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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1936-04-01 · 4 (1.4.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Duisburg, Bremen, Nordwestdeutschland, Magdeburg, Halle, Stettin und Pommern) · p. Seite 8

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
14 (1936)
Issue
4 (1.4.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Duisburg, Bremen, Nordwestdeutschland, Magdeburg, Halle, Stettin und Pommern)
Date
1936-04-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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chen derb; er spürte das sogleich und milderte seine Ausdrucksweise. Aber eine heitere Note blieb wenn irgend möglich seinen scharf akzentuierten Ankündigungen stets und bis zuletzt erhalten. Es war ein Vergnügen, zu beobachten, wie bei ihm immer die Idee zweckgerecht aus der Sache herauswuchs, für die geworben werden sollte; wie er, mit sparsamen Mitteln, alles Überflüssige vermeidend, eine rasch überblickbare Einheit zwischen Textgestaltung, Schrift und Zeichnung herzustellen wußte. Eine neue Zeitung soll angekündigt werden: Oppenheim setzt die Halbfigur eines jungen Menschen hin, der die Hand am Ohr hält und Mund und Augen weit aufgerissen hat, um die Neuigkeiten in sich einzusaugen, die das Blatt bringen wird. Ein Geschäftshaus empfiehlt sich im Frühjahr zur Aufbewahrung der Pelze: wir sehen eine riesige Motte komisch-erschreckend über den Papiergrund krabbeln, dazu den Namen der Firma und das Wort „Pelzpflege“, weiter nichts. Wer so Gedanke, Form und Handwerk be- Mazzebocken vor Jahrhunderten f°*- Sonnenfeld Darstellung einer alten Haggadah. herrscht und ineinanderwirken läßt, der ist, obschon seine Werke dem praktischen Leben dienen, ein echter Künstler. Das Plakat war nicht die einzige Spezialität Louis Oppenheims, seine Arbeit umfaßte das Gesamtgebiet der Gebrauchsgraphik. Er hat zahllose Signete für Handel und Industrie geschaffen, kleine Zeichnungen von vorbildlicher Klarheit und Wucht der Linien, dazu künstlerische Inserate, Kataloge, Notendeckel, Briefköpfe, Zeitschriftenköpfe, Packungen, Schaufenster-Dekorationen und dergleichen entworfen, alles sauber, niemals aufdringlich, aber immer anziehend und werbekräftig auf den ersten Blick. Auch für die Texte sorgte er und ersann oft witzige Reime dazu. Gern denkt man noch zurück an das originelle, lustige Regenmäntel - Schaufenster eines Herrengarderobengeschäfts, bei dem es im eigentlichen Sinne „Strippen regnete“, da der Regen durch herabhängende Bindfäden dargestellt wurde — bei einem Wettbewerb vor Jahren gewann Oppenheim damit den ersten Preis. M. O. Chronik des jüdischen Lebens Im Monat März waren die Augen der jüdischen Welt am stärksten auf Polen gerichtet. Zwei Ereignisse sind es, die dort alles überschatten. Die schon seit Monaten sich abspielenden Unruhen haben ihren Höhepunkt am 9. März iu dem Orte Przytyk im Kreise Radom gefunden, wo es zu einem regelrechten Pogrom mit Toten und Verwundeten gekommen ist; der von 700 jüdischen Familien bewohnte Ortsteil bot nach den Unruhen ein Bild grauenhaftester Zerstörung, und die dort ansässigen Juden erwogen einige Tage später den Plan eines gemeinsamen Verlassen« der Stadt, der jedoch nicht zur Ausführung gelangte. Im polnischen Senat sowie im Parlament gab es eine erregte Aussprache, in deren Verlauf die antisemitische Partei der Nationaldemokraten mehrfach, und auch regierungsseitig, gebrandmarkt wurde. Fast zur gleichen Zeit aber war der Sejm auch Schauplatz des erregten Kampfes um die Schechita, die in Polen nicht nur religiöse Bedeutung hat, sondern auch einer der wichtigsten Faktoren der jüdischen Gemeinde-Etats, und damit des jüdisch-wirtschaftlichen Lebens überhaupt, ist. Das vom Sejm angenommene Betäubungszwangsgesetz, das nur eine sehr zweifelhafte Kontingentierungsmöglichkeit für Bedarf an rituellem Fleisch vorsieht und am 1. Januar 1937 in Kraft treten soll, hat jüdischerseits zur Proklatnierung sechs fleischloser Wochen geführt; Protestaktionen sind in fast allen Ländern der Welt eingeleitet worden. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, daß in Schweden der Reichstag die Behandlung des Schächtverbots zunächst auf ein Jahr zurückgestellt hat; in Finnland ist das Schächtverbot abgelehnt und das Schächten für mindestens ebenso human wie andere Schlaehtmethoden erklärt worden. — Wie die Schächtfrage nicht nur auf Polen beschränkt war, so haben auch die judengegnerischeil Umtriebe in anderen Ländern ihre Parallelerscheiiiingen. Vor allem ist in dieser Beziehung R u m ä - ii i e n zu nennen, wo der neugebildete jüdische Zentralrat ivgl. „Chro nik“ des vorigen Monats) sich veranlaßt gesehen hat, sich in seinem Kampf ums Recht mit einem öffentlichen Appell an das gesamte rumänische Volk zu wenden. Der Attentäter, der seinerzeit den aufsehenerregenden Mordanschlag auf den Oberrabiner Senator Dr. Niemirower unternahm, ist für geisteskrank erklärt worden. Ein völlig entgegengesetztes Bild liefert, wie nun schon seit langem, Griechenland. Die Stellung, die dort die Juden innerhalb der Gesamtbevölkerung genießen, fand ihren symbolhaften Ausdruck kürzlich in der Teilnahme des Königs an einem Gottesdienst in der Synagoge. Der Monarch sowie Mitglieder der neugebildeten Regierung haben neuerdings wieder ihre Sympathie für die Interessen des jüdischen Bevölkcrungsteiles erklärt und durch eine Reihe amtlicher Maßnahmen bestätigt. — Wenden wir den Blick vom nahen Osten nach dem äußersten Westen, so ist vor allem von einer Veranstaltung in Amerika zu berichten. In New York fand ein Kameradschaftsbankett des „National Commitee for Religion and Welfare Recovery“ statt, an dem über tausend geistliche und weltliche Führer der Katholiken, Protestanten und Juden des Landes teilnahmen. Präsident Roosevelt hatte an diese Versammlung eine Botschaft gelangen lassen, daß er an den Grundsätzen religiöser Freiheit unbedingt festhalte, und der amerikanische Kriegsminister hielt eine Ansprache, aus der der gleiche Geist religiöser Toleranz sprach. — Von diesseits des Ozeans ist aus Belgien zu melden, daß das Parlament zum ersten Mal seit Bestehen eine Judendebatte erlebte, in deren Verlauf außer einer Anzahl Abgeordneter auch die Regierung durch den Justizminister sich scharf gegen alle antisemitischen Bestrebungen im Lande wandte. — In England scheint es kürzlich zu Belästigungen jüdischer Kaufleute und zu Quertreibereien in dem Londoner Stadtteil Whitechapel gekommen zu sein; ein hoher Richter sowie im Unterhause der Innenminister selbst haben Warnungen ausgesprochen: England dulde keinen Antisemitismus; der Londoner Polizeichef hat Ankündigungen und Instruktionen in gleicher Richtung erlassen. ■ Was sonst in England an jüdischen Problemen seine Behandlung findet: die jüdisch-zentralen Angelegenheiten: Palästina IM WMlcn Berlin« pfm<him use ■nrnnfcMama äJSBSÄSrALVAS Mazzebocken heute Die fertige Mazze verladt am laufenden Band den Ofen. Fot. Sonnenfeld 8

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