Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 13 (1935)
- Issue
- 7 (21.6.1935)
- Date
- 1935-06-21
- Page
- Seite 18 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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gelebt hitte, «och Bedeutendes geleistet. Das Buch genügt, um diesem wirklichen Dichter ein dauerndes Gedächtnis zu sichern. D. Sturmana, Manfred: Herkunft und Gesinnung. Jüdische Gedichte. Berlin: Reiß 1935. 46 S. Sturmann, der vor Jahren den Literaturpreis der Stadt Mönchen erhielt, und dessen früher erschienener Lyrik-Band »Wunder der Erde“ von allen Seiten, sogar auch von sonst allem Jüdischen abgeneigten, anerkannt wurde, hat in diesem Bande seine jüdischen Gedichte gesammelt. Hymnen wie „Hachschara“, „Schöpfung“ und manche anderen sind auf hohem Niveau stehende, erfreuliche Bereicherungen unserer Literatur. D. Amtlicher Teil Arbeitstagung mit den Bezirksrabbinern und Provinzialverbänden Zu einer Arbeitstagung hatte der Preußische Landesverband zum ersten Male seine Bezirksrabbiner gemeinsam mit den Vorständen der Provinzialverbände nach Berlin zusammenberufen. Entsprechend der Bedeutung, die der Arbeit in den kleinen Provinzgemeinden innerhalb des jüdischen Lebens heute ganz allgemein zugemessen wird, war die Tagung außerordentlich gut besucht. Die Bezirksrabbiner des Landesverbandes waren fast vollzählig erschienen, und auch die Provinzialverbände hatten ihre Abordnungen nach Berlin entsandt. — Die Leitung der Versammlung batte der Vizepräsident, Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee, übernommen. Er betonte in seiner Eröffnungsansprache, daß diese Tagung ein Novum sei. Sie solle zum ersten Male einen Erfahrungsaustausch aller derjenigen Menschen herbeiführen, die sowohl draußen in der Provinz wie auch in der Verwaltung des Landesverbandes an der Betreuung der Provinzgemeinden beteiligt sind. Mit einem besonderen Dank an Rabbiner Dr. G a 11 i n e r, der als zuständiger. Dezernent des Landesverbandes der eigentliche Schöpfer der Bezirksrabbinate ist, erklärte Dr. Klee die Tagung für eröffnet. Wie die Arbeit in den kleinen Gemeinden vom Standpunkt der Provinzialverbände betrachtet und angefaßt wird, schilderte in einem eingehenden Referate der Vorsitzende des Verbandes der Synagogengemeinden Westfalens, Rechtsanwalt Dr. Katzenstein (Bielefeld). Die eigentliche Problematik aller Provinzgemeinden ist, so führte der Redner aus, auf Ueberalterung (Sterbeüberschuß), Austritt und Abwanderung (in die Großstädte und ins Ausland) zurückzuführen; alle drei Faktoren führen zu einem fortschreitenden Rückgang der Seelenzahl, und infolgedessen werde die wirtschaftliche, seelsorgerische und kulturelle Betreuung immer schwieriger. Immer weniger Gemeinden können einen Rabbiner oder Lehrer besolden, und die Bezirke, die von den einzelnen Beamten und auch von den Institutionen in der Provinz zu betreuen sind, werden ständig größer.. Dieser Notstand fordert gebieterisch eine gemeinsame Arbeit der Provinzialverbände, der Sozialpfleger, der Bezirksrabbiner und Lehrer. Schon in früheren Jahrzehnten haben andere jüdische Zentralorganisationen Ansätze zur Bildung von Bezirksrabbinaten gemacht In Fluß gekommen sei diese Arbeit aber erst durch den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden, der besonders in den letzten zwei Jahren eine ganze Anzahl von Bezirksrabbinaten geschaffen und damit eine wirkliche Durchdringung der Provinzgemeinden mit jüdischem Leben angebahnt und zu einem erheblichen Teile erreicht hat. Die Aufgaben und Tätigkeit der Bezirksrabbinate wurden in dem zweiten Referat des Bezirksrabbiners Dr. S. Auerbach (Recklinghausen) ausführlich dargestellt. Sie gliedern sich in theologische und nichttheologische Hauptgebiete. Für beide ergab sich aus dem Referat eine Fülle und Vielseitigkeit die selbst für diejenigen Menschen, die an der Arbeit beteiligt sind, in dieser Zusammenstellung eine Ueberraschung bedeutete. Im Rahmen dieses Berichts kann lediglich eine Aufzählung der einzelnen Gebiete erfolgen: Predigten, Seelsorge, Religionsunterricht, Schulinspektionen, Vorträge, Arbeitsgemeinschaften, Anstaltsseelsorge, Jugendarbeit, Unterstützung der Sozialarbeit (Berufsberatung, Auswandererhilfe, Wohlfahrtspflege usw.). Die Arbeit auf jedem einzelnen dieser Gebiete bringt eine große Anzahl von Teilfragen und Problemen mit sich und muß außerdem nicht nur in der einen Gemeinde des Rabbinatssitzes, sondern in jeder der zum Bezirk gehörigen Gemeinden in regelmäßigen Abständen geleistet werden. Es gelang dem Referenten, für die sachliche Gliederung der Arbeit des Bezirksrabbiners eine Art allgemeingültiger Stoffverteilung vorzunehmen, von der allgemein anerkannt wurde, daß sie jnit gewissen Abwandlungen der Arbeit in dengesamtenBezirksrabbinaten zugrundegelegt werden kann. Diese Ausführungen ergänzte Bezirksrabbiner Dr. J o s p e (Schneidemühl), der sich zum Hauptthema seines Vortrages die Darstellung der nichttheologischen Arbeitsgebiete des Bezirksrabbiners gewählt hatte. Es handelt sich dabei insbesondere um die Beratung und Betreuung der Gemeindemitglieder auf den verschiedensten Gebieten des praktischen Lebens. Bei der Fülle der Sachgebiete und bei der räumlichen Ausdehnung der Bezirke kann diese Arbeit von dem Bezirksrabbiner nur durch straffste Organisierung bewältigt werden. Dr. Jospe gab unter allseitiger Anerkennung ein Bild von der mustergül- ’ tigen Organisation der Arbeit in seinem Bezirk. So dürfte es in Deutschland eine neuartige Einrichtung sein, daß einem Bezirksrabbiner ein Dienstauto zur Verfügung steht, das ihm ermöglicht, an einem Tage in mehreren Gemeinden Sprechstunden abzuhalten. Dadurch, daß auf diesen Sprechstundenfahrten der Bezirksrabbiner von der Sozialpflegerin des Bezirks und von einem mit den heute in Frage kommenden mannigfaltigen Rechts- und Wirtschaftsfragen vertrauten Juristen begleitet wird, gelingt es, in einer Sprechstunde alle zur Beratung gelangenden Fälle zu erledigen, und zwar unmittelbar an Ort und Stelle von dem zuständigen Sachbearbeiter. Auf Grund seiner Erfahrungen empfahl Dr. Jospe die „Motorisierung" der Rabbiner und Leiter, die eine wesentliche Intensivierung der Bezirksarbeit ermöglichen würde. Am Schluß dieser Tagung, die von 10 Uhr morgens bis 7 Uhr abends gedauert hatte, faßte Dr. Klee die Ergebnisse zusammen. Die Tagung, so konnte er unter allgemeiner Zustimmung feststellen, hat sich für alle Teilnehmer als außerordentlich fruchtbar erwiesen, so daß weitere Arbeitstagungen dieser Art in Aussicht genommen werden können. Vor der nächsten Zusammenkunft aber sollen die Bezirksrabbiner und die Vorstände der Provinzialverbinde in einen schriftlichen Austausch ihrer Erfahrungen treten. Dieser gesamte Schriftwechsel wird über den Landesverband als Zentralstelle geleitet werden, so daß inzwischen wertvolles Material als Grundlage für die zukünftige Arbeit angesammelt wird, welches dazu dienen kann, der Provinzarbeit neue Impulse zu geben. Änderungen des Verzeidinisses der Verbandstagsabgeordneten Der Abgeordnete Leo Wolfermann, Berlin, Danziger Str. 50, hat sein Mandat niedergelegt. Gemäß den §§ 64 und 65 der Wählordnung für die Wahlen zum Verbandstag habe ich auf Grund des seinerzeit eingereichten Vorschlages der Jüdischen Volkspartei für den Wahlkreis 2, Groß-Berlin Frau Sanitätsrat Dr. Dora Laserstein, Berlin-Neukölln, als Nachfolgerin des Ausgeschiedenen im Verbandstag festgestellt. Berlin, den 19. März 1935. Preußischer Landesverband jüdischer Gemeinden gez. Wolff. 18