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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1935-11-01 · 11 (1.11.1935) · p. Seite 9

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
13 (1935)
Issue
11 (1.11.1935)
Date
1935-11-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Unsere Wanderbücherei Eine Folge von Buchbesprechungen wichtiger neuer und fiterer Bücher an« den Wanderkisten des Preußischen Landesverbandes. 1. Jüdische Messias-Romane Halpern, Feh: Wie Toa In des Töpfers Hand. Ein Messias- Roman. Leipzig: Engel 1932. 375 S. Dies tiefjüdisch empfundene Werk, dem Max Brod ein warm anerkennendes Vorwort beigegeben bat, führt uns in das der römischen Herrschaft unterworfene Judäa zur Zeit Trajans und Hadrians. Im Mittelpunkt stehen die mytisch gewordenen Gestalten Ben Akibas und Bar Kochbas. Glorie und Tragik der verzweifelten Auflehnung gegen das römische Joch wird entrollt Aus dem Ringen der Weltanschauungen erhebt sich der Gedanke der ewigen religiösen Berufung und Auserwlhltheit. K.W.G. Brod, Max: „Rßubenl“. Ein Renaissanceroman. Zürich Zsolnay 1930. B67 S. Die Lebensgaschichte eines historischen falschen Messias, der abenteuerlich« Roman des. $ch>>ilinen .und. Betrügers Riubeni, der während der Reformationszeit die Linder Europas durchzog, angeblich von seinem Bruder, König des verlorenen Stammes Rüben in Arabien, ansgesandt, um die Jungen Juden der Zerstreuung zu sammeln und, nach Besiegung der Türken, ins Land der Väter zurückzuführen. Aber der Prager Dichter zeigt nicht nur die geheimnisvolle Gestalt Riubenis und die fanatische seines Jüngers Mokho, sondern zugleich ein gewaltiges Zeitgemilde' der Renaissance und tiefe Probleme des Judentums K. P. Pollakoff, S.: Sabbatal ZewL Roman. Berlin: Der Heinebund. 300 S. Die vielberufene Geschichte des phantastisch türkisch-jüdischen Pseudo-Messias des XVII. Jahrhunderts, Sabbatai Zewi, wird uns in romantisch farbiger, menschlich ergreifender Darstellung nahegebracht. Die kleinasiatisch-türkische Umwelt ist lebendig geschildert, die Gestalt des falschen Messias und manche charackteristische Nebengestalt wirkungsvoll davon abgehoben. Die immer wieder entfachte und enttäuschte Inbrunst des Messias-Glaubens mündet auch hier in den Ewigkeitsgedanken des Judentums. K.W.G. 2. Gestalten des Biedermeier. R a h e I, Briefe and TagebnchbUtter, ausgewählt und eingeleitet von Agathe WeigetL Berlin: Ullstein 1921. 191 S. — Rakel Varehageo. Ein Fraaenleben In Briefen. Ausgewählt und m. Einl. vers. von Augusta Weldler-Steinberg. 2. AufL Berlin: Kiepenheuer 1917. 545 S. — Rakel von Varnhagen» Freaadeskrefs. Galerie von Bildnissen aus Rahels Umgang und Briefwechsel. Hrsg, von K. A. Varnhagea von Ense. Berlin: Deutsche Bibliothek o. J. 302 S. —Key, Ellen: RaheL Eine biographische Skizze. Einzig autor. Uebertr. a. d. schwed. Manuskr. von Marie Franeos. Leipzig: Haberland 1907. 171 S. Badt- (StraaB), Bertha: Rakel und ihre Zeit Briefe und Zeugnisse. München: Rentsch 1912. 215 S. Rabei Varnhugen, geborene Levin, ist mehr als eine der Vertreterinnen des jüdischen Salons im Zeitalter der Emanzipation, mehr als Dorothea Ifendessohn, die Friedrich Schlegels Gattin wurde, and Henriette Herz. Sie ist eine der bedeutendsten Frauengestalten zum mindesten der Neuzeit, eine große Liebende, die einmal das Wort „Lieben muß ich“ niederschrieb, als zeitgeschichtliche Erscheinung eine Goethe nahestehende Natur, nicht nur als dessen Prophetin in einem noch aufklärerisch gesonnenen Berlin, and auch trotz ihrer Taufe, die im wesentlichen geschah, damit sic die Ehe mit Varnhagen eingehen konnte, ein Genio des Judentums. Ihr Gatte hat sie geradezu „die dritte Lichtgeburt der jüdischen Nation** (nach Christus und Spinoza) genannt und Margarete Susmann entdeckte in ihr eine den Psalmen und dem Hohen Lied, ja der chassidischen Mystik verwandte Grundkraft, obwohl bei ihr oft von Angelus Silerius, nie vom Basischem die Rede ist, von dem sie wohl nichts wußte. Das kleine Rahel-Buch der Weigelt ist eine gute, hübsch eingeleitete Auswahl, die für sich selber spricht Die verbindenden Texte stad ein wenig unsystematisch: der Leser wird zwar rasch ein gefangen, hält aber wohl nur ein Büd fest wenn er über sie schob einige* mehr weiß, als in diesem Boche steht. Das weit am fangreichere Buch der Weldler-Steinberg stellt ans dem reichen Briefwechsel nur die Korrespondenz Rahels mit Karl August Varnhagen zusammen, aber in diesen Briefen - - tin-i l - spiegelt sich die ganze Zeit, and, was wichtiger ist, ein Frauenleben dieser Zeit So viele Briefe, so viele „Momentaufnahmen“ dieser „geistreichsten Frau des Universums", wie sie Heine, dieses „größten Weibs auf Erden“, wie sie Alexander von der Marwitx nannte. Kurt Martens hat eines der Gedenkbücher' ihres Gatten in einer Auswahl herausgegeben und eingeleitet Hier gewinnt die Gestalt der neben Goethe und Napoleon meist bewunderten Persönlichkeit dieser Epoche in Briefen aus ihrem Frenndeskreis Umriß, aus dem Karoline von Humboldt öle sonst so antisemitische, Friedrich Schlegel, Prinz Louis Ferdinand, Marwitz, Adam Müller und Gentz hervorgehoben seien. Die Skandinavierin und Frauenrechtlerin Ellen Key spürt feinsinnig den morgenländischen Zügen im Wesen dieser religiösen Frau nach, zeigt auf, wie sie die eigentliche Vertreterin der Religion Goethes und bis zu einem gewissen Grade Vorläuferin Nietzsches war; die Bedeutung dieser begeisterten Biographie liegt aber vor allem darin, daß sie das Frauengeschöpf Rahel menschlich näher bringt, das erst in seine Liebe, dann in einen Mann, und zuletzt in das Geliebtwerden von einem Manne verliebt und in dieser Geborgenheit am glücklichsten war. Die knappste Auswahl stammt von Bertha Badt in der Pandora-Bücherei. Aber sie ordnet den sorgfältig ausgewählten Stoff so umsichtig an, gliedert ihn in Briefe, aus denen uns ihr eigenes Lehen mit seinen Schicksalen, ihrer Selbstanschauung und ihrer Lebenskunst entgegentritt, in Briefe, ans denen sich ihre Menschenkunst, ihr Umgang mit Freunden, ihre Geselligkeit offenbaren und endlich in solche, die Eindrücke und Bekenntnisse wiedergeben, über Zeitgeschichte, Religion, Franenfrage und Kindererziehung, die Künste und Goethe, sodaß sich Rahels Sprache und Briefkunst uns tief einprigen. Wenn man auch dem Leser oder besser der Leserin jedes dieser Rahelbücher anempfehlen möchte, so muß man dem Letztgenannten doch nachrühmen, daß es in seiner Kürze ebensoviel gibt wie alle übrigen zusammen. L. W. Summ, Margarete: Fraaen der Romantik: Jena: Dlederlchs 1931. 186 S. 111. Von visionärer Schau der inneren und äußeren Zusammenhänge getragen sind die Bilder, die hier eine Dichterin von den bedeutendsten Frauen der Romantik malt — in all den satten, tiefen Farben, die diese Zeit erleuchten. Keine geistige Frau unserer Tage wird zu diesem Bach ohne starke Beziehung bleiben, wenn sie zum Beispiel liest von der Rahel „eigentümlichen jüdischen Grundkraft, deren kein großer jüdischer Mensch je ermangelt hat: der über dem Abgrund selbst aufblühenden Kraft zur Freude“ oder von Bettina, die „vermochte alles zu verlieren außer zieh selbst.“ Ein Kapitel „Weltanschauung der Romantik“ schließt das schöne Werk über eine geistig groß erfüllte Zeit zu einem Ganzen von wesentlichsten Eindrücken. H. M. Die Familie Mendelssohn. 1729—1847. Nach Briefen und Tagebüchern. Von S. üenseL Mit 8 Portr., gezeichn. von Wilhelm HenseL 10. Aufl„ 2 Bde. Berlin: Behr. 1900. Das Buch, eine der bekanntesten „Familien-Biographien“, kann nicht genug zur erneuten liebevollen Lektüre empfohlen werden. Von Moses Mendelssohn führen in weitem Bogen diese Erinnerungen und Briefe — durch den schlichten Text Sebastian Hensels (des Urenkels!) geschickt zur Einheit verbunden — bis zu Felix Mendelssohn und seinen Geschwistern. In ihnen, dfe als geistiges Zentrum gesehen sind, fand die menschliche und künstlerische Entwicklung dieser Familie den schönsten Ausdruck. Neben dem Gegenständlichen hat das im besten Sinne Familienhafte, der innigste Zusammenhang dieser wirklich bedeutenden Menschen für den jüdischen Leser besonderes Interesse. — Es sei noch erwähnt, daß in diesen Memoiren eine Fülle besten kulturhistorischen Gates verborgen ist. H. G. Hellborn, Ernst: Die goto Stabe. Wien, München, Leipzig: Rikola-Verl. 1922. 229 S. Mitten aus dem Trubel der Gegenwart heraus hebt den Leser dieses Buches, über ein Jahrhundert hinweg, in eine Zeit zurück, da in weiten Salons mit gelbeeidenen Tapeten, im Schimmer der Kerzen, schöne, geistreiche Frauen und große Männer des Staates, der Kunst und der Wissenschaft beim „ästhetischen Tee“ sich zusammenfanden. Es ist angenehm, ein wenig Sehnsucht in rieh auf steigen zu fühlen nach dieser Zeit und zugleich auch über ihre endlichen Menschlichkeiten belehrt zu werden. Henriette Herz, Rahel, die schöne Gräfin von Ahlefeidt, Mendelssohn, Varnhagen, Ferdinand Lassalle, Schleicarmacher, Prinz Louis Ferdinand, von-Gentz, Heyse und viele andere Größen erstehen auf in den Berichten der Zeitgenossen (u. a. Fanny Lewald, Alex, von Sternbarg, Karl von 9 ifiii i iMyfiiüüAliiiirM i fiirtr iftfTliTW

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