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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1936-02-01 · 2 (1.2.1936) inkl. Mitteilungen der Synagogen-Gemeinde zu Stettin und Pommerns · p. Seite 7

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
14 (1936)
Issue
2 (1.2.1936) inkl. Mitteilungen der Synagogen-Gemeinde zu Stettin und Pommerns
Date
1936-02-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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wähnt werden, ebenso die Betreuung der völlig allein stehenden Menschen oder auch der räumlich Isolierten. Die Arbeit, die die 35 Orts- und 24 Bezirksdarlehnskassen mit einem bilanzierten Gesamtkapital von 1 121 000 RM heute leisten, könnte nicht vollbracht werden, wenn nicht die American Joint Reconstruction Foundation, die auf dem gleichen Gebiet auch in Ost- und Südost-Europa Großes geleistet hat, sich unseres Werkes Such hier angenommen hätte; ihr muß deshalb immer wieder gedankt werden. Darüber hinaus muß das Werk der Darlehnskassen populär gemacht und alle intellektuellen und materiellen Kräfte zu seiner Unterstützung wachgerufen werden. Das Gesamtproblem als solches ist überall das gleiche, und auch die praktischen Verhältnisse liegen überall ähnlich. Trotz aller regionalen Verschiedenheiten ist deshalb die Notwendigkeit grundsätzlicher Richtlinien für die Darlehnskassen- Arbeit oft empfunden und auf der schon erwähnten Tagung auch erörtert worden. Der engeren Zusammenarbeit der Kassen untereinander und zugleich mit der Zentralstelle der jüdischen Darlebnskassen in Berlin dient der vierzehnköpfige Beirat, der damals gewählt wurde. Haupterfordernis aber bleibt, daß ^ie Führer unserer Gemeinden überall erkennen, wie sehr es sich bei dem Darlehnskassen-Werk um jüdische Gemeindearbeit im letzten und tiefsten Sinne handelt. Träger des Judentums sind die Gemeinden, Träger der Gemeinden aber sind unsere Menschen, und so ist jedes jüdische Hilfswerk zuletzt doch Gottesdienst und Dienst an der Thora. Im Angesicht der Totenmaske Za Heinrich Heines 80. Geburtstag. Von Leo Hirsch. Wie sah Heinrich Heine aus? Es gibt keine Photographie von ihm, die Zeichnungen und das letzte Gemälde. das ihn leidend, fast blind und sichtlich verschönt als malerischen „Schmerzensreichen“ neben der nicht minder blassen und veredelten Frau Mathilde zeigt, scheinen einander zu widersprechen, und die Beschreibungen seiner Zeitgenossen sind erst recht verschiedenartig. Die einen betonen Heines jüdische Züge, die andern, ersehegarnicht jüdisch aus, die einen schildern ihn groß, die andern klein, die einen edel, schön, aristokratisch, die andern häßlich, fast vulgär, sinnlich, kurzum von Grabbe bis Grillparzer, von Hebbel bis zur Rahel und zur Mouche hat jeder sein eignes Heine- Bild. Die Totenmaske aber, die erst in diesem Jahrhundert bekannt wurde, zeigt uns einen Kopf, der zu keiner der vielen Beschreibungen und Zeichnungen zu stimmen scheint, und wer sie zum ersten Mal sieht, erschrickt: man hatte sich Heine wohl immer verkehrt vorgestellt. Und so ist es wirklich. Man hat bisher, so lebendig ist Heine, nie genug Abstand gefunden, um ihm allen' Ernstes und in wahrer Ruhe gerecht zu werden. Man war bezaubert, weil er Charme, verführt oder entsetzt, weil er Witz hatte, man liebte ihn, weil er voller Liebe, und haßte ihn, weil er voller Ironie war, man nahm ihn nicht ernst, weil er schwere Gedanken leicht vortrug, und wendete gegen ihn, was er nicht ernst genommen hatte, man liebte es, seine Ehrlichkeit für eine Maske und die Maske seiner Eitelkeit für seine tiefste Ehrlichkeit zu halten, und man war bei alledem so wohl im Schwung des Urteils, daß man nie sich die Mühe nahm, das Wesentliche vom Nebensächlichen zu scheiden. Wer auch immer (mit spärlichen Ausnahmen) über Heine schrieb oder sprach, wußte dem Dichter vorzürechnen, was er falsch gemacht hatte, wußte es besser und hatte es also leicht, den Dichter Heine gegen den Publizisten, den Juden gegen den Patrioten, die Praktiken gegen die Gesinnungen und Bekenntnisse ins Feld zu führen. Uns steht es im Angesicht seiner Totenmaske, an seiner achtzigsten Jahrzeit, im Angesicht unserer eigenen, man möchte fast sagen: Totenmaske nicht wohl an, zu loben oder zu tadeln, zu verteidigen oder anzuklagen. Wir sehen Heine heut aus unserem, vielleicht zu engen Gesichtswinkel und glauben doch, ihn klarer zu sehen. Ja, er war ein Jude, und welch ein Jude! Wir lesen ihn von neuem, mit neuen Augen gleichsam und mit einer neuen Ergriffenheit. Seine Liebeslieder nehmen uns wieder und anders gefangen, diese kleinen Lieder, die „aus meinen großen Schmerzen“ gewachsen sind, und wir wissen nicht mehr und nicht weniger, als daß sie uns gefangen nehmen, denn die großen Schmerzen rühren uns tiefer an afc der scheinbar so leichte, scheinbar so bänkelhnfte Liedtonfall. Wir lesen das Drama „Almansor“, und es ist uns gleichgültig geworden, ob und wieweit es ein Drama ist, da der Stoff des Stückes uns wieder nahe ist, die tragische Liebe zwischen Menschen, die eine religiöse und mehr als religiöse Kluft scheidet, Der Jude Heine ist es, der unter der schlecht verbergenden Maske des Mohammedaners Almansor liebt und leidet. Der Jude Heine ist es, der dann in den Liedern seine tiefste, gedehmütigte Scham unter der scheinbar schamlosen Larve der Ironie verbirgt. Der Jude Heine, so griechisch heidnisch - apollinisch er sich gibt, setzt selbst noch in der „Nordsee“ die jüdische Meer-Lyrik fort, Heines Totenmaske aut'äea Btxti »Die Heine-Sammlung Strauß« 7

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