Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 13 (1935)
- Issue
- 11 (1.11.1935)
- Date
- 1935-11-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/10279732-10021717-10021684--267-3981011- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
-■sfc- *r prrt']»■•'? Brief Sammlungen, Familienpapiere, Stamm tafeln und Mohelbücher ins Gesamtarchiv gewandert. Auch geschlossene Sammlungen von Thorawimpeln haben ihre Aufbewahrung im Geaamtarcbiv gefunden, da ihre Auf* Wimpal aus Bleicherode ■ »Hochzeitsszene« aus dem Jahre 1790 tGnaatordiivl Fo*. Abraftom Schriften in vielen Fällen von unschätzbarem geschichtlichen Wert sind. Die Wimpelsammlung aus Bleicherode am Harz,“ von der hier eine Probe veröffentlicht wird, beginnt z. B. mit dem Jahre 1636. Daß auch die Erforschung der Kulturdenkmäler, die Sammlung von .Synagogen- und Grabinschriften zum Aufgabenkreis des Gesamtarchivs gehört, muß hier der Vollständigkeit wegen noch hervorgehoben werden. Das Gesamtarchiv, ursprünglich gegründet und unterhalten vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebund und der Großloge sowie einigen Großgemeindeo, ist jetzt auf eine Wimpel aus Höxter 1831 (Gaianitardtlv) Fol. Abraham neue organisatorische Grundlage gestellt worden. Nunmehr sind die Berliner Jüdische Gemeinde, der Preußische Landesverband und die Reichsvertretung Träger des Gesamtarchivs. In dieser Neuordnung drückt sich der Wunsch und das Vertrauen aus, daß das Gesamtarchiv auch weiter- \ hin dazu bestimmt und befähigt ist, pUe historisch wichtigen Archivmaterialien aufzufangen und nutzbar zu machen, die im Laufe der jüngsten Entwicklung in jüdischen Gemeinden, bei jüdischen Vereinen und Einzel- Aus dem Namens-, Trau- und Sterberegister der Berliner jüdischen Gemeinde aus den Jahren 1751 -1813 Units Mm«, Eintragung vom 4. Januar 1786 üb«r d«n Tod von Mosas Mandelssohn Fol. Abraham personen frei werden und rechtzeitiger Erfassung bedürfen. Das Schicksal, das uns allen jetzt wieder die Verknüpfung mit unserer Vergangenheit eingeprägt hat, ist dazu angetan, auch weitesten Kreisen das Verständnis dafür zu vermitteln, wie sehr die Unterstützung der Arbeit des Gesamtarchivs im allgemeinen Interesse liegt. Es darf daher mit Sicherheit damit gerechnet werden, daß nicht nur die Gemeindevorstände, die Rabbiner und Lehrer, sondern jeder einzelne Jude durch schnelles Zugreifen und durch Ueberführung der so geretteten Akten und Geburts-, Heirats- und Sterberegister in das Gesamtarchiv dafür sorgt, daß die Spuren jener Gemeinden nicht verwehen, die in unseren Tagen dem Auflösungsprozeß verfallen. Mit dieser drängenden Gegenwartsaufgabe wird für die Zukunft vorgearbeitet und, wohin auch immer den einzelnen sein Geschick treiben mag, jene zeitenüberwindende Einheit hergestellt, die den einzelnen an die Vergangenheit seines Geschlechts und seiner Gemeinschaft anschließt. Aus der Geschichte der Juden Siziliens Von Studienrat a. D. Dr. Unvergeßlich bleibt jedem, der im Morgengrauen sieb der Insel Sizilien von Neapel aus nähert, der Eindruck des Hafens von Palermo. Conca d’oro, goldene Muschel, nennt der Volksmund diese Bucht, die vom Monte Pellegrino überragt wird. Fast das ganze Jahr hindurch strahlen der blaue Himmel des Südens und die Sonne auf dieses paradiesische Stück Erde hinab, und man kann es gut verstehen, daß der große Stauferkaiser Friedrich II. dieses Land fanatisch geliebt hat. Man legt ihm den Ausspruch in den Mund: „Der Gott der Juden würde Palästina nicht so gepriesen haben, wenn er sein Land, Sizilien, gekannt hätte.“ Die Geschichte des jüdisches Volkes ist mit dieser Insel aufs mannigfachste verbunden. Gute und böse Tage sah Israel dort. Der Großvater des berühmtesten Herrschers dieses Landes, des eben erwähnten Friedrichs II., König Roger II., hatte im Jahre 1147 jüdische Seidenweber aus Theben nach Palermo verpflanzt und mit ihnen einen neuen Gewerbezweig hier begründet. So wurden die Juden auf dieser südlichen Insel Handwerker, indem sie sich auch als Färber betätigten. Friedrich II. siedelte Willy Cohn, Breslau. afrikanische Juden in Palermo an, von denen berichtet wird( daß sie sich vor allem mit Dattelpalmkulturen beschäftigten. In der Mitte des 13. Jahrhunderts wandten sie sich an den Kaiser und baten um die Genehmigung zum Bau einer Synagoge und zugleich um die Erlaubnis, einen Dattelhain in der Nähe des königlichen Lustschlosses La Favara anzulegen. Die Hälfte der Früchte wollten sie an die Regierung abgeben. Damals, wie gesagt, hatten die Juden also schon über ein Jahrhundert harmonischen Lebens auf der Insel hinter sich. Als Benjamin von Tudela, der berühmteste jüdische Reisende des frühen Mittelalters, in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts nach Sizilien kam, berichtete er, daß er die Juden in einer recht guten Lage antraf. Er sah auf der Rückreise von Palästina die Orte Messina, Palermo und Trapani. Nach seiner Angabe sollen sieb 1500 jüdische Familien auf der Insel befunden haben. Mag die Zahlenangabe, wie die meisten des Mittelalters, nicht unbedingt zuverlässig sein, so steht jedenfalls fest, daß die Lage der Juden befriedigend war. Wie kam dies? Der Staat der sizilisehen Normannen war im wei-