Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 13 (1935)
- Issue
- 12 (1.12.1935)
- Date
- 1935-12-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Oliven-Pflanzungen. Hier war einst, als Palästina noch von einem anderen Klima gesegnet war, das üppige Revier, aus dem die Kundschafter dem Volke Israel in der Wüste die schweren Traubenstöcke brachten. Russische Mönche betreuen seit langem die heilige Eiche; sie umhegten den knorrigen Stamm pietätvoll mit Zaun und Gärtchen und bauten eine kleine Kapelle daneben. Niemand wird den Platz betreten, ohne den ehrfürchtigen Schauer zu spüren, der von ihm ausgeht. Noch unmittelbar jedoch verbinden sich uralte Ueberlieferung und Gegenwart in dem Bauwerk, das sich über Grab Isaaks in de*r Mosdiee zu Hebron Fot. Sonnenfeld 4r Mm der Höhle Machpela erhebt. Hebron ist fast ganz zu einer moh’amedanischen Stadt geworden. Von ihren rund 20.000 Einwohnern sind kaum 130 Juden. Der Ort, in dem David seinen Königsitz bis zur Eroberung Jerusalems hatte, der noch in den Makkabäerkriegen ein jüdischer Stützpunkt war, wurde den Bekennern des Koran zu einem wichtigen Heiligtum. Abraham ist auch für sie ein geweihter Name, sie bezeichnen ihn als „el-Halil-Arrahman“, den „Freund Gottes“, und Hebron meist kurz als „el-Halil“. So steht heute über der Höhle Machpela und ihren Felsengräbern der Patriarchen eine Moschee. Das mohamedanische Gotteshaus wird eifrig behütet, sein Besuch ist streng geregelt, auf der steilen Treppe, die an der Hauptmauer entlang zum Eingang hinaufführt, darf der Ungläubige nur bis zur siebenten Stufe emporsteigen, und ein umständliches Zeremoniell ist erforderlich, uni die Erlaubnis zum Betreten des Innern zu erhalten. Etwa in der Höhe der vierten Stufe klafft im mächtigen Quaderwerk der Stützmauer ein breiter Riß auf — durch die Oeffnung pflegen jüdische Wallfahrer in rührender Frömmigkeit Zettel mit Bittschriften hinabgleiten zu lassen in die Tiefe, wo, wie sie vertrauen. Abraham und Sarah. Isaak und Rebekka, Jakob und Lea schlummern. Ja, eine alte hebräische Legende will sogar wissen, daß auch Adam und Eva nach ihrer Verbannung aus dem Garten Eden in Hebron lebten und begraben wurden! Wir haben hier das Beispiel eines palästinensischen Brauchs vor uns, an dem wiederum die drei Religionen Anteil haben: der uralten Sitte, Andachtsstätten über einer heiligen Höhle, einer geweihten Grotte, einem heiligen Stein zu errichten. Nicht anders ist es beim Felsendom in Jerusalem, nicht anders bei der Geburtskirche in Bethlehem. Den Arabern in Hebron gilt die Höhle als so verehrungswürdig, daß sie sie niemals betreten, die Ruhe der Erzväter soll nicht gestört werden. Nur durch eine Oeffnung im Boden der Moschee, die von einer kleinen säulengetragenen Kuppel überdacht ist, wird täglich an einer Kette das ewige Licht hinabgelassen. Die drei Religionen haben auch an dem Gotteshaus selbst ihren Anteil. Ohne Zweifel stand hier dereinst ein jüdischer Andachtsbau. Das Fundament der Umfassungsmauer weist riesenhafte Blöcke auf, die man mit Fug der Zeit des zweiten Tempels in Jerusalem zuschreibt (gegen Ende des 6. Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung). Sicherlich steckt der Kern einer in Verwirrung geratenen historischen Wahrheit in der arabischen Legende, den ursprünglichen Bau habe König Salomo mit Hilfe der Dämonen errichtet, über die er gebot. In byzantinischer Zeit und in der Epoche der Kreuzzüge wurde das Heiligtum von den Christen in Anspruch genommen, spätere Teile des Mauergefüges und der Säulen verraten es. Schließlich kamen charakteristische arabische Einzelheiten hinzu. Der Hauptraum und sein Vorraum beherbergen als Mittelpunkte die Kenotaphe der drei Patriarchen und ihrer Frauen — sarkophagähnliche Denkmäler, in denen jedoch kein Leichnam ruht; sie stehen, wie die Araber versichern, genau über den Stellen, wo sich unten im Dämmer der Höhle die eigentlichen Gräber befinden. Ein kleiner Nebenraum trägt den Namen Josephs, dessen Grab angeblich hier zu finden ist; doch das steht im Widerspruch zu. den seinen Namen gewiß mit größerem Recht tragenden Grab Josephs, das nahe bei Nablus, dem biblischen Sichern, mit seiner weißen Kuppel übers Land blickt. Solche hellschimmernden Kuppelbauten verraten oft den Platz einer besonderen jüdischen Andachtsstätte. Die arabische Bauweise, die seit dem siebenten Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung Palästina beherrschte, wurde auch von den Juden willig angenommen. Häufig ist es ein kleiner Gebäudekomplex nach einfachem Schema: zwei aneinandergefügte viereckige Teile, der größere umschließt den Hauptraum mit dem Grab oder dem Kenotaph, von weitem kenntlich durch die flächige Halbkugel — der kleinere ist ein Vorbau, mitunter noch in den Eingangsraum selbst und eine vorgelagerte offene Halle unter gleichem flachen Dach gegliedert. Das berühmteste Beispiel dieses Typs ist Rahels Grab auf demWeg nach Bethlehem, so oft abgebildet und beschrieben, daß wir hier nicht weiter darauf eingehen. Mitunter aber ist die Begräbnisstätte, die den Frommen als Wallfahrtsziel dient, in einen größeren Komplex eingefügt. So ist es beim Grabmahl des Rabbi Meir-Baal-Ness bei Tiberias. Kommt man auf der großen Straße, die mitten durchs Gebirge von Jerusalem nordwärts über Nablus nach Tiberias führt, so hat man kurz vor der Stadt rechts die Grabmal des Rabbi Meir-Baal-Ness Blidt vom Vorhof auf Tlberlai Fot. Sonnenfeld schimmende Fläche des Sees Genezareth, aber links am Berghang eine Gruppe übereinandergetürmter, weißglänzender Baulichkeiten. Die unten an der Straße sind modern, sie stammen aus den allerletzten Jahren: es sind die neuen Anlagen der berühmten, schon im Altertum viel- DENKT AN DIE JÜDISCHE WINTERHILFE