Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 14 (1936)
- Issue
- 2 (1.2.1936) inkl. Mitteilungen der Synagogen-Gemeinde zu Stettin und Pommerns
- Date
- 1936-02-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Volkes nach biosoziologiseher Methode — wie er es selbst im Vorwort verständlicher ausdrückt: Darstellung der „politischen, sozial-ökonomischen, kulturell-geistigen Seiten des Lebens des jüdischen Volkes auf dem Hintergründe der Entwicklung seiner nätionalen Persönlichkeit, deren Wachstum oder Sinken". K. P. 2. Neuerscheinungen. Jacobsohn, Egon und Hirsch, Leo: Jüdische Mütter. Dl. Berlin: Vortrupp-Verlag 1936. 103 S., 6 Taf. Die jüdische Mutter ist keine „Madonna", „keine Göttin, vor deren Bild wir niederknien, aber wir stehen auf, wenn sie ins Zimmer tritt, ein leibhaftiger Mensch_" Die Glückei von Hameln, Gudula Rothschild, Frumet Mendelssohn, Betty Heine, Amalie Beer-Meyerbeer, Jeanette Herzl, Mathilde Rathenau — die jüdischen Mütter, deren Lebensbilder hier in einem Buche vereinigt werden, sind sehr mannigfaltig geartete Menschen; eine jede von ihnen hat ihre eigene Problematik, ihre eigene Menschlichkeit und Güte. Die Geschichte ihres Lebens wird feiner ohne innerste Anteilnahme lesen. — Den einzelnen Lebensbildern, ausgezeichnet durch viele Zitate aus Briefen und Dokumenten, geht eine allgemeine Betrachtung voraus, die die Wesenszüge jüdischer Mütterlichkeit von den Tagen der Stamm-Mutter bis zur Gegenwart kurz zu skizzieren versucht. H. M—s. S a m t e r, Maxi Das Erdbeben. Abenteuer einer Liebe. Eine Erzählung. Berlin: Vortrupp-Verlag 1936. 40 S. Aehnlich wie in Kleists „Erdbeben in Chile“ Anden auch hier zwei junge Liebende aus den Schrecknissen einer Naturkatastrophe heraus, allerdings nicht, wie dort, dem Wahnsinn der Menschen zum Opfer fallend, sondern um gerettet und damit für alle Zeit ihres neuen, künftigen Lebens miteinander vereinigt zu werden. — Der noch nicht völlig ausgereiften, aber liebenswürdigen, den Leser oft stark in ihren Bann ziehenden Erzählung liegt wohl der Gedanke zugrunde, daß kein noch so friedliches Dasein Sicherheit gewährleistet und daS jeder Zusammenbruch das Zeichen zu emeutemAufbruch sein kann. — Für reifere Jugendliche und Erwachsene. E. G—n. Spira, Camilla: Kennen Sie Peter? Berlin: Vortrupp-Verlag 1936. 54 S. Natürlich kennen wir ihn, den ein wenig verwöhnten, aber äußerst drolligen und treuherzigen kleinen Großstadtjungen aus dem Berliner Westen! Die Abenteuer und Beobachtungen, welche die bekannte Schauspielerin von ihm — der hier ihr eigenes Söhnchen ist — zum besten gibt, reichen wohl kaum zu einem „Buch" aus, trotz der vpn ihr selbst beigesteuerten netten Randzeichnungen, aber sie sind als gesprochene, wie zufällig dem Druck verfallene kleine Plaudereien reizvoll für großstädtische, erwachsene Menschen, besonders für die zahlreiche Gemeinde der beliebten Künstlerin. E. G—n. M. Swarsensky: Das jüdische Jahr. Berlin 1935, Verlag Ernst Köstenbaum. Wenn ein Buch es verdient, in die Sammlung „Jüdisches Wissen“, herausgegeben von Dr. E. Gottfred, aufgenommen zu werden, so ist es „Das jüdische Jahr“ von Swarsensky. Enthält es doch das „jüdische Wissen“, das für unsere Tage unentbehrlich ist, das unsere Zeit dringend erfordert. In gewählter, doch nicht predigerhaft wirkender Sprache, ist es eine Art moderner Schul ch an aruch, durch den der dem Judentum Entfremdete wieder jüdisch sein lernen, wieder Jude werden kann. Das Primat der Religion innerhalb der jüdischen Gemeinschaft wird — das ist der große Vorzug des Werkes — in vornehmster Art ohne jede Polemik immer wieder betont. Vielleicht hätte der Verfasser bei seinen Ausführungen über das Gebet im Plural auf die Förderung der Andacht durch viele Beter und auf das Sündenbekenntnis am Jom Kippur noch besonders hinweisen sollen, weil wir ja als Gesamtheit die Verantwortung für einander tragen müssen. Auch auf den Unterschied zwischen dem ost- und westdeutschen Ritus müßte mehr eingegangen werden; in Westdeutschland kennt man z. B. das Maskir — das übrigens keine eigentlich jüdische Sitte ist — nur um Jom Kippur, das Bedecken vor der Trauung ist dort unbekannt. Es ist nicht richtig von den vier Fragen am Sederabend zu sprechen, es ist vielmehr nur eine Frage mit vierfacher Begründung, auf die dann allein die Antwort folgt: „Sklaven waren wir usw.“. Der 13. Adar ist Fasttag als Jom Haggeserah, Esther und die Juden Susas haben 11 Monate vorher im Nissan gefastet, in diesem Monat haben sich die wichtigsten Ereignisse von Purim abgespielt, im Adar waren nur die Kämpfe und der Sieg der Juden sowie die Einsetzung des Festes. Für eine Schulentlassungsfeier für Mädchen bin ich aus den vom Verfasser selbst angeführten Gründen, was die sfardische Aussprache der Gebete anlangt, bin ich entgegengesetzter Meinung. Allein diese und andere Kleinigkeiten, die zum Teil wohl in einer zweiten Auflage — das Buch wird zum Heile des Judentums sicherlich noch mehrere erleben — verbessert werden, mindern den Wert nicht herab, denn dieser liegt nicht nur in der übersichtlichen und allgemein verständlichen Aufzählung der lebenswichtigen Gesetze des Judentums, sondern noch mehr in ihrer überall sinnvollen Begründung. Rabbiner Dr. A. Kahlberg, Halle. Amtlidier Teil Liefert entbehrlich gewordene Kultgegenstände ab! Aus Palästina und von Vereinigungen aus Deutschland ausgewanderter Juden im übrigen Ausland gehen uns tagtäglich Schreiben mit Bitten um Ueberlassung von Thorarollen und sonstigen Kultusgegenständen zu, die zur Abhaltung der Gottesdienste benötigt werden. Besondere Nachfrage besteht nach Megilloth, Schofaroth, K’löj-Kodesch jeder Art, guterhaltenen Siddurim, Machsorim, Hagadoth usw. Wir bitten unsere Mitgliedsgemeinden, diese Gegenstände, soweit entbehrlich, zur Verfügung zu stellen, um den Ausgewanderten die Befriedigung ihrer religiösen Bedürfnisse zu ermöglichen. Sozial- und Wirtschaftsrecht Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland plant als nächste Veröffentlichung im Verlage der ihr angeschlossenen Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden E. V. eine Darstellung des Sozial- und Wirtschaftsrechts, ausgewählt und bearbeitet für die Bedürfnisse der Juden in Deutschland von Ministerialrat i. R. Fritz Wittelshöfer. Die Schrift wird einen systematischen Ueberblick über alle gesetzlichen Bestimmungen geben, die für die jüdische Rechts- und Wirtschaftsberatung von Bedeutung sind. Sie wird insbesondere folgende Gebiete behandeln: Arbeitsrecht, Wirtschaftsrecht, Sozialversicherungsrecht, Wohlfahrts- und Jugendrecht, Staatsangehörigkeit, Auswanderungsrecht, Ausländerrecht. In ihrem ersten Teil wird die Schrift die für die jüdische Arbeit wichtigen Grundzüge und leitenden Gedanken der gesetzlichen Bestimmungen klarlegen und diese durch praktische Beispiele veranschaulichen. Der zweite Teil wird den Abdruck der gesetzlichen Bestimmungen im Wortlaut bringen und als „Loseblattausgabe“ ständig auf dem laufenden gehalten werden können. Die Schrift soll dem jüdischen Sozialarbeiter, dem jüdischen Rechts- und Wirtschaftsberater, dem jüdischen Arbeitnehmer sowie dem Handel- und Gewerbetreibenden ein zuverlässiger Ratgeber sein. Für jeden, der sich mit den einschlägigen Fragen zu beschäftigen hat, wird diese neue Veröffentlichung daher unentbehrlich sein. Bestellungen auf die Schrift zum Subskriptionspreis von broschiert je Exemplar RM 2.—, Loseblattform je Exemplar RM 3.— nimmt entgegen die Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Abt. Zentralwohlfahrtsstelle, Berlin-Charlottenburg 2, Kantstraße 158. Briefwedisel mit Palästina Vom Lehrerrat für den KKL in Erez Israel wurde eine Zentralstelle zur Pflege eines Briefwechsels von Kindern in der Diaspora mit Erez Israel geschaffen. Diese Stelle wird einen regelmäßigen Dienst einrichten zur Beantwortung von Fragen über Erez Israel, mit denen sich die Kinder an ihn wenden werden. Die Anfragen können — in der entsprechenden Landessprache gestellt werden, die Beantwortung erfolgt ausschließlich in hebräischer Sprache. Ferner wird die Zentralstelle die Korrespondenz zwischen den Schulkindern in Erez Israel und in der Diaspora vermitteln und für regelmäßige Beantwortung sorgen. Diese Briefe, von den Kindern selbst geschrieben und beantwortet, sollen natürlich nur in hebräischer Sprache abgefaßt sein. Die Briefe der Kinder sollen an den Waad Arzi Hakeren Hakaymeth Leisrael, Tel Aviv P. O. B. 738 gerichtet werden. Sie können aber auch an die Zentrale des Keren Kajemeth Lejisrael, Berlin W 15, Meinekestraße 10, gerichtet werden, der sfe dann jeweils nach Palästina weiterleitet 10