Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 13 (1935)
- Issue
- 7 (21.6.1935)
- Date
- 1935-06-21
- Page
- Seite 17 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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gibt. So werden Anfang und Schluß kunstvoll verknüpft, und es ist reizvoll, wie Jabotinsky den Leser auf die Idendität Dalilas mit Elinoar vorbereitet. Als Kontraste zu den Schönen Phiiistäas die Jüdin, oder richtiger Danitin Kami, die Simsons Dämon nicht gewachsen ist, und Ednah, mit der er die Idylle unter den Rehabiten, den Nachkommen Kains, verbringt. Als Simsons Vater gilt ein Philister, erst nach Simsons Blendung und Gefangenschaft erfährt Jabotinskys Held, daß der Mann, der Manoas Ehe brach, dem Volke Israels angehörte. Vorher sucht ein Philisterfürst den Gefangenen auf, sucht ihn für die Philister zu gewinnen und stellt ihm die höchsten Ehren in Aussicht, aber er glaubt nicht an die Zukunft des Philistervolkes und bekennt sich zu den Seinen. Dies ist der geistige und dichterische Höhepunkt dieses fesselnden Buches. Unsere Wanderbücherei Line Folge von Buchbesprechungen wichtiger neuer und älterer Bücher aus den Wnnderkistcn des Preußischen Landesverbandes. Fortsetzung 1. Von Heiligen, Frommen und Kämpfern. Ruber, Martin: Des Kabbi Israel ben Elieser, genannt Dänischem low Unterweisung im Umgang mit Gott. — Hundert chassldisehe Geschichten. — Erzählungen von Engeln, Geistern und Dämonen. Sämtl. Berlin: Schocken-Verl. (Bücherei des Schocken- Verlages Nr. 21, Nr. 4, Nr. 11.) Diese drei besonders wertvollen und schöngedruckten Bändchen der Schockenbücherei enthalten Proben des wichtigsten Teils der Lebensarbeit Martin Bubers: der Erschließung des chassidischen Legendenschatzes für die Weltliteratur. Der literarische Niederschlag der im achtzehnten Jahrhundert bei den Ostjuden entsandenen religiösen Mystik, der „chassidischen Bewegung“, stellt sich — vor allem in der wundervollen Nachdichtung Bubers — ebenbürtig an die Seite des großen buddhistischen Legendenkreises und die mittelalterlichen „Fioretti“ des Franz von Assisi. Die jüdische Mystik ist realistischer und aktivistischer als die frühchristliche. Die chassidische wohnt mitten in der Welt, spannungslos und selbstverständlich; sie will gerade den Alltag heiligen und alles Sein in die Sinndeulung des Göttlichen rücken. Die unabhängig von anderen Bewegungen entstandene, jüdische Mystik ist vergrübclt-abstrakter und in gewissem Sinne vergrämter und praktischer als ihre Parallelerscheinungen, Sie entstand ja auch nicht in glücklichen Zeiten und Zonen, sondern in engen Hinterhäusern dumpfer, ärmlicher, polnischer Städtchen, in denen gehetzte und von vielen Sorgen gequälte Menschen wohnten, die an den Bildungsmöglichkeiten ihrer Epoche nicht teilnehmen konnten. Die stille Größe und Innigkeit dieser Legenden haben gerade darum etwas besonders Ergreifendes. D. A g n o n , Samuel Josef: In der Gemeinschaft der Frommen. 6 Erzählungen a. d. Hebräischen. Berlin: Schocken 1933. (Bücherei des Schocken-Verl. Nr. 5) — Und das Krumme wird gerade. A. d. Hebräischen von Max Strauß. Berlin: Jüd. Verl. 1920. 168 S. Jetzt: Bücherei des Schokken-Verl. Nr. 14. — Der Verstoßene. A. d. Hebräischen von Max Strauß. Berlin: Jüd, Verl. 1920. 170 S. Der Galizier Czaczkes, welcher unter dem Namen Agnon einen ersten Platz unter den hebräischen Erzählern Palästinas cinnimmt, legt seinen Geschichten ein rein religiöses Weltbild zugrunde. Die Menschen erscheinen wie Marionetten auf der Bühne eines von Gott gelenkten Schicksals, und die Frage nach Glück und Unglück des irdischen Seins verstummt vor dem Wissen, daß alles von oben Kommende gut und richtig um seines Lenkers Willen ist. Darum mögen diejenigen, denen diese Geschichten, auch die kürzesten unter ihnen, breit erscheinen, bedenken, daß religiöse Kunst stets ins Unendliche weist und nicht Anfang noch Ende berücksichtigt. — Jedenfalls werden aber die Kurzgeschichten „In der Gemeinschaft der Frommen“ am besten zugänglich sein. Ergreifend ist die tieftragische Hiobsgeschichte „Und das Krumme wird gerade“; „Der Verstoßene“ als breiteres Zeit- und Sittenbild sollte neben Bubers chassidischen Büchern gelesen werden. G—n. Slmson-Romane. Wladimir Jabotinsky: Philister Uber dir, Simson! Weimar: Lichtenstein o. J. 382 S. — Felix Salten: Simson, das Sehlcksal eines Erwählten. Roman. Berlin, Wien: Zsolnay 1928. 222 S. Das Problem des biblischen Helden, der schließlich durch weibliche List gestürzt wird, ist von beiden Dichtern verschieden aber immer fesselnd gestaltet worden. Während der Wiener Erzähler Felix Salten die Liebestragödie Simson und Dalila mit dramatischer Knappheit faßt, immer den tieferen Gründen dieses einzigartig tragischen Geschicks zweier Menschen nachspürend, interessiert den als Komandichler wenig bekannten Revisionistenführer Wladimir Jabotinsky die Gestalt des volkstümlichen Helden, den er als eine seltsame Mischung von Schalksnarren, Helden und Weisen lebendig vor uns hinstellt. Beide Romane sehen die Simson-Geschichte vorwiegend rationalistisch und wenig religiös. — Für reife, erwachsene Menschen. G-n. 2. Jüdische Lebensläufe in neuerer Zeit. Feder, Ernst: Politik und Humanität. Paul Nathan. Ein Lebensbild. Mit 12 Bildern. Berlin: Deut -Verl.-Ges. für Pol. und Gesch. 1929. 154 S. Feder entwirft in diesem Buche die Biographie Paul Nathans, dieser aufrechten, von nimmermüder Schaffensfreude erfüllten jüdischen Persönlichkeit großen Formats. Nathan hat nicht nur als Gelehrter, Journalist, Anreger und Organisator Bleibendes geleistet, sondern er wurde auch wegen der Selbstlosigkeit seines Wesens und der Geradheit seines Charakters Unzähligen Freund und Helfer. Er begründete u. a. den „Hilfsverein der Deutschen Juden“. Er versuchte in zahlreichen, aufreibenden persönlichen Verhandlungen das harte Schicksal der verfolgten russischen Juden zu mildern. Er legte den Grundstein zum Bau des Technikums in Haifa und vieler anderer, segensreich arbeitenden jüdischen Institutionen. Der schlicht erzählte Lebensgang dieses verdienten Mannes wirkt wie ein Denkmal echter jüdischer Humanität. — D. Lasker-Sehüler, Else: Arthur Aronymus. Die Geschichte meines Vaters. Berlin: Rowohlt 1932. 72 S. Die Erzählerin führt uns ihren „kleinen Papa“ als siebenjährigen, temperamentvollen Wildfang vor, im Kreise seiner Eltern und seiner 22 Geschwister, den Lieblingsenkel des Großvaters Rabbi, den kleinen Freund des katholischen Geistlichen im westfälischen Dörfchen. Mit einer Passahfeier endigt die in eigenartig märchenhafter Spruche und mit der Phantasie der Dichterin erzählte „Geschichte“. H. Wassermann, Jakob: Mein Weg als Deutscher und Jude. (16.—20. Aufl.) Berlin: S. Fischer 1922. 125 S, Das schmale, aber gewichtige Bekenntnisbuch des in allen Lagern anerkannten jüdischen Prosaisten wird keiner ohne tiefste Erschütterung lesen. Wie hier ein begabter Künstler mit tausend Widerständen ringen mußte und unsagbare Entbehrungen ertrug, um sich endlich durchzusetzen, wie ein Jude bereits um die Jahrhundertwende das jüdische Schicksal begriff und sich auch nach dieser Richtung seinen Weg sauer werden ließ: das dürfte in dieser Art nur einmal so überzeugend gesagt worden sein. — Ein Buch für alle Leser, auch für diejenigen, welche Wassermanns Romanen ferner stehen. ., G—n. 3. Zwei neue Gediehtbände. Goldsehlag, George A.: Gedichte. Berlin: Vortrupp 1935. 76 S. Der Vortrupp-Verlag hat sich durch die Herausgabe der Gedichte des jungverstorbenen, jüdischen Lyrikers Goldschlag ein Verdienst erworben. Die Auswahl ist feinfühlig und geschmackvoll. In dem Bändchen ist nicht ein einziges wertloses Gedicht. Es ist oft Schwermut, aber nie Verzweiflung in den Versgebilden. Vieles ist sprachkünstlerisch und gedanklich sehr geglückt. Die spezifisch jüdischen Verse sind ebenso echt und wirkungsvoll wie die *ganz unkonventionell und packend gestaltete Kriegslyrik. — Sicher hätte Goldschlag, wenn er länger