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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1936-06-01 · 6 (1.6.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Bremen, Nordwestdeutschland, Duisburg, Magdeburg, Halle, Stettin und Pommern) · p. Seite 5

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
14 (1936)
Issue
6 (1.6.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Bremen, Nordwestdeutschland, Duisburg, Magdeburg, Halle, Stettin und Pommern)
Date
1936-06-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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sie groß, gehen sie zur Schule, kommen die Fragen in Scherz und Ernst, so schwer zu beantworten. Denn um Kinderfragen zu befriedigen, müßte man bis zu den Grenzen menschlichen Erkennens gehen und noch darüber hinaus. Jeder Winkel in den Zimmern lebt, erzählt, ist erfüllt von ihnen und sinkt wieder zurück in Schweigen und Stille. Plötzlich ist alles verstummt, dunkel, leer, einsam, und ich weiß, daß ich nun allein bin und immer allein sein werde. Und ich weiß, ich werde immer warten auf Briefe, auf eine Nachricht, auf ein Gedenken, das von ihnen zur Mutter geht, und werde oft vergebens warten. Sie werden in ihrer Arbeit wachsen und an ihrer Arbeit wachsen und werden mich nicht mehr brauchen, immer weniger von Jahr zu Jahr. Dann werden sie mich vielleicht eines Tages hinüberrufen wollen, und ich werde nicht zu ihnen gehen, denn sie tragen in sich das Bild der Mutter, die, noch jung, sie mit einem Lftcbeln scheiden Heß, und sie sollen nicht die Frau sehen, die dies Scheiden mürbe und alt gemacht hat. Ich werde allein sein und mich um sie sorgen, denn wir Mütter sind alle gleich, wir sorgen uns um unsere Kinder, um die Großen wie um die Kleinen. Aber mehr noch um die Großen. Die Kleinen können wir bei uns haben, können sie schützen und pflegen, aber die Großen gehen ihre Wege hinaus in das Leben, wir wissen nicht wohin, sie haben Geführten, wir kennen sie nicht, wir wissen nichts von ihnen, von ihren Plinen und Träumen. Und doch sind sie der Mittelpunkt unseres Lebens, und wir können ihnen mit Lächeln jedes Opfer bringen, auch das Letzte und Höchste, sie von uns gehen lassen, weil es für sie besser ist, weil sie sich ohne uns eine Zukunft bauen können. Und dann nehmen wir unser Herz in beide Hände und stellen uns hinein in den Kampf um die Eixistenz der Mütter, die ihre Kinder noch hier haben, um die Kinder, die keine Mutter mehr haben, um alle die, die unsere Liebe noch brauchen und unsere Kraft. In allen fremden Kindern lieben wir unsere eigenen und geben ihnen von der Liebe, die uns sonst bis zum Zerspringen anfüllen würde. Wir arbeiten und sorgen uns und warten. Denn ganz verborgen, wie ein Lichtpunkt, der in einen tiefen dunklen Schacht hineinfällt, lebt in uns der Gedanke: „Ich muß warten und stark bleiben, warten auf die Kinder, damit sie mich noch finden — sie könnten vielleicht doch einmal kommen wollen.“ Jüdische Künstler aus dem Reich Die Ausstellung im Berliner Jüdischen Museum Von Dr. Max Osborn. Das war eine große Ueberraschung. Zum erstenmal hat man den Versuch unternommen, die jüdischen Maler und Bildhauer, die heute rings in Deutschland wirken, zu einer „Reichsausstellung jüdischer Künstler“ nach Berlin einzuberufen, und siehe da: das Ergebnis wurde ein vortreffliches Gelingen 1 Es ist so wohlgefällig und von so gehobener Qualität, wie manche Zweifler es nie für möglich gehalten hätten. Woblgemerkt, die Berliner jüdische Künstlerschaft ist nicht dabei, sie überließ die verfügbaren Säle den auswärtigen Kollegen. Und nun kommt die „Provinz“ und zeigt, daß sie sehr wohl imstande ist, auch ohne den Beistand der immerhin gewichtigen Berliner Kräfte eine ausgezeichnete Frühjahrsschau auf die Beine zu bringen, daß in ihren stilleren Bezirken, vielfach versteckt und wenig beachtet, eine ansehnliche Fülle von Talenten gedeiht. In zehn StSdten haben die jüdischen Kulturgemeinschaften dem Ruf der Berliner Zentralstellen Folge geleistet und ihre Künstler mobil gemacht: in Breslau, Otto Schloss - Köln: „Im Wartesaal" Fot. SonnftflMd Dresden, Düsseldorf, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Köln, Mannheim, München und Stuttgart. Was sich jetzt darbietet, ist eine Kollektion von rund 160 Werken, an denen 73 Künstler beteiligt sind. Darunter sehr viele Frauen —- aber dies stattliche Aufgebot weiblicher Begabungen hält sich vorzüglich, seine Mitglieder stehen zum Teil in der vordersten Reihe. Was der ganzen Veranstaltung ihr Gepräge gibt, ist der willkommene Aufmarsch unbekannter Namen. Nur_ wenige Ausnahmen gibt es. So kannten wir natürlich längst Max Stern in Düsseldorf, der früher zu den Stützen des Impressionismus am Rhein gehörte und sich nun in vorgerückten Jahren äußerst interessant zu einer, großzügigen, zusammenfassenden Auffassung gewandelt hat, wie sie sich in einer bei aller Schlichtheit monumental aufgebauten Gruppe zweier Hafenarbeiter offenbart —- oder Isidor Aschheim in Breslau, der eine Serie glänzender neuer Studienzeichnungen aus Polen beigesteuert hat — oder den Frankfurter Bildhauer Benno E 1 k a n, der mit einem meisterlichen kleinen Bronzetorso vertreten ist. Fast alle anderen aber bedeuten für die Berliner Kunstfreunde neue und meist wertvolle Bekanntschaften. _ Der Gesamtanblick ist überaus mannigfaltig. Er umfaßt in bemerkenswerten Proben alle Möglichkeiten der Anschauung, von der realistischen Naturtreue bis zur subjektiv-freien Deutung von Erscheinungen der Wirklich keitswelt. Man hat oft das Porträt als eine eigentliche Domäne jüdischer Kunstbetätigung bezeichnet, weil es der besonderen Neigung jüdischer Menschen zu charakterisierender Vertiefung entgegenkomme, und frühere jüdische Ausstellungen waren wirklich nicht selten gestopft mit Porträts — nun, es fehlt auch diesmal nicht an Bildnissen von Rang (wie .die Beispiele unserer Abbildungen erkennen lassen), aber von einer Porträt-Uebefzahl ist keine Rede, die Reihe der verschiedenartigen Landschaften, Städteblicke, Menschengruppen, AudsaMtte aus aller Welt steht im Vordergrund. Besonders hervorzuheben ist, daß, während vielfach jüdischen Malern nicht zu Unrecht ein Haften an schweren, dunklen Tönen vorgeworfen wurde, diesmal, eiqe helle und freudige Farbigkeit die Wände bedeckt. So kommt eine frohgemute Stimmung in das Ganze. »$. Zu diesen Verkündern einer lebensvollen, leuchten-' ' den Malerei, die ihr Wesen im farbigen Ausdruck sucht, gehört Fritz Schames in Frankfurt, der Sohn des um die moderne Entwicklung in der Mainstadt nach 1900 hochverdienten Kunsthändlers. Schames’ Frankfurter Landsmann Ernst Dreyfuss, eines der stärksten Talente der Ausstellung, geht vom entgegengesetzten Standpunkt aus: er liebt (wie auch das hier wiedergegebene Selbstbildnis zeigt) tiefe, weiche Schattenlageh, aus denen Köpfe und Gestalten in virtuos behandeltem Lacht 5

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