Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 14 (1936)
- Issue
- 6 (1.6.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Bremen, Nordwestdeutschland, Duisburg, Magdeburg, Halle, Stettin und Pommern)
- Date
- 1936-06-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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an der für den 2. Juli einbcrufenen Regierungskonferenz für Auswandererfürsorge teilnehmen werden. Das Joint Distribution ■ Committee in New York, das bisher über 9 700 000 Dollar in Palästina ausgegeben hat, veröffentlichte jetzt eine von Felix M. Warburg, Paul Baerwald u. a. Unterzeichnete Erklärung, daß es „im Hinblick auf die fast untragbaren Lasten“ in Deutschland, Polen und anderen Ländern in diesem Jahre keine Mittel für Palästina-Zwecke zur Verfügung stellen werde; es erblicke seine dringlichste Aufgabe zur Zeit in der Hilfe für Juden aus Deutschland; insbesondere soll den in Deutschland lebenden jüdischen Kindern Erziehungshilfe geboten werden. Und aus London konnte Mitte Mai gemeldet werden, daß die in England durchgeführten Sammlungen des Council for German Jewry bisher einen Gesamtbetrag von 560 000 Pfund ergeben haben. Wenn in der oben erwähnten Erklärung des Joint Distribution Committee außer den Juden in Deutschland auch die Juden Polens an erster Stelle genannt werden, so hat das seine sehr ernste Berechtigung. Die judenfeindlichen Strömungen in Polen nehmen zu; im letzten Monat gab es sowohl an Warschauer und Krakauer Hochschulen wie auch auf dem Lande wieder eine Anzahl von Unruhen und Sabotageakten. Die Regierung tritt zwar allen ungesetzlichen Handlungen mit Entschlossenheit entgegen und ahndet jedes Verbrechen; andererseits haben aber auch gerade gesetzgeberische Akte, so vor allem das Schächt- und das Milchgesetz, die wirtschaftliche Situation der polnischen Juden aufs schwerste getroffen. Alle diese Dinge berechtigen zu schwerster Sorge für die Zukunft, und es kann nur begrüßt werden, daß die jüdischen Hilfsorganisationen in Amerika und England vorbeugende Maßnahmen schon jetzt in die Wege leiten. Das gleiche gilt für Rumänien, wo eine Neuregelung der staatsbürgerlichen Stellung der Juden bevorzustehen scheint, und ferner für Oesterreich, wo die Lage der Juden bekanntlich schon seit langem mehr als prekär Ist. Die Leitung der „Arbeitsgemeinschaft der Israelitischen Kultusgemeinden im Bun- Elisabeth Springer München ■ „Mutter und Kind" (Zum Aufsatz i „JOdlsdie Künstler auf dem Reich") ... , . . Fol. Sonnunfeld desstaat Oesterreich“ hat beschlossen, der Regierung eine Denkschrift zu überreichen, in der auf die ernste Situation der jüdischen Bevölkerung aufmerksam gemacht wird. 'Im übrigen ist gerade aus Oesterreich auch Erfreuliches zu melden: die Rückkehr ehemals indifferenter und sogar getaufter Juden zum jüdischen Leben macht, wie aus einer von der Schulverwaltung der Wiener Kultusgemeinde veröffentlichten Statistik hervorgeht, bedeutende Fortschritte. Daß an den Ehrungen, die Professor Sigmund Freud anläßlich seines 80. Geburtstages von Schriftstellern und wissenschaftlichen Instituten aller Länder der Welt dargebracht wurden, auch die jüdische Bevölkerung insbesondere Wiens sich beteiligt hat, ist' selbstverständlich. im Wciici icrilif Pf.imOM ||$E KBrftrsfeadMmi 19,u* Nahum Sokolow Mit Nahum Sokolow, dem Ehrenpräsidenten der Zionistischen Organisation und Jewish Agency, ist. eine der Führerpersönlichkeiten des Zionismus dahingegangen, die dem jüdischen Leben einer ganzen Zeit das Gepräge gab. Seit ihren Anfängen gehörte er der Zionistischen Organisation an und war seit 1911 Mitglied des Engeren Aktionskomitees. An den Vorarbeiten zur Erlangung der Balfour- Deklaration war er führend beteiligt. Er war einer der bedeutendsten hebräischen und jiddischen Publizisten, beherrschte aber auch fast alle europäischen Sprachen in Wort und Schrift. In den letzten Jahren war er insofern wieder in den Mittelpunkt des jüdischen Lebens getreten, als er von 1931 bis 1935, d. h- bis zur Wiederwahl seines Freundes Dr. Weizmann, das Präsidentenamt der Zionistischen Organisation innehatte. Im Trauerhause in London sind Hunderte von Beileidskundgebungen von Staatsmännern, jüdischen Führern und Organisationen eingegangen, darunter auch vom palästinensischen High Commissioner Sir Arthur Wauchope. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden hat an die Exekutiven der Jewish Agency und der Zionistischen Organisation ein Telegramm gerichtet, in dem es heißt: „Tief erschüttert durch den Tod Nahum Sokolows sprechen wir der Jewish Agency for Palestine und der Zionistischen Organisation, denen der kluge Rat dieses großen Führers und Lehrers besonders fehlen wird, unser aufrichtiges Mitgefühl aus.“ * Die Beisetzung am 20. Mai gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Trauerkundgebung. Unter den vielen Tausenden, die sich auf dem Friedhof in Willesden eingefunden hatten, befanden sich eine große Zahl führender politischer Persönlichkeiten des allgemeinen wie auch des jüdischen Lebens: u. a. bemerkte man auch Lady Reading , und Wladimir Jabotinsky, den Präsidenten der Neuen Zionistischen Organisation. Besonders ergreifend wirkte es. daß, nachdem der Sarg hinabgesenkt und mit Palästina-Erde bedeckt worden war, der Präsident der Zionistischen Organisation, Dr. Chajim Weizmann, der gerade aus Palästina in London eingetroffen war, den Kaddisch sagte. — Ein Großer ist mit Nahum Sokolow dahingegangen, von dem der englische Chief Rabbi Dr. J. H. Hertz in seiner Trauerrede mit Recht sagen durfte: „Er hat Anteil gewonnen an der Ewigkeit Israels.“ Rabbiner Dr. Max Simonsohn Im Alter von nur 48 Jahren starb Rabbiner Dr. Max Simonsohn in Breslau. Der Verstorbene hat sich besondere Verdienste durch den Aufbau des Schulwerks des Jüdischen Schulvereins erworben; Dr. Simonsohn hat die jüdische Volksschule und das jüdische Reformrealgymnasium gegründet und unter schwierigsten Verhältnissen durchgehalten. Er war ein warmer Vorkämpfer des Palästinagedankens und der hebräischen Kultur. Den Aufgaben der jüdischen Schule galt vornehmlich auch die Arbeit des Verstorbenen innerhalb des Großen Rates des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, der in Dr. Simonsohn ein wertvolles und aktives Mitglied verliert. Das Andenken des so früh Verblichenen wird stets in hohen Ehren gehalten werden. Unsere Wanderbücherei Eine Folge von Buchbesprechungen wichtiger neuer und älterer Bücher aus den Wanderkisten des Preußischen Landesverbandes. Kurt zig, Heinrich: Ostdeutsches Judentum. Tradition einer Familie. Mit einem Vorwort von Erdmann Qraeser. 2. Aufl. Leipzig; Engel (1930). 164 S. — Kaufmann Frank. Ebd. 1929. 163 S. — An der Grenze. Kulturgeschichtliche Erzählung. Ebd. 1931. 180 S. — Dorfinden. Ernstes und Heiteres von ostischen Leuten. Berlin: Poppelauer 1928. 7