste Teil seines Lebenswerks, spricht Bialik über diesen „fliegenden Buchhändler“ und obgleich er in seinen Essays nirgends von seinem eigenen Dichten handelt, führt er uns in sein Dichten ein, weil sich das Werden der kulturellen Persönlichkeit Bialik darin erschließt, wie es bei anderen Dichtern vielleicht Briefe täten. (Neben den Essays sei auf das kleine biographische Meisterwerk Ernst Simons in der Schocken-Bücherei hingewiesen, eine sinndeutende Lebensbeschreibung Bialiks mit gut lesbaren und feinsinnigen Übersetzungsproben.) Mendele hatte seine allgemeinverständliche dreibändige Naturgeschichte und seinen Abriß der „Geschichte des russischen Volkes“ hebräisch geschrie-. ben, seine Belletristik dagegen, die, an den Realisten der russischen Literatur geschult, eine zum Teil schon verklungene Ghetto-Welt schildert und voller Naturgefühl das Leben auf dem Lande gestaltet, auf jiddisch. Erst im Alter übertrug er diese Arbeiten ins Hebräisehe und wurde so ein Erzieher des Ostjudentums und ein Neubildner der hebräischen Umgangssprache. Keine Kraft soll in der jüdischen Welt verloren gehen: in B i a 1 i k, dessen Zionismus von einer Reinheit und Überzeugungstreue, von einer fanatischen und doch nirgends engherzigen gesamtjüdischen Haltung ist, haben sich die Kräfte einer verklungenen Epoche erneut und verstärkt. Sein Werk, in dem wir ihren Nachklang erleben, ist Niederschlag seines äußeren Lebens und zugleich Tradition und Kritik. Seine Kulturpolitik ging dahin, daß die jüdische Literatur aus anderen Sprachen ins Hebräische übersetzt werden müßte, um für das „Gesamtarchiv des jüdischen Schrifttums“ reif zu sein. Aber er machte auch die hebräische Wirklichkeit Palästina zu einer gesamtjüdischen Verpflichtung. So steht — wiederum — eine originale Schöpfung der hebräischen Literatur im Schütten der Berührung des Judentums mit einer der großen nichtjüdischen Kulturen der Welt. Bialik ist Enkel und Anfänger zugleich__und nur dadurch, daß er auch ein Enkel ist, ein Anfänger. Sein Werk kann nicht gedacht werden ohne das seiner Vorläufer und ohne die innige Berührung der Juden mit der Kultur Europas. Und sein Werk, das gewissermaßen eine Zusammenfassung alles Empfangenen ist, bedeutet zugleich die eigene Erneuerung, denn es hat — seit Jahrhunderten zum ersten Male wieder — die hebräische Dichtung zu weltliterarischer Bedeutung emporgeführt. — Bialik ist ein dichterischer Knotenpunkt jüdischer Kulturgeschichte, durch den die Volksgeschichte wieder zur Geschichte von Trägem einer Glaubensidee wird und jüdische Kultur wieder zu universeller Bedeutung gelangt. Amtlidier Teil Eröflnung des neuen Studienjahres in der Lehrerbildungsanstalt Berlin Am Montag, den 27. April -1936, wurde das neue Studienjahr der Jüdischen Lehrerbildungsanstalt Berlin in der Lützowstraße 16 in Gegenwart des Präsidenten des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, Kammergerichtsrat i. R. Wolff, eröffnet. Zunächst begrüßte der Dezernent des Landesverbandes, Rabbiner Dr. Galliner, die Studierenden, insbesondere die neuaufgenommenen Hörer, und wies darauf hin, daß vor kurzem ein für die weitere Entwicklung der Anstalt höchst bedeutsames neues Faktum eingetreten sei: der Herr Minister habe die Abnahme der Ersten Lehrerprüfung für die erste Stufe der Anstalt genehmigt und einen Staatskommissar zur Durchführung der Prüfung bestellt. Der Redner betonte die große Verantwortung, die auf den künftigen Lehrern und Lehrerinnen ruhe, und sprach die Hoffnung aus, daß sie dazu heranreifen mögen,', die junge Generation in ein neues Leben zu führen, das zwar hart und schwer sein würde, aber voll innerer Würde und Befriedigung. Anschließend gab der Leiter der Anstalt, Dr. Fritz Bam berger, in einem längeren Referat den Hörem einen Ueberblick über die zur Zeit besonders dringlichen Probleme der jüdischen Schulpraxis, an deren Lösung auch die Lehrerbildungsanstalt mitzuhelfen habe. Die Anstalt arbeite nach_den von den Pädagogischen Akademien ausgebildeten Prinzipien und sic habe die besondere Aufgabe, diese Prinzipien auf die Vusbildung in den jüdischen Fächern und auf die Verbindung des Aus JkS raßlllea zurück: ■erftert Iraikciileli Wtrt«<haSsbrrater Berlin—Sno Paolo. Dozent der WirtrAaÄmlrreniA. I. Radln Seo Paolo. Brasilien-Aofwn*deroo|r*'Beraranf 4. Jurist s. Witt» idiftawlnm *d> aftfn — Uefcemiedlonr — VcntSfoi« transfer - GesthSRaerltoduaf - WlrtsdURafceratnag Stladire Korrespondenten m4 Vertreter ia Brasilien. Berlin-Charlotten bare, Sffildterstr. 33 — Sprethstonde nor nach triefon. VorotuaeMont C1 St ein platz 33S7. ä vTSS^Tü.rkisch 8 9

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