Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 14 (1936)
- Issue
- 6 (1.6.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Bremen, Nordwestdeutschland, Duisburg, Magdeburg, Halle, Stettin und Pommern)
- Date
- 1936-06-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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95 S. — Liebesand Irrfahrten nach Homers Odyssee. Wieder mal etwas Heiteres. Mit einem Vorwort von Thassilo von Scheffer. Leipzig: Engel o. J. 48 S. Die Heimat des sympathischen Schriftstellers Heinrich Kurtzig ist das sogenannte Knjawien, ein fast vergessener Teil der ehemaligen Provinz Posen mit dem Städtchen Inowratzlaw (Hohensalza) als Mittelpunkt. Hier spielen fast alle seine Erzählungen und Berichte, schlichte, aufschlußreiche Schilderungen von Land und Leuten, jüdischen, polnischen und deutschen, meistens gruppiert um die eigene Lebensgeschichte, die ein mit Heiterkeit, Optimismus und Menschenliebe getragenes und bezwungenes schweres Schicksal umschließt. Die Chronik der Familie Kurtzig, wie sie das „Ostdeutsche Judentu m“ schildert, ist wert, der Nachwelt überliefert zu werden. Eine Fülle besonderer und bedeutender Männer und Frauen, vorwiegend in der mütterlichen Linie, entsproßten diesem Stamme, der seine Zweige nach allen Weltteilen erstreckte, und der Verfasser dieser Aufzeichnungen kann sich selbst rühmen, mit vielen Großen seiner Zeit in Berührung gekommen zu sein. Das sichert dem mit Geschmack und Humor geschriebenen Buche ein Interesse, weit über den Umkreis der heimatlich an ihm teilhabenden Leser hinaus. Auch die beiden kleinen Romane schließen sich eng an das „Ostdeutsche Judentum“ an, weil sie im wesentlichen Selbsterlebtes und -erlittenes weiter ausspinnen. So geht „Kaufmann Frank“ einen schweren Weg von Erben einer großen Fabrik in der Heimatstadt durch Not und Elend zum Schriftsteller in der Hauptstadt, wo er innerlich und äußerlich eine neue Existenz findet Eine Reihe von ähnlichen Lebensschicksalen seiner Landsleute ziehen ihre buntfarbigen Fäden durch das wohlgesponnene Gewebe des Romans. — „An der Grenze“ zwischen Talmud jünger und deutschem Gelehrten steht der polnische „Bocher“ Löb Rublowicz, der in dem gleichen posenschen Grenzstädtchen seinen Weg in die heißersehnte westliche Kultur beginnt. Viel jüdisch-bürgerliches Leben, Alltag und Feste, wird in diesem Buche aus lebendiger Einnerung geschildert. Schon jüngere Menschen werden gern dieses Stück jüdischer Kulturgeschichte in sich aufnehmen. Von den kleinen Geschichten und Anekdoten des Bändchens „D orfjuden“ ist die Titelnovelle, worin der tapfere junge Aron Gabriel um seines kaum gefundenen Judentums willen auf den Besitz der Geliebten verzichten muß, ergreifend und gegenwartsnah; die gemüt- und humorvollen Kurzgeschichten und Schwänke hingegen werden viel Freude bei den Freunden jüdischen Humors erwecken. Die versgewandt und heiter geschriebene Parodie „Liebes- und Irrfahrten nach Homers Odyssee“ wird dem Kenner des alten Homer und wohl auch manchem weniger klassisch Gebildeten eine vergnügte Stunde bereiten. E. G—n. Bialik und die hebräische Dichtung Von Dr. Lutz Weltmann Mit der hebräischen Dichtung der Juden, die ja nur ein Teil des jüdischen Schrifttums ist, verhält es sich seltsam. Die fünf Bücher Moses, dieses allerwichtigste Ur-Buch des Judentums, sind zur Hauptsache an die Erlebnisse Israels in Aegypten geknüpft. Die an sie sich anreihende Volksgeschichte, die Zeit Josuas, der Richter, Samuels und der Könige ist, gemessen an den Räumen der vieltausendjährigen jüdischen Geschichte, nur ein Zwischenspiel, und auch den Büchern, die von dieser Zeit handeln, wird im allgemeinen nicht die Beachtung geschenkt wie dem ihnen vorangehenden Pentateuch des Mose und den auf sie folgenden Büchern der Propheten. Diese Bücher der Propheten aber, die dem Judentum seine universelle Bedeutung gegeben haben, sind im Schatten Babylons entstanden — das darf man in gewissem Sinne sogar von den Büchern derjenigen Propheten sagen, die vor der assyrischen und babylonischen Katastrophe noch im Heiligen Lande gewirkt haben. Nach der zweiten Zerstörung Jerusalems, hat der babylonische Talmu.d eine größere Bedeutung gewonnen als der in Jerusalem entstandene. Und der größte hebräische Dichter in nachbiblischer Zeit, Jehuda Halevi, schuf seine Poesien in Spanien. Im weiteren Verlauf des jüdischen Mittelalters schrieb Maimonides seine Hauptwerke, bis auf eines, arabisch, Spinoza, den freilich nicht jeder Jude als .Jüdischen“ Philosophen werten wird, lateinisch und in Deutschland entstand das Jiddische, das zu einer Art jüdischer Weltsprache wurde, gleichsam als hätte das Hebräische in Jehuda Halevi (von dem eine große Auswahl seiner Dichtungen von Franz Rosenzweig treu übersetzt und ansprechend erläutert, im Schocken-Verlag deutsch vorliegt) noch einmal seine schöpferische Sprachkraft offenbaren und dann absinken wollen. Es kam das Zeitalter der Aufklärung, die Mendelssohn-Zeit, die das Jiddische, das Jüdisch- Deutsch, in Deutschland zugunsten des Hochdeutschen verdrängte, sich als Mittel zu diesem Zweck oft genug hebräischer Lettern bediente, und in Osteuropa entstand eine neuhebräische Literatur, die zwar weniger bekannt wurde als die jiddische des gleichen Gebiets, von der die Weltliteratur gelegentlich Notiz nahm (Perez, Scholem Alechem), aber in Chaim Nachman Bialik einen Gipfel und neuen Grund zugleich erreichte, der selber Weltliteratur wurde. Bialik, dessen Schriften Wladimir Jabotinski ins Russische, Marcus Ehrenpreis ins Schwedische übersetzte, galt einmal als ernsthafter Anwärter auf den Nobelpreis, und Gorki liebte ihn wegen seiner Dichtungen so, daß er, der Bolschewik, dem Juden bei den kommunistischen Behörden behilflich war, um ihm seine Ausreise zu ermöglichen, weil dieser sein Judentum im roten Rußland für bedroht hielt. Und Bialik, der selbst den Rang eines Dichters der Weltliteratur einnahm — wobei unter Weltliteratur nicht die gängige internationale Marktware zu verstehen ist — übersetzte wesentliche Werke der Weltliteratur ins Hebräische: Schillers „Wilhelm Teil“, Shakespeares „Julius Caesar*4 und des Cervantes „Don Quijote“. Es ist fesselnd zu beobachten, wie ein Kulturkreis des Judentums sich geschlossen hat, das Schaffen des osteuropäischen Judentums in das palästinensische gemündet ist. Die hebräischen Schriftsteller des Ostens, Rußlands, Polens und Galiziens, von denen keine Geschichte der Weltliteratur weiß — und noch die „Geschichte der Weltliteratur“ des kenntnisreichen Wiegier aus dem Jahre 1932 ließ selbst Bialik unerwähnt, — begannen als Uebersetzer: die Wellen der Aufklärung schlugen auch nach Osteuropa und die ostjüdischen „Maskilim“ (d. h. Aufklärer) wollten ihren Stammesgenossen die europäische Kultur erschließen. Alle diese Männer gehören mehr oder minder der „unsichtbaren Literatur“ an. Aber sie alle sind Vorstufen, die zu dem epochemachenden Werk Bialiks führten. Darum lohnt es sich, von den Günzburg (1795—1846), Schulmann Kalender für Juni Montag Juni l Ssivu 11 [Pflngtten] Dienstag Mittwoch 2 12 3 13 Donnerstag 4 14 Freitag 5 15 Sonnabend 1» 6 16 B’haaiaufi’scho Sonnlag 7 17 Montag ** 8 18 Dienstag 9 19 Mittwoch 10 20 Donnerstag 11 21 Freitag 12 22 Sonnabend M 13 m 23 Sch’lach l’cbo; Neumondwelhe Sonntag 14 24 Montag 9 15 25 Dienstag Mittwoch n 16 17 w 26 27 Donnerstag 18 28 Freitag 19 29 Sonnabend »* 20 9 30 Kaurach; 1. Tag »»* QhM Sonntag 21 | 1. Tag Rausch Chaudesch Montag 22 2 Dienstag Mittwoch * 23 24 3 4 Donnerstag 25 5 Freitag 26 6 Sonnabend « 27 7 Chukkafi Sonntag 28 8 Montag 29 9 Dienstag 30 n 10 8