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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1936-03-01 · 3 (1.3.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Duisburg, Magdeburg, Halle, Stettin und Pommern) · p. Seite 8

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
14 (1936)
Issue
3 (1.3.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Duisburg, Magdeburg, Halle, Stettin und Pommern)
Date
1936-03-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Einheitlichkeit der zionistischen Gemeindepolitik in Deutschland. Begründet wurden diese Forderungen mit der Feststellung, daB der Zionismus sich allen an ihn gestellten Anforderungen restlos gewachsen gezeigt, daß die Richtigkeit der zionistischen Idee sich unumschränkt erwiesen habe; denn, so betonte Dr. Moses am Schlüsse seiner Ausführungen, unter dem Einfluß der zionistischen Idee seien die. Juden Deutschlands dazu gelangt, sich als Teil des jüdischen Volkes zu fühlen. — An diesen Bericht des Vorsitzenden der Z. V. f. D. schloß sich die Generaldebatte, in der als erster Redner Rabbiner Dr. Jacob Hoffipann (Frankfurt a. M.) das Wort nahm; er begründete den Standpunkt des Misrachi, welcher eine Durchsetzung der religionsgesetzlichen Tradition und Vorschriften innerhalb des Zionismus verlange; die Juden seien ein Volk der Religion, und wichtiger als die restlose Durchführung des Fifty-Fifty-Prinzips sei es, Männer in die Körperschaften zu entsenden, die als solche zur Einflußnahme geeignet seien; dies könnten nur Männer sein, die auf dem Boden des überlieferten Judentums stehen. — Demgegenüber verlangte der nächste Redner, Dr. Friedenthal, daß man bei der Forderung des Fifty-Fifty-Prinzips nicht stehen bleiben dürfe, sondern die Gemeindestuben restlos für den Zionismus zu erobern habe. — Im weiteren Verlauf wandte sich die Diskussion dann Einzelfragen zu. Der zweite Nachmittag brachte zuerst ein Referat von S. Schertok über „Die zionistische Bewegung als Trägerin jüdischer Kulturarbeit“; sodann sprach Hans Gärtner über den „Aufbau der jüdischen Schule“. Am gleichen Abend hielt Kurt Blumenfeld sein Referat: „Zionismus — Palästina — Judenfrage“. Er umriß die politische Konstellation um Palästina, legte die Haltung Englands dar und behandelte die Frage des Legislative Council. Er schloß mit dem Hinweis, Palästina könne nur durch ein ständig sich erneuerndes Pioniertum verwirklicht werden; die jüdisch-nationale Bewegung sei die einzige Kraft in der jüdischen Welt. Am dritten Tag sprach Dr. Georg Landauer, der Leiter des Jerusalemer Büros für die Ansiedlung deutscher Juden in Palästina über „Erfahrungen und Perspektiven der Alijah aus Deutschland“. Die Hälfte der 30 000 aus Deutschland Eingewanderten seien mit eigenen Mitteln gekommen. Von ihnen sei ein hoher Prozentsatz aufs Land gegangen; der deutschen Alijah sei in bezug auf Anpassungsfähigkeit und nationalen Willen höchstes Lob zu spenden, sodaß die Perspektive für die Zukunft günstig sei Es wäre falsch, so führte der Redner aus, von schwindender Prosperity zu sprechen; die momentanen Stockungen seien darauf zurückzuführen, daß die Kolonisation naturgemäß langsamer vor sich gehe als die Immigration. — Es folgte ein gehaltvoller und übersichtlicher Vortrag des Vizepräsidenten des deutschen Keren Hajessod, Dr. Michael Traub über „Funktion und Bedeutung des nationalen Kapitals für den Palästina-Aufbau“. , Die Schlußsitzung brachte die Annahme der Resolutionen. Die sehr zahlreichen Beschlüsse umfassen das gesamte Gebiet zionistischer Arbeit: Tätigkeit des Palästina- Amtes, Finanzangelegenheiten, Keren Hajessod, Keren Kajeineth, Probleme der jüdischen Schule, der Hachscharah, der Jugend-Aliiah; sie wenden sich gegen jede Erschwerung der Palästina-Einwanderung und des Bodenkaufs und fordern die Jewish Agency zu entschiedenen Maßnahmen auf. Die bedeutsamsten Beschlüsse sind diejenigen zur Auswanderung, zur Frage der irinerzionistischen Disziplin und zur jüdischen Gemeindepolitik in Deutschland. Zur Frage der Auswanderung wird in einer Resolution gesagt: Der Delegiertentag anerkennt die Notwendigkeit der Bemühungen, den auf Immigration angewiesenen Juden aus Deutschland auch außerhalb Palästinas Auswanderungsmöglichkeiten zu erschließen. Er weist auf die Notwendigkeit hin, die gesamte Auswanderung planmäßig zu gestalten, die Auswanderer beruflich vorzubereiten und ihr Vermögen durch geordnete Liquidation zur Errichtung einer neuen Existenz verfügbar zu machen. Der Delegiertentag betont jedoch, daß nur die Auswanderung nach Palästina und ihre Verwurzelung mit dem Boden in Palästina zu einer Lösung der Judenfrage führen k%nn. Für alle Angelegenheiten der Gemeindepolitik wurde ein besonderer, aus 22 Mitgliedern bestehender Gemeindeausschuß eingesetzt und eine Resolution gefaßt, deren einleitender Satz folgenden Wortlaut hat: Die Z. V. f. D. erhebt gegenüber allen ihren Mitgliedern die Forderung nach einmütiger, koordinierter und planmäßiger Zusammenarbeit auf den Arbeitsgebieten der jüdischen Gemeinden, Kulturbünde, Landesverbände, Reichsvertretung und sonstigen Organisationen. Deswegen darf kein in der Z. V. f. D. organisierter Zionist ohne Bestätigung der im Statut der Z. V. f. D. bezeichneten Instanzen ein Amt in einer der vorgenannten Organisationen annehmen, bei Wahlen gegen eine von den Instanzen der Z. V. f. D. gebilligten Liste eine Gegenliste aufstellen oder auf einer solchen Liste kandidieren oder sich um eine derartige Kandidatur bewerben. Ferner hat der Delegiertentag die Erklärung des Geschäftsführenden Ausschusses vom 10. Januar 1936, die den zionistischen Führungsanspruch in Gemeinden, Zentralinstitutioncn und in der Reichsvertretung der Juden in Deutschland anmcldete, gebilligt und folgende Entschließung dazu gefaßt: Der Delegiertentag stellt fest, daß der berechtigte Führungsanspruch der zionistischen Bewegung in vielen jüdischen Körperschaften in Deutschland noch nicht verwirklicht ist. Eine Mitverantwortung für die Arbeit der jüdischen Körperschaften erscheint dem Delegiertentag nur dann tragbar, wenn den Zionisten ausschlaggebender Einfluß gesichert ist. Falls dieser Forderung nicht genügt werden sollte, ermächtigt der Delegiertentag den Geschäftsführenden Ausschuß, die zionistischen Vertreter aus den betreffenden Körperschaften zurückzuziehen. Verlauf und Ergebnis der Tagung berechtigen zu der Feststellung, daß die Bedeutung der Delegiertenversammlung über den Rahmen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland hinausreicht. Chronik des jüdischen Lebens Der Monat Adar, der uns diesmal am 7. und 8. März des bürgerlichen Kalenders das Purimfest bringt, wird im Esther- Buch bezeichnet als „der Monat, der sich den Juden aus Kummer in Freude und aus Trauer in Festlichkeit verwandelte“ (9, 22). Alle Völker haben die Tage großer nationaler Errettungen als Gedenktage in ihre Kalender aufgenommen. Auch wir Juden können unser Purim reinen Gewissens begehen. Gereicht doch das Verhalten unserer Vorfahren dem Judentum zur höchsten Ehre. Der König hatte ihnen nach der Aufdeckung des gegen sie gerichteten Anschlages gestattet, sich gegen ihre Angreifer zu wehren und sie „samt Weibern und Kindern umzubringen, zu vertilgen und auszurotten und ihre Güter zu plündern“ (8, 11). Derartige Befehle waren im Altertum nichts Außergewöhnliches, und nicht außergewöhnlich wäre es gewesen, hätten die Juden davon Gebrauch gemacht. Aber sie taten cs nicht. Ausdrücklich wird berichtet, daß sie nur an „diejenigen Hand anlegten, die ihr Verderben wollten“ (9,2), und nicht weniger als dreimal wird mit großem Nachdruck hinzugefügt: „Aber nach Beute streckten sie ihre Hand nicht aus“ (9, 10; 9, 16; 9, 16). So entspricht es dem Geist des Judentums, so haben Männer und Frauen zu allen Zeiten gelehrt, gedacht und gehandelt. Von Einzelgängern und Verbrechern ist keine Menschengruppe frei. Deshalb war es gerechtfertigt, daß der Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde in einer sehr scharfen Erklärung zu der Mordtat von Davos Stellung nahm. Und auch in den Berliner Sabbathgottesdiensten ist seitens der amtierenden Rabbiner von den Kanzeln herab nachdrücklich der Abscheu vor der Tat bekundet worden, die in unüberbrückbarem Gegensatz zu den Lehren und der Ethik des Judentums' steht. Dieser Standpunkt ist auch der unsere; wir machen ihn uns wörtlich zu eigen. — Bekannt ist, daß im Anschluß an jene Untat, das Reichspropagandaministerium sämtliche Veranstaltungen des Reichsverbandes jüdischer Kulturbünde in Deutschland bis auf weiteres verboten hat, um etwaigen Zwischenfällen vorzubeugen. — Unter den Ereignissen, die der letzte Monat innerhalb des jüdischen Lebens in Deutschland gebracht hat, wird über die zionistische Delegiertentagung an anderer Stelle des Blattes berichtet. Kurze Zeit vor dieser Tagung hat sich der bisher neutrale „Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands“ offiziell zum Zionismus bekannt, wobei er freilich eine Anzahl Führerpersönlichkeiten und Ortsgruppen einbüßte, die diese Schwenkung nicht mitmachten. Ferner hat auch der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten eine Tagung gehabt, in der die RjF-Landesverbände für die Bundesleitung und deren bisherige Haltung eine Vertrauenskundgebung abgaben. — Sehr beachtet wurde die dreitägige „erste Reichskonferenz der Vereinigungen polnischer Juden in Deutschland“, auf der der Vertreter des polnischen Generalkonsulats in Berlin, Konsul Dr. Kruczk i e w i c z , eine bedeutsame Ansprache hielt und die auch vom Präsidenten der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Rabbiner Dr. B a e c k , sowie vom Präsidenten des Preußischen!■ wetten Bern« PEimnn u$e —rfnlnUMii n ■»» aÄSÄÄSSiKiSS 8

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