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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1936-04-01 · 4 (1.4.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Duisburg, Bremen, Nordwestdeutschland, Magdeburg, Halle, Stettin und Pommern) · p. Seite 7

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
14 (1936)
Issue
4 (1.4.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Duisburg, Bremen, Nordwestdeutschland, Magdeburg, Halle, Stettin und Pommern)
Date
1936-04-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Aus der Haggadah von Mantua 1560: Die Ertränltung'israelitischer Knaben. Fot. Sonn#nf*ld äst»; gBjggaB»^ aus Deutschland in den nächsten vier Jahren aufgebracht werden, und wie Lord Bearsted auf jener Veranstaltung mitgeteiit hat, soll die Hälfte des Betrages bereits gesichert sein; die beiden ersten Spenden sind von nichtjüdischen Engländern gezeichnet worden. — Von nicht geringer Bedeutung ist ferner die rechtliche Seite des gesamten Auswanderungsproblems; ihre Bearbeitung liegt zur Hauptsache nach wie vor in Genf bei dem neuen Auswanderungs- Oberkommissar des Völkerbundes, Sir Neill Malcolm. Der Generalsekretär des Völkerbundes hat an die Regierungen eine Mitteilung gelangen lassen, daß für den 2. Juni 1936 eine zwischenstaatliche Konferenz einberufen wird, die den Weg finden soll, für die aus Deutschland Ausgewanderten einen legalen Status zu schaffen und ihre Rechtslage zu sichern. Die wichtigste Frage ist naturgemäß die Schaffung von Einwanderungsmöglichkeiten und die sachgemäße Vorbereitung der Auswanderer. Ueber diese Vorbereitung könnte in den bisherigen programmatischen Erklärungen noch nicht allzu viel gesagt werden. Bezüglich der Zielländer können selbstverständlich am Anfang einer auf vier Jahre bemessenen Aktion auch noch keine detaillierten Angaben erwartet werden. Von der obengenannten Gesamtzahl will man, wie auf der Londoner Kundgebung Herbert Samuel erklärt hat, 50 000 Juden aus Deutschland in Palästina unterbringen. Der übrige Teil soll in andere Länder der ganzen Welt überführt werden, doch hielt Sir Herbert Samuel es nicht für wünschenswert, darüber schon jetzt Einzelheiten anzugeben. „Nachfrage nach Handwerkern besteht überall“, sagte er. Es ist klar, daß die großen jüdischen Hilfsorganisationen ihre Arbeit auf die Londoner Pläne abstellen werden, sobald die Zeit dafür gekommen sein wird, daß sie aber in ihrer bisherigen Arbeit keine Unterbrechung eintreten lassen. Berichte der ICA und der HICEM lassen erkennen, daß eine größere Anzahl jüdischer Familien aus Deutschland in verschiedenen amerikanischen Ländern seßhaft gemacht werden konnte. Die amerikanische HIAS bat auf ihrer 51. Jahrestagung in New York Anfang März die Zahl der 1935 von ihr aus Deutschland nach Kanada, USA und Lateinamerika überführten Juden mit 13 428 beziffert. Eine gesamtjüdische Arbeit größten Ausmaßes wird in Deutschland selbst vom „Hilfsverein der Juden in Deutschland“ geleistet. Kein Außenstehender macht sich einen Begriff davon, welche unsägliche Mühe selbst eine bescheidene auswanderungspolitische Leistung erfordert. Es vergeht kaum eine Woche, ohne daß dieser oder jener überseeische Staat neue Einwanderungsbestimmungen erläßt oder Veränderungen ihrer Handhabung vornimmt. All dies muß bei den nicht weniger als 41 Ländern, auf die sich bisher die jüdische Auswanderung aus Deutschland verteilt hat, vom Hilfsverein als der vom Reichsminister des Innern als gemeinnützige Beratungsstelle für jüdische Auswanderer anerkannten Organisation verfolgt werden. Zahlreiche Menschen müssen beraten werden, Post aus allen' Ländern und vieles andere mehr erledigt werden. Die elf neu verpflichteten Auswandererberater 'im Reiche werden in engster Fühlung mit der jüdischen Gemeinde ihres Ortes ihre Tätigkeit ausüben. Auch Sprachkurse sind vom Hilfsverein eingerichtet worden. , Fragt man zum Schluß, was für die Juden in Deutschland im Jahre 1935 insgesamt geschehen ist, so kann man sich einen Ueberblick aus dem Jahresbericht derjenigen Stelle verschaffen, in deren Etat sich all -die vielfältige Arbeit der jüdischen Hilfsorganisationen widerspiegelt, d, i. der Zentralausschuß für Hilfe und Aufbau. Wanderungsbewegung, Wohlfahrtspflege, Schulwesen, Wirtschaftshilfe, Berufsumschichtung sind die Hauptabschnitte, in die dieser Jahresbericht sich gliedert.- Außer der den Landesverbänden vorbehaltenen Hilfsarbeit für die Gemeinden gibt es kaum ein Gebiet, das nicht vom Zentralausschuß kontrolliert ünd maßgeblich gefördert worden ist, ist doch der Zentralausschuß die Finanzabteilung der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, bei der alle Fäden jüdischer Aufbauarbeit zusammenlaufen. Der Bericht zeigt, wie ungeheuer viel wir Juden in Deutschland aus eigener Kraft zu vollbringen haben, wie sehr wir aber zugleich angewiesen bleiben auf den Zusammenhang mit den ausländischen jüdischen Stellen, die sich um uns mühen. Die gewährte Finanzhilfe ist groß; fast größer noch aber erscheint das vereinte Bemühen aller um die Schaffung eines Auswegs aus unserer Lage. So weisen also auch für die hier zu leistenden Aufgaben alle Zusammenhänge nach London. Unsere eigenen Opfer und Leistungen müssen sich verbinden mit den konstruktiven Plänen, die dort geschaffen werden und von denen gehofft werden darf, daß ein gütiges Geschick sie im Laufe der Vorgesetzten Zeit, d. i. der nächsten vier bis fünf Jahre, zum Erfolge führt. Ein jüdischer Plakatmaler Durch den allzufrühen Tod des vortrefflichen Gebrauchsgraphikers Louis Oppenheim, der zu Beginn des März, erst Mitte der Fünfzig stehend, gestorben ist, hat die jüdische Künstlerschaft einen schmerzlichen Verlust erlitten. Der Name des liebenswürdigen, in seinem Auftreten ungemein bescheidenen und zurückhaltenden Mannes wurde in der Öffentlichkeit nicht__ oft genannt — aber alle kannten seine schlagkräftigen, einprägsamen Plakate, meist ohne zu wissen, von wem sie stammten. Manche Anschlagblätter, die schon lange Jahre zurückliegen und deren Anlaß gar nicht mehr existiert, sind dem großen Publikum wie den Kunstfreunden in dauernder Erinnerung geblieben;.- so etwa die Plakate der Milch- und Roggenbrot-Werbung’oder das einer (längst entschwundenen) Zigarette, das ansteigend die Köpfe dreier rauchender Muselmänner zeigte. Oppenheim besaß einen Werbe-Instinkt von seltener Sicherheit, er verstand sich wie wenige auf den „Blickfang“, war voller Einfälle und verfügte über einen stets gegenwärtigen, behaglichen Humor. Als er 1910 von London nach Berlin kam, versuchte er es mit den Gepflogenheiten des englischen Groteskstils, der damals in Blüte stand. Das war für seinen neuen Wirkungskreis, ein bis- 7

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