Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 14 (1936)
- Issue
- 5 (1.5.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Bremen, Nordwestdeutschland, Duisburg, Magdeburg, Halle, Stettin und Pommern)
- Date
- 1936-05-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Isaiah 2× ep/1005097
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gebildet, meinen Ruhm sollen sie erzählen“, läßt der zweite Jesaja (43,21) Gott sagen. Dies Wort ist im tiefsten nationalen Elend geprägt, in der babylonischen Gefangenschaft; es spricht eine Grundidee der jüdi* sehen Religion aus, an die pns gerade das hinter uns liegende Peßachfest und das vor uns liegende Schabuothfest und diese ganze Zeit des Zählens erinnern. Die Befreiung aus Aegypten durch Gottes Hand bedeutete zugleich unsere Volkwerdung, und Gottes Hand war es auch, die das Volk den Weg zum Sinai führte. Zum Sinai — trotz der Murrenden; denn auch damals bestand das Volk keineswegs aus lauter Heiligen. Dennoch mußten sie alle den Weg zum Sinai wandern. Er ist Israels besonderer Weg geblieben durch alle Zeiten und Generationen — trotz der Unheiligen und Murrenden unter uns, und obwohl wir einzelnen uns gamicht als Missionare und Sinai-Pilger fühlen. Auch die Leviten waren ein Stamm unter den übrigen Stämmen; dennoch sollten sie keinen eigenen Boden besitzen dürfen; „ich bin ihr Eigentum“, ließ der Prophet (Ez. 44,28) Gott sprechen. Immer wieder eines für kurze Zeit errungenen Besitzes verlustig, immer wieder zur Wanderung genötigt, muß dieses Volk immer wieder um sein Lebensrecht kämpfen. Alles Recht aber kommt von Gott; so wird Israel zum Anwalt Gottes, auch ohne daß die Einzelnen unter uns sich etwas Besonderes dünken dürften. Und dennoch nicht ohne daß die Zugehörigkeit zum Judentum sie nicht in besonderer Art prägen sollte. Niemals ganz fest im Irdischen wurzelnd, steht der echte Jude über der irdischen Tragik; denn er weiß, um welches besonderen und göttlichen Auftrags willen er sein Judenschicksal trägt. Der besondere Auftrag erfordert dies besondere Schicksal. Und dieser Auftrag ist nicht erloschen. Das große Bild des Jesaja ist kein Bild der Zukunft. Wäre damit wirklich eine von außen kommende Zukunft gemeint, dann möchte es wohl manch einer für eine Utopie halten —: „der Wolf wird neben dem Lamm wohnen und der Tiger wird lagern neben dem Böcklein“ (Jesaja 11,6) — das wäre eine Aenderung der Natur... aber gerade wenn man annimmt, daß die Natur sich nicht ändert, daß auch in der menschlichen Natur böse Leidenschaften und Ungerechtigkeit unausrottbar sind, gerade dann muß man die Notwendigkeit erkennen, daß der Ruf nach dem mehr als nur natürlichen Gottesreich nie verstummen darf. Das ist damit gemeint, wenn es (Jes. 11,10) heißt, daß der „Stamm Isais dastehen wird als Panier der Völker“, oder beim zweiten Jesaja (53,10): „das Planen Gottes, durch seine (Israels) Hand wird es vollbracht.“ Solch ein Wissen um Israels ewigen Weg macht frei und stark. 'Gewiß, auch uns leuchten die Berge und duften die Wiesen. Aber ein schweres Geschick hat uns gelehrt, Sephirah zu halten, die Tage zu zählen — es sind Maientage; selbst in ihnen spüren wir den Hauch der Vergänglichkeit. Und wenn dieses gleiche Schicksal manchen von uns von der ungebundenen Hingabe an die Natur wieder in die Kammer trieb, so nicht, um „dort zu sitzen und uns auszuweinen“, sondern um aus längst versunkener Vergangenheit den Hauch der Ewigkeit uns anwehen zu lassen und Lieder zu singen, die nicht von eines kurzen Monats Lust nur handeln, sondern vom Schicksal der Jahrhunderte, gewesener und kommender. Und dies ist nun das Lied von Israels ewigem Mai, das wir erhobenen Hauptes, vernehmen (Jesaja 43, 1 ff): „Also spricht der Ewige, dein Schöpfer, Jakob, und dein Bildner, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst... Wenn du Gewässer durchschreitest, ich bin bei dir, und wenn Ströme — sie fluten dich nicht weg; wenn du durch Feuer gehest, wirst du nicht versengt und die Flamme brennt dich nicht an. Denn ich bin der Ewige, dein Gott, der Heilige Israels, dein Retter.“ Die Tagung des großen Rates des Preußischen Landesyerbandes jüdischer Gemeinden 19. April 1936 Alljährlich im Frühjahr tritt der Große Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden zusammen, um das im abgelaufenen Geschäftsjahr Geleistete zu überprüfen. sich über die Aufgaben der kommenden Zeit auszusprechen und die erforderlichen Beschlüsse zu fassen. Für die Gemeindearbeit im Gebiet des Preußischen Landesverbandes ist die Entwicklung im Jahre 1935 so bemerkenswert und entscheidungsreich gewesen, daß der Tätigkeitsbericht nicht wie sonst im Verbandsblatt abgedruckt werden konnte. Vielmehr erwies es sich als notwendig. ihn gesondert herauszugeben. Er liegt nun in einem Umfang von 94 Druckseiten vor und ist den Gemeinden. den Mitgliedern des Rates sowie sonstigen führenden jüdischen Stellen und Persönlichkeiten übersandt worden. Er ist vom geschäftsführenden Syndikus des Landesverbandes, Dr. Hermann Schildberger, in Verbindung mit den Sachbearbeitern des Landesverbandes hergestellt worden und läßt erkennen, daß das besondere Merkmal des Jahres 1935 in der endgültigen Festlegung der seit 1933 herausgebildeten neuen Arbeitsmethoden besteht und ferner in der dadurch erreichten systematischen Zusammenfassung aller Verbands- und Gemeindearbeiten zu einem einheitlichen Gesamtplan. Dreiviertel aller Juden in Deutschland werden jetzt nach dem Anschluß der meisten außerpreußischen Verbände, von dem Preußenverbande erfaßt; die Gemeindearbeit selbst aber ist von absolut zentraler Bedeutung geworden, da alle gesamtjüdische Arbeit auf wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet die Gemeinden zu ihren Stützpunkten hat. Der Landesverband hat die Gemeinden für die Bewältigung dieser für sie völlig neuen Situation instandgesetzt. Durch diese Notwendigkeit hat er auch sich selbst vor gänzlich neuen Aufgaben gesehen; es haben sich bisher nicht gekannte Arbeitsmethoden herausgebildet, zu denen vor allem die vorbeugenden Maßnahmen und die Gesamtplannng gehören. Angesichts der Bedeutung, die nach allem Vorhergesagten der Landesverband im jüdischen Leben einnimmt, wird es zu einem großen Teil von dem Erfolg seiner Maßnahmen abhängen, ob und in welchem Umfange in Zukunft der Gesamtorganismus der Gemeinden arbeitsfähig bleiben wird. Deshalb ist ein Gesamtplan aufgestellt worden, der die wichtigsten Aufgaben der nächsten Zeit lösen soll. Dieser Plan sieht vor, daß ein Netz von ßezirksrabbinaten geschaffen werden soll, das sich über das gesamte Gebiet des Landesverbandes erstreckt. Weiterhin soll ein umfassender Stellenplan für Religionslehrerstellen geschaffen werden. Es ist ferner eine Abänderung der Gemeindebezirkc zum Zwecke einer rationellen Arbeit ins Auge gefaßt worden, da viele Gemeinden als selbständige Gebilde nicht mehr aufrechterhalten werden können. Die außerordentliche Verschiedenheit der Steuersätze und des Steuerverfahrens soll durch zweckvolle Steuerangleichung überwunden werden. 2