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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1936-06-01 · 6 (1.6.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Bremen, Nordwestdeutschland, Duisburg, Magdeburg, Halle, Stettin und Pommern) · p. Seite 6

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
14 (1936)
Issue
6 (1.6.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Bremen, Nordwestdeutschland, Duisburg, Magdeburg, Halle, Stettin und Pommern)
Date
1936-06-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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mit ungewöhnlicher Wirkung aufsteigen. Dreyfuss erreicht damit eine wunderschöne Einheit des vergeistigenden Vortrags und des malerischen Klanges seiner Bilder, der trotz dem zurückhaltenden Akkord Schatten-Licht, Schwarz-Weiß, farbig empfunden ist. Es regiert keine Schema. Das Zusammentreffen so vieler lokaler Schularten bürgt allein für Abwechslung. Man nutzt alle Möglichkeiten, sich mit der Natur der Landschaft auseinanderzusetzen. Julo L e w i n , der mit Max Stern Düsseldorf vorteilhaft vertritt, geht ihr mit breiter, kräftiger Pinselführung zu Leibe. Hans Eltzbacher, der die Kölner Gruppe führt, verkörpert wieder den Gegensatz dazu: seine Ausschnitte vom Rhein sind ganz auf lyrische Zartheit gestellt, doch weit entfernt von falscher Romantik, sondern ernste, höchst kultivierte, von grauen Farbwerten getragene Stimmungen, wie man sie an den Nebeltagen des Niederrheins findet, mit geschickt verteilten farbigen Akzenten. Es ist eine ganz persönliche Art, das Wesen der Rheingegend aufzunehmen. Daneben haben wir die kapriziöse Eigenart der mit sparsamsten Mitteln wiedergegebenen Breslauer Stadtlandschaften von Paula G r ü n f e 1 d und, wieder gänzlich anders, die fest zupackende Technik von Robert Saenger in München, der die Häuschen einer kleinen Ortschaft in klarer winterlicher Frühsonne wie geschnitzt hinsetzt. Die jüdischen Künstler aus München, die sonst kamen, geben von der guten Ateliertradition, die dort noch immer herrscht, Bericht. Man fühlt dies solide Münchner Handwerk in der saftig-dunklen Malerei von Siegfried Ziegler, in der hellen Farbigkeit von Rudolf Ernst. Beachtlich, wie in manchen jüdischen Künstlerfamilien die Ueberlieferung des Hauses durch Generationen geht: in Frankfurt wirkt Alfred Oppenheim, der Enkel Moritz Daniel Oppenheims (der sich vor hundert Jahren den Ehrentitel des ersten eigentlich jüdischen Malers in Deutschland erwarb), in Hannover Edwin Oppler, ein Enkel des bedeutenden Hannoveraner Architekten gleichen Namens, ein Neffe von Ernst und Alexander Oppler — beides Maler von außerordentlichem Geschmack. Einen alten sephardischen Namen führt Carry van B i e m a , gleich- Ernst Dreyfuö - Frankfurt o. M.: „Selbstbildnis" Fot. Sonnenfeld falls aus Hannover, Malerin und Bildhauerin von gutem Können. Bei der Plastik aber darf, neben Elkan, eine andere Bildhauerin den ersten Platz beanspruchen: Elisabeth Springer (München) mit einer Gruppe von Mutter und Kind, die im harmonischen Formausgleich der engverbundenen Körper und in der beseelten Innigkeit des Ausdrucks eine der Entdeckungen der Ausstellung darstellte. (Siebe unsere Abbildung.) Bei den Malern steht das Kompositionelle, wenn man von' dem genannten Bilde Max Sterns absieht, zurück. Aber der auf diesen Seiten abgebildete „Wartesaar von Otto Schloß (Köln), der die verlorene Stimmung eines solchen unpersönlich-unbehaglichen Raums so treffend kennzeichnet, beweist, daß auch hier zukunftsvolle Ansätze vorhanden sind. Reiches. Leben herrscht in der sorgfältig beschickten Abteilung der Aquarelle und Zeichnun- Hermann Fedienbach - Stuttgart: „Selbstbildnis" Pot. Abraham gen, dieser unbeschwerteren Techniken. Hier im Graphischen sind auch mit Vorliebe jüdische Themenstellungen verwendet (die von uns reproduzierte Lithographie des Dresdeners Bruno Gimpel gehört hierher). Bei den Gemälden fin'det man dergleichen weniger; die jüdischen Maler wissen wohl, wie heikel es ist, Inhaltlich-Gegenständliches ins Bild zu bringen, es mit den eigentlichen Zwecken der Malerei zu verbinden. Jüdisch aber im tiefsten Sinne ist die Tüchtigkeit, Gründlichkeit, Hingabe und Leidenschaft der Arbeit, die uns von allen Seiten grüßt. Das ist es, was wir von den Menschen unserer Gemeinschaft vor allem hochschätzen und auch erwarten. Die jüdischen Künstler in Deutschland geben uns damit ein anfeuerndes Beispiel dafür, wie man sich auch in Zeiten materieller Sorgen und seelischer Nöte unbeirrt die Idealität des Denkens und Schaffens bewahren kann. Chronik des jüdischen Lebens Im Mittelpunkt aller Aufmerksamkeit stehen wie am Ende des vorigen Monats so leider auch heute noch die Vorgänge in Palästina. Die Hoffnung, daß die Unruhen schnell abflauen würden, hat sich nicht bestätigt. Viel Arbeit und mühsam errungenes Gut ist zerstört worden und, vor allem, kostbare Menschenleben sind zu beklagen! Wir bringen an anderer Stelle dieses Blattes heute einen Situationsbericht aus dem Heiligen Land, aus dem in Uebereinstimmung mit allen hier bereits allgemein bekannt gewordenen Pressenachrichten hervorgeht, daß die Mandatarmacht sich durch Streik und Sabotage nicht einschüchtern läßt, wie u. a. vor allen Dingen daraus ersichtlich ist, daß die von der englischen Regierung eingesetzten Instanzen die jüdische Einwanderungsquote erhöht haben. Inzwischen sind der mitten in den Unruhetagen in Tel-Awiw abgehaltene Weltkongreß jüdischer A e r z t e und die ebenfalls während der Krisenzeit eröffnete Levantemesse in Tel-Awiw verheißungsvolle Symbole dafür, daß der friedliche Aufbau des Landes weitergeht. Das Eintreffen des Negus von Abessinien in Palästina dürfte keinerlei politische Bedeutung oder Folgen haben, sondern als reine Privatangelegenheit zu betrachten sein. Großen Anteil nimmt die Bevölkerung Palästinas am Tode des Feldmarschalls Lord A11 e n b y , der als Kommandant einer der englischen Orientarmeen im Weltkrieg Palästina erobert hat und in den letzten Jahren seines Lebens, insbesondere seit Eröffnung der Jerusalemer Universität, der jüdischen Sache aktive Sympathie entgegenbrachte. In der Answandererfrage gehen die nun seit langem eingeleiteten Arbeiten weiter. Der Völkerbundskommissar General Sir Neill Malcolm bereist zur Zeit einige der. Länder, die 6

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