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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1936-05-01 · 5 (1.5.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Bremen, Nordwestdeutschland, Duisburg, Magdeburg, Halle, Stettin und Pommern) · p. Seite 5

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
14 (1936)
Issue
5 (1.5.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Bremen, Nordwestdeutschland, Duisburg, Magdeburg, Halle, Stettin und Pommern)
Date
1936-05-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Rundfahrt durch die KJeingemeinden Von Max Birnbaum. In Gießen zweigt der Zug von der Frankfurter Strecke nach Wetzlar ab in das romantische Lahntal. Bald ist man ganz von dem Zauber dieser Landschaft gefangen, die durch eines der schönsten Täler Deutschlands führt. Links ragen die dunklen Hänge des nördlichen Taunus empor, rechts steigen in ständig wechselndem Bild die Täler und Hügel zum Westerwald hinan. In Limburg verlassen wir den Zug, um gemeinsam mit dem Bezirksrabbiner Dr. Laupheimer aus Ems die Rundfahrt durch einen großen Teil seines Bezirks anzutreten. Limburg selbst, von dem herrlichen Dom überragt, hat die größte jüdische Gemeinde des Bezirks. Hier wohnen jetzt etwa zweihundert Juden, noch vor kurzem waren es fast dreihundert. Der Rückgang, besonders auch in Bezug auf die Leistungsfähigkeit der Verbliebenen, ist überall deutlich zu sehen. Die prachtvolle, sehr große Synagoge zeugt von dem früheren Reichtum und der Größe dieser Gemeinde. Heute kann sie auch an den höchsten Feiertagen nur noch zum Teil gefüllt werden. — Von Limburg geht die Fahrt im Auto über Diez und Flacht nach Hahnstädten. Hier wohnen nur noch ganz wenige Familien. Die Synagoge — in einem Wohnhaus — wird verkauft werden müssen. Die Formalitäten dafür werden eingehend besprochen und, soweit möglich, bereits geregelt. — Weiter geht es in längerer Fahrt nach W., einem kleinen Dorf in der Nähe von Nassau. Hier wohnt nur noch eine einzige jüdische Familie. Die Synagoge ist schon vor fünf Jahren verkauft worden. Schweren Herzens läßt uns das junge Ehepaar — - sie warten auf ein Zertifikat — weiterfahren, war es doch seit Monaten die einzige Gelegenheit zu einer Aussprache und Beratung. — Abends kommen wir in Nassau an. Der Vorsteher dieser Gemeinde, Herr Rosenthal, ein Siebziger, seit fast 30 Jahren in seinem Amte, Vertreter des Bezirks im Nassauischen. Synagogenrat, hat uns an diesem wie den folgenden Tagen begleitet. Er kennt jeden Juden in der Gegend, er weiß genau, wie gut oder schlecht es jeder Gemeinde geht. Am nächsten Tage fahren wir in den Westerwald, nach Montabaur, — Monte Tabor hieß das Kloster, das hier gegründet wurde; die Gedanken schweifen zum Tabor, zum Emek, den Kwuzoth und Chaluzim, von denen viele gerade in den letzten Jahren auch aus dieser Gegend, aus Hessen, hinübergegangen sind. Nicht weit von Montabaur, wo noch ein eigener Prediger und Religionslehrer wirkt, Hegt Meudt, eine ehemals stattliche Gemeinde, die heute nur noch wenige Familien zählt. In der Synagoge, einem hohen, geräumigen Bau, versammeln sich die Gemeindemitglieder, um eine Ansprache des Rabbiners zu hören. In kurzer Zeit ist der Zweck der Verhandlungen erreicht, und es geht weiter nach Selters im Westerwald, dem Zentrum des dortigen Töpferhandwerks, wo noch eine größere jüdische Gemeinde mit eigenem Beamten besteht. Die nächste Station ist Grenzhausen, hoch oben über dem Rheintal. Nur zwei jüdische Familien leben hier noch; die hübsche7kleine Synagoge wird verkauft werden müssen... Am späten Abend geht es an Vallendar und dem Ehrenbreitstein vorbei heim nach Ems, dem Sitz des Rabbinats. Die Synagoge in Ems weist den vornehmen einfachen Baustil auf, der Bad Ems überhaupt auszeichnet. Der liebevoll ausgestattete Innenraum zeigt, mit welcher Hingabe eine kleine Gemeinde hier bemüht war, sich ein würdiges Gotteshaus zu schaffen. * Wenige Tage später: eine ganz andere Gegend, aber nicht. minder schön, nicht minder abwechslungsreich und ausgeprägt in ihrer Eigenart: der Landesteil Birkenfeld, zu Oldenburg gehörig, aber tief unten zwischen dem Hunsrück und dem Saargebiet gelegen. Der Anschluß an den Preußenverband soll perfekt gemacht werden. Gemeinsam mit dem Lanäesrabbiner, Dr. Lewin in Hoppstädten, werden die Gemeinden besucht. Zuerst Idar-Oberstein, die größte und wohlhabendste Gemeinde mit der großen, innen sehr schön ausgestatteten Synagoge. Dann Hoppstädten und das landschaftlich entzückend gelegene Birkenfeld. In einem kleinen Birkenwäldchen liegt reizvoll versteckt das schlichte Gotteshaus dieser kleinen Gemeinde. Ueber die beiden letzten Gemeinden des Ländchens, Bosen und S o e t e r n, geht es am nächsten Tage ins Saargebiet. — In Tholey, dem Ort mit der historischen Abtei, ist vor wenigen Tagen das Schulgebäude verkauft worden. Auch die Synagoge, ein einfacher Bau, wird kaum noch lange zu halten sein. Die Abwanderung, die hier besonders stark gewesen ist, hat die Gemeinden dezimiert; nur vereinzelt ist noch Minjan vorhanden. — St. Wen- 1. Synagoge Meudt. 2. Synagoge Bad Em>. 3. Synagoge Wiesbaden. 4. Betrau« In Hahnstfidten. 5. Synagoge'laor-Ober*feln. 6. Synagoge Birkenfeld. 7. Synagoge.NIenburg/Weser (Zeichnung von Untermoyer). 8. Synagoge,. St. Wendel. 9. Synagoge Otfwetler. 10. Synagoge,.Grenzhousen. 11. Synagoge limbodi I lohn. Fot, Sfcnboum 5

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