Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 14 (1936)
- Issue
- 3 (1.3.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Duisburg, Magdeburg, Halle, Stettin und Pommern)
- Date
- 1936-03-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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außer der Thora aus einer pergamentuen Rolle, am Purimfest, vorgelesen wird. Das führte Geismar zu dem Gedanken, aus modernem Geist eine Illustrierung der Esther- Erzählung vorzunehmen, die sich der Rollenform einfügt. In der vorjährigen Frühjahrs - Ausstellung jüdischer Künstler im Berliner Jüdischeni Museum sah man] das Original der] interessanten Ar-1 beit auf Perga-j ment ausgeführt;] der in Berlin) lebende „Sofer“j Weißenberg.ein' Meister jüdischer j Schriftkunst,hatte den Text dazu mit unüberbietbarer, liebevoller Präzi-' sion geschrieben, j Nun hat der junge! BerlinerKunstyer-' lag Dr. Herbert Löwenstein dies Original, verkleinert, auf einer handlichen Papierrolle reproduziert. Geismars Zeichnungen und Weißenbergs zierliche, wunderbar dekorativ wirkende hebräische Lettern wurden dabei zusammengedruckt, derText nicht als Satz, sondern mit den Bildchen als Strichätzung, wodurch eine schöne Einheit der Bild- und Schriftkolumnen entstand. Der Kaufpreis ist sehr niedrig gehalten, um der eigenartigen Veröffentlichung möglichst weite Verbreitung-zu gewinnen. Sie wird ohne Zweifel den verdienten Beifall ernten. Geismar hat seine Illustrationen in einem einfachen, klaren Umrißstil gehalten, und er hat dabei von dem \triomw rro Der Umzug des Mordechai 7nouw yin Mordechai entdeckt die Verschwörung gegen Ahasverus Purim-Recht Gebrauch gemacht, die Begebenheiten der Esthergeschichte trotz ihrem ernsten Inhalt humorvoll zu umschreiben. Man fühlt sich ein wenig an die lustigen „ägyptischen“ Scherzbücher von Seippel erinnert, die vor einem halben Jahrhundert unter dem Eindruck der damals zu so bedeutenden Ergebnissen geführten Ausgrabungen im Nillande herauskamen. Die Gravität des Königs Ahasverus und seines Hofes, die Verschwörung und die finsteren Pläne Hamans, die rettende Tat des Mordechai und seiner Nichte Esther, das alles wird gleichsam in kleine Kartons zu drolligen Wandgemälden gebracht, die eine amüsante Orient- Stilisierung witzig verwenden. Die Bilder sind vollkommen flächig gehalten, in reinster Schwarzweiß- Sprache; ein assyrischer Grundton, der mit schalkhaftgraviätischem Ernst angeschlagen wird, löst sich in eine parodistisetae, bei aller festen Gebundenheit der Linienführung übermütige Heiterkeit auf. Es ist eine Mischung von kalligraphischem Holzschnittstilmit ironischer Schattenspielmanier. Mitunter streift Geismar die Grenze des harmlosen Ulks, ja der studentischen „Biermimik“ seligen Angedenkens. Aber er hat jedenfalls feines Verständnis für den Zusammenklang von Bild und Schrift, der ja auch die großartige jüdische Buchkunst des Mittelalters und der Renaissance-Jahrhunderte bestimmte. Er entwickelt gleichsam das Bildliche aus der Schrift, aus ihren Federzügen und Schwingungen (wie es uralte asiatische Tradition ist und bei Chinesen und Japanern zur Quelle der Malerei überhaupt wurde). Seine in langer Erfahrung erworbene Sicherheit des Zeichnens wird dabei durch eine Fülle vergnüglicher Einfälle belebt. Daraus entstand eine Vortragsart, die jedem Kind und jedem ungeübten Auge ohne weiteres verständlich ist und zugleich dem Kunstfreund zu einer Quelle behaglichen Genusses wird. Rollt man die Megilla langsam auf, so folgt eine gutgelaunte Ueberraschung der anderen. Dr. M. O. Die Delegiertentdgung der Z.V.f.D. Die ersten Tage des jetzt vergangenen Februar-Monats standen im Zeichen der Delegiertentagung, die die Zionistische Vereinigung für Deutschland in Berlin abhielt. Es war die 25. Delegiertentagung seit Gründung der Organisation und die erste seit 1933. Diese Tatsache sowie der zahlreiche Besuch, die Anwesenheit von mehr als 300 Delegierten aus allen Teilen des Reiches gaben ihr schon äußerlich das Gepräge eines besonderen Ereignisses, das noch verstärkt wurde durch die Anwesenheit einiger namhafter Persönlichkeiten, die noch bis vor kurzem führend in der zionistischen Bewegung Deutschlands gestanden haben und jetzt als Delegierte zionistischer Zentralkörperschaften Palästinas an der Tagung teilnahmen. Dr. Siegfried Moses, der Vorsitzende der Z. V. f. D., der auch am Schlüsse der Tagung einstimmig wiedergewählt wurde, erstattete das erste Referat, einen großangelegten Rechenschaftsbericht über „Aufgabe, Leistung und Bewährung 'der zionistischen Bewegung in Deutschland“. Deutlich kündigten sich in den Ausführungen die Hauptprogrammpunkte der Tagung an: Teilnahme des Zionismus an der Auswanderungsarbeit nach allen Ländern, aber Primat der Palästinawanderung; Führungsansprucb des Zionismus innerhalb der örtlichen Gemeindegremien sowie auch der Zentralinstanzen der Juden Deutschlands; Herstellung einer geschlossenen Disziplin und