Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 13 (1935)
- Issue
- 12 (1.12.1935)
- Date
- 1935-12-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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besuchten heißen Bi der >00 Tiberias. Doch steigen wir den steinigen Pfad empor, der vom offenen Brunnenwasser der dampfenden! Quellen bergan führt, so umfingt uns wieder die Stimmung der Geschichte und Legende. Angelehnt an eine Thora-Talmud-Schule und eine Pilgerheiberge erhebt sich das Mausoleum des wundertätigen Rabbi, der nach der Ueberlieferung im 2. Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung lebte. Das Innere ist denkbar einfach. Ein weiß getünchter Raum, an einer Wand vorspringend der weißgetünchte Sarkophag. Ein wenig Eingangspforte zum Grabmal des Maimonides Fot. Sonn«nf*ld Steingebröckel ist darauf, kein Schmuck irgendwelcher Art. Alljährlich findet am 14. .Ijar, dem sogenannten zweiten Pessach, ein Fest zum Gedftchtnis des Rabbi statt, den sie „Baal-Ness“, den „Wundertäter“ nannten. Getrennte Räume dienen der Andacht der sephardischen und der aschkenasischen Juden. Tiberias, die Hauptstadt Galiläas, wq sich nach der Zerstörung Jerusalems unter Titus ein bedeutsamer neuer Mittelpunkt der religiösen Lehre und des rabbinischen Schrifttums bildete, hat noch andere Heiligtümer aufzuweisen, die große Verehrung genießen. Nahe der Westmauer der Stadt, wo sich noch ansehnliche Reste einer starken, in schwarzen Basaltblöcken aufgeffihrten Befestigung aus dem 18. Jahrhundert finden, liegen die Gräber einiger der berühmtesten Vertreter rabbinischer Gelehrsamkeit, deren Besuch kein frommer Jude versäumt, wenn ihn der Weg an den malerischen See von Tiberias führt. Hier ruht Jochanan ben Sakkai; ein wenig höher, wo die Straße nach Nazareth sich hinzieht, Rabbi A k i b a; dicht dabei Rabbi C h i j j a mit seinen Söhnen — vor allem al>er, wieder näher zu Jochanan ben Sakkai, der große Maimonides, Rabbi Mosche ben Maimon, daher ■ nach den zusammengezogenen Anfangsbuchstaben seines vollen Namens gern „Rambam“ genannt, dessen 800. Geburtstag die jüdische Welt vor einigen Monaten feierte, und der seit seinem Tode im Jahre 1204 an dieser Stelle den ewigen Schlaf schläft. Ein Steinwall, der das Maimonides-Grnb und die ihm benachbarten Ruhestätten umgibt, zeigt dem Wanderer die Stelle an, wo Jahr um Jahr Tausende von Juden aus der ganzen Welt einkehren, ihre Andacht zu verrichten. architektonischen Ruinen des Landes, die uns von der Art der galiläischen Tempelbauten jener Epoche eindrucksvollen Bericht gibt. Vermutlich hat dort der vielgepriesene Rabbi gepredigt und Gottes Wort ausgelegt, der nicht weit davon beigesetzt wurde: Schimon bar Jochai, der weise, wissensreiche Talmud-Gelehrte, der in eben jenem zweiten Jahrhundert den römischen Machthabern Trotz bot und nach der Ueberlieferung in einer Höhle, wo er vor den Verfolgern Schutz suchte, den „Sohar“ schrieb, das verehrte Buch der Kabbalisten. Auch hier kündigen helle Dachkuppeln die Bauanlage an, die die Gräber Rabbi Schimons und seines Sohnes Rabbi Elasar umschließt, der im religiösen Studium wie im Leben und in der Verfolgung durch die Römer der vertrauteste Kamerad seines Vaters war.. Am Abend von Lag be-Omer, am 18. Ijar, dem Todestag Schimons, wird hier jedes Jahr ein großes Fest begangen, zu dem von Safed her die Prozessionen frommer Juden nach Meron ziehen. Auf den Gräbern der beiden Rabbinen werden Kerzen entzündet. Aus den Steinschalen auf dem Dach des Grabbaus züngeln Flammen in den dunkeln Himmel auf. Besondere Tänze werden aufgeführt. Aber auch die neueste Geschichte Palästinas hat schon ihre denkwürdigen Stätten, denen die Andacht der Bewohner und der Besucher des Landes gilt. Im nördlichsten Zipfel des Mandatsgebiets, zu dem schon der schneebedeckte Höhenkamm des Hermpn herabgrüßt, nicht weit vom Hule-Land, das eben jetzt der Entsumpfung und landwirtschaftlichen Erschließung harrt, liegt neben der Straße, die nach Metulla führt, der schon ganz ins syrische Gebiet vorgeschobenen jüdischen Siedlung, die Arbeiter-Kolonie Tel- C h a j. Hier fanden 1920 bei dem Ueberfall der Araber jene mörderischen Kämpfe statt, in denen an der Spitze seiner Tapfern Josef Trumpeld o r fiel. Ein Steinblock im Hof des Wirtschaftsgebäudes von Tel-Chaj bezeichnet die Stelle, wo er niedersank. Der Name Trumpeldors, der im Weltkrieg die jüdische Legion begründet und später gleich nach dem Frieden in Rußland die Chaluz-Bewegung ins Leben rief, genießt heute in der palästinensischen Jugend höchste Verehrung. Auf dem Friedhof von Tel-Chaj; wo er und seine Mitkämpfer beigesetzt sind, steht seit kurzem das erste öffentliche Bildwerk, das Palästina besitzt: ein aufgerichteter Löwe aus Denkstein für Trumpeldor in Tel Chaj fol. Sonnenfaid Noch ein anderes Zentrum jüdischer Denkstätten beherbergen die Höhenzüge Obergaliläas. Kommt man von Safed, einer der merkwürdigsten und schönsten Stadtsiedlungen ganz Palästinas, deren Straßen und Häuserzeilen sich terrassenförmig zu hochragendem, weithin übers Land sichtbarem Gebirgskamm emporziehen — kommt man von Safed die Straße entlang, die nach Haifa führt, so zweigt bald ein Weg nach dem einsamen Dorfe Meron ab. Auf der Höhe, wo sich ein herrlicher Blick ins Land öffnet, stehen die in einigen Teilen noch guterhaltenen Ueberbleibsel einer Synagoge aus dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert, eine der interessantesten rötlichem Marmor, ein Werk des Bildhauers Melnikoff. Stark und kühn blickt er ins Land. In den Sockel des Denkmals aber wurden die letzten Worte eingemeißelt, die Trumpeldor gesprochen: „Gut ist es, für unser Land zu sterben“... 5