Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 14 (1936)
- Issue
- 3 (1.3.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Duisburg, Magdeburg, Halle, Stettin und Pommern)
- Date
- 1936-03-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— Abessinien und Palästina — Joseph Trumpeldor — Die Stellung des Arbeiters in Palästina. Man beschränkt sich indessen bei der Themenauswahl nicbt nur auf rein jüdische Probleme. Fragen des Allgemeinwissens sollen und müssen bei den Zusammenkünften des Bundes ebenfalls erörtert werden. So werden etwa ln dem einen Bund Weltwirtschaftsfragen behandelt, in einem anderen spricht man, wenn Röntgens Geburtstag sieb jährt, Über diesen Forscher und seine Entdeckung. Und als der englische König verstarb, war es selbstverständlich, daß in einigen Bünden das Verhältnis Englands zu den Juden, die Bedeutung des Verstorbenen für die Schaffung der palästinensischen Heimstätte beleuchtet wurde. Hier wird einmal über ein neues Buch gesprochen, das uns angeht, dort werden Fahrtenberichte gegeben, an jener Stelle werden Briefe von Kameraden verlesen, die in Erez Israel oder in einem anderen Lande sind. Kurz: die Anzahl der Themen, die bei den Zusammenkünften der Bünde behandelt werden, ist außerordentlich mannigfaltig und vielgestaltig. Wie können denn aber, so fragen zuweilen Eltern und Aeltere, dreizehn- oder fünfzehnjährige Jungen oder Mädchen etwa über Weltwirtschaftsfragen sprechen oder aber die Beziehungen zwischen Juden und Arabern in ihrer vollen Tragweite richtig erfassen und erkennen? Wenn man einmal verschiedene Bünde aufgesucht und ihren Veranstaltungen beigewohnt hat, stellt man kaum mehr diese Frage. Denn man konnte feststellen, daß die Aufgabe, die Jugend durch solche Referate zu eigenem selbständigem Denken zu erziehen, von vielen Bünden zufriedenstellend gelöst ist. Man konnte erkennen, daß über die behandelten Themen in vielen Bünden tatsächlich nicht oberflächlich geschwatzt, sondern wirklich ernsthaft und fesselnd gesprochen und diskutiert wurde. Gewiß: das Niveau ist ungeheuer verschieden in den einzelnen Bünden ebenso wie in verschiedenen Gruppen innerhalb der Bünde. Aber im ganzen ist diese Arbeit sachlich und gründlich. Uebrigens zeigt es sich zuweilen, daß junge Menschen, die aus der Provinz kommen, ein höheres Niveau als manche Berliner aufweisen — was wohl damit Zusammenhängen mag, daß man sich außerhalb Berlins viel intensiver mit derartigen Fragen und Problemen beschäftigt. In sehr starkem, vielleicht in entscheidendem Maße hängt das Ergebnis aller Arbeiten im Bunde von den einzelnen Führern ab. Gute Führer sind heute aber — das ist leider bei allen Bünden, ohne Rücksicht auf ihren inner jüdischen Standort, Tatsache — sehr dünn gesät. Am mangelnden Führernachwuchs krankt die gesamte „hündische“ Arbeit. Neben der allgemeinen und besonders der jüdischen Bildungsarbeit steht bei der Mehrzahl der Bünde, vor allem bei all denen, die sich zum Gedanken der Chaluziuth bekennen, die Beschäftigung mit dem Hebräischen. Man lernt Iwrith, Iwrith und wieder Iwrith. Und trotzdem — wie die, die schon drüben sind, schreiben —: man lernt noch viel zu wenig. „... Schwer ist nur die Zeit“, lesen wir in einem der Briefe aus Palästina, „bis man soviel hebräisch kann, daß man eine Zeitung lesen, daß man sich unterhalten, daß man einem Vorträg folgen kann. Wenn man dieses Stadium erreicht hat, dann kann man sich erst wieder als ganzer Mensch fühlen, dann kann man erst ein normales -Leben leben. Solange lebt man wie ein Taubstummer oder wie ein Analphabet... Denn es ist ein großer Irrtum, zu glauben, daß hier so viel deutsch gesprochen wird, wie manche behaupten. Vielleicht in Tel- Aviv, aber sonst im ganzen Lande nicht_“ Wenn man solch ein Schreiben empfängt, macht man sich in den Bünden mit verstärkter Energie an die „1000 Worte Neuhebräisch“ heran — oder sollte es doch wenigstens tun. Ist mit diesen Arbeiten nun das Programm der Bünde schon erschöpft? Nein. Da gibt es zum Beispiel noch den Sport, der sehr gepflegt wird. Fahrten — soweit sie möglich sind — spielen ebenfalls eine große Rolle. Eine der wichtigsten Aufgaben aber, vielleicht die wichtigste überhaupt, die den Bünden sükommt, die nie vom Elternhaus, kaum von der Schule erfüllt werden kann, ist die Erziehung zur Gemeinschaft. „Warum seid ihr im Bund? Was gibt euch denn der Bund?“ — eine Frage, die wir oft stellten. Eine Frage, die fast immer in der gleichen Weise beantwortet wurde: der Bund schafft nicht nur Freundschaft, Kameradschaft, sondern noch etwas Tieferes, Eindringlicheres: Gemeinschaft Im Bund erkennen wir, wofür wir da sind — für die Gemeinschaft. Im Bund lernen wir, uns unterzuordnen und einzugliedern in die Gemeinschaft. Diese Erziehung zur Gemeinschaft ist in allen Bünden wichtig. Daß ihr indessen in den chaluzischen Bünden besondere Bedeutung zukommen muß, liegt im Charakter dieser Bünde. Die Erfolge dieser Erziehungsarbeit hängen ebenfalls stärkstens von der Persönlichkeit des Führers der Gruppe ab. Wir sahen bei unseren Besuchen der Bünde Gruppen, die uns nicht nur wegen ihrer beachtlichen geistigen Leistungen, sondern vor allem auch wegen ihrer inneren Geschlossenheit auffielen. Es stellte sich heraus, daß diese Gruppen über besonders_ befähigte Führer verfügten, die sie zudem — auch das ist wesentlich — mehrere Jahre lang leiteten. Und das religiöse Moment?, so fragen viele Eltern, welche Rolle spielt es im Bund? Darauf kann man gewiß keine einheitliche Antwort geben. Es gibt Bünde, die es stark betonen, ebenso wie solche, die sich ziemlich indifferent verhalten. Sie werten den Schabbat und die Feiertage in verschiedener Weise. Gemeinsam zwar ist ihnen allen die Feier des Oneg Schabbat. Um Form und Inhalt solcher Feiern ringt man noch in vielen Bünden. Soll man sich dabei ausschließlich auf jüdische Dinge beschränken? Soll man auch nichtjüdische Themen bei einem Oneg behandeln? Welche Lieder soll man singen? Verschieden sind die Antworten, die die Bünde darauf geben.- Die einen sprechen bei einem Oneg den jeweiligen Wochenabschnitt durch, versuchen ihn in einer Form wiederzugeben, die dem Alter der Jungen und Mädel des Bundes angepaßt ist. Die anderen sprechen über <ein palästinensiches Thema. Der dritte Bund behandelt ein ganz allgemeines Problem. Die einen singen schöne Niggunim und leise jiddische Lieder, die anderen stimmen ernsten hebräischen Gesang an, beim dritten Bund ertönen deutsche Lieder. Uebrigens kann es dem Besucher zuweilen passieren, daß er dort, wo er mit Sicherheit auf ein deutsches Lied gerechnet hatte, voller Ueberraschung ein jiddisches hört, und dort, wo er hebräischen Gesang erwartet hatte, zu seiner Verwunderung deutsche Lieder vernimmt. Faßt man zusammen, was man bei einem Gang durch die Bünde gehört und gesehen, bemerkt und erkannt hat, dann kann man sagen, daß die heranwachsende jüdische Jugend sehr ernst und sehr gewissenhaft ihr Judesein auffaßt, daß die junge jüdische Generation sehr entschieden und sehr bewußt dieses Judesein auch wirklich mit jüdischem Inhalt zu erfüllen sucht. &2iknfin[trXidi»fi& LaoisEliliein Flore« HShtr» Schul« und Internat 1. Schulbildung bi» zum Abiturium 2. Für Knaben und Mädchen von 6—18 Jahren, Spradtenpflege 3. Untor lolhing bewährter Pädagogen 4. Studienbereditigung in fast allen Staaten 5. Werkunterricht, Landarbeit, Havfbaitliunde 6. Vorbereitung für Palästina 7. Aerztlidte Ueberwadiung, individuelle Förderung 8. Schönste Umgebung, gutes Klima, Sport 9. Erstklassige Verpflegung 10. ZoHgomäOo Preise — keine fransferschwierigkeiten Neuaufnahmen zum 1.4.36. Auskünfte und Prospekte durdi die Leitung i Oberreg, Ke* e.D. Dr. Werner Reiter Dr. M. Goldstein Florenz, VHIa Pazzi, Plan dei GuWari 3