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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1936-03-01 · 3 (1.3.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Duisburg, Magdeburg, Halle, Stettin und Pommern) · p. Seite 6

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
14 (1936)
Issue
3 (1.3.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Duisburg, Magdeburg, Halle, Stettin und Pommern)
Date
1936-03-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Peter Fingesten Von Dr. Max Osborn Merkwürdig genug: früher waren, neben einer Armee jüdischer Maler und Graphiker, jüdische Plastiker spärlich gesät — heute aber, unter äußerst erschwerten Bedingungen, treten unter dem Nachwuchs vielfach gerade bildhauerische Talente auf, die Beachtung fordern. In der vorderen Reihe steht dabei der blutjunge Peter Fingesten, Sohn des trefflichen Malers und hervorragenden Radierers Michel Fingesten. Unter Künstlern aufgewachsen, im Atelier des Vaters großgeworden, hat Peter Fingesten von Kindheit an gebastelt und modelliert und sich dadurch in frühen Jahren schon ungewöhnliche technische Fertigkeiten angeeignet. Doch das würde noch nicht viel bedeuten. Wichtiger und erstaunlicher ist es, wie bereits der Anfänger aus seiner natürlichen Anlage heraus es verstaüd, das Technische, das bildnerische Material zu überwinden, zu durchgeistigen, und seinen Arbeiten einen persönlichen Ausdruck von seltener Eindringlichkeit zu geben. Schon die ersten Sachen, mit denen Fingesten junior, eben siebzehnjährig, sich . in den jüdischen Ausstellungen vorstellte, erregten Aufmerksamkeit Aber in den beiden Jahren, die seitdem verstrichen, hat er sich noch ganz anders herausgemacht; er scheint wirklich die Hoffnungen zu erfüllen, die man auf ihn setzte. Die beiden Proben seiner Kunst, die hier in Abbildungen erscheinen, sprechen deutlich dafür. Peter Fingesten geht immer — ein richtiger und gesunder Weg — vom Handwerklichen, vom Stoff aus, um aus dessen Möglichkeiten die Gestaltung seiner Ideen zu gewinnen. Zuerst hat er gern in Wachs modelliert und in diesem weichen, schmiegsamen Material bewegte Frauenakte von großem Reiz gebildet. Jetzt hat er sich einem anderen Liebling zugewandt: dem Zement, dieser spröden, nicht leicht zu behandelnden Masse, an die sich die Bildhauer gemeinhin kaum heranwagen. Hier heißt es scharf aufpassen, man muß sehr schnell, mit höchster Anspannung, modellieren, solange das eigensinnige Material knetbar ist; ehe man sich’s versieht, wird es Peter Fingesten bei der Arbeit Sonnenfeld steinhart, sodaß man ihm nur noch mit Meißel und Hammer zu Leibe gehen kann. Dafür weist das Zement von vornherein auf große Form, auf eine beschränkte Zahl entscheidender Flächen, die mit raschem Entschluß ausgewählt werden müssen. Wie der junge Fingesten mit diesem schwierigen Mittel hantiert, ist überaus bemerkenswert. Er weiß die Brauchbarkeit des Zements für monumentale Wirkung zu nutzen: so in der seltsam anziehenden, ge- Peter Fingesten: Geschwister Sonnenfeld heimnisvollen Halbfigur der als „Ewigkeit“ bezeichneten Frauengestalt, wobei der Bildhauer mit den unmittelbar an das Haupt gelehnten Unterarmen ein kühnes Spiel treibt, das anatomisch nicht zu rechtfertigen ist, jedoch das Mystische der Erscheinung eigentümlich unterstreicht. Er weiß aber auch den zähen Stoff zu Arbeiten zu verwenden, bei denen man bisher kaum daran gedacht hätte: so entstand das schöne Werk der „Schwestern“. Wie die beiden anmutigen Profile zwillinghaft aneinandergefügt und in Beziehung gesetzt sind, fast zum Verwechseln ähnlich und doch individualisiert voneinander abgehoben, das ergibt einen ungemein liebenswürdigen Bildeindruck, der zugleich von einem feinen Schimmer des Rätselhaften umschwebt ist. Auch die in Zement hergestellten Einzelköpfe, die Peter Fingesten in jüngster Zeit geschaffen, haben diesen Charakter eines gesteigerten, aus seelischen Gründen geholten, vielsagenden, doch zu ruhiger Klarheit gebändigten Ausdrucks. Früher, bei den Wachsarbeiten, blickten noch ferne und nahe Vorbilder durch, wie Rodin oder Thorak oder Kolbe. Nun hat er sich ganz gefunden; die neuen Skulpturen sind durchaus auf seinem eigenen Feld gewachsen, ohne „Effekt“, innerliches Erleben in reine plastische Formung gießend. Otto Geismars Ester-Megilla In dieser Zeit der jüdischen Selbstbesinnung sind auch in der Kunst alte Ueberlieferungen in neuer Form wieder lebendig geworden. Neben dem gehefteten und gebundenen Buch macht seine antike Gestalt der Rolle, die sich freilich im Judentum niemals verloren hat, nachdrücklicher ihr Recht geltend. Otto Geismar, der jahrzehntelang als Zeichenlehrer an Berliner jüdischen Schulen tätig war und eben erst in den Ruhestand getreten ist, kam auf solchem Wege zu einem sehr ansprechenden und willkommenen, auf geheiligten Vorbildern fußenden, doch heute neuartigen Werk. „Megilla“ heißt ja ursprünglich Buchrolle, aber die Megilla par excellence, der Name im engeren Sinne gebraucht, ist das Buch Esther, das heute wie vor Jahrhunderten als einzige Schrift 6

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