Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 13 (1935)
- Issue
- 10 (27.9.1935)
- Date
- 1935-09-27
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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3. Die Erhaltung und Betreuung der Hilfsbedürftigen, der Kranken und der Alten muß in Ergänzung der staatlichen Fürsorge durch weiteren systematischen Ausbau der von den Gemeinden getragenen jüdischen Wohlfahrtspflege sicher gestellt werden. 4. Diesen vielfältigen und schwierigen Aufgaben ist eine verarmte Gemeinschaft nicht gewachsen. Die Reichsvertretung wird mit allen Mitteln versuchen, die wirtschaftliche Kraft der Juden dadurch zu sichern, daß die vorhandenen Erwerbsmöglichkeiten erhalten bleiben. Die wirtschaftlich Schwachen sind durch weitere Ausgestaltung wirtschaftlicher Hilfsmaßnahmen wie Arbeitsnachweise, Wirtschaftsberatung, sowie Personal- und Realkredithilfe zu stärken. 5. Kraft in der Gegenwart und Hoffnung für die Zukunft gibt das lebensvolle Fortschreiten im Aufbau des jüdischen Palästinas. Um das Judentum in Deutschland noch mehr als bisher in diese Entwicklung hineinzustellen, tritt die Reichsvertretung als solche dem' Jüdischen Aufbauwerk e. V. (Keren Hajessod) bei und fordert die jüdischen Gemeinden und Verbände nachdrücklichst auf, ihrem Beispiel zu folgen. Die Reichsvertretung erklärt sich bereit, die organisatorische Verbindung der Körperschaften der Judenheit in Deutschland mit dem Aufbauwerk in Palästina herzustellen. Im vollen Bewußtsein der Größe der Verantwortung und der Schwere der Aufgabe ruft die Reichsvertretung alle jüdischen Männer und Frauen, die gesamte jüdische Jugend zur Einigkeit, zu jüdischer Haltung, strengster Selbstzucht und größter Opferbereitschaft auf. Kalander für Oktober Sonnabend Sept. 28 Tischri 1 1. Rausch Haschonoh Sonntag 29 99 2J- , Montag w 30 99 3 Dienstag Okt. 1 99 4 Mittwoch 2 5 Donnerstag 3 99 6 Freitag Sonnabend 99 4 5 99 » 7 8 Sonntag 6 ff 9 Vorabend Jaum Kippur Montag * 7 99 10 Jfaura Kippur Dienstag Mittwoch 99 8 9 99 11 12 Donnerstag 99 10 13 Freitag 9» 11 14 Sonnabend 12 * 15 1. Tag Siukkaus Sonntag 13 99 16 2. Tag Siukkaus Montag » 14 99 17 Dienstag MlttWOlfc 15 18 16 M> Donnerstag ff 17 99 20 Freitag Sonnabend ff 19 18 19 99 n 21 22 Scb'mlnl azeret Sonntag 20 99 23 Szlmcbas tauroh Montag 21 24 Dienstag 22 25 Mlttwodi 23 26 Donnerstag 24 99 27 Freitag Sonnabend m w 25 26 99 99 28 29 B'reschisa Sonntag 27 W 80 Montag 28 1 Dienstag Mlttwodi 29 2 30 3 Donnerstag 99 31 99 4 ■ie ■alelnA die BtalCausv der Abonnements-Quittung für das nächste Vierteljahr.-Mw pttaktUehe Ebd&mmg sichert regelmäßige Zustellung des Geasindeblatts Unsere Wanderbüdierei Eine Folge von Buchbesprechungen wichtiger neuer und älterer Bücher aus den Wenderkisten des Preußischen Landesverbandes. Vom östlichen Judentum 1. Romane und Erzählungen Mandala Molcher Siurlm (d. L Schalem Jaankew Abramowitsch): Gesammelte Werke. Autoris. Uebers. a. d. Jiddischen von Salomo Birnbaum. Bd. 1: Schioimale. — Bd. 2: Der Wunschring. 2 Teile. — Bd. 5: Die Mähre. Berlin: Jüd. Verlag. 1924. Mendale sollte jeder Jude kennen. — 1836 im einem Städtchen im Minsker Gouvernement geboren, auf dem Lande aufgewachsen, hat er als junger Lehrer zunächst hebräisch geschrieben und erst in reiferen Jahren in der jiddischen Sprache seine eigenartigen Romane veröffentlicht, die seinen Namen berühmt machen sollten. 1917 starb er zu Odessa, als der „Seide“, der Ahnherr des neuen jiddischen und hebräischen Schrifttums betrauert. Seine Romane und Lebensgeschichten sind unterhaltsam und doch keine reine Unterhaltungslektüre. In ihnen wird das Ghetto-Leben in der Mitte des vorigen Jahrhunderts mit all seinen Vorzügen und Auswüchsen geschildert, das Echte und Schöne darin mit Empfindung, das Ungeistige, Schädliche und Entartete mit beißender Ironie; so ist Mendaies Gesamtwerk die große „jüdische Komödie“, die lustig traurige, sarkastisch phantastische und doch ungemein klare und wirklichkeitstreue Komödie des Volkes der Lehrer und Kinder, Heiratsvermittler, Brautleute, Luftmenschen, Unterstützungsempfänger, Geizhälse, Ehrenvorstände, abergläubischen Weiber, kämpfender Männer, lernender Jünglinge. Man beginne mit dem ersten Bande, „Schloimale“, dessen Kindbeitsgeschichte zugleich Mendaies eigene Geschichte ist, lese dann „Die Mähre“, die in der Gestalt einer gehetzten Schindmähre das jüdische Schicksal mit bittrem Zorn und Mitleid verkörpert; dann ist man mit dem „Wunschring“ bereits mitten in Mendaies ostjüdischer Welt. Der im besten Sinne jüdische und dichterische Stil dieses bedeutendsten jüdischen Erzählers bleibt auch in S. Birnbaums Uebertragungen unverkennbar und, selbst für Jugendliche, ein Genuß. L. H. OstlüdlscheErzählungen: Moses, Julius: Prinzessin Sabbath. Erzählungen von Hermann Blumenthal, Marco Brociner, Martin Buber u. a. Berlin u. Leipzig: Hermann Seemann Nfg. 281 S.— Zlocistl,Theodor: Aus einer stillen Welt. Erzählungen aus der modernen jüdischen Literatur von Abramo witsch, Perez, Pinski, Weißenberg u. a. Berlin: Winz 1910. 2 Bände in einem Band. — Gor io n, Micha Josef bin: Vor dem S t n r m. Ostjüdische Geschichten. Berlin u. Wien: Löwit 1919. 96 S. Ostjüdische Erzählungen erschließen in räumlicher Enge seelische Weiten, ein charaktervolles, glaubenstiefes und inniges Volkstum in Lust und Leid, Ernst, Humor und Ironie, Wirklichkeit und Traum, Dies- und Jenseits. So träumt sich in Hermann Blumenthals Skizze „Ein Frühlingsopfer“ (aus dem Bande „Prinzessin Sabbath“) der kleine Isaak mit dem Höcker als Retter seines erkrankten Bruders durch Opfertod. So offenbart in Marco Brociners reizvoller Humoreske „Schickele“ erst eine Vision einem -schüchternen Talmudisten die wahre Geliebte. Kaum ein Leser dürfte sich den machtvollen Beschwörungen messianischer Grundstimmung in Martin Bubers „Geschichten vom Basischem“ entziehen. „Aus einer stillen Welt", dem Städtchen Kabzansk, berichtet S. J. Abramowitsch (= Mendele Mocher S’forim, 1836) der Meister der Poesie jüdischer Armut in humorvoller, zugleich dramatisch packender Art von Kämpfen um einen Platz an der Misrachwand u. a. Wie der schweigsame Erdendulder Bonze alle angebotenen Schätze verschmäht und seine Himmelsrichter nur „um eine Semmel und ein bißchen Butter in der Früh“ bittet, erzählt ü. a. J. L. Perez (geb. 1851) schalkhaft und als Romantiker selber leicht gerührt. David Pinskys Purimspieler und die urwüchsigen Gestalten A M. Weißenbergs vergißt man nicht so leicht In einer traulichen Sabbathstunde sollten unsere Mädchen und Frauen das Bändchen von M. J. bin Gorion „Vor dem Sturm" lesen und sich hier vor allem von„ dem Geigerkönig Rüben und von dem Garten des Schloßherrn Salome bezaubern lassen. A. S. Levln, Jaftu: Zweie and der Hebe Gott. Roman. Berlin: Fiseber 1919. 259 S. Die seelische Tragödie und religiösen Verwirrungen eines jüdischen Gottsuchers, des charakterlich hochstehenden Händlers 9